0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
''Der hinsichtlich sämtlicher von dem Castorf willkürlich gehandhabten Sternheim-Vorlagen (= 4 Stücke, 1 Roman) diesmal und ausnahmsweise vollkommen werkunkundige Rezensent hatte und hat es dahingehend ziemlich gut, dass er sich - wie gewiss die meisten Rezipienten dieses relativ doch kurzweiligen Abends - völlig "unbeeinflusst" dem reichhaltig-spielerischen Angebot des Regisseurs entspannt-genüsslich hinzugeben in der Lage war. Klar, dass es angesichts der Großdauer des Großprojekts ganz unvermeidlich "Hänger" gab und man sich wiederum des Eindrucks nicht erwehren wollte, dass das schauspielernde Team guru-gesteuert auf der Stelle trat und es daher "nicht richtig" weiter und/oder vorangeh'n wollte. Doch egal, denn:

Inspirierend sind die Großopern dieses genial belesenen, kosmopolitischen Berliners allemal! (...) Ja und ich, der Rezensent, habe ein ungefähres Bild davon gekriegt, wie's früher so bei diesen Großbürgern womöglich zugegangen war - trotz dass dann diesmal Müllers "Engel der Verzweiflung" leider fehlte.'' schreibt Andre Sokolowski am 19. Januar 2020 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Ivanov
0 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
''Unvermittelt lässt Karin Beier das Stück, in das sie mit ihrer Dramaturgin Rita Thiele behutsam ein paar Fremdtexte montiert hat, nach seiner Einleitung mit Musik, Choreographie, Licht und Haltungen ins Groteske kippen. Ob das die Sicht Ivanovs oder der Regisseurin ist, bleibt offen. Jedenfalls wird die Gesellschaft, an der Ivanov krankt, somit in scharfen Kontrast zu ihm selbst gesetzt. Sie wirkt wie ein Albtraum.

Nach der Pause erklingt bruchstückhaft die Warschawjanka. Kündigt das Revolutionslied den bei Tschechow immer nur geahnten Umbruch an? Ivanov jedenfalls wird ihn nicht erleben. Ehe er sich erschießt – in Hamburg hat man sich, anders als Peter Zadek in Wien, für die spätere Version entschieden –, vollzieht das großartige Ensemble eine Art Totentanz. Tschechows erstes Stück ist immer noch sein deprimierendstes.'' schreibt Thomas Rothschild am 19. Januar 2020 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: 4.48 Psychose
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
''Nun wäre Rasche nicht Rasche, wenn da keine Steigerung möglich wäre. Allerdings ruft der Regisseur seine gewohnt vehement im Takt der anschwellenden Musik sich bewegenden Männerchöre erst nach gut der Hälfte des fast dreistündigen Abends ab. Die getriebene und geschundene Seele der nicht näher genannten Person, gefangen in ihrer Psychose, wandelt sich zur getriebenen Kreatur, zur besagten zerstückelten Puppe, die nun zur Gruppe vervielfacht im Rhythmus des brachialen Sounds marschiert und Text absondert. Die Passagen der Aufzählung von Diagnosen und Medikamenteneinsatz eignen sich dafür besonders gut. Das lässt sich hier fast nach Belieben auf rotierender Bühne in der Intensität hoch- und runterfahren. Die in hautfarbene, eng anliegende Bodysuits gekleideten Frauen stehen dabei meist im Mittelpunkt, darum die in schwarzen Suits steckenden Männer. Auf einen herunterfahrenden Gazevorhang werden ab und zu Videos von Händen und anderen Körperteilen oder mit einer Livekamera gefilmte Negativbilder der marschierenden Männer projiziert.

Das ist natürlich eindrucksvoll. Eine überwältigende Ästhetik stemmt sich gegen den sehr persönlichen, eher intimen Text. „Wem ich nie begegnete, das bin ich, sie mit dem Gesicht eingenäht in den Saum meines Bewusstseins.“ So eingenäht ins statische Inszenierungskorsett, bricht sich dieses unterdrückte Bewusstsein kaum Bahn. Menschmaschine gegen die verzweifelte Poesie einer gestörten Seele, die sich in den teils zerhäxelten Wortfetzen von Yannik Stöbener zu befreien sucht. Am Ende stehen die drei Frauen dicht aneinander gedrängt auf dem Laufband und verschwinden langsam dahin, wo sie zu Beginn aufgetaucht sind. „Dies ist die Krankheit zur Größe“, schreibt Sarah Kane. Ulrich Rasches Inszenierung verzwergt sie dabei bis hin zum großen, formvollendeten Betroffenheitskitsch.'' schreibt Stefan Bock am 18. Januar 2020 auf KULTURA-EXTRA

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN



eventim     Reservix Ticketing System       

AUF DER BÜHNE

Auf der Bühne

 

TICKETS KAUFEN
eventim

ANZEIGE
                              
                                                    
Toggle Bar
X

Right Click

No right click