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Bewertung und Kritik zu

PRINZ FRIEDRICH VON HOMBURG 
von Heinrich von Kleist
Regie: Claus Peymann
Premiere: 10. Februar 2017 
Berliner Ensemble

Mit: Carmen-Maja Antoni, Antonia Bill, Swetlana Schönfeld; Carl Bruchhäuser, Boris Jacoby, Anatol Käbisch, Roman Kaminski, Matthias Mosbach, Luca Schaub, Veit Schubert, Fabian Stromberger, Sabin Tambrea

Inszenierung: Claus Peymann

Bühne und Kostüme: Achim Freyer
Dramaturgie: Jutta Ferbers, Sarah Thielen
Mitarbeit Bühne und Kostüme: Petra Weikert, Wicke Naujoks


 
Meinung der Presse zu „Prinz Friedrich von Homburg“ - Berliner Ensemble


FAZ
★☆☆☆☆

rbb
★★☆☆☆

nachtkritik
★★★★☆

Der Tagesspiegel
★★★☆☆

Die Welt
★★★☆☆

tip
★☆☆☆☆

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3 von 3 Personen fanden die Kritik hilfreich
Prinz Friedrich von Homburg: Das Grand Final Peymanns
  · 05.06.17
Peymanns Inszenierung vom Homburg - zweifellos ein Meisterwerk der Weltliteratur - ist großartig. Entzückend, wie am Anfang und am Ende des Stücks dieser sich fest im Schlafe befindende Prinz auf einem Seil balanciert, die immer höher steigt - wohl eine Anspielung auf Homburgs hohe Träume von Glanz und Ruhm? Alles hat nur zwei Farben - schwarz und weiß -, nur das schrille Grün des Lorbeerkranzes sticht hervor.
Alle Schauspielerinnen und Schauspieler leisten Hervorragendes und einige Momente rühren bis zu Tränen, etwa die Szene, wo Homburg kniend vor der Kurfürstin sich verzweifelt, weint und zittert und fötale Positionen annimmt.
Gut ist es, den Text dieser Aufführung mit den Änderungen zur Verfügung zu stellen, damit das Publikum sehen kann, was gestrichen und was gerettet wurde. Wer das Stück gut kennt, der mag wohl am Ende ein wenig gelitten haben. Der Satz über die Nelke (Ich will zu Hause sie in Wasser setzen) ist zum Beispiel ein sehr wichtiger. Denn darin steckt ein zentraler Aspekt dieses Werks: Homburg wird hingerichtet und gibt seine ganze Hoffnung nicht einmal in diesem Augenblick auf - er ist sicher, dass er später nach Hause wird.
Das Ende ist merkwürdig. Zwar ist es beruhigend, dass die berühmte Frage (Ist es ein Traum?) auch beantwortet wird (Ein Traum - was sonst?). Jedoch bleibt der Prinz auf dem Seil stehen und fängt an, zu zucken und zu krampfen, als wäre er tatsächlich erschossen worden. Und er bleibt auf diesem Seil. Ganz oben. Alleine mit seinem Ruhmtraum. Was ist passiert?
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Prinz von Homburg
  · 09.03.17
Sabin Tambrea, eine der großen Entdeckungen von Claus Peymanns Ära, gibt der Titelfigur eine Aura der Zerbrechlichkeit, die schon während der knapp zwei Stunden über manche Längen hinweg tröstet. In der Schluss-Szene balanciert er auf einem Drahtseil, zur Cat Stevens-Hymne „If you want to sing out“ aus dem Film „Harold and Maude“ strömt das ganze Ensemble zu einer heiteren, kurzen Utopie eines glücklicheren Lebens zusammen, die jäh und tödlich endet.
Dieses Schlussbild von Peymann, Freyer und Tambrea wird in Erinnerung bleiben und läutet die letzten Wochen der aktuellen Direktion am Schiffbauerdamm ein, die sich für die Zielgerade mit „Die Danksager“ von Leander Haußmann und Sven Regener im April und dem Gespräch Gysi trifft Peymann im Mai noch einiges vorgenommen hat. Weiterlesen
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Kadavergehorsam
  · 14.02.17
''Selten wird einem bewusst, dass Stücke, die vor Hunderten von Jahren mal geschrieben worden waren, heutzutage - also wenn man sie dann plötzlich, so wie gestern Abend, auf der Bühne (wieder-)sieht - völlig "unpassend" sind; und die Empfindung des Betrachtenden und Lauschenden verknotet sich sofort zu einer Art von Urteil, das da heißen könnte: Aus der Zeit gefallen.'' schreibt Andre Sokolowski am 14. Februar 2017 auf KULTURA-EXTRA
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Selbstverliebte Schaumschlägerei
  · 11.02.17
''Claus Peymann hat in seinen 18 Jahren als Intendant Sehenswerteres am BE vollbracht. Dafür bleibt er in der Erinnerung von Freunden traditioneller Schauspielkunst. Daran erinnert man sich gern. An diesen Abend nicht.'' schreibt Peter Claus auf kulturradio.de
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Ein Traum-was sonst?
  · 11.02.17
Es hatte ein wechselvolles Schicksal, Heinrich von Kleists Drama „Prinz Friedrich von Homburg oder die Schlacht bei Fehrbellin“, im Jahre 1810 verfaßt und der preussischen Prinzessin Marianne gewidmet, die es aber wegen vermeintlicher Kränkung der Familienehre ablehnte, weshalb es dann erst 1821 in gekürzter Form uraufgeführt werden konnte. Gänzlich gegenläufig dann die Karriere des Dramas im „Dritten Reich“, wo besonders der Konflikt zwischen Befehl und Gehorsam herausgearbeitet wurde. Der Komponist Hans Werner Henze hat die Handlung zum Gegenstand seiner Oper „Der Prinz von Homburg“ gewählt, die 1960 uraufgeführt wurde.  2012 gab es eine von Publikum und Kritik sehr gelobte Inszenierung des Schauspiels bei den Salzburger Festspielen.

Der scheidende Intendant des „Berliner Ensembles“, Claus Peymann, hat das Drama nun  als vorläufigen Abschluß seiner Berliner Bühnenpräsentationen in einer Neuinszenierung vorgestellt. Das Stück ist in seiner äusseren Gestalt nach Sprache und Aufbau zweifellos ein Klassiker, bietet aber im Rollenverhalten der dargestellten Charaktere sehr verschiedene Interpretations- und Deutungsmöglichkeiten. Es wirkt in allererster Linie durch die Schönheit seiner Sprache, den Adel des dargestellten Konflikts und die Lebensnähe der handelnden Personen.

Achim Freyer baut dem Regisseur eine denkbar simple Bühne, die aus einer halbkreisförmigen Schräge besteht, auf der sich ein paar weiße Linien perspektivisch zum Hintergrund orientieren. Ein bläulicher Lichtstrahl ragt von dort in den Zuschauerraum hinauf, wie ein gedachter Pfad zu den Sternen. Schwarz herrscht vor, wird durch wechselnde Lichteffekte den einzelnen Szenen zugeordnet. Die Kostüme ebenfalls schwarz mit ein paar weißen Applikationen. Gelegentlich ergänzen rötlich flammende Projektionen den wuchtig vom Band tönenden Schlachtenlärm. 

Brandenburgische Geschichte wird ins Gedächtnis gerufen. Vor der Schlacht von Fehrbellin beobachten preussische Offiziere zusammen mit ihrem Kurfürsten Friedrich Wilhelm (Roman Kaminski) kopfschüttelnd, wie der Kommandeur der Reiterei, Prinz Friedrich Arthur von Homburg (Sabin Tambrea) geistesabwesend und schlafwandlerisch vom Sieg in der nächsten Schlacht gegen die Schweden träumt und sich versonnen einen Lorbeerkranz flicht. Im Gespräch mit Graf Hohenzollern (Matthias Mosbach)schildert der Prinz seinen Traum. Dann folgt die Unterweisung der Offiziere mit der Maßgabe an Homburg, mit seiner Reiterei nicht früher loszupreschen, als er dazu einen ausdrücklichen Befehl erhält. In der Schlacht meint Homburg dann, seinen Kurfürsten bedroht zu sehen, eilt ihm befehlswidrig zur Hilfe und schlägt das schwedische Heer in die Flucht. Entgegen seiner Erwartung wird er vom geretteten Kurfürsten für diese Eigenmächtigkeit vors Kriegsgericht gestellt, das ihn zum Tode verurteilt. Homburg bittet erst die Kurfürstin (Swetlana Schönfeld), sich beim Kurfürsten für ihn zu verwenden, dann dessen Nichte Prinzessin Natalie von Oranien (Antonia Bill), die selbst ein Dragonerregiment führt. Natalie sucht den Kurfürsten auf, und der erklärt sich bereit, Homburg zu begnadigen, wenn der sich ungerecht behandelt fühlt. Ausgerechnet an dieser Bruchstelle scheitert der Begnadigungsplan, weil Homburg nach reiflicher Überlegung das Urteil für berechtigt hält und bereit ist, dafür in den Tod zu gehen. 

Das Programmheft gibt verdienstvollerweise den gesamten Text des Dramas wieder, einschließlich aller Striche und Ergänzungen, die von der Regie vorgenommen wurden. Gleichwohl weicht die letzte Szene, der zehnte Auftritt im fünften Akt, von der Vorlage ab. Der berühmte Schlusssatz „In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!“ aus dem Munde des gesamten Offizierskorps wird schon viel früher gesprochen. Der Prinz von Homburg besteigt erneut traumverloren den Lichtstrahl zu den Sternen und stirbt im Kugelhagel. Anfang und Schluß sind Traumszenen. 

Die Inszenierung hat unzweifelhafte Meriten. Die konstitutive Einheit von Ort, Zeit und Handlung bleibt durchgehend gewahrt, und die strenge Stilisierung in der Darstellung fördert die Konzentration auf das Wesentliche. Gleichwohl hätte man sich an manchen Stellen noch eine etwas eindringlichere Personengestaltung gewünscht, was vor allem durch die Sprachgestalt zu erreichen wäre. Den Publikumspreis für die geschlossenste Verbindung von Gestaltung und Artikulation erhält der wackere, strammbeinig hingestellte Oberst Kottwitz von Carmen-Maja Antoni. Auch von dem zu Recht bejubelten, feinsinnig sensiblen Sabin Tambrea in der Titelrolle wäre gerade in den lyrisch-poetischen Passagen noch etwas mehr vernehmliche Intensität ein Gewinn gewesen. Aber vielleicht bleibt dieser tragende sprachliche Ausdruck im Zeitalter von Mikroports und projiziertem Fließtext wirklich nur - ein Traum. 

http://roedigeronline.de
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