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Bewertung und Kritik zu

GALILEO GALILEI
nach Bertolt Brecht
Regie: Frank Castorf 
Premiere: 19. Januar 2019 
Berliner Ensemble 

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Zum Inhalt: 1938, im dänischen Exil, schreibt Bertolt Brecht "Leben des Galilei". Selten hat ein Theaterstück eine derart bewegte Geschichte wie das Drama um den Physiker Galileo Galilei, der am 22. Juni 1633 vor der kirchlichen Inquisition die Aussage widerruft, dass die Erde um die Sonne kreist, weil sie nicht mit der biblischen Kosmologie vereinbar erscheint. Brechts Urteil ist eindeutig: "Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß, und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!" Nach einer leichten Überarbeitung 1939 folgt zwischen 1944 und 1947 eine amerikanische Fassung. Daran schließt sich die dritte Version, die 1955/56 am Berliner Ensemble entsteht, an. Die Zeitläufe setzen Brechts anfangs ungebrochenes Vertrauen in Fortschritt und Wissenschaft immer stärker zu. Sein Kommentar zur Aufführung 1947 ist vom Schock der ersten Atombombenabwürfe geprägt: "Es war schimpflich geworden, etwas zu entdecken." Der Gründer des epischen bzw. wissenschaftlichen Thea­ters wird von diesem Doppelantlitz der Wissenschaft nicht mehr loskommen. So ruft er nicht nur in seinem theater­theoretischen Hauptwerk "Kleines Organon für das Theater" den Renaissancewissenschaftler mehrfach in den Zeugenstand, sondern wird "die Frage nach der Schuld zum Dreh­ und Angelpunkt des Epischen Theaters" (Günther Heeg) machen.

Frank Castorf, dessen "Les Misérables" nach Victor Hugo derzeit am Berliner Ensemble zu sehen ist, setzt sich in dieser Spielzeit mit dem klassischen Brecht und damit dem Genius loci des Hauses auseinander.

Regie: Frank Castorf
Bühne: Aleksandar Denić
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Musik: Jörg Gollasch
Videodesign: Jens Crull, Andreas Deinert
Live-Kamera: Andreas Deinert
Licht: Ulrich Eh
Dramaturgie: Frank Raddatz
Künstlerische Produktionsleitung: Sebastian Klink


 
Meinung der Presse zu „Galileo Galilei“ - Berliner Ensemble


rbb
★★★☆☆

nachtkritik
★★☆☆☆

Berliner Zeitung
★★★☆☆


Der Tagesspiegel
★★★☆☆

Die Welt
★★☆☆☆

Zitty
★★☆☆☆

tip
★★★★☆

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3.1/5 Insgesamt 10 Bewertungen (3 mit Rezension)
3 von 3 Personen fanden die Kritik hilfreich
Kraftakt eines 86jährigen und Castorf findet mal wieder kein Ende
  · 20.01.19
Dieser Kraftakt nötigt höchsten Respekt ab: Mit 86 Jahren stemmt Jürgen Holtz eine Titelrolle. Noch dazu nicht bei irgendeinem Regisseur, sondern bei Frank Castorf, der für seine ausufernden, kraftraubenden Exzesse bekannt ist und auch diesmal wieder erst nach sechs statt der angekündigten fünf Stunden pünktlich um Mitternacht endet.

Es wäre fast übermenschlich, wenn seine Konzentration nach den ersten zwei Stunden nicht merklich schwinden würde und er bei seinen langen Monologen (von und nach Brecht) nicht häufiger die Hilfe der Soufleuse brauchen würde. In den drei Stunden nach der Pause kommt Holtz nur noch selten auf die Bühne. Castorf gönnte Holtz eine Auszeit, die auch wesentlich jüngere Spieler nach solchen Strapazen nötig hätten.
Viele sind wohl vor allem deshalb ins Berliner Ensemble gekommen, um Holtz und seine Präsenz, die den ersten beiden Stunden ihren Stempel aufdrücken, noch einmal zu erleben.

Was bleibt von diesem Castorf-Abend sonst noch in Erinnerung? Sicher die hysterische Spielwut von Stefanie Reinsperger und Sina Martens, die sich die Seele aus dem Leib brüllen, Rotz und Wasser heulen, sich am Boden wälzen, „Naturkaviar“ alias Theater-Kot in sich reinstopfen und sich die eitrigen Pestbeulen aufstechen. Ganz in der Tradition des guten, alten Volksbühnen-Stils, der 25 Jahre am Rosa-Luxemburg-Platz gepflegt wurde.

Natürlich auch die langen Fremdtext-Passagen aus Antonin Artauds „Das Theater und die Pest“, die Castorf in Brechts Lehrstück einpflanzt. Nach der Pause stürzen sich Jeanne Balibar und Andreas Döhler in die assoziativen Ausführungen Artauds, die auf den ersten Blick wie ein Fremdkörper wirken. Dramaturg Frank Raddatz erklärt im Programmheft, worum es Castorf ging, als er den auf Trance-Zustände und Rausch abzielenden Theaterbegriff der Grausamkeit des Franzosen Artaud mit dem auf Rationalität, Aufklärung und politische Agitation setzenden epischen Theater seines deutschen Zeitgenossen Bertolt Brecht kontrastierte. Als Link zwischen den beiden so gegensätzlichen Denkern fungieren die bereits erwähnten Pestbeulen, die in Brechts „Galileo Galilei“ ein Symptom der im voraufklärerischen Aberglauben verhafteten Gesellschaft sind, und ein Text des in Castorf-Inszenierungen fast schon obligatorischen Heiner Müller, der unmittelbar vor der Pause eingesprochen wird.

Ansonsten bleibt festzuhalten, dass sich spätestens nach drei Stunden ein lähmendes Gefühl einstellt: viel zu oft haben wir diese Castorf-Abende bereits gesehen, die vom Hölzchen aufs Stöckchen springen und schier kein Ende nehmen, denen nach solidem Beginn aber nach und nach die Luft ausgeht.

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Die Morgenröte einer besseren Zukunft
  · 21.01.19
''Brecht hat seinen Text immer wieder umgeschrieben und sich schwer getan, einen befriedigenden Schluss mit Verfremdung-Effekt und ohne Einfühlung zu finden: Doch Verfremdung und Brechtsche Gelehrsamkeit ist Castorf völlig schnuppe: Während der traurige Alte sich selbst für seinen Verrat an der Wahrheit verfluchend von der Bühne wankt, erklingt David Bowie. Er singt seine letzten Song, in dem er sich, auch er bereits vom Tode gezeichnet, zum "Blackstar" stilisiert, als verlöschender Stern, der sich im Universum verliert, und als "Lazarus", der von den Toten aufgeweckt wird.

Jeanne Balibar übernimmt und singt, in goldene Gewänder gehüllt, das Lied weiter und lässt die Morgenröte einer besseren Zukunft aufgehen, während ein Schüler Galileos (Rocco Mylord) auf dem Stuhl, auf dem eben noch der todgeweihte Galileo saß, Platz nimmt und mit leuchtenden Augen verkündet: "Wir wissen bei weitem nicht genug. Wir stehen wirklich erst am Beginn." Es folgt tosender Applaus und das Gefühl, an einem wirklich wichtigen Theaterereignis teilgenommen zu haben.'' schreibt Frank Dietschreit auf kulturradio.de
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Holtz und Pest
  · 20.01.19
''Castorf hat diesmal 'nen Container mit Texten von Antonin Artaud (aus dem Umkreis seines Theaters der Grausamkeit) aufs Nebengleis gestellt und ab und zu in Fahrt gebracht. Der kollidiert zwar nicht mit den zumeist ironisch-distanziert jedoch de facto brav O-textig aufgesagten Brechtstellen, sorgt aber dafür umso mehr für eine nicht nur geistig auffrischendere Bereicherung des sich doch wieder ziemlich lange hingezog'nen 6-stündigen Abends. Konsequent ließ Castorf sein Projekt mit Das Theater und die Pest beuntertiteln - Galileo Galilei erscheint zwar fetter und auch großlettriger, "sauber" ist jedoch (und zur Umgehung eines hoffentlich nicht neuen urheberrechtlichen Kriegsnebenschauplatzes) annotiert: "von und nach Bertolt Brecht mit Musik von Hanns Eisler". (...)

Und Jürgen Holtz hält die sechs Stunden durch; womöglich wird man in den Folge-Vorstellungen "etwas kürzen" müssen, um sein unbeschadetes Weiter-Mitwirken zu gewährleisten, denn so ein Abend schlaucht und zehrt. Wer soll das auf die Dauer aushalten? Ich, einer von den Fans des Castorf'schen Total-Theaters!'' schreibt Andre Sokolowski am 20. Januar 2019 auf KULTURA-EXTRA
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