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Bewertung und Kritik zu

HAMLET [KONZERTANT]
Ambroise Thomas
Premiere: 24. Juni 2019 
Deutsche Oper Berlin 

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Zum Inhalt: William Shakespeares „Hamlet“ ist nicht nur seine vielleicht philosophischste und vielschichtigste Tragödie, das Stück ist zugleich als ein Drama bekannt, in dem nach einem spektakulären Finale sämtliche Protagonisten tot auf der Bühne liegen. Dass man „Hamlet“ aber auch mit „Happy End“ und ohne den großen Monolog des Dänenprinzen mit dem berühmten „Sein oder Nichtsein“ erfolgreich für die Opernbühne adaptieren kann, hat Ambroise Thomas zusammen mit den beiden Librettisten Michel Carré und Jules Barbier bewiesen.

Ihr HAMLET ist die bis heute erfolgreichste Adaption des Stoffes und zugleich eine der wichtigsten französischen Opern der 1860er Jahre. Sie entsteht ähnlich wie die Meisterwerke Charles Gounods in jener Umbruchphase, in der sich aus einer Synthese von Elementen der „staatstragenden“ Grand opéra mit solchen der leichteren Opéra comique ein neues Genre, das des „Drame lyrique“ entwickelt: durchkomponiert, mit einer komplexen Musiksprache, aber einem intimeren, lyrischen Tonfall und einer stärker auf die Einzelschicksale der Figuren fokussierenden Dramaturgie. Und so ist auch Thomas’ HAMLET beides: mitreißendes Musikdrama, aber eben auch facettenreiche Poesie im Nachspüren feinster Gefühlsregungen in der musikalischen Gestaltung der Hauptpartien.

Musikalische Leitung: Yves Abel
Chöre: Jeremy Bines
Dramaturgie: Sebastian Hanusa


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Ein folgenschwerer Brudermord
  · 25.06.19
Zum Saisonschluss präsentiert die Deutsche Oper Berlin als konzertante Aufführung in  der Reihe ihrer Premieren in erstklassiger Besetzung eine erstaunliche Entdeckung: die hierzulande selten zu hörende Oper "Hamlet" von Ambroise Thomas in der französischen Fassung aus dem Jahre 1868. Zugrunde liegt das bekannte makabre Familiendrama, das zuerst William Shakespeare etwa 1602  am dänischen Königshof ansiedelte. Alexandre Dumas der Ältere und Paul Maurice formten daraus ein französisches Bühnenstück, das wiederum die  routinierten Librettisten Michel Carré und Jules Barbier zur Vorlage für den schon mit der Oper "Mignon" erfolgreichen Komponisten Ambroise Thomas bearbeiteten, der zwei Jahre nach der Uraufführung von "Hamlet" zum Chef des Pariser Konservatoriums avancierte. 

Das Faszinierende an der "Hamlet"- Handlung ist der Umstand, dass man darin auf höchst fesselnde Weise verfolgen kann, wie der fatale Makel eines Brudermordes auf dem Königslevel unter zunächst ahnungslosen Verwandten das schleichende Gift einer untilgbaren Schuld verbreitet, die am Ende wieder Mord und Totschlag hervorbringt. In den Händen einer wie hier ganz hervorragenden Besetzung offenbart das Werk abseits jeder Routine alle heute so geschätzten Details einer Krimi-Handlung, und diese starke Wirkung wird in Form der konzertanten Aufführung eher noch konzentriert und auf die wesentlichen Aspekte fokussiert.

König Claudius (mit schönem Bass: Nicolas Testé) hat seinen Bruder mit Gift getötet, sich selbst zum König gemacht und heiratet wenig später die Witwe des Ermordeten, Königin Gertrude (mit fabelhaft ausdrucksstarkem Mezzo: Eve-Maud Hubeaux). Prinz Hamlet, der Sohn des ermordeten Königs (mit intensivem Bariton und suggestiver Gestik: Florian Sempey), bislang Ophélie versprochen, der Tochter des Polonius, ahnt zunächst nichts von der Intrige, der sein Vater zum Opfer gefallen ist. Ophélie ihrerseits (mit überragendem Koloratursopran: Diana Damrau) sieht der Heirat mit Hamlet entgegen. Da geschieht etwas Gespenstisches: der Geist des Ermordeten (mit kernig-dunklem Bass: Andrew Harris) erscheint Hamlet und fordert ihn auf, den Vater durch die Tötung des Mörders zu rächen. 

Nun verändert sich Hamlets Charakter und Verhalten. Er brüskiert Ophélie und läßt eine Schauspieltruppe die mörderische Verschwörung als Bühnenstück aufführen, damit sich Claudius durch seine Betroffenheit selbst entlarvt. Enthüllung und folgende Konfrontation zwischen den Beteiligten bringen aber noch keine abschließende Klärung. Hamlet attackiert seine Mutter wegen ihrer allzu raschen Heirat mit dem Königsmörder und vernimmt später zufällig, dass Ophélies Vater Polonius gleichfalls in die Mordintrige verwickelt war. Damit sind die Liebe zu  Ophélie wie auch die Freundschaft zu ihrem Bruder Laërte (Philippe Talbot) zerbrochen. Ophélie, die von den Hintergründen dieses Sinneswandels nicht ahnt, wählt  im 4. Akt nach einer ergreifenden Wahnsinnsarie zur Begleitung durch einen zarten Summchor den Freitod im Wasser. Dieser ausführlichen Szene läßt der Komponist ein Satyrspiel folgen: zwei Grabräuber ( Philipp Jekal und Ya-Chung Huang) preisen die beseligende Wirkung des Weins. Dann erfährt Hamlet über Laërte vom Tode Ophélies, tötet Claudius und gibt sich selbst den Tod. 

Neben den überragenden Solisten gebührt vor allem dem Francokanadier Yves Abel am Pult das Verdienst, durch unermüdlichen, fein abgestimmten Körpereinsatz sowohl dem hochkonzentrierten Orchester wie dem bestens präparierten Chor (Einstudierung: Jeremy Bines) eine blendende Leistung nach der anderen zu entlocken.  In Erinnerung bleiben auch eine ganze Reihe bemerkenswerter Instrumentalsoli, darunter eine virtuos exekutierte Saxofonpartie und verschiedene Bläserakzente. 

Mit ausführlichem Jubel und anhaltenden Bravorufen honoriert das Premierenpublikum eine Ensembleleistung, die auf denkwürdige Weise einen intensiven Eindruck von der Phantasie- und Empfindungswelt in der Mitte des 19. Jahrhunderts vermittelt.


Horst Rödiger
https://roedigeronline.de
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Vorzüglich besetzt
  · 25.06.19
''Auch Diana Damrau hat alles ehemals Grimassierende, Zierige des Singens abgelegt. Stattdessen kündigt sich leichte Säuerlichkeit im Timbre an. Sie ist sozusagen einen winzigen Tipp über ihren den Zenit hinaus. (Dieser ereignete sich vor einem Jahr in der konzertanten "Maria Stuarda", am selben Ort, und zwar nach der Pause.) Für die Wahnsinnsszene behilft sie sich mit maskenhafter, automatenartiger Lieblichkeit, als sei’s Olympia (in "Hoffmanns Erzählungen"). Verrücktheit und Verzweiflung der Rolle kriegt sie so nicht raus. In jedem Fall ist die Aufführung von vorne bis hinten vorzüglich besetzt. Nicht zuletzt durch Eve-Maud Hubeaux als Gertrud, einem grellen Vorschein der wunderbaren Mrs. Danvers aus Alfred Hitchcocks "Rebecca".

Dirigent Yves Abel ist bemüht, den Kuchen leicht und fluffig zu erhalten. Ausgezeichnete Bläser-Soli! Der Chor wackelt (wieder). – Ich schätze, man muss ein Opern-Fex (oder musikhistorisch interessiert) sein, um hier anzubeißen. Dann aber genießt man einen saftigen französischen Brocken, ohne kulinarischen Kater danach. Das war die letzte große Opernpremiere der (kaum mehr als mittelprächtigen) Saison. Ende gut, musikalisch alles gut.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf rbbKultur
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Hamlet von Ambroise Thomas - von wem bitte?!
  · 25.06.19
''Entgegen einem (in der Sparte Schauspiel) immer mehr sich breit machenden Trend, die Hamlet-Titelfigur durch "sichtlich" gebrochene, zartgliedrige, mitunter androgyne AkteurInnen spielen zu lassen, hatte anno dazumal der Komponist Thomas beschlossen, seinen Protagonisten als maskuline Wuchtbrumme zu besetzen. Der französische Heldenbariton Florian Sempey erfüllt dieses gewünschte und bestimmte Ideal auf das Vortrefflichste; ja und so staunen wir nicht schlecht, mit welchem expressiven Impetus ein Mensch (ein Jünglingsmann) den Wahnsinnsgrad, mit dem man ihm - so von der Handlung her, die freilich etwas von dem Shakespeare'schen Original abweicht - stigmatisiert, beinahe ad absurdum führt. Immer und immer mehr wird deutlich, dass der Typ wohl alle, aber wirklich alle (Handlungs-)Fäden in der Hand behält und sich die Butter nicht vom Brot stibitzen lässt... Ganz anders wird und muss in dieser Oper Hamlets von ihm ungeliebte und zum Schluss dann wieder doch von ihm geliebte Braut in spe die echte und unmissverständlicher denn je artikulierbare Irssinnsentwicklung durchzustehen haben. Mit Diana Damrau (als Ophélie) konnte dieser Cast nicht toppbarer besetzt sein; ihre halbstündige Wahnsinnsarie aus dem Vierten Akt - mit wirrwitzigen Anleihen aus einer orientalisch anmutenden Klangwelt - gestaltete sich selbstverständlich zum zentralisierten Highlight dieser konzertanten Aufführung, die uns ein Werk, das in Berlin vielleicht noch nie zuvor erklungen war, sehr nahe brachte.'' schreibt Andre Sokolowski am 25. Juni 2019 auf KULTURA-EXTRA
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