Kritik zu: Antifaust
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''Nebelschwaden wabern über die Bühne. In der Mitte steht ein rundes Gerüst, das sich permanent im Kreis dreht. Die Figuren, die darauf sitzen, sind nicht zu erkennen. Sie blicken nach innen, wuseln hin und her, murmeln und schreien. In der Mitte stehen Musiker, die für eine düstere Soundkulisse sorgen, und ganz oben auf dem Gerüst thronen ein Engel im leuchtend weißen Kostüm und der Teufel ganz in Schwarz. Gut und Böse, Hell und Dunkel – das ist das Kraftfeld, in dem sich alles vollzieht. Wenn die Figuren sprechen, werden ihre Gesichter auf Bildschirme übertragen. Wir erkennen, dass sie wie Jesus-Jünger gekleidet sind. Auch die Frauen tragen grobes Leinen und Tücher über dem Kopf. Später tauchen auch Menschen in Uniformen und Krankenschwestern auf, doch die Symbolik wirkt über weite Strecken sehr religiös.

Dabei ist Religion eigentlich nicht das Thema. Die Gemeinschaft, die auf dem Gerüst zusammensitzt, hält Gericht – erst über Faust, dann über andere Leitbilder. Es geht um Jesus, Gott und die Sintflut und um die Frage, wie man sich am besten auf die Zukunft vorbereiten kann. Gedanklich stürzt einiges durcheinander, aber es blitzen auch Sätze auf, die sich festhaken: "Faust ist nur so lange ein Gewinn, solange wir nach Gewinnen trachten", zum Beispiel. "Wenn die Zeit kommt, da wir alles verlieren werden, wird auch Faust ein Verlust sein." – Faust wird also als Exponent des Kapitalismus betrachtet, als jemand, der sich die Natur untertan macht – mit all den negativen Folgen, die wir heute kennen.'' schreibt Oliver Kranz auf rbbKultur
Kritik zu: Katzelmacher
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''Die für Thalheimer so ungewöhnliche Schlager-Musik spielt die wahre Hauptrolle. Im triefenden Kitsch der schmalzigen Songs kann keine Figur den Takt halten oder „echt“ empfinden. Meckbach singt: „Gefühle allein können Menschen verbinden, deren Schicksal sie voneinander trennt.“ Der blanke Hohn, wenn sie später neben dem blutüberströmten Peter Moltzen als Jorgos einfach roboterhaft weitersingt. Der Schlagerkitsch, so ist auch Bernd Stegemanns Aufsatz im Programmheft zu entnehmen, ist die vergiftete Beruhigungspille, um sich nicht dem Hass und der Leere in sich selbst stellen zu müssen.

Thalheimers Weltbild ist tiefschwarz – auch an diesem Abend sucht er keine Auswege, keine Erklärungen, er verortet die Figuren auch kaum in ihrem sozialen Umfeld. Er stellt uns eine beklemmende Horror-Show an Hass-Menschen vor, zeigt uns ein Labor von bornierten Verlierern. Clou ist die Schlussszene, ganz nach Fassbinder. Da eröffnet Elisabeth Jorgos, dass bald ein zweiter Gastarbeiter kommt, ein Türke. Jorgos ist entsetzt: Mit einem Türken will er auf keinen Fall etwas zu tun haben. Frei von Schuld und Vorurteilen ist hier also keiner.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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''Bei Goethe verläuft die Geschichte folgendermaßen: Iphigenie ist vom König dazu angehalten, die beiden Fremden zu töten. Als sie erfährt, dass ihr Bruder darunter ist, kann sie sich nur verweigern. Sie plant einen Fluchtversuch. Von Gewissensbissen geplagt sagt sie dem König die Wahrheit – und überzeugt ihn schließlich vom Frieden. Orest, der überraschend hinzukommt, kann beruhigt werden, dass dies keine Falle ist. Happy End.

Hier aber lässt sich der König zwar von Iphigenie vom Frieden überzeugen – doch Orest und Pylades handeln überstürzt und stürmen die Bühne, der König  sieht sich von ihren Waffen bedroht, alle metzeln einander nieder. Allein Iphigenie überlebt und endet mit dem grausamen Lied der Verfluchten: "Es fürchten die Götter das Menschengeschlecht. Sie halten die Herrschaft in ewigen Händen. Und können sie brauchen, wie’s ihnen gefällt."

Obwohl Iphigenie nach wie vor alles richtig macht, siegt der Krieg über den Frieden, Rache über Humanismus – ganz entgegen Goethes Ideal. Und doch bleibt die Inszenierung im Geiste Goethes, da sie die Folgen aufzeigt, sollten Iphigenies Werte nicht obsiegen; sollte die Menschheit es nicht schaffen, diese Werte zu verteidigen.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur

 

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