Kritik zu: In My Room
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''Bei einer Familienaufstellung zwischen Vater und Sohn mit Benny Claessens als federgekröntem Guru steht zwischen beiden das personifizierte „Kriegstrauma“, während der „Schatten der Gaulands“ davon faselt, dass ja alles nicht so schlimm war. Hier teilt der politische Autor Richter wie schon in Fear an der Schaubühne gegen die Verharmlosung von Krieg und Gewalt durch die AfD aus. Von heutiger toxischer Männlichkeit berichtet Jonas Dassler in einer Parodie zum Männerbild von Rapper Felix Blume alias Kollegha in seinem Buch DAS IST ALPHA: Die 10 Boss-Gebote. Nach einem Dialog zwischen Knut Berger und Jonas Dassler über die Abnahme des körperlichen Begehrens eines schwulen Paars setzt Berger zum großen Wutmonolog über „erfüllende sexuelle Beziehungen“ an und empfiehlt den Neonazis in Sachsen und Thüringen einfach mal gut zu ficken, oder sich durchficken zu lassen. Auch das eher eine Art rudimentäres Männlichkeitsgehabe.

Zur Befreiung setzen die Schauspieler zwischen den Szenen immer wieder in schillernder Kostümierung zu Livesongs an, die mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Klavier mal rockig, punkig oder auch mit viel Gefühl performt werden. Überhaupt hat Falk Richter den Abend emotional stark aufgeladen. Eine sehr persönliche Abrechnung mit den Vätern, die hin und wieder auch nach zwischenmenschlicher Empathie und der Überwindung toxischen Denkens fragt. Richter lässt seinen sterbenden Vater im Krankenhaus von der Rückkehr der bösen kleinen Clownsfratzen in den Talkshows und die Konservativen als Steigbügelhalter der Nazis sprechen. Das ist aktuell wieder in der Diskussion. Weiter als bis zu einem letzten Bedauern geht dieser Vater-Sohn-Abend aber nicht.'' schreibt Stefan Bock am 17. Januar 2020 auf KULTURA-EXTRA
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''Zu Beginn kehrt Rosie (Ruth Marie Kröger) nach ein paar Jahren in Europa zu ihrer Familie nach Australien zurück. Dort trifft sie auf die Schwester Pip (Nina Petri), die ihren Mann verlässt, auf den Bruder Mark (Rune Jürgensen), der seine Identität als Frau realisieren möchte, und den anderen Bruder Ben (Maximilian von Mühlen), der in eine Geldmanipulation verwickelt ist (dass man dabei an Arthur Millers Tod eines Handlungsreisenden denken mag, steht den Dingen eher im Weg). Maria Hartmann ist die ständig vermittelnde Mutter und Christoph Tomanek zu jung besetzt: er ist gerade sechs Jahre älter als seine Tochter Pip.

Kathrin Kegler hat der Regisseurin Adelheid Müther ein symbolisches Bühnenbild gebaut. Hinter Segmenten intakter Wände sieht man geborstene Mauern. Im Hintergrund das idyllische Foto eines Kindheitsgartens. Die vier Kinder von Bob und Fran Price haben ihn verlassen. Wie so viele Töchter und Söhne in der angloamerikanischen Dramatik vor ihnen. Das sind Dinge, die wir sicher wissen. Im Original heißt das Stück Things I Know To Be True. Wahr mögen sie sein – aber reichen sie für ein Drama? Wenig Neues aus Australien.'' schreibt Thomas Rothschild am 17. Januar 2020 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: BALLET BC
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''Die erste Vorführung des Abends, Bedroom Folk, schuf die 49jährige, israelische Tänzerin und Choreographin Sharon Eyal zusammen mit ihrem künstlerischen Partner Gai Behar. Zu tranceartigen House-Beats vom Soundkünstler Ori Lichtik bewegen sich etwa ein Dutzend Tänzer synchron in einer einzigen Schar. Mit verlangsamten, kleinen Gesten schaffen sie eine eindrückliche Bewegungseinheit. Doch alsbald tanzt zu den hypnotischen Rhythmen in der engen Formation ein Tänzer aus der Reihe. Er bewegt sich kurz gegenläufig zur Gruppe, ordnet sich alsbald wieder ein, nur damit der oder die Nächste dann markant aus der Reihe tanzen kann. Gepflegtes Trippeln wechselt mit Marschschritten, das Tempo zieht an, Solisten wie Justin Rapaport oder Scott Fowler stechen präzise und charismatisch mit unterschiedlichen Positionen, Sprüngen oder konzentrierten Drehbewegungen während des 26minütigen Stückes hervor.

Eine ausdrucksstarke Sogwirkung löst auch das zweite Stück, Busk, der kanadischen Choreographin Aszure Barton aus. Busk bezieht sich auf das spanische Wort „buscar“, Deutsch für "suchen". Zigeunermusik von Ljova und der Kontraband wird von dramatischen Chorgesängen unterbrochen. Eingeleitet wird die 25minütige Performance durch ein langes, akrobatisches und fein ausbalanciertes Solo von Justin Rapaport – sehr ausdrucksstark. Abgelöst wird die vielversprechende Einlage durch episodisch sich mal steigernden und mal verlangsamenden Gruppentanz. Die schwarz gekleideten Tänzer bewegen sich in komplexen Strukturen und Einheiten im Kollektiv. Wenn die Tänzer gemeinsam ihre Zähne blecken, wirkt das mitunter recht schwarzhumorig. Dann erscheint die Performance auch düster, so wird lebhaft eine Fragilität des Menschseins ausgedrückt.

Die letzte Choreographie des Abends, Solo Echo, ist von der kanadischen Balletttänzerin und Choreographin Crystal Pite. Die Künstlerin wurde zu ihrer Arbeit von zwei Brahms-Sonaten für das Cello und dem Gedicht Lines for Winter von Mark Strand inspiriert, die von Band wiedergegeben werden. Vor dunkel ausgeleuchtetem Bühnenhintergrund fällt durchgehend leuchtender Bühnenschnee. Das Stück beginnt mit Paartanz und schnellen Richtungswechseln. Neben der Zugehörigkeit wird im steten Bewegungsfluss bald jedoch auch mögliche Einsamkeit ausgelotet. Melancholisch handeln die Tanzszenen von dem Einzelnen und der Gruppe, von Verlust und Vertrautheit, Abgrenzung und Sehnsucht. Wenn Männer eng mit Männern tanzen, drücken ihre Bewegungen bald auch Aggression und Dominanzwillen aus. Bewegungsmuster erinnern hier an asiatische Kampfkunst.'' schreibt Ansgar Skoda am 14. Januar 2020 auf KULTURA-EXTRA

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