Kritik zu: RESPONSE II
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''Zwei Paare treten in Aedis von Alessandro Giaquinto auf, eins auf Distanz, eins in engem Kontakt, was den beiden erlaubt ist, weil sie in einem Haushalt wohnen. Eine schwarze Matratze und ein ebenso schwarzer Tisch dienen als Unterlage. Die Tänzer schlängeln sich, bieten ausgreifende Gesten der nackten Oberkörper, ehe sie sich alle vier dem Geist der Musik von Nik Bärtsch und Vivaldi unterordnen.

Aliunde Levi von Aurora De Mori ist ein Solo für Hyo-Jung Kang. Es folgt dem puren Rhythmus der Trommel und dem von Naturgeräuschen begleiteten Flötenklang für eine Choreographie, die afrikanische und asiatische Folklore in Erinnerung ruft.

Bei Chrysalis von Vittoria Girelli drohen die suggestive Bewegung von Schuberts Allegro moderato aus der Sonate in a für Arpeggione und Klavier und die flatternden türkis-braunen Rüschenhosen vom Tanz abzulenken, die Aufmerksamkeit für sich zu beanspruchen.

Im Schlussstück Mehlberg von Shaked Heller wiederum, in dem die Stuttgarter Publikumslieblinge Elisa Badenes und Louis Stiens zusammen mit Angelina Zuccarini auftreten, dominiert das Bühnenbild, eine Art Bunker oder Gefängnis, zu dem die Alte Musik einen Gegensatz bildet, aber, wie auch die Choreographie, stellenweise den Eindruck von Beliebigkeit hinterlässt.

Das originellste Stück des Abends heißt Resonanz. Zur Clapping Music von Steve Reich und zu Julius Klengels Hymnus für 12 Celli reizt die Choreographie von Agnes Su die Dialektik von Geometrie und Mechanik, von Licht und Schatten, von Witz und Lyrizismus, von Perkussion und Streicherkitsch aus.'' schreibt Thomas Rothschild am 31. Oktober 2020 auf KULTURA-EXTRA
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''Vor der Musik, die man sich in einem Opernhaus erhofft, also der wortreiche Monolog. Katja Bürkle spricht ihn im enigmatischen Bühnenbild von Jo Schramm mit dem gleichen ungebrochenen Naturalismus, mit dem sie die Gesten, vor allem der Arme und Hände, wählt. Irritierend ist allerdings die Auswirkung des Mikroports. Da hat man sich in den fünfziger Jahren den Kopf zerbrochen über Techniken des Raumklangs bei der Schallplatte, und im Theater müssen wir erleben, wie eine Person sich im Raum bewegt, die Räumlichkeit ihrer Stimme aber zerstört wird. Sie kommt immer aus den Boxen.

Ehe die Schauspielerin das Ende von Jelineks Text erreicht, betreten zwei Sängerinnen und zwei Sänger – Simone Schneider, Evelyn Herlitzius, Thomas Blondelle und Martin Gantner – von oben her die Bühne, sehen sich um, setzen sich und essen und trinken aus kleinen Schüsseln wie Bauarbeiter. Da ist nichts mehr naturalistisch. Die Kostüme (Claudia Irro und Bettina Werner) und das Licht lassen eher an eine Verfilmung von Tolkien oder an einen Comicstrip denken als an die heute kaum noch inspirierenden, auf chinesischen Gedichten basierenden Texte von Hans Bethge.

Das Erlebnis des Abends aber ist das reduzierte Staatsorchester Stuttgart unter der Stabführung von Cornelius Meister. Die Klangfarben von Mahlers monumentalem Werk zwischen den Genres kommen gerade in der kleinen Besetzung voll zur Geltung, die Soloinstrumente setzen Akzente wie Lokalfarben in einem Gemälde. Gerne würde man sich noch stärker auf die Musik konzentrieren. Nach einer halben Stunde fragt man sich nämlich zunehmend, was gewonnen ist, wenn die Sänger über die Bühne torkeln. Noch in dieser Woche wird an der Stuttgarter Oper Don Giovanni konzertant aufgeführt. Ob sich dafür Das Lied von der Erde nicht eher angeboten hätte?'' schreibt Thomas Rothschild am 28. Oktober 2020 auf KULTURA-EXTRA
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''Den Tod im Auge muss die Protagonistin enttäuscht feststellen, dass ihr das Unterbewusstsein keine faszinierenden Bilder eines gelungenen Lebens zeigt, sondern nur Unterdurchschnittliches wie „Immobilien und Kühlschränke, triste Reisen und die Abwesenheit von Liebe.“ Das allein wiegt schon schwer. Hinzu kommt noch die Benachteiligung durch patriarchale Strukturen und das Herausdrängen aus dem Job, während Männer ihres Alters befördert werden. Hämisch böse performen die vier Damen dabei schwanzwedelnde misogyne Mansplainer. Wenn Svenja Liesau in einer aus der Rolle fallende Soloperformance als Betrunkene die letzte große Liebe Benny am Grab verabschiedet und sich dabei an der Souffleuse abreagiert, ist das aber durchaus selbstironisch angelegt. Und auch die anderen haben ihre Soloauftritte. In den chorisch vorgetragenen Textpassagen wechselt der Ton von bitterem Sarkasmus zur Resignation und zurück. Frau hat es sich in ihrem Leben zwischen Job, Mutterschaft und Ersatzbefriedigung Konsum mit einem Ferienhaus an der Côte d‘Azur gut eingerichtet. „Ich hatte daran geglaubt, dass Konsum glücklich macht, und, verdammte Scheiße, das stimmt.“

Auch die Familie bringt ihr nicht die erwartete Liebe entgegen. Die Mutter, die sie ins Pflegeheim abgeschoben hat, und die Tochter, die wie sie damals nur auf andere Art rebelliert, haben sich von ihr abgewendet. Es bleibt die Angst vor dem Ende. „Du kommst allein und du gehst allein“, lautet das deprimierende Fazit. Da hilft nur sich selbst wieder als 13jährige zu fühlen. Mit mehreren starken Showeinlagen, bei denen das spiel- und tanzfreudige Damenquartett u.a. ein Death-Metall-Band performt, oder Songs wie I wanna know what love is singt, versucht Regisseur Nübling die „unendliche Traurigkeit“ und Hoffnungslosigkeit des Textes zu durchbrechen. Und zumindest für 90 unterhaltsame Minuten sehen dabei die Schauspielerinnen wie Siegerinnen aus.'' schreibt Stefan Bock am 27. Oktober 2020 auf KULTURA-EXTRA

 

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