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Bewertung und Kritik zu

EDWARD II.
von Andrea Lorenzo Scartazzini
Regie: Christof Loy 
Premiere: 19. Februar 2017 
Deutsche Oper Berlin

Edward II. ist einer, der die falschen Freunde hat, vor allem einen: Piers de Gaveston. Der König zieht ihn allen anderen vor und schenkt dem einstigen Spielgefährten Macht und Lehen. Doch den Peers von England ist der Emporkömmling ein Dorn im Auge. Und so ist die Regentschaft Edwards II. überschattet von Auseinandersetzungen um diese Freundschaft. Eine Blutspur zieht sich durchs Land, als der Adel sich schließlich rächt: Königstreue und Peers stehen einander gegenüber. Der Günstling wird ermordet, der König gestürzt und – so weiß es der Volksmund – auf bestialische Weise getötet. Ob die sehr enge Männerfreundschaft zwischen dem historischen Edward und Gaveston Anfang des 14. Jahrhunderts auch sexueller Natur war, ist bis heute umstritten. Doch in der Kunst wurde die Figur über die Jahrhunderte hinweg zu einer Ikone der Schwulenbewegung. 

Musikalische Leitung: Thomas Søndergard
Inszenierung: Christof Loy

Bühne: Annette Kurz
Kostüme: Klaus Bruns
Licht: Stefan Bolliger
Chöre: Raymond Hughes
Dramaturgie: Yvonne Gebauer
Dramaturgie: Dorothea Hartmann



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Aufgebahrte Schwulenikone
  · 20.02.17
''Kaum ein in Schwulenkreisen sattsam ausgelutsches und, wie man doch hoffen wollte, längsthin überkommenes Klischee wurde nicht ausgespart; die allgemeine Optik (auch mit vielen Mannsbildern in Frauenkleidern; Kreationen von Klaus Bruns) dacapoierte also alles Das, wofür Schwule von den Stinos allgemein dann so verachtet und gehasst und "ausgestoßen" wurden, sind und immer wieder werden - Christof Loy, der Uraufführungsregisseur, zitierte also, fast schon kindisch, alles Das, was man für "diese Kreise" halt so in Verbindung bringt. Das ist schon etwas armselig. 
Und trotz dass sich dann Thomas Søndergard, der Uraufführungsdirigent, die allergrößte Mühe gab, die meistens dauerexpressiv daherkommenden Scartazzini-Opernklänge (Vollorchestersound!) verhältnismäßig auszubremsen - nein, berühren tat das anderthalbstünde Werk (gewiss auch wegen seiner allzu vielschichtigen Nummern-Handlung, die vom Hundertsten ins Tausendste und hin und her zu driften/abzudriften schien) nicht sonderlich.'' schreibt Andre Sokolowski auf 20. Februar 2017 auf KULTURA-EXTRA
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Das Mittelalter um uns herum
  · 20.02.17
Selbst im Kreis illustrer Opernpremieren ist eine Uraufführung stets etwas Besonderes. Seit Monaten hat die Deutsche Oper Berlin ein solches Ereignis mit größter Sorgfalt vorbereitet, um es nun präsentieren zu können. Ort und Zeit der Handlung sind das englische Mittelalter des 14. Jahrhunderts. Wer aber nur einen Bilderbogen aus fernliegender, finsterer Frühgeschichte erwartet hatte, sah sich angenehm getäuscht. 

Die Historie des englischen Mittelalters zur Zeit Edwards II. liefert hier vor allem Vorwand und Rahmen. Geboten wird in Wahrheit eine intelligente Szenenfolge über offene und verkappte männliche Homosexualität, ihre Überlagerung mit Machtspielen und die wesentlichen Kampfparolen ihrer Gegner. Ungeachtet einzelner burlesker szenischer Elemente geschieht dies alles sehr ernsthaft und mit zwingender Verknüpfung zu grundsätzlichen philosophischen Fragestellungen. Dabei ist die Darstellung nie trocken und hat unmittelbaren szenischen Reiz. 

Warum nun dieser Griff in eine auf den ersten Blick reichlich weit entfernte Epoche der Geschichte ?  Leitfossil dieser Ausgrabungsexpedition ist der englische König Edward II., der  von 1307 bis 1327 regierte und ein reichlich umstrittener Herrscher war, der schließlich unter dem Druck seiner Gegner auf den Thron verzichten mußte. Ganz nebenbei stand ihm sein Günstling Piers de Gaveston näher als seine Ehefrau Isabella, die sich stattdessen dem Höfling Roger Mortimer hingab. Was lag also näher, als dass die Homosexuellenbewegung auf der Suche nach einem vorbildhaften Märtyrer auf Edward II. stieß - die umgebende Szenerie aus Kirche, Adel und Volk und ein zeittypisch hoher Level grausamer Folter- und Hinrichtungsmethoden liefern Material genug für einen in vieler Hinsicht lehrreichen Bilderbogen. 

Thomas Jonigk schreibt ein intelligentes Libretto, das die einzelnen Szenen samt naheliegenden Gedankenverknüpfungen bildkräftig herausarbeitet. Die Musik von Andrea Lorenzo Scartazzini enthält gewiss keine Motive, die man später zu Hause nachpfeift. Sie ist aber überaus illustrativ, unterstreicht den szenischen Gehalt und kennt ausser dramatischem Schlagzeugeinsatz auch leise, besinnliche Töne, die beeindrucken. Mit dem Regisseur Christoph Loy wurde ein Inszenator gefunden, der in dem gothisierenden Bühnenbild von Annette Kurz eine fesselnde Folge von Auftritten mit hervorragend stilisierten Personen ansiedelt, die von dem immerwährenden Antagonismus zwischen Individuum und Masse berichten. 

Den Titelhelden singt Michael Nagy mit kraftvollem Bariton, ein zwiespältiger Charakter mit schroff wechselnden Stimmungen. Seinem Liebling Gaveston gibt der tschechische Tenor Ladislav Elgr hingebungsvolle Stimme und belebende Jugendlichkeit. Königin Isabella ist die Schwedin Agneta Eichenholz - ein strahlender, markanter Sopran von zwingender szenischer Präsenz. Ihr Liebhaber Roger Mortimer ist Andrew Harris, ein betont männlich auftretender Bass mit markantem Erscheinungsbild. Den Bischof von Coventry, der ungeachtet seiner giftigen Kanzelreden selbst auf sexuelle Eigenart Wert legt, singt der Tenor Burkhard Ulrich, vorbildlich klar artikulierend. Ein Duo der besonderen Art bilden Markus Brück (Bariton) und Gideon Poppe (Tenor), die sowohl als Geistliche wie in stilgerechter Schwulenkluft  pointierte szenische Akzente setzen. Eine ganz besondere Charakterstudie liefert der Tenor James Kryshak als cooler Auftragsmörder, eine Figur, wie man sie aus dem KZ-Personal kennt. Der Bariton Jarrett Ott gibt mit imposanter Statur und einer sehr wandlungsfähigen Stimme den nur für Edward sichtbaren Engel, eine tröstliche innere Stimme mit philosophischer Hilfestellung im Angesicht des Todes. In der Knabenrolle des  jungen Prinzen, der  seinem Vater als Edward III. auf dem Thron folgen wird, spricht und singt sich Mattis van Hasselt beherzt durch seine Partie.  Am Schluss haben der Chor (Einstudierung Raymond Hughes)und die Statisterie noch einen großen Auftritt als Touristengruppe im Museum, die staunend und kopfschüttelnd den Erläuterungen zu historischen Figuren lauscht.  

Am Pult des Orchesters der Deutschen Oper Berlin lenkt Thomas Søndergard mit präziser Zeichengabe die Aufführung, in der zahlreiche virtuose Schlagzeugeinsätze und sehr saubere Blechbläsersoli besonders auffallen. 

Das Publikum im ausverkauften Haus folgt dem szenischen wie musikalischen Verlauf mit sympathisierender Aufmerksamkeit und spendet am Ende ausgiebigen, anerkennenden Applaus ohne die sonst so häufigen Zwischentöne des Mißfallens. 

http://roedigeronline.de
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Es funktioniert
  · 20.02.17
''Es liegt an der Dramatik des Stoffes aus der Shakespeare-Zeit. (Edward II. regierte zu Anfang des 14. Jahrhunderts.) Librettist Thomas Jonigk greift nicht nur auf die Tragödie von Christopher Marlowe, sondern auf teilweise noch ältere Quellen zurück. Mit dem Blick aufs Publikum komponiert und auf dem Silbertablett präsentiert, lernt man: Wenn man sich Mühe gibt, funktioniert’s auch.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf kulturradio.de
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