Das Rheingold

Bewertung und Kritik zu

DAS RHEINGOLD 
von Richard Wagner
Regie: Stefan Herheim 
Premiere: 12. Juni 2021 
Deutsche Oper Berlin 

Zum Inhalt: Als „Vorabend“ seines Bühnenfestspiels DER RING DES NIBELUNGEN bezeichnete Richard Wagner DAS RHEINGOLD – eine Bezeichnung, die sicher nicht zufällig an die Prologe der Barockoper erinnert. Denn hier wie dort haben die Götter das Wort und schaffen die Grundbedingungen, unter denen sich später die Schicksale der Menschen entscheiden werden. Und ebenso wie die antiken Gottheiten bei Monteverdi sind auch ihre nordischen Verwandten bei Wagner Wesen, in denen sich die Triebkräfte menschlicher Existenz verkörpern. So scheinen in den knapp zweieinhalb Stunden des RHEINGOLD all die Gefühle, Begierden und Gedanken auf, die auch unser eigenes Dasein bestimmen. Angefangen mit dem unschuldigen Spieltrieb der Rheintöchter, denen der Nibelung Alberich das Gold raubt, über die ungezügelte Machtgier dieses Zwerges und den spöttischen Nihilismus des Feuergottes Loge bis hin zum Versuch des Göttervaters Wotan, mit seiner Burg Walhall bleibende Werte zu schaffen. Und nicht zuletzt ist da das Gold selbst als stummer Hauptdarsteller.

Mit seinem welterklärenden Anspruch wie durch seine schiere zeitliche Ausdehnung ist DER RING DES NIBELUNGEN die größte Herausforderung für jeden Opernregisseur. An der Deutschen Oper Berlin stellt sich Stefan Herheim der Aufgabe, die Gedankenwelt von Wagners Tetralogie ins 21. Jahrhundert zu übersetzen. Vielfach preisgekrönt, ist der Norweger einer der bedeutendsten Regisseure der Gegenwart: In seinen Arbeiten macht er immer wieder auch die ideengeschichtlichen Zusammenhänge und die Wirkungsgeschichte der jeweiligen Opern deutlich.

Musikalische Leitung: Sir Donald Runnicles
Inszenierung und Bühne: Stefan Herheim
Co-Bühnenbildnerin: Silke Bauer
Kostüme: Uta Heiseke
Video: Torge Møller
Licht: Ulrich Niepel
Dramaturgie: Alexander Meier-Dörzenbach und Jörg Königsdorf


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Laken, Tücher, Schals
  · 13.06.21
''Gleich am Anfang fällt auch dieser uns bereits in der Walküre so befremdet und gelangweilt habende Scheißflügel auf. Er steht auf kahler leerer Bühne, während Donald Runnicles "sein" Es-dur unten im Orchestergraben intonieren lässt... Und eine Flüchtlingsabordnung von zirka 40 koffertragenden Kleindarstellern, die Wotan anführt (was uns aber erst im Nachhinein bewusst wird) hat jetzt ihren ersten Gruppenauftritt... Spätestens in/ nach der Nibelheim-Szene wird uns klippklar, was es denn eigentlich mit diesen unzähligen Koffern (die uns in Walküre so sehr irritierten) auf sich hat. In ihnen lagert Alberich geraubtes Rheingold - übersetzt in unsre Zeit bedeutet das, dass es wahrscheinlich Naziraubkunst sein könnte, denn bei der nachgeraden Einlösung von Freia werden Kirchen- oder Synagogenschätze mit ihr aufgewogen. Doch so glasklar ist die Deutung auch dann wieder nicht; Alberichs Heer wird uns nämlich als Kriegsversehrtenmeute à la Otto Dix oder George Grosz (Kostüme: Uta Heiseke) vorkarikiert, auch heben sie die Hand zum Hitlergruß, also ein rechtes uneinordbares Historiendurcheinander zwischen Erstem/ Zweitem Weltkrieg oder so.

Und überhaupt fehlt irgendwie der rote Faden - und man denkt zwar, gut, okay, die Flüchtlinge mit ihren Koffern, die sind es vielleicht, denen am Schluss der Götterdämmerung eine besonders wegweisende Grußbotschaft zu uns herüber vorbehalten bleiben wird. Nun ja, man weiß es bisher nicht. Was vorerst bleibt sind Herheims gutgemeinte Absichten und seine stellenweise kindisch anmutende Puppenstubentollwut. Oft entfleuchen ihm tatsächlich putzig-wunderlichste Teilideen inkl. ihres szenischen Vollzugs, aber - die große und v.a. intellektuelle Linie fehlt. Die Hälfte von dem neuen RING haben wir jetzt verfolgt. Schwer vorstellbar, dass er sich irgendwie noch großartig in seiner Aussage erschärfen und verbessern könnte. Doch - wie heißt es immer so schön ausflüchtend - die Hoffnung stirbt zuletzt.'' schreibt Andre Sokolowski am 13. Juni 2021 auf KULTURA-EXTRA
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