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Jugend ohne Gott

Bewertung und Kritik zu

JUGEND OHNE GOTT – Münchner Kammerspiele

von: Ödön von Horváth
Mit Szenen von: Anne Habermehl
Premiere: 17. Oktober 2026, Münchner Kammerspiele

Künstlerisches Team

Regie: Felicitas Brucker
Bühne: Bettina Pommer
Kostüme: Teresa Vergho
Video: Lion Bischof
Musik: Markus Steinkellner
Lichtdesign: Maximilian Kraußmüller
Dramaturgie: Viola Hasselberg

Besetzung

Ensemble: Elias Krischke, Jelena Kuljić, Thomas Schmauser, Maren Solty, Martin Weigel

Über die Inszenierung

Ödön von Horváths Roman „Jugend ohne Gott“ zählt zu den bedeutendsten Warnungen vor gesellschaftlicher Verrohung, Autoritätsgläubigkeit und dem Verlust moralischer Orientierung. Die Geschichte eines Lehrers, der in einer zunehmend ideologisierten Gesellschaft Verantwortung übernehmen muss, besitzt bis heute eine beklemmende Aktualität.

Felicitas Brucker verbindet Horváths Roman mit neu geschriebenen Szenen von Anne Habermehl und entwickelt daraus eine zeitgenössische Auseinandersetzung mit Fragen von Wahrheit, Haltung und gesellschaftlicher Verantwortung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen auf politische und soziale Veränderungen reagieren und welche Konsequenzen Schweigen haben kann.

Bettina Pommers Bühne schafft einen offenen Raum, der zwischen Schule, Gerichtssaal und gesellschaftlicher Arena wechselt. Teresa Verghos Kostüme verorten die Figuren in einer Gegenwart, die bewusst Bezüge zu Horváths Zeit herstellt und gleichzeitig aktuelle Entwicklungen spiegelt.

Die Videoarbeiten von Lion Bischof erweitern die Inszenierung um mediale Perspektiven und machen sichtbar, wie Wahrnehmung und Wirklichkeit miteinander konkurrieren. Markus Steinkellners Musik und Maximilian Kraußmüllers Lichtdesign verstärken die atmosphärische Dichte des Abends.

Viola Hasselbergs Dramaturgie verbindet die literarische Vorlage mit den zusätzlichen Texten von Anne Habermehl und schafft einen Theaterabend, der die politischen und moralischen Fragestellungen des Romans in die Gegenwart fortschreibt.

Besondere Aspekte dieser Produktion

– Neuinterpretation des Romans von Ödön von Horváth
– zusätzliche Szenen von Anne Habermehl
– zeitgenössische Perspektive auf politische Verantwortung
– Verbindung von Schauspiel, Video und Musik
– hochaktuelle Auseinandersetzung mit Moral und Gesellschaft

„Jugend ohne Gott“ erscheint an den Münchner Kammerspielen als eindringliche Reflexion über Verantwortung, Mut und die Frage, wie Demokratien auf Gleichgültigkeit und Ausgrenzung reagieren.

1 Kritik

3.0 von 5 Sterne
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"Es kommen kalte Zeiten auf uns zu."
1 Tag her.
Kritik

''Die Schauspieler (Elias Krischke, Martin Weigel) und Schauspielerinnen (Jelena Kuljić, Maren Solty) bleiben aber trotz ihrer Bühnenpräsenz etwas ungreifbar in ihren Rollen. In dem sterilen Bühnenbild von Bettina Pommer, eingekreist von weißen Podesten mit hohen Stufen, finden sie keinen rechten Raum. Der schon übliche Soundteppich macht es auch nicht deutlicher. Über den Darstellenden schwebt ein Videoscreen, auf dem man bereits gedrehte Szenen oder eine Übertragung des aktuellen Bühnengeschehens sieht. Manchmal filmt jeder jeden, ja so ist es halt jetzt. Ansonsten spart man mit aktuellen Bezügen, die sich bei diesem Stoff aufdrängen würden.

Die Jugendlichen sind nicht zu retten, das macht die Vorlage von Horvath schonungslos klar. „Ohne Gott“ bedeutet bei Horvath eher ohne Werte, ohne inneren Kompass. Eine verlorene Generation, die unter der Emotionslosigkeit ihrer Eltern leidet und doch kein besseres Lebensmodell entwickeln kann. Trotzdem bleibt man seltsam unberührt in dieser Inszenierung.

Und der Lehrer? Erst als ein Schüler ermordet wird und er sich mitschuldig fühlt, bezieht er Stellung. Thomas Schmauser ist in dieser Rolle natürlich großartig, wie er sich so lange windet, hadert, zweifelt. Letztendlich weiß er, dass er seine Existenz verliert und gehen muss. So wie es auch Horvath ergangen ist, der nach anfänglicher Anpassung an das NS-Regime die Konsequenzen zog.'' schreibt Isabella Schmid am 19. Oktober 2026 auf KULTURA-EXTRA

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