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Music Music

Bewertung und Kritik zu

MUSIC MUSIC - HISTOIRE(S) DU THÉÂTRE VII – Tanz im August / HAU 1

von: Trajal Harrell / Zürich Dance Ensemble
Premiere: 23. Mai 2026, Volkstheater Wien, Wiener Festwochen
Deutschland-Premiere: 2. Juni 2026, Schauspielhaus Hannover, Kunstfestspiele Herrenhausen
Berlin-Gastspiel: 21.–23. August 2026, HAU 1, Tanz im August

Künstlerisches Team

Regie: Trajal Harrell
Choreografie, Performance, Kostüm, Bühne, Sounddesign, Licht: Trajal Harrell
Dramaturgie: Katinka Deecke
Bühne: Nadja Sofie Eller
Licht: Sylvain Rausa
Sounddesign: Santiago Latorre
Kostüm-Management: Sally Heard
Bühnenbildassistenz: Eva Lillian Wagner
Produktion, International Relations, Management: Björn Pätz / Zürich Dance Ensemble

Besetzung

Zürich Dance Ensemble: Performance

Über die Inszenierung

„Histoire(s) du Théâtre VII“ setzt Trajal Harrells fortlaufende Serie über Theatergeschichte, Tanztraditionen und queere Perspektiven fort. Die Inszenierung verbindet Harrells charakteristische Hybridästhetik aus Vogueing, postmodernem Tanz, Mode, Ritual und emotionaler Präsenz.

Harrell übernimmt zentrale künstlerische Funktionen selbst: Choreografie, Performance, Kostüm, Bühne, Licht und Sounddesign. Dadurch entsteht ein komplexes, hochpersönliches Werk, das Körper, Raum und Geschichte in einer eigenen, unverwechselbaren Handschrift zusammenführt.

Katinka Deeckes Dramaturgie strukturiert die vielfältigen Ebenen des Abends, während Nadja Sofie Ellers Bühnenarbeit einen offenen, transformierbaren Raum schafft. Sylvain Rausas Licht und Santiago Latorres Sounddesign modulieren Atmosphäre und Rhythmus mit großer Präzision.

Das Zürich Dance Ensemble bringt Harrells choreografische Vision mit starker physischer Präsenz und feiner emotionaler Nuancierung auf die Bühne. Die Produktion wird durch ein internationales Team getragen, das Harrells ästhetische Welt sorgfältig weiterführt.

Besondere Aspekte dieser Produktion

– charakteristische Hybridästhetik von Trajal Harrell
– starke Verbindung von Mode, Tanz und Ritual
– präzise Licht- und Soundgestaltung
– offener, wandelbarer Bühnenraum
– intensives Zusammenspiel des Zürich Dance Ensemble

„Histoire(s) du Théâtre VII“ ist ein vielschichtiges, sinnliches und intellektuell herausforderndes Werk, das Tanzgeschichte neu befragt und in eine zeitgenössische, queere Perspektive überführt.

1 Kritik

2.0 von 5 Sterne
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Selbstverliebte Fußnote zu beeindruckendem Gesamtwerk
10 Tage her.
Kritik

Ein typischer, von Trajal Harrell bereits gewohnter Move ist, dass er in der ersten Szene unter einem ganzen Berg von Kleidungsschichten, einer „Accrochages“ von Kostümen, auf die Bühne kommt und sich für das Publikum eine kleine Aufgabe ausgedacht hat. Jeder soll sein Smartphone zücken und sich das knallbunt-schräge Video zu „Cold Heart“ (2021) von Elton John und Dua Lipa. Ein asynchrons Fiepen und Piepen setzt ein, während der Song aus sehr vielen Smartphones schallt. Dieser Clip mache ihm zuverlässig immer gute Laune, und so wie dieses Video solle auch der folgende 70minütige Abend werden.

Doch das bleibt leider ein frommer Wunsch des Choreographen: „Music Music“ stellt sich als selbstverliebte Fußnote zu einem beeindruckenden Gesamtwerk heraus. Harrell reiht in beliebiger Collage einige Musikstücke von Rock bis Barock und Garderoben-Kreationen aus früheren Arbeiten aneinander. Was schleppend beginnt, wird nach einer kurzen, selbstironisch-augenzwinkernden Pause noch zäher.

Auf der Bühnen-Rückwand verdunkelte das Lichtdesign langsam die Projektion des legendären Steinbruchs Carrière de Boulbon in der Nähe von Avignon als Hommage an einen weiteren Koproduktionspartner von „Music Music“. Beim Festival d´Avignon lief das Stück von 22.-24. Juli 2026, allerdings nicht in besagtem Steinbruch, sondern im Cloître des Carmes. Solche Finessen des Lichtdesigns werteten den ziellos dümpelnden Abend etwas auf. Immerhin legte sich in diesen Momenten auch die ansonsten fast ständige Unruhe im Berliner HAU 1. Mit seinem dramaturgischen Anfängerfehler hat sich Harrell selbst ein Ei ins Nest gelegt: nach seiner Aufforderung ganz zu Beginn, das Smartphone einzuschalten und das oben genannte Video abzuspielen, legten einige ihr Gerät gar nicht mehr aus der Hand. Da es auch noch einige Längen und Redundanzen gab, wurde die Performance von einigen nur mit halbem Auge begleitet, während sie Nachrichten checkten.

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