Les Vêpres Siciliennes

Bewertung und Kritik zu

LES VÊPRES SICILIENNES 
von Giuseppe Verdi
Regie: Stefan Herheim 
Premiere: 20. März 2022 
Deutsche Oper Berlin 

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Zum Inhalt: „Einen großartigen, leidenschaftlichen und originellen Stoff“ verlangte Verdi für die erste Oper, die er für die Pariser Opéra schreiben sollte. Was ihm der Starautor Eugène Scribe schließlich lieferte, war darüber hinaus ein Libretto von ähnlicher politischer Brisanz wie die Texte der Grand opéras Giacomo Meyerbeers, mit dem Scribe zuvor für LES HUGUENOTS und LE PROPHETE zusammengearbeitet hatte. Denn wie diese behandelte LES VÊPRES SICILIENNES ein Thema, das zwar vordergründig historisch, zugleich aber auch hoch aktuell war. Der unter dem Titel „Sizilianische Vesper“ bekannte Aufstand der Sizilianer gegen ihre französischen Besatzer 1282 ließ sich ohne weiteres mit dem prominentesten Expansionsprojekt Frankreichs um die Mitte des 19. Jahrhunderts kurzschließen: der 1830 begonnenen Eroberung und Kolonalisierung Algeriens, die gleichfalls von kontinuierlichen, blutig niedergeschlagenen Aufständen begleitet war.

Dieser Bezug bildet auch den Ansatz für die Inszenierung des französischen Regisseurs Olivier Py, der sein Gespür für den Umgang der Grand opéra mit politischen Stoffen an der Deutschen Oper Berlin bereits an Meyerbeers LE PROPHETE gezeigt hat: Die französische Besetzung Algeriens von der Zeit Verdis bis in die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts bilden den Rahmen für seine Erzählung dieser Geschichte, mit der Verdi nach LA TRAVIATA und RIGOLETTO wieder den Fokus seiner Musikdramen erweitert: Nicht mehr nur um das Schicksal des Einzelnen, sondern um seinen Bezug zum Wohl und Wehe ganzer Völker geht es in LES VÊPRES SICILIENNES, bedingungsloser Hass, Versöhnungswille und der Zwiespalt zwischen diesen Extremen bestimmt das Handeln der Hauptfiguren ebenso wie die Aktionen der Besatzer und der Unterdrückten.

Musikalische Leitung: Enrique Mazzola
Inszenierung: Olivier Py
Bühne, Kostüme: Pierre-André Weitz
Licht: Bertrand Killy
Chöre: Jeremy Bines
Dramaturgie: Jörg Königsdorf


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Ein Flächenbrand von Jubel zur Premiere
  · 22.03.22
''Stars fehlen. Hulkar Sabirova als Hélène fehlt anfangs die Mittellage, Piero Pretti (Henri) singt, als fasse er sich mit der Hand zur Gurgel. Beides gibt sich dann nach der Pause. Roberto Tagliavini als Aufrührer Procida bleibt zu italienisch grobkörnig, alle werfen sich zu stark auf die Spitzentöne. Aus Thomas Lehman, dem konkurrenzlos großartigsten Darsteller untersetzter Schwächlinge, wird diesmal weniger gemacht als möglich. Man nennt das: Achtungserfolg. Genug ist nicht genug, würde ich darauf antworten. Da passiert, was eben passiert, wenn man ein Stück aus programmdramaturgischen Gründen ansetzt und dann schaut, wie man den Fall löst: Man muss zufrieden sein, wenn man den Stab überhaupt zusammenkriegt.

Die Premiere ging dennoch in einem Flächenbrand von Jubel auf. Das liegt einerseits daran, wie phantastisch wirkungsvoll Verdi den Schluss gestaltet. Es liegt auch am Chor und an dem schließlich doch gut eingesungenen Ensemble. Sowie daran, dass man dankbar ist vor lauter Erschöpfung. Zur Pause zu kommen, wäre eine Option. Gevespert wird zum Schluss. Da kommt man immer noch rechtzeitig genug.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf rbbKultur
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Rache! Rache!! Rache!!!
  · 21.03.22
''Olivier Py (Regie) versetzte "seine" Stückhandlung in den Algerienkrieg - und eigentlich handelt es sich im Grunde genommen (also hauptsächlich) um einen komplizierten Vater-Sohn-Konflikt, denn der Ahne unsres sizilianischen Haupt-Aufständigen ist wahrheitlich dann der französische Tyrann, der seinem Sprössling diese Blutsverwandschaft erst, nachdem er ihn gefangennahm, gestand; das Alles spitzt sich in der Kompliziertheit weiter fort und zu, indem die rachesüchtige Hélène, die wiederum als Braut von Henri (dem Haupt-Aufständigen und Sohn von Guy de Montfort, dem Tyrannen) kurz vor ihrer Hochzeit steht, zuerst nicht weiß, dass Henri mit dem Hauptfeind halt in einer Blutsverwandtschaft steckt, und als sie es von ihm erfährt, nicht mehr so sicher ist, ob sie dann ihrer Rache an dem Hauptfeind, also Henris Vater, weiter frönen soll oder was immer sie auch machen wollen würde usw. usf.

Hulkar Sabirova imponiert als eine höhensichere und ziemlich laut aus sich heraus singende Hélène - etwas weiter unten (also etwas weiter unten in den Höhenlagen) hört man sie dann allerdings nicht ganz so gut wie etwas weiter oben. Die zwei Herren mit den Tiefenlagen - Roberto Tagliavini (als Procida) sowie Thomas Lehman (als Montfort) - erlaube ich mir als die sängerische Doppelattraktion des fast vier zähe Stunden währenden Premierenabends zu bezeichnen; ja, die beiden wurden dann auch vollkommen zurecht mit Beifall zugeschüttet. Und Piero Pretti (als Henri) ist sehr stark bemüht, den typisch italienischen also meist vor sich hin schmelzenden und mitunter kräftig pressenden Tenor so richtig raushängen zu lassen. Dirigiert hat der grandiose Enrique Mazzola! (Jener hatte vor fünf Jahren schon mal mit dem Py zusammen an der DOB gearbeitet, und zwar Giacomo Meyerbeers Le Prophéte; auch der war damals schon von ihm sehr, sehr, sehr gut gemacht.)'' schreibt Andre Sokolowski am 21. März 2022 auf KULTURA-EXTRA
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