Kritik zu: Joy of Life
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"Joy of Life“ ist wie ein schauermärchenhaftes Abbild des Zeitgeistes, in dem die Themen unserer Zeit unheils- und untergangs-geschwängert aufgelistet werden: diffuse Katastrophen-Angst vor allem mit dem Thema Klimawandel, Überforderung, fundamentale Verwirrtheit, Ratlosigkeit. Und das stark emotionalisierend, da die Texte ja von Toten, von Kinderstimmen vorgetragen werden, in denen es auch heißt: "Wir müssen die Welt retten, aber ohne die Politiker, die können und wollen das eh nicht." Nun könnte man sagen, gut, dass Ersan Mondtag diese Themen aus der Perspektive der Fridays-for-Future-Bewegung anspricht, aber alle Themen flattern mit losen Enden vor sich hin, alles bleibt disparat, findet in diesem Ungefähren des Zwischenreichs der Toten nicht zueinander.

Zum Ende seiner Choreographie inszeniert Ersan Mondtag einen Kommentar zu unserer Wohlfühlblase im Westen. Er lässt die Performerinnen und Performer gefühlte 20-30 Minuten lang selbstvergessen und genießerisch vor sich hin tanzen, zu sanfter Streicher-Harfen- und -Synthesizer-Musik. ABER: auf der Drehbühne liegen auch zwei Leichen und drehen sich mit im Kreis. Ein weiteres Schockbild, das man aber nur noch achselzuckend zur Kenntnis nimmt. Leider ein missglückter Abend, der mit seinen vielen Themen einfach nicht auf den Punkt kommt.'' schreibt Frank Schmid auf rbbKultur
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''Das Gorki Theater-Ensemble ist in dieser Hinsicht ein positives Beispiel. Es ist außerordentlich divers. Außerdem gehört es zur Tradition des Hauses, dass die, die auf der Bühne stehen, auch ihre Geschichten erzählen. Daran knüpft Oliver Frljić an. Er hat die Schauspielerinnen und Schauspieler improvisieren lassen und aus ihren Vorschlägen das Stück entwickelt. Die einzelnen Szenen sind sehr verschieden.

Lea Draeger spielt mit Schokoküssen. Sie zieht ihnen die braune Schokoladenhaut ab oder zerquetscht sie zwischen weißen Brötchenhälften. Das ist einerseits ein sinnlicher Vorgang, andererseits muss man natürlich an rassistisch motivierte Gewalt denken. Diese Vieldeutigkeit ist eine Qualität der Produktion und die Bilder haken sich fest. Am Ende sieht man wie eine dunkelhäutige Schauspielerin einer weißen ein Messer in den Bauch rammt. Ob das ein politischer Aufruf sein soll oder ein persönlicher Racheakt bleibt offen, aber die Gewalt verstört und provoziert ein Nachdenken. Die Idee der Inszenierung geht auf.'' schreibt Oliver Kranz auf rbbKultur
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''Die Männer, sagt der Abend, sind den emanzipierten Sexbomben einfach nicht gewachsen. Das klingt simpel, ist im selbstreferenziellen Castorf-Theater aber durchsetzt von Zitaten. Dass sich der Regie-Veteran mit einer überlangen Kartoffelsalatschlacht selbst zitiert, mag man noch entschlüsseln. Doch spätestens, wenn aus Liebesbriefen von 2018 zitiert wird, die an einen "Frank" gerichtet sind, geht es eindeutig zu weit mit dem überheblichen Insider-Theater. Hier kann nur noch mitreden, wer den Kantinen-Klatsch kennt.

Das alles ist nicht nur nervtötend, es ist auch deprimierend. Dieses Theater der brüllenden Testosteron-Männer, der dominanten, jungen nackten Frauen als wahr gewordene feuchte Männerträume, der Zersplitterung, Ironiesierung und Diskursivität - dieses Theater für die eingeweihten Castorf-Jünger, das sich ausschließlich selbst feiert, wirkt hoffnungslos anachronistisch. Die lange Pandemie-Pause hat die Sinne geschärft für Kunst, die sich überlebt hat. Und ein Castorf-Abend dieser Art und Länge gehört eindeutig dazu.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur