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Bewertung und Kritik zu

HEINER 1 - 4 (ENGEL FLIEGEND, ABGELAUSCHT)
von Fritz Kater
Regie: Lars-Ole Walburg 
Premiere: 26. Januar 2019 
Berliner Ensemble 

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Zum Inhalt: Heiner Müller, 1929 in Sachsen geboren, gilt als einer der wich­tigsten deutschsprachigen Dramatiker und Schriftsteller­persönlichkeiten der DDR. Der 1995 verstorbene Lyriker, Prosa­ Autor und Essayist war außerdem als Regisseur,  Dramaturg und Präsident der Akademie der Künste Berlin (Ost) tätig und nicht zuletzt ab 1992 als Ko­Intendant und später alleiniger Intendant des Berliner Ensembles.
Ein anderer Theaterautor ist Fritz Kater. Geboren 1966 wuchs dieser in Ost-­Berlin auf, absolvierte seinen Wehrdienst bei der NVA, erlernte den Beruf des Fernsehmechanikers, sammelte erste Theatererfahrungen und reiste kurz vor dem Fall der  Mauer aus der DDR aus. 1990 kehrte er nach Berlin zurück, wo er Mitarbeiter einer Firma für Design­-Controlling wurde und anfing, Stücke zu schreiben. Nun hat Fritz Kater ein Stück über Heiner Müller geschrieben: „heiner 1 - 4“.
In diesem spielt Kater in verschiedenen Texturen mit dem Theater selbst und fächert Gesagtes und Gelebtes von Müller weit auf. Wie der Titel beschreibt, hat Kater abgelauscht, was im Echo der Geschichte nachhallt: Die Liebesgeschichte zwischen Heiner Müller und Brigitte Maria Mayer oder Interviewfetzen über Kunst und Gesellschaft aus den Nachwendejahren, genau­so wie ein Stück im Stück und einen Monolog über das Leben, das Ende und den ganzen Rest.

Die Uraufführung von "heiner 1 - 4" wird der Grimme­-Preisträger Lars­-Ole Walburg übernehmen, der 1989 ebenfalls aus der DDR ausreiste, Theaterwissenschaft und Germanistik studierte, das Theater Affekt mit­begründete und als Dramaturg, Regisseur, Schauspieldirektor und Inten­dant tätig war und ist.

Regie: Lars-Ole Walburg
Bühne: Robert Schweer
Kostüme: Nina Gundlach
Musik: Tomek Kolczynski
Licht: Benjamin Schwigon


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Heiner- Müller- Gedenkstunde
  · 03.02.19
''Das Anrührendste und Ablauschendswerteste der von Lars-Ole Walburg bemüherisch inszenierten Uraufführung war - was meine individuelle Wahrnehmung betrifft - das nachgereichte Aufblättern der späten aber schönen Liebesgeschichte Heiner Müllers mit der 24 Jahre jüngeren Fotografin Brigitte Maria Mayer inkl. ihrer gemeinsamen Tochter Anna; alles zu einer Zeit (und nach der sog. Wende 1989), wo der Müller zwar zum Einen stark an seiner anhaltenden Schreibblockade litt, zum Anderen aber vielleicht (privat) nicht unglücklich zu sein schien; Frau & Kind wollten sein bisheriges Leben allzu überraschend aufmischen, und sein Verzweifeln am gewendeten System und dem ihn peu à peu lähmenden Speiseröhrenkrebs konnte er so womöglich besser "kompensieren" als wenn er die Beiden nicht zu dieser Zeit um sich gehabt hätte. 

Zudem wurde viel lose aufgesagter Text aus Interviews, Gesprächen oder essayistischen Dialogen, die aus Müllers letztem Lebensabschnitt stammen, aneinandergefädelt; eine Art von Kurzfarce, die die BE-Endproben zu Müllers letztem Stück Germania 3. Gespenster am toten Meer zum Inhalt hatte, ließ dann allenthalben etwas aufhorchen durch ein Aha-bedingtes "Wiedererkannthaben" beteiligter Akteure wie z.B. Martin Wuttke, Peter Sauerbaum, Rüdiger Schaper oder Einar Schleef - hier konnten sich dann auch die schauspielernden Bardo Böhlefeld, Felix Rech, Veit Schubert, Kathrin Wehlisch und Carina Zichner etwas intensiver in ihr Rollenzeugs hineinlegen als bei dem ständigen Daherzitier'n davor/danach.'' schreibt Andre Sokolowski am 3. Februar 2019 auf KULTURA-EXTRA
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Melancholische Collage und Kulturbetriebsfarce
  · 27.01.19
Assoziativ schildern sich die Spieler*innen gegenseitig ihre Eindrücke von den oft sehr privaten Aufnahmen des Paares, die das Publikum an diesem Abend nicht zu sehen, sondern nur beschrieben bekommt. Konsequent wird dieser Ton durchgehalten. Unermüdlich schwirrt der Abend um sein Zentrum, ohne ihm einen entscheidenden Schritt näher zu kommen. In den Vordergrund schieben sich mehrfach Kathrin Wehlisch und Felix Rech als Todesengel, die über dieser kurzen, späten Liebe schweben.

Die nach einem berühmten, zuletzt z.B. auch von Benjamin Lillie in Sebastian Hartmanns „Woyzeck“ performten Müller-Text „Bildbeschreibung“ benannte Szene ist von Müller-Interview-Schnipseln durchzogen. Im Kulturbetrieb des frisch wiedervereinigten Deutschlands war Müller ein sehr gefragter Interviewpartner. Viele seiner Orakelsprüche, die nach dem Zusammenbruch der Diktatur des Proletariats vor einem Turbokapitalismus und einem Rechtsruck warnten, klingen erstaunlich hellsichtig.

Müller war aber nicht nur häufiger Talkgast, sondern als Präsident der Akademie der Künste (Ost) und Co-Intendant des Berliner Ensembles auch wichtiger Funktionär in einer orientierungslosen Transformationszeit.
Daran erinnert die Kulturbetriebs-Farce, die aus heiterem Himmel in die so gemächlich dahinplätschernde Müller-Collage hineinplatzt. Zeitzeug*innen hatten auch bei der zweiten Vorstellung sichtlich Spaß an der Szene, in der Carl Hegemann als schrulliger Dramaturg, Martin Wuttke als überarbeiteter Star des Hauses und Rüdiger Schaper als Feuilleton-Redakteur des West-Berliner Leitmediums Tagesspiegel aufeinanderprallen und in dem Vakuum, das die Abwesenheit des bereits todkranken Müller vor seiner legendären, bis heute mehr als 200 Mal gespielten „Arturo Ui“-Inszenierung von 1995 hinterließ, noch mehr Chaos stiften.

Nach diesem Intermezzo, das für alle Nachgeborenen begrenzten Reiz und Unterhaltungswert hat, kehrt der Abend zu seinem melancholisch-raunenden Grundton zurück, wird allerdings noch hermetischer als zuvor.

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