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''Die Apokalypse macht Spaß, auch wenn man nicht recht weiß, ab man lachen oder weinen soll, wenn Molche den Menschen Nachhilfe in richtiger Grammatik geben; wenn die letzten Menschen sich slapstickartig gegen einen riesigen schwarzen Wind-Sack stemmen, der die Bühne überflutet und sie regelrecht verschluckt; oder wenn bei einer apokalyptischen Abschiedsfeier ein gut gelaunter Molch in Glitzer-Outfit eine Empore erklimmt, zum fröhlich schwadronierenden Radio-Moderator und zum DJ des Untergangs mutiert:

Zwischen Händels Wassermusik und den besten Hits der 80er verkündet er laut johlend die Siegesmeldungen von der Front, wo es den Molchen gelungen ist, Land wegzusprengen und neuen Wasser-Lebensraum zu gewinnen, Menschen zum Aussterben in die letzten Berge zu vertreiben. Das tut weh, ist aber trotzdem ziemlich komisch. Rettung für den Menschen gibt es in der turbulenten Theaterfassung leider nicht. Wer Hilfe sucht, sollte mal ein schlaues Buch lesen, zum Beispiel den Roman von Karel Capek, da gibt es auch ein paar Gedanken, wie der ganze Irrsinn noch zu verhindern und der Krieg ganz anders ausgehen könnte.'' schreibt Frank Dietschreit auf rbbKultur
''Es liegt in der Natur der Sache, dass die Regisseurin Karin Henkel und ihre Dramaturgin Rita Thiele die meisten der 650 Romanseiten streichen mussten. Ihre Fassung, die auch andere Bernhard-Texte verwebt, konzentriert sich auf den schwelenden Nationalsozialismus, der den Krieg bestens überlebt hat – das zeigen die uralten Nobel-Nazis, die zur Beerdigung der Eltern im Aufzug aus dem Bühnenboden herauffahren. Geradezu hellsichtig warnt Bernhard vor der Salonfähigkeit des Antisemitismus, wie wir ihn heute in Europa erleben.

Was Karin Henkel dann allerdings doch völlig abgeht, ist ein Gefühl für die irrwitzige Sprache Bernhards. Dessen "Auslöschung" ist ein durchrhythmisiertes Stück Literatur, das einzelne Worte wie im Loop 15 und 20 Mal wiederholt und bis zur Klimax steigert. Das sich an Vokabeln festbeißt wie ein Terrier. Das pulsiert, aufwogt, abebbt. Und dabei eine Ironie und einen bitteren Sprachwitz verätzt, wie man das nur von Österreichern kennt.

Großartig, wenn das Theater endlich wieder Thomas Bernhard und dessen Gesellschaftskritik entdeckt. Noch schöner wäre eine Regisseurin, die auch für Bernhards Sprachmusik sensibel wäre, statt alles bleischwer in ein und demselben Ton zu inszenieren.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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''Pinar Karabulut versucht dem krassen und schmerzhaften Text mit schrillem Pop und androgynen Figuren beizukommen, die das duale Geschlechtersystem bereits hinter sich gelassen haben. Doch was gehen einen diese Nicht-Menschen, diese Außerirdischen an, die Redeblasen über Sex und Vergewaltigung absondern und dabei gänzlich auf der Stelle treten?

Später geht den phallischen Türmen die Luft und also die Erektion aus, am Ende heben die Aliens mit einem Raumschiff gen Bühnenhimmel ab. Zurück ins Paradies der Geschlechtslosigkeit? Vom Text bleibt jedenfalls nicht viel übrig außer: irgendwas mit Feminismus. Leichter und langweiliger war es nie, die offensten Türen einzurennen. Das Publikum jubelt.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur