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Bewertung und Kritik zu

DON QUICHOTTE
Jules Massenet
Regie: Jakop Ahlbom 
Premiere: 30. Mai 2019 
Deutsche Oper Berlin 

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Zum Inhalt: Jules Massenet hat mit DON QUICHOTTE einem Stoff der Weltliteratur auf der Opernbühne ein musikalisches Denkmal gesetzt. In der Welt des Titelhelden ist alles möglich, dort werden Windmühlenflügel zu Riesen, er nimmt es mit einer Horde Banditen auf und die schöne Dulcinea erwidert seine Liebe. Doch der „Ritter von der traurigen Gestalt“ muss erkennen, dass seine Träume in der Realität der anderen keinen Platz finden. Die „Comédie heroique“ DON QUICHOTTE, 1910 in Monte Carlo uraufgeführt, ist Massenets vorletzter Beitrag zum Musiktheater und in mehrfacher Hinsicht ein Werk über das Alter und den Tod: Der 68-jährige Komponist war selbst von Krankheit gezeichnet und brachte im Bett liegend die Noten aufs Papier. Nicht nur mit dem an gebrochenem Herzen sterbenden Don Quichotte fragt Massenet am Ende des Lebens, wie es gelingen kann, die Träume vom eigenen Glück Realität werden zu lassen. Auch mit der schillernden Figur der Dulcinea erzählt er, wie sich hinter einer Fassade vermeintlich purer Lebenslust die Angst vor der Vergänglichkeit verbirgt.

DON QUICHOTTE wird inszeniert von dem in Amsterdam lebenden Regisseur, Performer und Zauberer Jakop Ahlbom, der mit seiner ganz speziellen Form des Theaters europaweit gefeiert wird. Seine Produktionen verbinden in einzigartiger Weise Pantomime, Tanz, Musik und Illusion und leben von magischen, surrealistisch-albtraumhaften Bildern, so u. a. in den Stücken VIELFALT [2006], INNENSCHAU [2010], LEBENSRAUM [2012] oder jüngst HORROR [2018].

Musikalische Leitung: Emmanuel Villaume
Inszenierung: Jakop Ahlbom
Bühne: Katrin Bombe
Kostüme: Katrin Wolfermann
Licht: Ulrich Niepel
Chöre: Jeremy Bines
Dramaturgie: Dorothea Hartmann

TRAILER




 
Meinung der Presse zu „Don Quichotte“

Deutsche Oper Berlin


Die Welt
★★☆☆☆

Berliner Zeitung
★★★☆☆


Zitty
★★☆☆☆


tip
★★★☆☆

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Hirngespinste im Zerrspiegel
  · 31.05.19
''Mit Dirigent Emmanuel Villaume, einem exzeptionellen Kenner als wie Könner der französischen Musik im nahen und auch fernen Umfeld von Massenet (Bizet, Berlioz, Gounod, Saint-Saëns, aber auch Offenbach und/oder Meyerbeer) konnte man sicher sein, dass das Orchester der Deutschen Oper Berlin authentisch-stilsicher aus dem Orchestergraben klingen würde. Die Musik hat einen Maximalgrad an wohltönender Gefälligkeit; man kann da musikantisch eigentlich - außer man übertriebe "es" - sehr wenig oder überhaupt nix falsch machen; kurzum könnte sie schlicht und einfach, rein aufs Kulinarische bezogen, als ein primitiver Hochgenuss bezeichnet sein. 

Der von Jeremy Bines besorgte als wie einstudierte Chor der DOB war unverhältnismäßig oft zu hören und zu sehen, und sein Sound war/ist anhaltend üppig, wohlwarm und gestochen scharf also präzisest in der insgesamten Artikulation; Respekt! In den drei ideal besetzten Hauptrollen bestachen konkurrenzlos die Bassbaritone Alex Esposito (= Don Quichotte), Seth Carico (= Sancho Pansa) und die Mezzosopranistin Clémentine Margaine (= Dulcinée). 

Jetzt bereits - noch ehe die Saison mit einem konzertanten Hamlet von Ambroise Thomas geendet sein wird - muss der DOB bescheinigt werden, dass sie im Vergleich zu ihren beiden Konkurentinnen (der Staatsoper Unter den Linden und der KOB) die beste der drei Spielzeiten gemeistert hat - nicht nur die von uns jeweils hochgelobten Inszenierungen Oceane, Der Zwerg, La Sonnambula, Les Contes d'Hoffmann sprechen dafür.'' schreibt Andre Sokolowski am 31. Mai 2019 auf KULTURA-EXTRA
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Ein zaubrisch' Spiel der Fantasie
  · 31.05.19
Zum Saisonfinale hat die Deutsche Oper Berlin zwei seltener zu hörende, aber nicht minder reizvolle Werke des französischen Opernrepertoires ins Programm genommen, die beide auf berühmte literarische Vorlagen zurückgehen. Den Anfang bildete jetzt Jules Massenets "Don Quichotte", und im Juni folgt  "Hamlet" konzertant von Ambroise Thomas, der zu den Lehrern von Massenet am Conservatoire de Paris gehört hatte. 

Massenets Oper geht auf das spanische Nationalepos "Don Quijote" des Miguel de Cervantes aus dem Jahre 1615 zurück. Massenet vertont aber nicht diesen Ritterroman unmittelbar, sondern wählt für sein 1910 in Monte Carlo uraufgeführtes Werk ein Libretto von Henri Cain, das wiederum auf das Drama "Le Chevalier de la longue figure" des Jacques Le Lorrain zurückgeht. Durch diese mehrfache Filterung bleiben von der Handlung des Cervantes-Romans vor allem einige Schwerpunkte übrig, und die Handlung fokussiert sich nach bester französischer Tradition mit Vorrang auf die Liebe in vielerlei Gestalt. 

Was die Neuinszenierung in der Deutschen Oper Berlin so hervorhebenswert macht, ist vor allem die Inszenierung von Jakop Ahlbom, deren Einfallsreichtum und feinfühlig disponierte szenische Fantasie den durchgehenden Hauptreiz der Aufführung ausmacht. Was hier an hübschen Zaubertricks und einfallsreichen Lösungen ohne Unterbrechung und in steter Faszination ausgebreitet wird, verdient uneingeschränktes Lob. 

Don Quichotte ist hier nicht der hagere, irgendwie aus der Zeit gefallene Ritter "von der traurigen Gestalt", sondern ein eher mittelgroßer, durchaus properer, stimmlich höchst präsenter Gutmensch (Alex Esposito), während sein Knappe Sancho Pansa (Seth Carico) ihn deutlich überragt und auch noch gleich die Rolle des legendären Rosses Rosinante mit übernehmen darf. Was Don Quichotte auf seiner Abenteuerreise vorantreibt, ist die Liebe zu Dulcinée. (Clémentine Margaine), einer anfangs eher unscheinbaren leichtlebigen Schönheit, die in einer Dorfgemeinschaft von vielen Verehrern umschwärmt wird. Don Quichotte himmelt sie gleichfalls an, ungeachtet der schieren Aussichtslosigkeit seines Werbens. Zum Beweis seiner Liebe verspricht er ihr ein Perlencollier zurückzubringen, das ihr kürzlich von einer Räuberbande geraubt worden war. 

Don Quichotte kämpft gegen Windmühlenflügel, die er für Riesen hält. Die Regie reduziert das Überbordende dieser Konfrontation charmant auf das Gegenteil: auf Tischen stehen bezaubernd winzige Windmühlenmodelle, deren drehende Flügel den Kontrast zwischen Fantasie und Realität absolut einleuchtend demonstrieren. Dann krabbeln schillernd kostümierte Käfer herein, die sich anschließend in die Räuberbande verwandeln. Zunächst scheint es dem Don an den Kragen zu gehen, aber seine naive Gutmenschlichkeit verwandelt die Szene in überwältigende Friedfertigkeit: die Räuber händigen Don Quichotte das geraubte Perlencollier aus, das er anschließend seiner überraschten Dulcinea zurückbringt. Nun ist der Augenblick gekommen, sie um das Jawort zur Heirat zu bitten.

Sie aber bricht in schallendes Gelächter aus, das sich in  der zuschauenden Dorfgemeinschaft fortsetzt: Fürs Heiraten ist sie nicht gemacht, sondern will ihr Herz und ihren Mund weiterhin jedem darbieten, der danach verlangt. Der gänzlich gebrochene Don Quichotte, den auch die Bewunderung und Hingabe seines Knappen Sancho Pansa nicht zu trösten vermag, haucht schließlich sein Leben aus, nachdem er Dulcinée ein letztes Mal als verklärtes Gestirn am Himmel wahrgenommen hat. 

Die Perfektion der musikalischen Wiedergabe steht ebenbürtig neben der szenischen Realisierung, Die fabelhafte stimmliche Leistung von Alex Esposito in der Titelrolle überzeugt durchgehend. Wie er kraftvollen Ausdruck mit idealisierender Sanftmut verbindet, gibt der dargestellten Figur Kontur und Dimension. Seth Carico gibt mit ebenbürtiger stimmlicher Präsenz der Rolle des verehrungsvoll bewundernden Gefährten die notwendige Überzeugungskraft. Den Counterpart der liebevoll-herzlosen Dulcinée füllt Clémentine Margaine mit einer bewundernswürdigen Palette stimmlicher Farbgebung aus: vom leichtlebigen Sopran über markante Mezzotöne bis zum vernichtend kernigen Gelächter ist jeder Auftritt ein Pinselstrich zu einem weiblichen Porträt. 

Um diese Spitzentruppe gruppiert sich ein umfangreiches Ensemble hervorragend typisierter szenischer Akzente. Da ist der Pedro von Alexandra Hutton, Cornelia Kim als Garcias, James Kryshak als Rodriguez und Samuel Dale Johnson als der eifersüchtige Juan. Ihnen zur Seite ein exzellentes Team von Tänzern, einem Gitarristen und einer umfangreichen, sogar namentlich im Programm genannten Statistengruppe. Besonderes Lob gilt dem von Jeremy Bines präzise vorbereiteten Chor, der sich akkurat im szenischen Konzept bewegt. Am Pult des wohldisponierten Orchesters der Deutschen Oper diesmal der Musikchef der Dallas Opera Emmanuel Villaume, beidarmig dirigierend, ein aufmerksamer Impulsgeber für Massenets bald poetisch dahinfliessende, bald markant akzentuierende Musik.

Das Publikum honoriert einen insgesamt sehr fesselnden Opernabend mit frenetischem Applaus, der gleichermaßen den Ausführenden wie dem Regieteam gilt. 

Horst Rödiger
https://roedigeronline.de
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Ich war für diese Produktion eingenommen
  · 31.05.19
''Der Italiener Alex Esposito ist a priori nicht wirklich gut besetzt. Zu kernig, zu körnig, zu wenig nasal klingt sein Bassbariton. Was ähnlich auch für Seth Carico als Sancho Pansa gilt. Allerdings sind beide Sänger, besonders Esposito, in so superb guter Verfassung, dass sie es unmittelbar ‚rausreißen’. Clémentine Margaine, obwohl echte Französin, orgelt zu sehr. Der Chor singt schlechter Französisch denn je – und ist leider überhaupt unter Jeremy Bines nicht mehr so gut wie noch vor einigen Jahren.

Das Orchester der Deutschen Oper, an Französisches gut gewöhnt, kriegt die „feinste Himbeer-Soße“, als welche Massenet von Brahms verspottet werde, gut flüssig. Allerdings rührt Emmanuel Villaume zu viel dicksämigen Sirup mit drunter. Abzüge bei der Gießbarkeit! Dass ein ganzer Abend Himbeer-Soße ein bisschen viel ist, kennt man von allen Massenet-Opern. Ich liebe und verehre diesen Komponisten dennoch, gerade für das talmihaft Leichte und Vorgetäuschte.

Die Aufführung, in summa, trifft die Gemengelage eigentlich nicht schlecht; hat nur leider bis zur Pause ihr Pulver einigermaßen verschossen. Die vielen Fat-Suits und im Boden versinkenden Tische dieses selbst ernannten Zaubertheaters sind ganz lustig; die übliche Spaßtruppe mit Karnevalshütchen weniger. Besonders die Titelpartie ist sehr annehmbar besetzt, da Esposito ein großer Sänger ist. Nur dass 2+ oder 2- für dieses Werk zu wenig ist. Gut ist hier leider nicht gut genug.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf rbbKultur
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