Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn

Bewertung und Kritik zu

KRIEG
von Rainald Goetz
Regie: Robert Borgmann
Premiere: 17. März 2018 
Berliner Ensemble
Buch jetzt bestellen

Zum Inhalt: Rainald Goetz beschreibt unsere moderne Gesellschaft, wie kein anderer deutscher Dramatiker. Der studierte Arzt und Historiker hatte sich einst mit einer Performance in die Köpfe einer ganzen Generation gebrannt: 1983 ritzte er sich beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb mit einer Rasierklinge in die Stirn, um sein literarisches Manifest "Subito" mit einem ihm eigenen "Wumms" zu gestalten. Er schreibt in den verschiedensten Medien und Formaten und scheint selbst durch seine Mehrfachbegabungen kaum fassbar. Rainald Götz: Ein Tausendsassa! Dieser trifft nun auf die andere Mehrfachbegabung: Robert Borgmann, der 1980 in Erfurt geboren wurde und Philosophie und Germanistik in Köln sowie Bildende Kunst in London studierte, bevor er ein Regiestudium in Berlin absolvierte und zahlreiche Inszenierungen unter anderem am dortigen Deutschen Theater, in Zürich, Leipzig und in Wien zeigte. Robert Borgmann wird Rainald Goetzs Text "Krieg" – der aus den drei Teilen "Heiliger Krieg", "Schlacht" und "Kolik" besteht – inszenieren und die Bühne dafür entwerfen.

"Krieg" umfasst also drei Theaterstücke, die bei Goetz so beschrieben werden: Krieg als Festungskrieg in Aktion ist Heiliger Krieg: Welt, Revolution, Bier. Der Kampf geht weiter. Krieg in der Nacht ist Schlachten: Familie, Kunst, Haß. Der Kampf hält an. Krieg zum Schluss heißt schließlich und endlich hier Traktat Gegen Den Widerstand Des Materials Ergibt Weder Material Noch Widerstand Sondern Summa Summarum Traktat Genannt von Herzen Kolik: Ich, Wort, Tod.

Regie und Bühne: Robert Borgmann
Kostüme: Bettina Werner
Licht und Video: Carsten Rüger
Musik: Rashad Becker
Dramaturgie: Sabrina Zwach

TRAILER

 
Meinung der Presse zu „Krieg“

Berliner Ensemble


FAZ
★★★☆☆

nachtkritik
★☆☆☆☆

Berliner Zeitung
★★★★☆


Die Welt
★★☆☆☆

tip
★★★★★


WIR EMPFEHLEN

DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
3 von 4 Personen fanden die Kritik hilfreich
Stroboskop-Attacken und Textbrocken von 1986
  · 18.03.18
Zustimmendes Kichern geht durch die Reihen, als Stefanie Reinsperger aus der Textfläche „Krieg“ von Rainald Goetz zitiert und verkündet: Theater sollte nicht länger als 90 Minuten dauern – 45 Minuten vor der Pause und noch mal eine halbe Stunde danach.

Als sich der rote Vorhang im Berliner Ensemble nach Reinspergers Monolog senkt, sind allerdings mehr als zwei Stunden vergangen und erst der erste Teil („Heiliger Krieg“) der Trilogie abgespielt.

Kurz zuvor war schon ein deutlich vernehmbarer Stoßseufzer zu hören, der zusammenfasste, was bis dahin zu erleben war: das Publikum wurde mit Stroboskop-Attacken traktiert und bekam eine gekürzte Fassung des Rundumschlags geboten, den Rainald Goetz 1986 der bundesrepublikanischen Gesellschaft entgegen schrie.
Das Problem dieser ersten Hälfte: die kurzen Bruchstücke stehen disparat im Raum.

Der stakkatohafte Ton, mit dem Goetz wie im Delirium von Martin Heidegger über Harald Juhnke zum RAF-Gefängnis Stuttgart-Stammheim sprang, fehlt. Die Szenen werden kurz angespielt, meist verpufft ihre Wirkung, der Irrwitz der Vorlage bleibt auf der Strecke. Nur wenige Ausnahmen sind zu erleben: Stefanie Reinsperger als „Hanna“ in ihrem Monolog über den befreiten Menschen und Constanze Becker in Gummi, Lack und Leder beim „Texas Chainsaw Massacre“, das mit „Stampfen“ überschrieben ist, während über ihr eine beleuchtete Scheibe unerbittlich kreist.

Weiterlesen
War die Kritik hilfreich?
1 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Post-hurz
  · 19.03.18
''Die Akteure absolvieren einen physischen Kraftakt. In Stück zwei und drei gibt’s dann auch wirklich Schauspiel, das nicht beliebig wirkt und darum packt. Herausgehoben sei Gerrit Jansen als Künstler am Rand des Wahns im zweiten Stück, in "Schlachten", der trotz alberner Regieeinfälle, wie so eine Art riesiger Mickey-Mouse-Hände, die er tragen muss, beeindruckt, weil er hintergründig agiert. Er stellt einen Mann dar, der an der Welt verzweifelt – und man beginnt als Zuschauer endlich über die Welt nachzudenken, beginnt, Fragen an die Gesellschaft zu stellen, wie sie’s denn hält, mit dem Miteinander, mit der Menschlichkeit.

Mehr davon wäre gut gewesen. Doch es überwiegen die Mätzchen. Man kann das postmodern nennen, oder postapokalyptisch oder postdramatisch oder, oder, oder… – Ich nenne es post-hurz.'' schreibt Peter Claus auf kulturradio.de
War die Kritik hilfreich?
0 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Textlich schwierige Krieg-Trilogie von Rainald Goetz an einem Abend
  · 29.03.18
''Der Höhepunkt der ersten zwei Stunden vor der Pause ist mit Sicherheit beim stampfenden Monolog The Texas Chainsaw Massacre von Constanze Becker im Sado-Maso-Kostüm erreicht. Hier greift auch wieder der musikalische Beat von Rainald Goetz, zu dem ein sich drehendes, mit Neonröhren und großem Zeiger bestücktes Weltenrad von der Decke nach unten bewegt. Der Maschinen-Sound von Techno-Clubs mischt sich mit Beschreibungen eines presslufthämmernden Industrial-Konzerts und kulminiert in einem Theaterbrand bei dem Trockeneisnebel den Saal flutet. Borgmann erweist sich hier auch wieder als großer Bildkünstler. 

Nach der Pause verpufft das Bühnenfeuerwerk allerdings zu Gunsten eines recht konventionellen Familiendramas. Schlachten handelt von einem Schlachtenmaler, der mangels Kriegen seit dreißig Jahren kein Bild mehr gemalt hat und seine Frau und Töchter terrorisiert. Gerrit Jansen spielt ihn als fiebernden Patriarchen im Biedermeierfrack, der monologisierend über die Bühne wütet, Eheknast, weiberbedingten Genieverlust beklagt und die Nacht beschwört. Das übrige Ensemble spielt hier puppenhaft die Frauen in roter gesichtsloser Schwesterntracht. Nach einer Wut-Attacke gegen die Frauen mit einer zerbrochenen Flasche am Essenstisch liegt der Maler später im irren Delirium im Krankenbett und wird mit Medikamenten ruhig gestellt. Das zieht sich dann schon auch etwas hin. 

Die langsame Auslöschung eines Individuums beschreibt der Monolog Kolik im letzten Teil des Abends. Nachdem Heiliger Krieg in der Anlage und Sprache stark an österreichische Autoren wie Karl Kraus oder Werner Schwab und Schlachten an die sprachwütenden Künstlerdramen von Thomas Bernhard erinnert, ist Kolik wiederum sehr nah an Samuel Becketts Endzeitstücken. Aljoscha Stadelmann sitzt hier in clownesk zu großem Hemd und Hose auf einem Sessel in einer schmalen Kiste und monologisiert sich (bei Goetz immer wieder trinkend) langsam zu Tode. Der Redefluss wird hier immer wieder durch kurze Blacks unterbrochen. Auch das ist ein an der Sinnlosigkeit des Lebens, der Wissenschaft, Bildung, Kunst und vergehenden Zeit verzweifelnder rhythmisch aufgebauter Nonsenstext. „Delirium ad infinitum“ bis zur endgültig erlösenden Stille und Finsternis. Regisseur Borgmann gelingt im ersten Teil ein durchaus interessanter Versuch Goetz‘ sicher nicht für konventionelles Theater geeignete Sprache ästhetisch umzusetzen. Der zweite Teil zeigt deutlich die Grenzen dieses 4,5stündigen Unterfangens. Trotzdem ist der Besuch des Abends unbedingt lohnend.'' schreibt Stefan Bock am- 29. März 2018 auf KULTURA-EXTRA
War die Kritik hilfreich?
Um eine Kritik zu schreiben musst du dich anmelden:

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN



eventim          Reservix Ticketing System

Berliner Ensemble
www.berliner-ensemble.de
Bertolt-Brecht-Platz 1 - 10117 Berlin
Telefon: 030 284080
SPIELPLAN & KARTEN

eventim

TICKETS BEI EVENTIM KAUFEN

ANZEIGE

ANZEIGE


ANZEIGE

                                                    
Toggle Bar
X

Right Click

No right click