Kritik zu: Monte Rosa
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''Die Bergsteiger-Komödie Monte Rosa von Teresa Dopler fällt nicht nur in der Dauer und im Ton deutlich gegen Castorfs Jelinek-Schweinerei ab. Schon das Bühnenbild strahlt eher Ruhe aus. Auf einer im Hochkantrahmen von Fabian Liszt gestalteten Felsplatte an der im Hintergrund Video-Wolken und Dunst vorbeiziehen, treffen sich Bergsteiger A und B mittleren Alters (Mathias Max Herrmann, Lukas Holzhausen), halten zunächst wortkargen Smalltalk über die Aufstiegsroute, um dann schnell beim Prahlen und Frotzeln des anderen anzukommen. Insgeheim sind die Lonesome-Wanderer auf der Suche nach einem Partner und mustern gegenseitig ihre Körper, was fast schon ironisch etwas Homoerotik knistern lässt, wenn sie sich ihre Oberkörper und Wadenmuskeln zeigen. (...)

Teresa Dopler schafft hier ein leicht-lockeres Konversationsstück, das als Parabel auf das wirkliche Leben im Leistungsdruck und Jugendwahn zu verstehen ist. Zu echten lebensphilosophischen Höhen kann sich der schmale Text aber nicht erheben. Da darf es schon etwas verwundern, dass dieses Stück von der Mülheim-Jury auserkoren und bis in die Endrunde durchgewunken wurde.'' schreibt Stefan Bock am 13. Juni 2022 auf KULTURA-EXTRA
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''Richard Adams' exakt fünfzig Jahre, also ein Jahr mehr als Wunschkonzert alter und mehrfach adaptierter dicker Roman Watership Down – Unten am Fluss findet in der Welt der Kaninchen statt. Zum Glück lässt der Regisseur Tom Kühnel drei Viertel des Abends verstreichen, ehe er den Schauspielern Masken mit langen Ohren über die Köpfe zieht und als aufgeblasenes Schwarz-Weiß-Video den Zuschauern aufdrängt. Danach dürfen die Darsteller*innen noch herumhopsen und ihre Kunst kaninchentypischer Gesten demonstrieren. Zuvor aber sind sie nicht, wie in Tierfabeln oder Kinderbüchern, menschenähnliche Tiere, sondern kaninchenähnliche, Möhren knabbernde Menschen in schwarzen Hosen, kurzärmeligen weißen Hemden und grauen Krawatten. Was sie zeigen, ist ausgezeichnet gespielt, stellenweise – etwa bei der Schöpfungsgeschichte aus Sicht der Kaninchen – witzig, aber es bleibt inmitten des schönen Bühnenbilds von Valentin Köhler, einer Art runden Konferenzzimmers oder Foyers – ohne dramaturgische Spannung. Das zerplaudert sich und macht retrospektiv die Dichte von Wunschkonzert noch einmal bewusst. Und der politisch-didaktische Subtext dieser Parabel? Nun ja. Aber macht das Theater? Mit oder ohne Kanon?'' schreibt Thomas Rothschild am 11. Juni 2022 auf KULTURA-EXTRA
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''Mit Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten hat Peter Handke den Versuch gemacht, ein Schauspiel zu schreiben, das ganz ohne Dialoge auskommt. Franz Xaver Kroetz ist ihm zuvorgekommen und hat schon 19 Jahre davor mit Wunschkonzert dieses Experiment zu einem Erfolg geführt. In Dresden spielt Christine Hoppe mit deprimierender Eindringlichkeit das Fräulein Rasch (sorry, aber man kann das „Fräulein“ nur um den Preis der Vergewaltigung des Autors und seines Textes eliminieren), das fast eine Stunde lang banale alltägliche Dinge verrichtet, ehe es sich mit Tabletten umbringt. So einfach, so reduktionistisch hat Kroetz die Tristesse eines unerfüllten Lebens für das Theater eingefangen. Die Regisseurin Lilja Rupprecht beschränkt sich auf kurze Tempoveränderungen innerhalb der Konturen eines in Knallrot getauchten Hauses (Bühne: Paula Wellmann). Es ist nicht ohne Witz, dass die Souffleuse, gut sichtbar, bei einem Stück ohne Worte vor der Rampe sitzt.

Auf die Tragödie folgt die Groteske. Das Staatsschauspiel Dresden hat Wunschkonzert mit dem ursprünglichen Film Warum läuft Herr R. Amok? von Rainer Werner Fassbinder und Michael Fengler zusammengefügt. Mit verlängerten Schädeln und gelegentlichen skurrilen Haartrachten sehen die Figuren aus wie bayrische Verwandte der Addams Family. Lilja Rupprecht glänzt nun mit einer Dialogregie, die das Geschwätz Schlag auf Schlag umsetzt. Auch hier endet es tödlich. Mit dem Unterschied, dass Herr Raab seine Aggression nach außen kehrt, ehe er sie gegen sich selbst wendet. Nach diesem Theaterabend stellt man sich die Frage: Warum laufen angesichts solcher Verhältnisse nicht viel mehr Menschen Amok?'' schreibt Thomas Rothschild am 11. Juni 2022 auf KULTURA-EXTRA