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Bewertung und Kritik zu

DIE MÖGLICHKEIT EINER INSEL
von Michel Houellebecq
Regie: Robert Borgmann
Premiere: 9. Oktober 2019 
Berliner Ensemble 

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Zum Inhalt: Fünftes Jahrtausend: Unsere Erde ist infolge von Kriegen, Atomexplosionen und einer verschobenen Erdachse klimatisch und geologisch mutiert. Die Meere sind bis auf kümmerliche Reste von Wasser verschwunden. Zwei Menschenarten existieren noch: die Wilden, die vorzivilisatorisch in Ruinen des 21. Jahrhunderts vor sich hin vegetieren, und die Neo-Menschen, die isoliert in autarken Hightech-Stationen leben. Der Neo-Mensch, aus gentechnischen Experimenten einer religiösen Sekte entstanden, deckt seinen Energiebedarf durch Fotosynthese. Gefühle wie Liebe oder Hass sind ihm fremd, er kommuniziert virtuell und verfügt über keinerlei körperliche Kontakte. Wenn ein Neo-Mensch stirbt, wird zeitgleich in Central City anhand des gespeicherten genetischen Codes eine 18-jährige Kopie  erzeugt und so der Tod nivelliert. Der Erzähler Daniel, ein tieftrauriger Komiker, blickt – bereits zum 24. Mal geklont – zurück auf unsere untergegangene Welt.

"Die Möglichkeit einer Insel" ist nicht nur Science-Fiction, sondern auch ein Roman über die gnadenlose Angst vor dem  Altern in einer Gesellschaft, in welcher das letzte Tabu die  Unumkehrbarkeit der Vergänglichkeit ist. Der Abgrund zwischen dem obsessiven Jugendkult einer überalterten Gesellschaft und der Sehnsucht nach bedingungsloser Liebe lässt sich nicht mehr überbrücken, die Insel des Glücks bleibt Fiktion.           

Regie/Bühne: Robert Borgmann
Kostüme: Bettina Werner
Musik: Rashad Becker
Licht/Video: Carsten Rüger
Dramaturgie: Amely Joana Haag


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
2 von 3 Personen fanden die Kritik hilfreich
Sterbenslangweilig
  · 11.10.19
''Bis zur Pause weiß man nicht wirklich, worum es Borgmann in seiner recht uninspirierten Inszenierung eigentlich geht. Die Figur oder besser Persönlichkeit des Daniel 1 erfährt keinerlei Entwicklung. Im Roman ergibt sich die aus den fortgesetzten Berichten und den Kommentaren der Klone. Borgmann streicht so ziemlich alles, was diesen Daniel eigentlich antreibt. Er beschränkt sich auf ein paar Dialoge mit den beiden Frauen in Daniels Leben. Man versteht hier aber weder, warum ihn seine erste Frau Isabell (Constanze Becker) verlassen hat, obwohl er sie doch liebt, noch was ihn an Esther (BE-Neuzugang Cynthia Micas) interessiert, dass er sich in sie verliebt. Borgmann lässt das Wichtigste weg - Körperlichkeit und Sex, die im Roman ja ausführlich ausgelebt und beschrieben werden. Hier gibt es lediglich im zweiten Teil die Erzählung einer Sex-Party.

Nur wie denkt der Autor Liebe, Glück, Sex und Alter zusammen? Darüber erfährt man hier nur in einem großen Gefühlsausbruch von Moltzen. Aber wenn das so beiläufig erwähnt wird und sonst die Klone wie Zombies über die Bühne laufen, wird kaum klar, was da schiefläuft. Die hanebüchene Sektengeschichte der Elohimiten fällt fast komplett unter den Tisch. Dass der Künstler Vincent später nach dem Mord am Propheten als behaupteter erster Klon die Führung der Sekte übernimmt, ist hier sicher auch nicht erheblich. Wolfgang Michael als alter Prophet spricht dann nach der Pause noch in SS-Uniform einen Wahnsinns-Fremdtext, der sich als zentraler Höhepunkt aufbaut. Eine Ansage ans Publikum, auf der Suche nach Wahrheit den eigenen Bildern, Religionen und Ideologien nicht zu trauen. Gegen jede Gewissheit und Eitelkeit. Das hat dann aber mit dem Rest der Inszenierung kaum etwas tun. Die plätschert weiter ziemlich fad und in surrealen Bildern bis zum Ausbruch von Daniel 25 (Jonathan Kempf) auf der Suche nach besagter Möglichkeit einer Insel der Liebe in der zerstörten Umwelt dahin. Gegen alle Obsessionen des Autors wird es am Ende doch nur sterbenslangweilig.'' schreibt Stefan Bock am 11. Oktober 2019 auf KULTURA-EXTRA
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Ächzt depressiv statt durch den Kakao zu ziehen
  · 20.10.19
Wohltuend anders geht Robert Borgman am Berliner Ensemble an Michel Houellebecq heran: Während Ivan Panteleev in „Ausweitung der Kampfzone“ am DT und Falk Richter in „Serotonin“ am Schauspielhaus Hamburg" rel="nofollow" >Falk Richter in „Serotonin“ am Schauspielhaus Hamburg den französischen Autor durch den Kakao zogen und ihn lustig machten, bietet Borgmann keine Nummernrevue, sondern umkreist zentrale Roman-Motive düster.

Den Ton gibt Wolfgang Michael mit seiner unnachahmlich-knarzenden Stimme vor. Gleich zu Beginn als Klon Daniel 24 und direkt nach der Pause als der „Alte Prophet“ in einer an die SS erinnernden Uniform hebt er zu langen, bedeutungsschweren Monologen über das Alter, die Einsamkeit und die Kunst an. Das Depressive in Houllebecqs Werk und Leben steht an diesem Abend im Mittelpunkt.

Der Preis, den der Abend dafür zu zahlen hat, ist allerdings erheblich: Unter der schweren Last seiner Melancholie ächzt „Die Möglichkeit einer Insel“ knapp drei Stunden gewaltig und schleppt sich vor sich hin. Drei Schauspielerinnen, die jede auf ihre Art großartig sind, werden zu Nebenfiguren und blassen Stichwortgeber*innen degradiert: Constanze Becker als Boulevard-Journalistin Isabelle und erste Ehefrau, Cynthia Micas als junge Geliebte Esther und Sina Martens als Pop-Art-Künstlerin im Jeff Koons-Stil hinter Ganzkörper-Kostümen versteckt haben gemeinsam, dass sie alle ihr Können nicht zeigen dürfen. Aber auch Peter Moltzen als Hauptfigur „Daniel 1“, ein sexgieriger Starkomiker und typisches Houellebecq-Würstchen, kann dem Abend nicht den notwendigen Drive geben.

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