Kritik zu: Formas Breves
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''Das Thema der Umwandlung und Verwandlung von (Bühnen-) Körpern inszeniert Rodrigues z.B. ebenso mit Spotlight von oben und mit Tänzerinnen, die sich biegen und krümmen und die durch den Schattenwurf und die Verkrümmungen zu kubistischen Figuren oder Phantasie- und Fabelwesen werden. Dabei stehen sie auf einer sehr kleinen kreisrunden Plattform, die von zwei anderen gedreht wird, so dass sie wie Objekte einer Ausstellung oder eines Museums wirken. In einer anderen Szene verkrümmt eine nackte Tänzerin sitzend mit dem Rücken zu uns ihren Körper derart, dass die Formen, die Oskar Schlemmer in seinen Figurinen gezeigt hat: Viereck des Brustkastens, Kreis des Bauches, Zylinder von Hals, Kopf, Haaren wieder erkennbar sind. Lia Rodrigues greift also die Formideen von Schlemmer auf und interpretiert sie auf ihre Weise zeitgenössisch neu und das konsequent und bildstark, phantasievoll und in strenger Klarheit und mit wunderbar lakonischem Humor zugleich.

Lia Rodrigues ist jedoch auch eine politisch engagierte Künstlerin, das war bei ihren vielen Gastspielen in Berlin und Potsdam immer wieder zu erleben. Und nicht umsonst hat sie 2003 mitten in einer der größten Favelas von Rio de Janeiro in einem leerstehenden Warenhaus ihr Kunstzentrum eröffnet, bietet dort Tanz- und Theater- und Musikkurse, Nachhilfe-Unterricht, ein Zuhause für Kinder und Jugendliche. Sie gehört mit ihren 63 Jahren zu den scharfen Kritikern des neuen brasilianischen Präsidenten. Und so war es keine Überraschung, dass die Tänzer beim Schluss-Applaus Plakate in die Höhe gehalten haben: für Demokratie in Brasilien, der Staat sei ein Mörder, es werde gestreikt gegen die 30-Prozent-Kürzungen in den Budgets für Universitäten und Schulen in Brasilien, ist da zu lesen. Eine beeindruckende Choreographie und ein klares politisches Statement.'' schreibt Frank Schmid auf rbbKultur
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''Claudia Bauer will das Stück als schrille Polit-Pop-Komödie erzählen, doch die Gags sind derart flach, es wird so viel herumgestanden und gequasselt, dass vor allem die erste Stunde quälend ist: Ein quietschbunter Chor steht in parodierten Rokoko-Kostümen auf der Bühne, mit gigantischen Pluderhosen und turmhohen Perücken, hinter ihnen eine zweigeschossige Landhausfassade, die sich dreht und für allerlei Tür-auf-Tür-zu-Slapstick genutzt wird. (...)

Man muss schon sehr auf grelles Pop- und Trash-Theater, auf Schnipsel-Kultur, Witzelei und überzeichnete Komik-Figuren stehen, um den Abend unterhaltsam zu finden statt einfach nur nervtötend. Hier kommt exemplarisch zusammen, was das angeblich bemerkenswerte Theater, das von der Jury gehypt wird, oft so schwer erträglich macht: pseudo-intellektuelles, postdramatisches Theater mit abgestandener 90er-Jahre Ironie, eher mainstreamig als avantgardistisch. Die Live-Videos von hinter der Bühne erinnern an Frank Castorf, die Laberkaskaden kann René Pollesch besser und zugespitzter.

Ziemlich frustrierend, dass die Jury dieses Jahr auf so viele etablierte Namen gesetzt hat – und bislang alle von ihnen mit einer schwächeren Arbeit auf dem Festival zu sehen waren.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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''Wofür der Regisseur bei den "Erniedrigten und Beleidigten" brennt, wo seine Schmerzpunkte liegen, überträgt sich kaum. Fast drei Stunden lang stehen die Schauspieler an der Rampe und schreien – ohne, dass man ein Gespür bekäme, was unter diesen angerissenen Szenen von Eifersucht, Egoismus, Prostitution über das reine Elend hinaus liegen könnte.

Wenn eine Inszenierung nichts erzählen möchte, sollte sich zumindest eine Assoziation, Atmosphäre, ein Unbehagen, eine Spannung einstellen – doch dieser Abend bleibt in seiner permanenten Hysterie und Ekstase schlicht monoton. Viele Zuschauer trieb das nach und nach aus dem Saal – eine wohl bereits einkalkulierte Provokation.

Dass Hartmann seine Kopfinnenraum-Konzentration zusätzlich noch mit einem Surrealismus-Referat und einer Vorlesung über Realismus von Wolfram Lotz bricht, um seine eigene Poetik zu erklären, macht den Abend dann vollends zum selbstreferenziellen Metatheater und zum Dekonstruktionsmainstream-Theater, das man zu Castorfs Zeiten mindestens 20 Jahre lang an der Volksbühne erleben konnte. Wie schon bei Christopher Rüpings Theatertreffen-Einladung, so gilt auch hier: lieber ans Deutsche Theater gehen, dort stehen deutlich stärkere Hartmann-Inszenierungen auf dem Programm.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur

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3.3
Durchschnittsnote aller Stücke
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