Kritik zu: Turandot
''Regisseur Philipp Stölzl führt das Ganze als nordkoreanisch anmutende Diktatur vor; die paradoxerweise auf ihrem Ahnenkult besteht. Hauptenergien eines Dutzends von Marionettenspielern werden darauf verwendet, die Riesenpuppe, eine von Turandot verehrte Ahnin namens Lo-u-Ling, mühsam zu manövrieren. Was leider in keinem Verhältnis zu ihrem Bedeutungsmehrwert steht.

Dass sich das Volk seine Diktatoren selber wählt (deswegen muss die Puppe bewegt werden), ist gewiss ein Grundproblem unserer Gegenwart. Leider ist Stölzl indes kein wirklich politischer Regisseur, weswegen die Deutung auf der Stelle tritt. Das Statuarische, Schematische, auch die Rauschebärte wird man auf diese Weise nicht los.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf rbbKultur
Kritik zu: Geschwister
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''Ersan Mondtags Inszenierungen haben noch nie durch besondere geistige Höhenflüge bestochen – er ist ein Theatermann der starken Bilder. Und auch an diesem Abend ist die bleigraue Horror-Ästhetik formstreng schön. Doch einen derartig banalen Kurzschluss von NS-Zeit zu NSU hat man wohl noch nie gesehen. Und die Geschichte von der braven und der revoltierenden Schwester, wie sie sich in den 1960er Jahren bei der Familie Ensslin zugetragen hat, erzählt Margarethe von Trotha in ihrem Filmklassiker ''Die bleierne Zeit'' deutlich aufschlussreicher. Der Titel ließe sich allerdings bestens auf den gefühlten Beinahe-Stillstand dieses Theaterabends übertragen.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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''Die Apokalypse macht Spaß, auch wenn man nicht recht weiß, ab man lachen oder weinen soll, wenn Molche den Menschen Nachhilfe in richtiger Grammatik geben; wenn die letzten Menschen sich slapstickartig gegen einen riesigen schwarzen Wind-Sack stemmen, der die Bühne überflutet und sie regelrecht verschluckt; oder wenn bei einer apokalyptischen Abschiedsfeier ein gut gelaunter Molch in Glitzer-Outfit eine Empore erklimmt, zum fröhlich schwadronierenden Radio-Moderator und zum DJ des Untergangs mutiert:

Zwischen Händels Wassermusik und den besten Hits der 80er verkündet er laut johlend die Siegesmeldungen von der Front, wo es den Molchen gelungen ist, Land wegzusprengen und neuen Wasser-Lebensraum zu gewinnen, Menschen zum Aussterben in die letzten Berge zu vertreiben. Das tut weh, ist aber trotzdem ziemlich komisch. Rettung für den Menschen gibt es in der turbulenten Theaterfassung leider nicht. Wer Hilfe sucht, sollte mal ein schlaues Buch lesen, zum Beispiel den Roman von Karel Capek, da gibt es auch ein paar Gedanken, wie der ganze Irrsinn noch zu verhindern und der Krieg ganz anders ausgehen könnte.'' schreibt Frank Dietschreit auf rbbKultur