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''Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise": Der erste Satz bei Tolstoi ist wohl der bekannteste Roman-Beginn der Weltliteratur. Und er kommt der auf der Gorki-Bühne tatsächlich vor! Aber nicht am Anfang, sondern - so viel Freiheit des Regisseurs, der sich selbst für einen tollen Autor hält, muss sein - erst am Ende des ersten Teils diesen konfusen Abends. Serjoscha, der 8-jährige Sohn von Anna, spricht ihn aus, als er uns mitteilt, dass seine Mutter die Familie bald verlassen und somit alle ins Unglück stürzen wird.

Dass Frljic ein kleines Kind auf die Bühne bringt, ist - unter schauspielerischen Kriterien - schon grenzwertig, dass er diesem Kind mehrfach in die Rolle eines weisen Kommentators zuweist, ist kaum zu ertragen, peinlich und peinigend zugleich. Aber in einer Inszenierung, bei der sich die Frauen erst unter den Augen des Zaren, dann von Lenin und schließlich von Putin den Weg in die Freiheit freischießen, ist wohl alles möglich. Dem Premieren-Publikum scheint die anmaßende Literatur-Vernichtung und hirnlose Theater-Verwirrung trotzdem gefallen zu haben: es applaudierte zumindest ziemlich freundlich. Warum auch immer.'' schreibt Frank Dietschreit auf rbbKultur
Kritik zu: Eine Odyssee
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''Erst als die Pappschwänze in den Schnürboden abziehen, kommt ein anderer Ton auf. In aller Stille sitzen zwei Spieler auf der Bühne, es sollen der Autor Torfason und sein Bruder Bashir sein, der, so heißt es, in Afghanistan kämpft. Gegenseitig tragen sie sich ihre Briefe vor – und wenn Bashir (Silvia Rieger) vom Krieg erzählt, klingt ein bisschen an, wie ein brisanter Abend über Kriegsverbrechen, Heldentum, Traumata hätte aussehen können.

Doch was der erste Teil an Konfetti-Kanonen zu viel hat, hat der zweite zu wenig: Ein bleierner Monolog hängt sich an den nächsten. Handwerklich wirkt die Inszenierung grob und unrhythmisch zusammengezimmert.

Das wundert vor allem deshalb, weil Arnarsson am Staatsschauspiel Hannover letztes Jahr gezeigt hat, dass er Stimmungen bestens aufbauen und Geschichten berührend erzählen kann. Damals hatte er die isländische Göttersaga "Edda" als Bilderreigen inszeniert, der die großen Fragen nach Leben und Sterben, Glaube und Liebe stellt. Mit dieser Kraft kann seine Antrittsinszenierung an der Volksbühne nicht mithalten.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
Kritik zu: Wolfsschlucht
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''Grandios agieren hier die drei Hauptdarsteller*innen, fangen Momente von Angst und Verzweiflung ein. Was sonst eine ganze lange Arie oder Szene braucht, ist hier in wenigen Sekunden verständlich und in wenigen Gesten greifbar. Der Kinderchor der Deutschen Oper begeistert – von einer Formation in die nächste, aber auch individuell unter das Publikum gemischt und mit einer Spielfreude als Waldgeister mit Baum- und Geweihkopfbedeckungen.
Mit dieser Produktion ist es gelungen, eine der zentralen Opern ins Heute zu holen, ohne dass es plakativ wird, auch ohne das inzwischen langweilig gewordene, als Avantgarde von vorgestern abgestandene Castorf-Theater eine Woche zuvor im Großen Haus bei Verdi. Hier wird die Klassik mit den Mitteln der Gegenwart interpretiert. Zwei Jahrhunderte ist Webers "Freischütz" inzwischen alt, aber aktueller, gegenwärtiger kann man diesen Klassiker kaum präsentieren.'' schreibt

Andreas Göbel auf rbbKultur

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