Berliner Ensemble
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    Iwanow



    Bewertung und Kritik zu

    IWANOW 
    frei nach Anton Tschechow
    Regie: Yana Ross 
    Premiere: 21. Januar 2022 
    Berliner Ensemble 

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    Zum Inhalt: Das erste Drama des russischen Autors und Dramatikers Anton Tschechow (1860–1904) spielt inmitten einer vergnügungshungrigen Gesellschaft, in die Iwanow flieht, um sich selbst nicht ertragen zu müssen. Die litauisch-amerikanische Regisseurin Yana Ross ist große Kennerin und Verehrerin von Tschechows Werk. Es gehört zu ihren Arbeitsmethoden, kanonische Texte feinsinnig mit gegenwärtigen Diskursen und mit den Geschichten ihres Ensembles zu verweben und zu überschreiben.

    Als Russland im Februar 2022 den Angriffskrieg gegen die Ukraine begann, demonstrierte Ross in einer Solo-Aktion mehrere Tage in Zürich gegen die außen- und wirtschaftspolitische Unentschlossenheit der Schweiz. Ihre engagierte Gesellschaftskritik prägt auch die Art, wie sie Tschechows Werke reinterpretiert: Sie interessiert sich für die Doppelmoral, schärft den Blick für die feine Grenze zwischen Tabu und Salonfähigkeit. Sie beleuchtet Mechanismen der Ausgrenzung, aber auch die zerbrochenen Träume ...

    Regie und Bearbeitung: Yana Ross
    Bühne und Kostüm: Bettina Meyer
    Musik: Knut Jensen
    Licht: Rainer Casper
    Dramaturgie: Karolin Trachte
    Mitarbeit Dramaturgie: Samuel Petit


    WIR EMPFEHLEN

    1.0 von 5 Sterne
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    Tschechow-Verzwergung im Tennisclub Güterslog
    10 days ago
    Kritik

    Für den „Iwanow“ hat Yana Ross ein hervorragendes Ensemble an ihrer Seite, aber ihr Regie-Konzept war so dünn, dass sie das Scheitern des Abends auch nicht verhindern konnten. In den Spuren von Simon Stone versuchte sie, den russischen Klassiker in die Gegenwart zu verlegen. Gelangweilt sind auch ihre Figuren. Aber statt des intellektuellen Landadels, der der Oktoberrevolution entgegendämmmert, erleben wir am BE das Vereinsheim des Tennisclubs Netzroller im westfälischen Gütersloh, das als klischeehafter Inbegriff von Provinzialität herhalten muss.

    Die Grundkonstellation des Dramas wird beibehalten, nur im Stone-Stil ins Heute verlagert. Wie bei Stone, dem Vorbild dieses Überschreibungs-Hypes der vergangenen Jahre, ist auch diesmal zu konstatieren: Es bringt keinen Mehrwert, den bekannten Plot in die Gegenwart zu verlegen, im Gegenteil, das Tschechow-Stück wird bei Ross nur verzwergt.

    Über weite Strecken plätschert das verbale Pingpong dahin, gelungene Ballwechsel oder gar ein Ass sind nicht zu bestaunen. So verloren und deplatziert wie ihre krebskranke Figur Sarah wirkt auch Constanze Becker, eine der begabtesten Schauspielerinnen ihrer Generation, in diesem belanglosen Palaver, das Ross aus der Vorlage destilliert hat. Immerhin setzt Becker mit einem melancholischen Rock-Song unmittelbar vor der ersehnten Pause einen Lichtblick.

    An zwei Stellen blitzten interessante Themen auf. Mit mehr Geschick hätte Ross hier in Richtung eines unterhaltsamen Well Made Play-Edelboulevards abbiegen können, aber auch diese Chancen hat sie vergeben: Die Influencerin Marta (Zoë Valks) karikiert die Remix-Versionen des Lady Gaga-Songs „Bloody Mary“, mit denen ihre realen Kolleginnen die Social Media-Kanäle von Instagram bis TikTok fluten. Doch es bleibt bei einer kurzen Einlage zum Schmunzeln. Verschenkt war auch die Idee, die Absurditäten der identitätspolitischen Selbstzerfleischungsdebatten in einem Stuhlkreis zu karikieren, da die Umsetzung zu ideenlos und oberflächlich bleibt. 

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