Kritik zu: Tina kommt nicht
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''Es werden (als Rahmen) jede Menge Querdenker- und Impfgegner-Idiotien im O-Ton preisgegeben. Zwischendrin "tanzt" der splitternackte Drabek mit seiner Bettwäsche und formt so tolle Kissen- und Laken-Gespenster, die sich der wahrscheinlich mehr oder weniger gespaltenen Persönlichkeit des von ihm Dargestellten bemächtigen. Und ab und zu sieht man ihn so, als würde er sich um-geschlechtigt fühlen und begreifen, dies vollführt er dergestalt, dass er sich seinen Schwanz quasi nach hinten zieht bzw. ihn zwischen den Oberschenkeln so verbirgt, dass letztlich nur dann noch sein Schamhaar sichtbar wird und es so aussieht wie der Schamberg einer Frau... Ja und dann redet er viel, viel, viel Text dazu; vielleicht bisschen zu viel, weil wir ja schon bereits nach 10 Minuten irgendwie verstanden hatten, was er eigentlich dann meinte.

Überraschende Bilder, fetzige Musik. In allem: Eine schöne sommerliche Unterhaltung.'' schreibt Andre Sokolowski am 26. Juni 2022 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: PIGS
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''Das Publikum wird von Bildschirm zu Bildschirm gejagt, mal per Du, mal per Sie angesprochen und aufgefordert, vorformulierte Fragen aus einer Menükarte an ein Gegenüber der Wahl zu stellen. Was also ist interaktiv an dem Nicht-Stück von Miriam Tscholl? Die Befolgung von Anweisungen und Befehlen? Die Aufforderung zum Gehorchen ("Wollt ihr das totale Geschwätz?") bei dem Widerspruch nicht zum Kalkül gehört? Die Frage, ob sich die Klimakatastrophe durch individuellen Verzicht auf Fleisch, Eier oder Garnelen in den Griff kriegen lässt, oder ob es nicht sinnvoller wäre, zum Boykott aller Politiker aufzurufen, die die Autoindustrie fördern, ist im vorliegenden Katalog nicht vorgesehen.

Was uns da aus Hildesheim hereinweht ist Pseudokommunikation der schlichten Art. Verglichen mit dem „Dialog“ mit „Fachleuten“, die inzwischen daheim – bei der Bratwurst? – sitzen und die man nicht unterbrechen kann, weil sie nur Abbilder sind, kommuniziert die Schauspielerin, der Schauspieler auf der Bühne im „normalen“ Theater weit mehr mit dem Publikum. Wie die Dinge liegen, werden wir den interaktiven Installationsschachsinn jedoch noch eine Weile ertragen müssen. Es hört uns ja niemand.'' schreibt Thomas Rothschild am 24. Juni 2022 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Geschwister
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''Die lähmende Spielweise ändert sich über eine Stunde kaum. Nur die verspätet eintreffende Tochter Elisabeth, mit Lederkluft und Langhaar ein Gudrun-Ensslin- Look-alike (Kostüme: Josa Marx), unterbricht die alten Geschichten der Eltern und dreht das Radio laut, in dem nun ihre Rede gegen die Naziverquickungen in Politik, Justiz und Polizei zu hören ist. Es ist auch der Tag, an dem der Student Benno Ohnesorg vom West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen wurde. Ein inoffizieller Stasi-Mitarbeiter, wie sich später herausstellte. Im Radio wettert ein West-Kommentator gegen die vom Osten bezahlten Chaoten und ein Ostkommentar, man meint hier den DDR-Chefpropagandisten Karl-Eduard von Schnitzler zu hören, gibt der hetzenden Springerpresse die Schuld. Der Patriarch unterbindet das Aufbegehren, in dem er die Tochter in ihrem Zimmer schlägt. In großen Vidoscreens neben und über der Bühne sind Bilder aus den Kinderzimmern zu sehen. Elisabeth verlässt in der Nacht das Haus und dreht zuvor den Gashahn auf. Ein düsteres Setting und ein düsterer Befund.'' schreibt Stefan Bock am 23. Juni 2022 auf KULTURA-EXTRA