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''Dem Schauspieler hat Ausstatter Neumann ein Gerippe auf den Rücken geschnallt, das an Fäden gezogen raucht und ihm als Running Gag und Tod im Nacken immer wieder an die Schulter tippt. Im Duett mit Kathrin Angerer gelingen einige schöne Dialoge über Geburt und Tod des Vorhangs, über dissoziative Störungen oder die müde Jugend hinter dem Vorhang grauer Haare, auf der die Probleme der Welt lasten, während die Alten jung zu bleiben versuchen. Eine Anspielung auf Fridays for Futur und den Gesundheitswahn. Nicht der einzige Verweis auf aktuelle Diskurse. Gestreift werden auch die Genderdebatte und die Macht der Regisseure, deren Wille hier als pathologisch bezeichnet wird.

Auch Brechts Die Mutter oder die Courage werden zitiert und über das Allgemeine des politisch engagierten Dramas diskutiert. Es kommen der sterbende Tolstoi und die Kubisten vor. Pollesch klopft die Kunst und das Theater wieder auf seine Wirkung ab, wozu der Vorhang zu Pop- oder Filmmusik von Kate Bush und dem Soundtrack von Almodovars Film Vicky Cristina Barcelona wilde Choreografien vollführt. Ein durchaus stimmungsvoller Abend, ein Versprechen in die Zukunft, das es nun einzulösen gilt. Der Wille René Polleschs, die von ihm als pathologisch erachtete Alleinherrschaft der Regiekönige zugunsten eines Teams aus AutorInnen und SchauspielerInnen zu beenden, ist hehre Theorie, die nun in die Praxis umgesetzt werden will.'' schreibt Stefan Bock am 17. September 2021 auf KULTURA-EXTRA
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''Sieben große Steine (als "marmorisierte" Kissen) galt es anschließend von einer Stelle zu der anderen zu hieven; Zeit der Arbeit und des Weiter- oder Näherkennenlernens; zwischendurch Erschöpfungszustände und Ruhephasen auf den Steinen...

Lesezeit; Liz & Rodrigo lasen sich, aus Aufgeschriebenem und/ oder Aufgedrucktem, gegenseitig vor; alles auf Englisch... Kampfzeit; Liz & Rodrigo kannten sich jetzt schon ein bisschen länger, und es kam, wie ja sooft bei Liebenden bzw. sich einmal Geliebthabenden, zu Verdruss- und Überdrusserscheinungen; Boxen und Ringen schien in dem Moment größtmöglicher Gereiztheit angebracht, gesagt, getan... Urlaubszeit; Liz & Rodrigo sah man abschließend in einem klassisch anmutenden Strand-Video; Picknick am offnen Meer, sie steckte in 'nem Badeanzug und trug Sonnenbrille und 'nen Sonnenhut, er hatte ein Hawai-Hemd an und trug genauso eine Sonnenbrille...

Nein, mehr war da nicht; und ausgerechnet deshalb war es traumhaft gut gedacht, gemacht gewesen. Tosende Begeisterung!'' schreibt Andre Sokolowski am 15. September 2021 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: NOORRRRAAAAAAAA
''Als Schulvorführung eignet sich die Performance also eher nicht. Das ist auch nicht die Absicht der Regisseurin, sondern die Transformation des klassischen Textes in die Gegenwart, wie es im Programmheft heißt. Die Bühne als hoffnungsvoller „Soft-Space“, in dem man Gefühle, Verletzungen, Angst und Schwäche zeigen kann. „Ich bin in der Gewalt unkontrollierbarer Gefühle“, drängt es aus Riedler heraus. Ein bisschen Romantik versprüht sie noch als „Elfe im Mondschein“. „Zwei Schiffbrüchige auf einem Wrack“, das ist als Fazit ehrlicher. Die beiden gehen auch mal in den Körper-Clinch. Sie lieben und sie schlagen sich. Als Paartherapie mag das durchgehen. Nur nimmt man den beiden diese Wechsel zwischen Verzweiflungsfuror und Schmusekurs nicht ab.

Da machen sich die beiden fast buchstäblich nackig, um sich am Ende fünf Minuten lang in den Armen zu liegen. Es gibt noch ein Brautstraußwerfen, Rockiges und Schmusemusik mit Dido. Das soll emotional berühren. Die bedingungslose Wiederannäherung bleibt aber bloße Behauptung, wird verkaspert mit Riedlers angedeutetem Flötenspiel als Schlangenbeschwörung, um die sich in einer auf der Bühne liegende Stoffschlange verschanzte Lisau aus der Schmollecke zu holen, oder mit einer Liebeserklärung von Lisau an Riedler als Pinguin. Da wird viel „Magic“ mit der Nebelmaschine gemacht, der Vorhang mit dem Doppelportrait heruntergerissen und mit Luft aus der Windmaschine gefüllt. Der Stoff bläht sich, die langatmige Leere aber auch. Das ist dann doch etwas zu unterkomplex. Eine Ibsen-Transformation für schlichte Gemüter und geistige Verarmung des Theaters, wie man sie so schon lange nicht mehr gesehen hat.'' schreibt Stefan Bock am 14. September 2021 auf KULTURA-EXTRA