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''Zum Teil tiefe Einblicke bieten sie von ihren Körperteilen, die via Livekamera auf die Bühnenrückwand projiziert werden. Es geht da in den schonungslosen Close-ups um nicht mehr ganz so frische Gesichtshaut, plötzlich schwabbelndes Bauchfett oder den sehr indiskreten Blick auf das Geschlechtsorgan, genau wie bei den vorgenannten Sheela-na-gig-Steinreliefs von weiblichen Figuren mit überdimensionaler Vulva aus frühchristlicher Zeit in Irland und Großbritannien. Sie haben eine sehr ambivalente Bedeutung, da sie einerseits weibliche Fruchtbarkeit und Leben symbolisieren, andererseits aber auch weibliche Lust als etwas Abstoßendes und Sündhaftes darstellen. Der Ekel vor der weiblichen Sexualität und dem Alter wird hier recht selbstironisch gebrochen. In Divenauftritten und Videoüberblendungen der Gesichter und Körperteile spielen die PerformerInnen mit dieser Angst.

Einen weiteren Bezugspunkt bildet das Film-Genre des Hagsploitation-Movie, in dem alternde, hässliche Frauen (Hag, auch für Hexe verwendet) dem Wahnsinn verfallen ihr Unwesen treiben. Ein Beispiel dafür ist der 1962 erschienene Horrortriller Whatever Happened to Baby Jane mit Bette Davis und Joan Crawford. Und auch im Film Sunset Boulevard aus dem Jahr 1950 geht es um eine alternde Diva, die realitätsverloren an ein Kino-Comeback als Salome glaubt und dem Wahn verfällt. Geradezu verstärkt wird noch dieser Realitätsverlust in dem 1944 mit Ingrid Bergmann verfilmten Theaterstück Gaslight (Das Haus der Lady Alquist), in dem ein Mann seine Frau bewusst in den Wahnsinn treibt. Diese Form der psychischen Beeinflussung von Frauen ist seitdem auch als „Gaslighting“ bekannt.'' schreibt Stefan Bock am 24. September 2020 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: FOREVER YOURS
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''Hannah Schopf verfasste den Text, und Inda Buschmann führte Regie; die beiden ließen sich von der Beratungsstelle STOP-STALKING auf das Sachdienlichste "inspirieren", und sie glichen den für sie sonach gewonnenen Informations- und Mehrwert theatralisch aus. Die tragische Werther-Geschichte wird zur untragischen Lotte-Geschichte, jedenfalls lässt uns das - wenn auch erst so kurz vor Ende dieser schönen Aufführung - Natascha Manthe wissen, noch bevor sie flugs zum Schlussapplaus einlädt.

Natürlich müht sich Amos Detscher (= Lotte´s Stalker) leidenschaftlicher denn je, diese ihm auferlegte Nebenrollen-Rolle kräftigst abzuschütteln; sowieso muss er das meiste sagen und ist handlungsmäßig viel, viel mehr als sie (= Werther´s Gestalkte) manifest. Olivia Stutz und Justus Verdenhalven mimen meistenteils die beiden SchulfreundInnen (Albert, Magdalene oder so). Und Maroulita de Kol saß abwechselnd am Synthesizer, an der Harfe und am Schlagzeug, um von dort aus Eigenkomponiertes beizusteuern; die vier anderen konnten dann aber auch gut singen sowie Instrumente spielen. Ja, hat Spaß gemacht, der jungen Truppe zuzusehen.'' schreibt Andre Sokolowski am 23. September 2020 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: All das Schöne
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''In Dresden sitzen die Zuschauer im Raum verteilt auf Drehstühlen im vorgeschriebenen Abstand. Jannik Hinsch bewegt sich zwischen ihnen in einer Art Weltraumanzug, dessen Helm von innen beleuchtet und mit einem Mikroport ausgestattet ist. Eine Ganzgesichtsplexiglasmaske erlaubt es dem Schauspieler, sich den Zuschauern fast intim zu nähern. Er berichtet in einer Manier, die an den Off-Erzähler in älteren Filmen erinnert, von seiner – mitunter trivialen – Biographie als Sohn einer suizidalen Mutter. Nicht die selbstmordgefährdete Mutter ist das Thema dieses Monologs, sondern deren psychische Wirkung auf ein Kind. Der Sohn stellt als Gegenmaßnahme zu den Depressionen und zum schwindenden Lebenswillen der Mutter eine Liste zusammen von „every brilliant thing“, von „all dem Schönen“, das das Leben lebenswert macht. Aber: „Die Liste hatte meine Mutter nicht gerettet. Natürlich nicht.“ Wie stets, wo es um den Tod geht, droht die Sentimentalität. Aber es ist ein Verdienst von Macmillans schönem Text und des Theaterabends, dass sie diese Gefahr umschiffen, nüchtern, ja stellenweise fast humorvoll daherkommen. Dabei wird Jannik Hinsch Einiges abverlangt. Er muss auf die Repliken der Zuschauer reagieren, geistesgegenwärtig improvisieren. Das macht er vorzüglich. Eine Zuschauerin muss aus dem Klappentext zur Reclamausgabe der Leiden des jungen Werthers vorlesen. Und fantasiert ihre „Rolle“ weiter. Jannik Hinsch findet in den Text zurück.

Szenisch passiert nicht viel. Quadratische Waben mit herabhängenden Streifen senken sich über die einzelnen Zuschauer und verstellen den Blick auf den Erzähler, der im Schutz solcher Fransen, „unsichtbar“ hochgezogen wird. Das Publikum muss Bücher, die unter den Sitzflächen deponiert waren, auf Jannik Hinsch werfen. Die „Uli“ aus dem Publikum muss mit Hinsch vierhändig Klavier spielen. All das Schöne belegt einmal mehr die Bedeutung von Songs für die Generation, der Duncan Macmillan angehört. So liefert unter anderem Daniel Johnston mit seinem Some things last a long time ein Stichwort und einen Assoziationsraum. An der Wand steht ein Fragment aus der Liste: „Wenn man nicht weiß, ob das schon das Ende ist.“ Ende.'' schreibt Thomas Rothschild am 21. September 2020 auf KULTURA-EXTRA

 

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