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Bewertung und Kritik zu

OCEANE
von Detlev Glanert
Regie: Robert Carsen 
Premiere: 28. April 2019 
Deutsche Oper Berlin 

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Zum Inhalt: Die Figur der „fremden Frau vom Meer“, die vergeblich versucht, ihren Platz in der menschlichen Gesellschaft zu finden, hat das gesamte 19. Jahrhundert über Schriftsteller, Komponisten und Bildende Künstler inspiriert. Auch Theodor Fontane beschäftigte dieses Thema: Das 1882 entstandene Novellenfragment „Oceane von Parceval“ ist nur einer seiner Versuche, in der Gestalt der Melusine die Mischung aus den Gefühlen von Bedrohung und Faszination zu fassen, der sich eine männlich dominierte bürgerliche Gesellschaft angesichts der Verbindung von Weiblichkeit mit archaischer, erotisch freizügiger Natürlichkeit gegenübersah. Bei Fontane wird die Fremdheit Oceanes noch zusätzlich durch ihr Unvermögen akzentuiert, angesichts menschlicher Schicksale Mitleid zu empfinden. Dem Tod und der Liebe steht sie gleichmütig gegenüber und auch ihr Versuch, eine Beziehung mit dem jungen Gutsbesitzer Martin von Dircksen einzugehen, ist so zum Scheitern verurteilt. Für das Fontane-Jahr 2019 haben Detlev Glanert und Hans-Ulrich Treichel nun eine Oper auf der Grundlage dieses Fragments geschrieben und setzen damit ihre 2006 mit CALIGULA begonnene erfolgreiche Zusammenarbeit fort. 

Für die Uraufführung von OCEANE kehrt zugleich einer der erfolgreichsten Opernregisseure der Gegenwart an die Deutsche Oper Berlin zurück. Der Kanadier Robert Carsen inszeniert seit über dreißig Jahren an den großen Opernhäusern der Welt. An der Deutschen Oper Berlin waren von ihm bislang Verdis MACBETH, Strauss’ ARIADNE AUF NAXOS und zuletzt Prokofjews DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN zu sehen.

Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Inszenierung, Bühne, Licht: Robert Carsen
Bühne: Luis F. Carvalho
Kostüme: Dorothea Katzer
Licht: Peter Van Praet
Chöre: Jeremy Bines
Dramaturgie: Ian Burton, Jörg Königsdorf

TRAILER


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Die Depressive
  · 04.05.19
''Sowieso scheint Oceane emotional weit weg und "abwesend" zu sein; und das allmähliche Voranschreiten ihres extremen Depressionsgrades bis hin zum Suizid per abschließlichem Gang ins Meer - fürwahr und freilich ein gefund'nes Fressen für den Tonsetzer! Obgleich man während der zwei abgespielten Stunden nichts, aber auch gar nichts aus dem (Vor-)Leben Oceanes textlich mitbekommt; Mrs. Unbekannt mitohne Flaschenpost. 

Maria Bengtsson singt und spielt mit skandinavischem Gespür für Unterkühlung in der Herzensgrube fast schon idealisch ihren dankenswerten Haupt- und Titelpart. Ihr maskulines Gegenüber findet in dem bohrend-tenoralen Impetus Nikolai Schukoffs eine passende Entsprechung. Doris Soffel ist als quasi mittellose, aber immer noch französisch sich ins jugendliche Früher 'rückträumende Hoteliersfrau zu erleben. 

Das meerrauschig aufspielende und mitunter sich in wundervolle Mini-Ostsee-Ebben flüchtende Orchester der Deutschen Oper Berlin wird dirigiert von Donald Runnicles. Und Robert Carsen hat (einschließlich der das Bühnenbild-Cinemaskope beherrschenden Meer-Videos von Rober Pflanz) schön atmosphärisch inszeniert. Ganz großartig in Allem!!!!!'' schreibt Andre Sokolowski am 3. Mai 2019 auf KULTURA-EXTRA
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Die rätselhafte Frau aus dem Meer
  · 29.04.19
Theodor Fontanes Novellenfragment „Oceane von Parceval“ aus dem Jahre 1882 wurde zum Gegenstand einer Opernproduktion des Komponisten Detlev Glanert und des Librettisten Hans-Ulrich Treichel. Die Uraufführung dieses Auftragswerks der Deutschen Oper Berlin fand jetzt zum 200. Geburtstag des Autors im Opernhaus an der Bismarckstrasse statt. 

Die Handlung knüpft an den uralten Mythos von  Nixen und Sirenen wie Undine und Melusine an,  geheimnisvollen weiblichen Wesen, die dem Meer entstammen und auf wundersame Weise in das Leben der Menschen eingreifen, dabei häufig scheitern und in ihr feuchtes Element zurückkehren müssen. 

Glanerts „Oceane“ ist das szenisch sehr fesselnd umgesetzte Psychogramm einer Frau in einer psychischen Zwischenstufe, die sich danach sehnt, zu empfinden  wie andere Menschen, und die dazu gleichwohl ausserstande ist. Ihr unbewusstes Verhalten stösst die Allgemeinheit vor den Kopf, und sie hat am Ende keine andere Wahl, als dahin zurückzukehren, wo sie hergekommen ist. 

Robert Carsens Regie verlegt Ort und Zeit der Handlung in die Jahre vor dem ersten Weltkrieg und auf die Terrasse eines einstmals mondänen Hotels an der Küste.  Madame Luise, die Prinzipalin (Doris Soffel) träumt von besseren Zeiten und wünscht sich eine Finanzspritze zur Hotelsanierung.  Ihr Diener Georg stimmt bei der Vorbereitung des Sommerballs in die Klage seiner Chefin ein ("Verschlissene Lampions, traurig, traurig"). Die ersten Gäste treffen ein, darunter der junge Gutsbesitzer Martin von Dircksen (Nikolai Schukoff)  und sein Freund Dr. Albert Felgentreu (Christoph Pohl), außerdem Pastor Baltzer (Albert Pesendorfer). Alle erwarten den Auftritt von Oceane von Parcevals (Maria Bengtsson), die zusammen mit ihrer Gesellschafterin Kristina (Nicole Haslett) im Hotel von Madame Luise logiert. Bevor Oceane erscheint, gehen Gerüchte über ihre Herkunft und ihren vermuteten Reichtum um. Als sie schließlich auftritt, ist Martin sofort in sie verliebt und tanzt mit ihr. Oceane gerät in Extase und steigert sich in einen emphatischen Solotanz, was die Ballgesellschaft mit Empörung und Ablehnung quittiert. 

Später gesteht Martin Oceane seine Liebe, die aber von ihr nicht erwidert wird. Am nächsten Morgen wird am Strand ein ertrunkener junger Fischer gefunden, und der Pastor hält eine Andacht. Statt persönlicher Anteilnahme bleibt Oceane kühl und nimmt stattdessen an einem Picknick mit Martin sowie Kristina und Albert teil. Oceane küßt Martin, ohne dass sie dabei etwas fühlt. Martin verkündet daraufhin Albert und Kristina, die heiraten wollen, seine Verlobung mit Oceane. Bei der Bekanntgabe dieser Absicht im Kreise der Hotelgäste wird die gesellschaftliche Ablehnung gegenüber Oceane unverhohlen offenkundig. In der Schlußszene am Strand liest Martin den Abschiedsbrief Oceanes und bleibt allein zurück. 

Die sehr konzentrierte Darstellung ohne Längen oder Leerlauf wird von der Musik in kluger Wahl der Mittel getragen und gesteigert. Der durchgehende Grauton in Kostümen und im Rahmen des Bühnenbildes fördert den rätselhaft-tragischen Gesamteindruck. Den stärksten optischen Akzent setzt die suggestive Videoprojektion von Meereswogen, in denen Oceane zeitweilig zu versinken scheint. Detlev Glanerts Kompositionstechnik unterstützt und koloriert die Szene, und Donald Runnicles am Pult des hellwachen Orchesters der Deutschen Oper Berlin ist ein souveräner Interpret dieser Partitur. Jeremy Bines hat die Chöre des Hauses mit gewohnter Sorgfalt instruiert, und sie erweisen sich sowohl als raunende Sirenen wie als kommentierende Hotelgesellschaft als sehr klangschöne Akzentsetzer. 

Das Publikum der Uraufführungspremiere ist sowohl von der szenischen Gestaltung wie von der musikalischen Umsetzung gleichermaßen angetan und honoriert den erfolgreichen Beitrag zum Fontane-Jahr mit ausgiebigem Applaus für das Ensemble, das Orchester und die Solisten. 

Horst Rödiger
https://roedigeronline.de
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Vornehme Zurückhaltung
  · 29.04.19
''Musikalisch wird das von Glanert nur leicht aus den tonalen Angeln gehoben. Streckenweise könnte es gar aus der "Schweigsamen Frau" oder einem anderen Nebenwerk von Richard Strauss abgepaust sein. Ich schätze, Glanert wollte das komponieren, weil die Kurpromenade, die wir sehen, Gelegenheit zu so vielen Polkas, Galopps und anderen Tänzen gibt. Wodurch er, gute Sache!, den Wiederanschluss an einen tänzerischen Grundimpuls der Musik findet, der in der zeitgenössischen Musik sonst meist ignoriert wird. Emotional aufwühlende Musik ist das, die weder zernebelt noch bedeutungsvoll viel behauptet. Sie lässt nicht kalt. Hohe Tugend.

Regisseur Robert Carsen weiß als Kanadier von Fontane bekennend wenig und hält ihn für eine Art deutschen Henry James. (Er habe es immerhin mit dem "Stechlin" versucht, sagte er mir, sei aber rasch gescheitert...) Die edelgewandeten Seegäste sehen eher aus wie aus Tschechow. Titel: "Die Dame ohne Hündchen". Indem er sich vornehm zurückhält, liefert er eine Regie-Etüde und schöne Fingerübung. Er macht es richtig.

Donald Runnicles am Pult ist grundsätzlich nie besser als bei Neuer Musik; weil er hier jede Blutleere souverän verhindert. Auch mit Maria Bengtssons Porzellan-Sopran – aber KPM, bitteschön! – hat man die richtige Protagonistin. Einen saftigen Schlussmonolog (wie in "Capriccio") hat sie auch. – Kurzum, ein sehr schöner Abend, der zum Hit werden könnte. Der gute Ruf des Komponisten Glanert besteht zu Recht.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf kulturradio.de
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