Kritik zu: Blaubart
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Operette? Das ist was für meine Mutter. Aber in der Komischen Oper würden sie gewiss etwas anderes daraus machen und so war es auch. Und es war trotz der abschreckenden Länge recht kurzweilig, soviel kann ich vorweg sagen.

Die Idee war wohl, das Stück als derbes Volkstheater aufzuführen, was sich mit der Vorlage jedenfalls gut verträgt. Ein Ritter, der seine Frauen "nach Gebrauch" mordet, ein König, der dasselbe mit vermeintlichen Nebenbuhlern tut, Marktplatz, Schönheitswettbewerb, Hochzeiten, das schreit danach deftig durch den Kakao gezogen zu werden. Blaubart in barockem Kostüm mit eregierter Samthülle für sein wichtigstes Bauteil, ständig hochfliegende, hochgerissene oder hochgezogene Röcke und eine Boulotte, die schon in der Vorlage als derbes Weib angelegt ist. Das Stück wäre so aufgeführt in Köln ein Knaller, bei dem das Publikum zu schreien gar nicht mehr aufhören wollte.

Aber dann gibt es auch einen Ausflug ins Brechtsche Theater, während welchem der Neubau des Schlosses thematisiert wird, was in dem Stück fremd wirkt. Ein Regieeinfall zu viel würde ich sagen, wenn für sich genommen auch nicht ganz ohne Reiz. Es führt nur in dem Stück zu einer Abkühlung durch beiseite treten müssen. Als ob uns der Regisseur sagen wollte: halt mal stopp mit dem Spaß, ich habe dir noch was wichtiges zu sagen. In Köln wäre das ein Show-Stopper.

Das ganze in einen Dialog zwischen Amor und Gevatter Tod einzubetten, passt hingegen hervorragend, zumal beide Rollen verblüffend besetzt sind. Cupido ein Kleinwüchsiger und Gevatter Tod fast schon ein König Lear. Die beiden konnten die Idee von Schwere erzeugen, die mit der Leichtigkeit des Stücks kontrastiert. Diesen Dialog hätte man aber im Kontrast zum derben Spiel lieber bissiger und mit mehr Zeitbezug, etwa durch eine zynische Kommentierung der #MeToo-Debatte, gestalten sollen. Den Dialog stattdessen mit Literaturzitaten auszugestalten, verfing nicht so recht.

Unterm Strich bleibt aber, dass man aus einer Satire aus dem 19ten Jahrhundert sehr wohl eine Posse machen kann. Denn eine Satire aus dieser Zeit über gesellschaftliche Gepflogenheiten im männlichen Umgang mit Frauen kann doch in Zeiten von #MeToo kaum etwas anderes als eine Posse sein.