0 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
''Pollesch hat sich noch nie für eine Bühnenhandlung oder die Entwicklung von Theaterfiguren interessiert, ihm sind Charaktere schnuppe, das Repräsentationstheater kann ihm gestohlen bleiben, niemand muss bei ihm eine logische und kohärente emotionale Darstellung zeigen. Er schreibt Texte, um kulturelle und politische Theorien besser verstehen zu können, collagiert Zitate über Kolonialismus und Kapitalismus, Mode, Macht und Mafia. Auch jetzt gibt es keine festgezurrten Figuren, keine ausformulierten Dialoge, sondern nur witzig-konfus verknäulte Textbausteine zur Theorie und Praxis des Theaters unter besonderer Berücksichtigung der Rolle des Vorhangs, die den Schauspieler*innen zum Fraß und zur freien Improvisation vorgeworfen werden. (...)

Das Premieren-Publikum freute sich über die wiedergewonnene anarchische Theater-Volksbühnen-Freiheit mit einem intelligent-verrückten und überkandidelt-sinnfreien Text, der Raum für Fantasie lässt und die Darsteller*innen animiert, sich um Kopf und Kragen zu spielen. Eine nostalgische und frivole Mischung aus "Rolle rückwärts" und "Alles auf Anfang": Wohin die Reise geht, ist noch längst nicht ausgemacht.'' schreibt Frank Dietschreit auf rbbKultur
Kritik zu: Mercedes
''Franziska Machens als Oi und Julia Windischbauer als Sakko stecken beide in gold-gelben Kostümen, wirken wie vom Himmel gefallene Engel, die sich auf einem Müllplatz wiederfinden und Zuflucht in einem ausgebrannten Auto gefunden haben. Sie spielen Bruder und Schwester, reden über Krieg und Frieden, Arbeit und Freizeit und reden, spielen, tanzen mit dem namenlosen Mercedes-Fahrer im schmuddeligen Anzug (Caner Sunar), der keine Projektionsfläche für Fantasien mehr ist, sondern real ins Geschehen eingreift, mit einem Maschinengewehr hantiert, in einer Szene sogar in die Rolle von Oi schlüpft, sich an ihrer Stelle auf den Autostrich begibt und Sakko sexuelle Angebote macht. Aus dem irrlichternden Spiel mit Wunschfantasien wird ein verwirrendes Spiel mit Identitäten.

Der gesellschaftskritische Furor einer sich an den Bevormundungen der Väter abarbeitenden Jugend geht vollends den Bach runter, die ironische Abrechnung mit dem Brechtschen Belehrungstheater, die zersplitterten Sprach-Fetzen, das satirische Verwursten der Versuchsanordnung, der aufmüpfige Ton des vielleicht nach einer durchzechten Nacht mal schnell hingerotzten Stückes wird zu einer neckischen und unterhaltsamen Theater-Banalität umgemodelt. Wer mit Brasch und seiner anarchischen Zerstörungswut nichts anfangen kann, sollte die Finger von ihm lassen. Ihn nur nett herzurichten, das hat der notorische Wüterich nicht verdient. In der DT-Box wird Brasch nicht zum zeitlos aktuellen Autor reanimiert, sondern nur als harmloses Bühnen-Gespenst neu verkleidet: Darauf hat wirklich niemand gewartet.'' schreibt Frank Dietschreit auf rbbKultur
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
''Das Publikum eine kurzweilige Stunde im Theater. Dafür sorgen die witzigen kleinen Szenen, zuhause und auf dem Schulhof, die souverän und Pointen-sicher agierenden Schauspielerinnen Schauspieler sowie die alten, teilweise berühmten GRIPS-Songs (so das Lied vom kleinen Baum) vom verstorbenen Komponisten Birger Heymann. Die Lieder sind neu aufgenommen und arrangiert, müssen aber leider Corona-konform vom Band kommen.

Die Aufführung regt Kinder und Erwachsene an. Wer rauskommt, diskutiert über Umwelt- und Klimaschutz. "Baum, Baum, kleiner Baum, bleib am Leben" – nie war dieser Liedtext wichtiger als heute.'' schreibt Regine Bruckmann auf rbbKultur