Kritik zu: Geht es dir gut?
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''In den besten Momenten sagen diese emotionalen, mit großer Verletzlichkeit gesprochenen Suaden auch bei dieser Pollesch-Hinrichs-Arbeit viel über unseren Gesellschaftszustand und Gefühlshaushalt aus. Für die Vereinsamung im Lockdown, unsere asymmetrischen Gesichter hinter der Maske finden die Theatermacher wunderschöne Sätze. Doch man merkt dem Abend an, dass er die Pandemie und den Klimawandel zum Grundthema hatte – die hineingewerkelten Aktualisierungen im Hinblick auf Putin, der zwischendurch im Foto eingeblendet wird, wollen sich nicht so recht ins Requiem der Privilegierten einfügen. Lässt sich der Krieg so leicht einflechten in den allgemeinen Erschöpfungszustand? Schlicht ein Ding "on top", wie Hinrichs sagt? Führt auch dieser Krieg nur zu kurzzeitigen Solidaritätswellen, die im Narzissmus der westlichen Welt bald abebben? Von der viel zitierten "Zeitenwende" ist hier nichts zu spüren, gar nichts. Vielleicht kommt dieser Abend fünf Wochen zu spät. (...)

Trotz mancher Einwände: Mit "Geht es dir gut?" hat die Volksbühne eine Inszenierung vorgelegt, die einen wirklich angeht.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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''Stars fehlen. Hulkar Sabirova als Hélène fehlt anfangs die Mittellage, Piero Pretti (Henri) singt, als fasse er sich mit der Hand zur Gurgel. Beides gibt sich dann nach der Pause. Roberto Tagliavini als Aufrührer Procida bleibt zu italienisch grobkörnig, alle werfen sich zu stark auf die Spitzentöne. Aus Thomas Lehman, dem konkurrenzlos großartigsten Darsteller untersetzter Schwächlinge, wird diesmal weniger gemacht als möglich. Man nennt das: Achtungserfolg. Genug ist nicht genug, würde ich darauf antworten. Da passiert, was eben passiert, wenn man ein Stück aus programmdramaturgischen Gründen ansetzt und dann schaut, wie man den Fall löst: Man muss zufrieden sein, wenn man den Stab überhaupt zusammenkriegt.

Die Premiere ging dennoch in einem Flächenbrand von Jubel auf. Das liegt einerseits daran, wie phantastisch wirkungsvoll Verdi den Schluss gestaltet. Es liegt auch am Chor und an dem schließlich doch gut eingesungenen Ensemble. Sowie daran, dass man dankbar ist vor lauter Erschöpfung. Zur Pause zu kommen, wäre eine Option. Gevespert wird zum Schluss. Da kommt man immer noch rechtzeitig genug.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf rbbKultur
Kritik zu: Amadeus
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''In der Inszenierung von Bettina Jahnke wird die religiöse Motivierung nicht hervorgehoben. Es gibt zwar ein großes Kreuz im Bühnenhintergrund und Salieri erzählt auch, wie er vom gottesfürchtigen Menschen zum skrupellosen Intriganten wird, aber das tut er ohne biblischen Zorn. Die Regisseurin will ihn nicht als religiösen Fanatiker zeigen, sondern einfach als Menschen, der die Begabung seines Gegenüber nicht ertragen kann, weil ihm dadurch seine eigene Mittelmäßigkeit bewusst wird.

Mozart hingegen lässt sie als sympathischen Rebellen auftreten, der gegen die Konventionen seiner Zeit aufbegehrt. Er hat etwas Rockstarhaftes, was auch durch seine Perücke unterstrichen wird, die nicht barock frisiert ist, sondern eine wilde Haartolle zeigt. Diesen Einfall haben die Potsdamer vielleicht vom Film übernommen. Der Darsteller Paul Sies sieht dem Film-Mozart auch ziemlich ähnlich, aber er imitiert ihn nicht. Er hat einen eigenen Schwung und Charme, verplappert sich bei wichtigen Gesprächen, aber wenn er sich an den Flügel setzt, der gut sichtbar vorn im Orchestergraben steht, dann kann er virtuos improvisieren und selbst einhändig die wildesten Melodien spielen – von Mozart bis Free Jazz. Da wird sehr spielerisch klar gemacht, dass er seiner Zeit voraus ist.'' schreibt Oliver Kranz auf rbbKultur