Tom
KRITIKEN
3 von 4 Personen fanden die Kritik hilfreich
Die Rafiki Darstellerin war sehr stimmgewaltig und hat zusammen mit dem Chor im Opening einen tollen Einstand in das Stück geliefert. Ich hatte an diesem Punkt das gleiche Feeling wie im Zeichentrickfilm damals. Die Kostüme sind klasse gemacht und zum Teil muss das Bewegen in ihnen eine echte Herausforderung sein (z. B. die Giraffen). Das Musical folgt relativ genau der Handlung aus dem Zeichentrickfilm, wobei einige Extraszenen und Tänze eingearbeitet wurden. Davon war das ein oder andere durchaus interessant. z. B. die Erklärung warum Nala eigentlich die anderen Löwinnen verlassen hat, im Film wurde das nur vage angedeutet.

Ein Punkt der vielleicht nicht jedermanns Geschmack trifft ist die Abwandlung der Musik. Wie ich es bereits aus anderen Musicals kenne, die eine musikalische Originalvorlage haben, ist die Musik etwas abgewandelt. Ich persönlich mag das Ergebnis, weil es bei mir ein Gefühl von Afrika aufkommen lässt, das was man im Fernsehen oder bei Dokumentationen vielleicht schon mal über traditionellen Tanz und Gesang mitgekriegt hat und ich finde das passt in König der Löwen sehr gut rein.

Neben den altbekannten Szenen aus der Zeichentrickvorlage, wurde auch die ein oder andere Extraszene mit eingearbeitet. Leider hatte ich insbesondere bei den Szenen mit Timo und Pumba das Gefühl es wird ein Flachwitz nach dem anderen gerissen. Ein oder zwei vereinzelte Witze („IKEA Vorhang“ oder „Atemlos“) kann ich noch verzeihen. Es besteht ein gewisser Wiedererkennungswert aber teilweise fand ich die Sprachweise, also Ausdrücke wie „Digga“ oder ähnliches für ein König der Löwen Musical absolut unpassend. Die Szenen wirkten gezwungen, fast so als würden die Darsteller krampfhaft versuchen die Zeit zu überbrücken die benötigt wird um den nächsten Part vorzubereiten. Ich kam mir bei der genutzten Sprachweise vor wie in einer Teenieklicke oder einer Hip-Hop-Szene. Für mich hatten Timon und Pumba sämtliche Charme verloren, die sie in der Zeichentrickserie so liebenswert und amüsant gemacht haben, was sehr schade ist, denn auch bei den beiden fand ich die Kostüme sehr gelungen.
Kritik zu: Tanz der Vampire
3 von 3 Personen fanden die Kritik hilfreich
Das Musical „Tanz der Vampire“ basiert auf dem gleichnamigen Film von Roman Polanski von 1967. Ja, das ist alt und wenn Vampire nicht unsterblich wären, dann wären einige wahrscheinlich unterdessen schon gestorben. Und wie damals beim Film führte Polanski auch bei der Bühnenfassung Regie.

Die Geschichte ist auch ähnlich: Professor Abronsius und sein junger Student Alfred reisen nach Transsilvanien, um die Existenz von Vampiren zu beweisen. Angekommen in einem Gasthaus fühlen sie sich den Blutsaugern schon ganz nah, jedoch bestreiten alle Dorfbewohner, dass es hier Vampire gäbe – allerdings trägt jeder unübersehbar eine Knoblauchkette um den Hals. Alfred verliebt sich sofort in die Tochter des Wirts, Sarah, allerdings hat noch ein anderer ein Auge (oder einen Zahn?) auf sie geworfen: Graf von Krolock, der Vampirfürst. Und der lädt Sarah auf den jährlichen Ball im Schloss ein, wo er ihr an die Ader will. Für den lästigen Nebenbuhler Alfred hat er auch Verwendung: Er soll neuen Schwung und frisches Blut in das Leben seines schwulen Sohnes Herbert bringen. Auf dem Ball wird Sarah vom Grafen gebissen, aber ist sie nun tot oder untot, egal, Alfred und der Professor retten sie und sind damit selbst verloren, denn am Ende bohrt die schöne Sarah ihre Zähne in Alfreds Hals und die Vampire triumphieren. Und tanzen.

Die Gretchen-Frage ist hier die Krolock-Frage: Wer spielt den Grafen?! Da alle, die Krolock schon gespielt haben, aktuell andere Verpflichtungen haben (leider auch unser Favorit Florian Soyka), wurde der italienische Sänger Filippo Strocchi engagiert. Am 20.11.18 erlebten wir allerdings die Zweitbesetzung. Ein junger Mann namens Robert Meyer sang und spielte den Krolock. Das eine tat er bravourös (Singen), beim Spielen gibt’s noch Luft in der Gruft. Er wirkt auf der Bühne, nun ja, blutleer - was nicht weiter verwunderlich ist, schließlich ist er ein Vampir - aber er ist nicht so präsent, wie andere, er singt großartig, spielt aber wenig. Es war erst seine 2. Vorstellung, erfährt man auf seiner Seite. Nur Mut, Graf Meyer, Sie haben nicht nur eine Stimme, sondern auch ein Gesicht und Hände und einen Körper – SPIELEN Sie!

Die Show gestohlen hat dem Grafen gestern sein homosexueller Sohn Herbert, gespielt von Christian Funk. Der hatte voll Blut geleckt und hat aus der viel kleineren Rolle ein Leckerchen gemacht. Auch die zweite Zweitbesetzung des Abends, Janis van Dorsselaer als Magda (statt Sara Jane Checchi) war vortrefflich, stimmlich souverän und spielfreudig. Eine Entdeckung war ebenfalls Raphael Groß als Alfred. Er ist äußerlich ein wenig ein Eddie-Redmayne-Typ, gesanglich famos und der imponierenden Sarah (Diana Schnierer) durchaus gewachsen. Virtuos ist das gesamte Ensemble, denn „Tanz der Vampire“ ist auch eine eindrucksvolle Ensembleaufgabe. Die Sänger, die Tänzer – alle Blutgruppe A!

Die Musik von Jim Steinman ist eine rasante Mischung aus Rock und Schlager, Oper und Operette, Pop und Disco. Irgendwann denkt man: Mensch, das klingt doch wie „Total Eclipse of the Heart“ von Bonnie Tyler und dann klingt auch noch was wie Meat Loaf oder David Bowie und man liest nach: Steinman hat hemmungslos bei seinen eigenen Stücken geklaut, was nicht weiter schlimm ist, wenn es am Ende so vampirisch gut klingt.


Die Ausstattung, ein gelungener Mix aus klassischem Bühnenbild, Projektionen und Effekten, ist schaurig-schön, die Kostüme sind vorzüglich und ein grausiger Duft von Pomade, Perückenkleber und wallenden Umhängen wabert die ganze Zeit über durch das blutrote Theater. Am Schluss gab es Standing Ovations, was man ja nun auch nicht alle Tage im Theater erlebt und worüber sich augenscheinlich sogar Vampire freuen, denn wie heiß es: Der Applaus – das Brot des Künstlers. Was in diesem Fall nur bedeuten kann: Der Applaus – das Blut der Vampire.
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Nachdem „Die Schöne und das Biest“ zuletzt sehr erfolgreich als Film in den Kinos lief, bringt derzeit das Budapester Musical-Ensemble das Märchen aus dem Jahr 1991 für zwei Wochen als Musical in den Admiralspalast. 
Regisseur György Böhm wartet dabei mit vielen witzigen Inszenierungsideen auf und die knapp 40 Darsteller spielen ihre Rollen mit viel Herzblut. 

Dass sie dabei von einem Orchester mit gefühlvoller Originalmusik unterstützt und bereichert werden, macht unbedingt Sinn, denn nicht umsonst hat Alan Menken für dieses Musical zwei Oscars und zwei Golden Globes für die beste Musik und den besten Song eingeheimst. 

Die Geschichte ist schnell erzählt: Ein herzloser Schlossherr wird in ein unansehnliches und manierenfreies Biest verwandelt, nachdem er eine alte Frau, die um Obdach bat, wegschickte und nun mitsamt seiner ebenfalls verwunschenen Dienerschaft in einem düsteren Schloss lebt. Die einzige Chance, dies wieder rückgängig zu machen, besteht darin, sich die Liebe wieder neu zu verdienen. Und es gibt sie, die schöne Belle, die nach allerlei Irrungen und Wirrungen das Herz des Biestes erobern und damit die Beziehung zu einem hübschen und geläuterten jungen Mann in die Wege leiten kann. 

Ein Großteil des Märchens spielt in dem von tiefer Tristesse versunkenen Palast. Damit kommen dann häufig genug seine Bewohner in´s Spiel. Dies sind dann immer witzige Momente, denn der Fluch hat die Dienstboten in die einstigen Funktionen verwandelt, die sie ehemals innehatten. Diese ergänzen die ohnehin schon opulenten und farbenprächtigen Kostüme noch als Teekanne (Mme Pottine) und ihrem Sohn, einer Tasse (Tasso), als Kerzenleuchter (Monsieur Lumiere), Kommode (Madame de la Grande Bouche), Uhr und Staubwedel. Als zum großen Dinner geladen ist, werden dann auch Teller, Weinglas, Besteck und Serviette höchst lebendig und tanzen sich gegenseitig an die Wand. 

Am Ende wird natürlich alles gut und auch der Zuschauer kann den Saal mit einem Sack vollgepackter Eindrücke an zwei prall gefüllte Stunden verlassen.