Die Walküre

Bewertung und Kritik zu

DIE WALKÜRE
von Richard Wagner
Regie: Stefan Herheim 
Premiere: 27. September 2020 
Deutsche Oper Berlin 

Zum Inhalt: Nachdem die Herrschaft der Götter am Ende des RHEINGOLD mit dem Einzug in die Burg Walhall ihren strahlenden Zenit erreicht hatte, stehen in der WALKÜRE die Zeichen auf Sturm: Die Menschen sind in Machtgier, Misstrauen und Besitzdenken erstarrt, die Götter beschränken sich nur noch darauf, die Einhaltung der alten Gesetze zu überwachen, statt ihren Sinn zu hinterfragen. So wird das Geschwisterpaar Siegmund und Sieglinde dem Tode preisgegeben, weil für ihre Liebe in diesem System kein Platz ist. Und auch die Walküre Brünnhilde verfällt dem Bann, als sie es wagt, dem Urteilsspruch ihres Vaters Wotan zuwider zu handeln und das Paar zu beschützen. Auf wessen Seite Wagner steht, macht er in der WALKÜRE klar: in der großen Liebesszene Siegmunds und Sieglindes, in der die Naturkraft der Liebe über alle gesellschaftlichen Gebote triumphiert, aber auch in der Entwicklung Brünnhildes, deren zunächst nur von intuitivem Mitgefühl geleitetes Handeln sich zum bewussten Widerstand gegen Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit wandelt.

Nahezu hundert Jahre besteht die Traditionslinie der großen skandinavischen Wagner-Soprane. Sängerinnen wie Kirsten Flagstad, Birgit Nilsson und Catarina Ligendza sind Legende und haben unser Bild von Wagners Frauenfiguren geprägt. Im Zentrum der Neuproduktion des RING stehen zwei Interpretinnen, die diese Tradition heute fortführen: Nina Stemme, die an der Deutschen Oper Berlin zuletzt als Isolde triumphierte, und Lise Davidsen, die seit ihrem Bayreuth-Debüt 2018 als Elisabeth im TANNHÄUSER als neuer Stern am Wagner- Himmel gefeiert wird.

Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Inszenierung, Bühne: Stefan Herheim
Bühne: Silke Bauer
Kostüme: Uta Heiseke
Licht: Ulrich Niepel
Video: William Duke, David Butler
Dramaturgie: Alexander Meier-Dörzenbach, Jörg Königsdorf


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
1 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Klavier und Koffer
  · 28.09.20
''Bevor im 3. Aufzug das Gekreische der Walküren (beim Walkürenritt) beginnt, sieht man die acht Dramatischen und Hochdramatischen dieselbe Szene vorher proben, also wie als fühlten sie sich dabei unbeobachtet; auch blättern sie vor und zurück im Walküre-Klavieraufzug, und manche tun gar so, als ob sie (auf dem Flügel, wo auch sonst) das Eine oder Andere dann von der Partitur abklimpern; mega-gääähn!

Hübsch allerdings, wie sie von ihren acht gefall'nen Helden (die nach deren Schlachten aufzulesen ihre eigentliche Arbeit war) zum Zombie-Sex gezwungen werden - aus Strafe dafür, dass sie sich schützend über ihre Schwester Brünnhilde versammelten; mit Wotan ist halt nicht gut Kirschen essen. Lauter solches spaßiges und pseudospaßiges Gelumpe.

Nein, der Regisseur weiß nicht, wohin mit seinen vielen Schnapsideen; und er wird zum Schluss der Aufführung dafür gehörig ausgebuht. Verarschen gehört zum Theater, zweifelsohne, doch es sollte irgendeine scharfsinnige, und vielleicht sogar etwas intelligentere, Bedeutung haben; falls von der Substanz her möglich.'' schreibt Andre Sokolowski am 28. September 2020 auf KULTURA-EXTRA
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