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Bewertung und Kritik zu

LA BOHÈME
von Giacomo Puccini
Regie: Götz Friedrich 
Premiere: 25. Dezember 1988 
Deutsche Oper Berlin
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Zum Inhalt: Puccini hatte sich bereits mit EDGAR [1889] und mit MANON LESCAUT als genialer musikalischer Kolorist erwiesen, doch erst mit LA BOHÈME wird jene Übereinstimmung zwischen dem Stoff und seiner musikalischen Gestaltung erreicht, von der Claude Debussy schwärmte: »Ich kenne niemanden, der das Paris dieser Zeit so gut beschrieben hat wie Puccini in LA BOHÈME«. Puccinis impressionistische Klangtechnik verbindet subjektives Empfinden mit objektiver Tonmalerei. Tonmalerische Elemente, musikalische Schilderungen des Ambientes, effektvolles musikalisches Lokalkolorit verbreiten ihren Zauber vom 1. Bild an, wenn Rodolfo und Marcello das Dramenmanuskript verbrennen oder wenn der Dichter der ohnmächtigen Mimì das Gesicht mit Wassertropfen benetzt, wenn im 2. Bild der Chor als Volksmenge mit dem für die Militärparade eingesetzten Bühnenorchester kontrastiert wird, wenn im 3. Bild mit sparsamen, ausgesuchten musikalischen Mitteln die Atmosphäre eines kalten Wintermorgens entsteht.

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Musikalische Leitung: Ivan Repusic
Inszenierung: Götz Friedrich
Bühne, Kostüme: Peter Sykora
Chöre: Thomas Richter
Kinderchor: Christian Lindhorst
Licht: Stephen Watson

Dauer: 2 Stunden 30 Minuten / Eine Pause

TRAILER


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4.5/5 Insgesamt 2 Bewertungen (2 mit Rezension)
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Beeindruckendes Bühnenbild
  · 06.01.18
Ich habe ja schon häufig geschrieben, wie sehr mich das Bühnenbild einer Produktion beeindruckt hat, aber noch niemals entsprach das so sehr der Wahrheit wie im Dezember bei La Bohème in der Deutschen Oper. Kurz vor der Havarie, bei der eine defekte Sprinkleranlage die Bühne unter Wasser setzte, durfte ich noch einen magischen Abend dort verleben, der mich zu Tränen rührte.
Es beginnt in einer Dachkammer über Paris. Durch die gigantischen Fenster kann man auf die grauen Dächer sehen und im Raum selbst versuchen ein paar arme Künstler, trotz der bitteren Kälte, zu arbeiten: Rodolfo (Yosep Kang), ein Schriftsteller, Marcello (Markus Brück), ein Maler und Colline (Ante Jerkunica), ein Philosoph. Verzweifelt befeuern sie den kleinen Ofen mit einer alten Arbeit Marcellos, als plötzlich der Vierte ihres Gespanns hereinpoltert: Schaunard (Philipp Jekal), der Musiker, hat als einziger Glück gehabt, hat mit einer Posse gutes Geld verdient und bringt nun ein wahres Fest mit nach Hause, Wein, Essen, Brennholz, alles was das Künstlerherz gerade mehr begehrt als eine Muse. Fröhlich machen sich die Freunde auf, um im Café ihr Glück kräftig zu begießen. Nur Rodolfo bleibt zurück, er möchte endlich weiterarbeiten. Er hat kaum ein Wort geschrieben, da klopft leise eine Nachbarin an die Tür, die auf der Suche nach Licht für ihre Kerze ist. Rodolfo verliebt sich sofort und auf der Stelle in die schöne Mimí (Elena Guseva).
Um ihre aufkeimenden Gefühle zu feiern, folgen die beiden Turteltäubchen nun doch den Freunden Rodolfos hinaus auf die Straße, zum Café. Der Pariser Straßenzug ist unheimlich originalgetreu und beeindruckend auf der Bühne der Deutschen Oper dargestellt. Im Vordergrund die grazilen Stühle des Restaurants, davor die kopfsteingepflasterte Prachtstraße, auf der Marktschreier, Straßenkünstler und Passanten entlang flanieren. Kinderaugen verfolgen glänzend jede Bewegung der Spielzeug- und Ballonverkäufer. Leichte Damen rufen den feinen Herren Anzüglichkeiten zu. Und im Café treffen nicht nur die beiden Frischverliebten auf Rodolfos Freunde, sondern Marcello trifft auf eine alte Flamme: die schöne, lebensfrohe Musetta (Siobhan Stagg), eine verführerische Sängerin, mit der er eine Affäre pflegte, ehe er die Eifersucht nicht mehr aushielt. Sie ist mit einem wohlsituierten Herren unterwegs und sofort schlagen die Flammen seiner Eifersucht wieder hoch, von der temperamentvollen Dame eifrig geschürt. Während die beiden noch kabbeln, marschiert im Hintergrund mit viel Tsching-Tärä eine Militärparade auf und über den Köpfen der staunenden Menge explodiert glitzernde ein Feuerwerk. Ein absolut grandioses und zutiefst beeindruckendes Bühnenbild, das den Zuschauer unwillkürlich mitten hinein in das Künstlerviertel Montmartre im 19. Jahrhundert entführt, in das prachtvoll-romantische und zugleich armselige Leben der jungen Bohemians.
Eine wunderschöne, seelenvolle Oper mit trauriger und zugleich wunderschöner Geschichte und zeitlos wunderbarer Musik. Die musikalische Leitung hat Nicholas Carter, die sehr klassische und detailgetreue Inszenierung ist von Götz Friedrich und für Bühne und Kostüme dürfen wir Peter Sykora dankbar sein. Ein wahrer Genuss für Augen und Ohren! Ich fand besonders schön, dass ich gerade kurz vorher zum ersten Mal das Musical Rent gesehen hatte und die Parallelen nun deutlich sehen konnte. Als Mimí Rodolfo um Licht bittet, sang in meinem Kopf Rosario Dawson „Light my Candle“.
Durch die Havarie der Deutschen Oper gibt es in nächster Zeit vor allem szenisch adaptierte Versionen zu sehen, trotzdem oder vielleicht gerade deswegen lohnt sich ein Blick in den Spielpaln.
©Nicole Haarhoff
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Mimi halbszenisch
  · 01.01.18
Wassermangel ist eine Not. Mit Wasser im Überfluss geht es aber nicht viel anders. Das widerfuhr der Deutschen Oper Berlin, als am Heiligabend des Jahres 2017 aus derzeit noch ungeklärter Ursache die Sprinkleranlage des Hauses losbrach und den gesamten Bühnenraum unter Ströme von Wasser setzte. Ein Feuer hatte es zum Glück nicht gegeben, aber was diese Wasserflut auslöste, war nicht viel besser. Auf einen Schlag waren alle technischen Funktionen lahmgelegt, die man für eine gut funktionierende Opernaufführung benötigt. Zum Glück dauerte die Schrecksekunde nur eine kurze Frist, dann waren die Nothelfer im Einsatz und unternahmen erste Schritte zur Trockenlegung. Einige Vorstellungen mussten abgesagt werden. Für andere, darunter die Silvesteraufführung von Puccinis „La Bohème“, wurde eine als „halbszenisch“ bezeichnete Lösung gefunden. Die Geistesgegenwart, mit der diese Spielplanänderung bewältigt wurde, ist ein Ruhmesblatt in der Geschichte des Hauses an der Bismarckstraße. 

Wir haben uns die Nachmittagsvorstellung ausgesucht, weil das besser in unsere Tagesplanung paßt und wir die Erfahrung gemacht haben, dass diese vorgezogenen Aufführungen von gleicher Qualität wie die Bühnenereignisse des folgenden Abends sind. Intendant Dietmar Schwarz tritt persönlich vor den Vorhang und erinnert noch einmal an den Schicksalsschlag mit dem Wasserschaden. Er kann aber auch mitteilen, dass es den gemeinsamen Anstrengungen der Helfer gelungen ist, nahezu alle dadurch verursachten Mängel wieder zu beheben, bis auf das Funktionieren der Scheinwerfer aus der Höhe des Bühnenturms. Von der angekündigten, wie auch immer definierten „halbszenischen“ Produktion bleibt demnach fast nichts übrig - lediglich auf ein allerletztes Glanzlicht von oben muss eben verzichtet werden.

So entrollt sich nun die 119. Aufführung von Götz Friedrichs Inszenierung aus dem Jahre 1988 unter der auffrischenden Spielleitung von Gerlinde Pelkowski und bezaubert von Anfang an in bewährter Weise. Das Orchester unter der Leitung von Nicholas Carter agiert in großer Besetzung, wirkt bisweilen etwas knallig laut, bringt aber auch die zarten, die leidenschaftlichen Passagen von Puccinis stimmungsvoller Partitur einfühlsam zur Geltung. Im ersten Bild, dem Atelier in der Mansarde, ist von Lichtmangel nichts zu bemerken. Das zweite Bild mit dem bunten Treiben vor dem Café Momus lässt allenfalls für Experten erkennen, an welcher Position womöglich ein Scheinwerfer fehlt. Lediglich die am Ende durchmarschierende Wache, so meint man, wurde vor der Sintflut noch etwas besser aus der Höhe ausgeleuchtet. Das nächste Bild am Stadtrand ist sowieso von etwas düsterer Stimmung bei Schnee und Kälte geprägt, und das vierte Bild spielt wieder in einer Mansarde, die allerdings etwas anders aussieht als zu Beginn. Aber auch hier ist kein Lichtmangel festzustellen. 


Die heimliche Überraschung dieser Vorstellung ist die Besetzung der Hauptpartien. Mimi ist Dinara Alieva, aus Aserbaidschan stammend, ein wunderbar klarer, hell und warm getönter Sopran, der auch die herzbewegenden Augenblicke dieser Partie überzeugend und mit dem erforderlichen Nachdruck zu vermitteln vermag. Die Rolle ihres Partners Rodolfo singt der Armenier Liparit Avetisvan, hierorts ebenfalls ein vergleichsweise neuer Name, der aber auch schon in Sydney und London seine Meriten gesammelt hat. Die ersten Einsätze kommen eher etwas zurückhaltend, aber mit der Arie „Che gelida manina“ erweist sich, welch glänzendes Los das Publikum hier gezogen hat : ein echter Tenor, dessen tiefere Lagen eher etwas verhalten ansprechen, der aber über eine strahlend aufblühende, gleichwohl warm timbrierte Höhe verfügt, die zu keiner Zeit eng wird, sondern sich mit größerer Intensität immer mehr öffnet. Den beiden zur Seite die Bohemiens Schaunard (elegant und beweglich: Dean Murphy), Marcello (Noel Bouley) und Colline (mit der bewegenden Mantel-Arie)Ievgen Orlov), die treffend das Milieu der großen Worte und kleinen Mahlzeiten verkörpern. Den Mieteneintreiber Benoit singt Jörg Schörner, und Alexandra Hutton wird eins mit der Figur der leichtlebigen Musetta, die am Ende der sterbenden Mimi einen rasch erworbenen Muff schenkt. Musettas etwas ältlichen Verehrer Alcindoro spielt mit bewährter Präsenz Peter Maus, der diese Rolle noch in der folgenden Abendvorstellung ein zweites Mal verkörpern darf. Die von Thomas Richter einstudierten Chöre aller Altersklassen absolvieren ihren Part ohne Tadel.

Am Ende gibts reichen Beifall für ein gut abgestimmtes und spielfreudiges Ensemble und eine Aufführung, die den Launen der Technik erfolgreich trotzt und alle Vorzüge von Puccinis Werk überzeugend zum Klingen bringt. 

http://roedigeronline.de
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3.3
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