Kritik zu: Arabella
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''Die gestern Abend in Düsseldorf wiederaufgenommene 2015er Inszenierung von Tatjana Gürbaca klemmt das dem damaligen Zeitgeist durchaus adäquat gewes'ne frauenunterwürfige Geschehen in einen von Henrik Ahr gebauten weißen Guckkasten, dessen Internbegrenzungen von auf- und zuklappenden Zwischenwänden unterbrochen werden, klaustophobisch ein. Die Regisseurin rückt die Arabellaschwester Zdenka, die im völlig heruntergekommenen Haus der Waldners, also mehr aus wirtschaftlicher Not heraus, als Arabellabruder Zdenko gehalten und "verkauft" wird, in den Mittelpunkt - von jener gehen ja dann auch diese den Plot vorantreibenden und zugleich dann wieder auflösenden Turbulenzen um den sagenhaften Schlüssel zu der Arabellakammer aus; dorthin beabsichtigte Zdenko-Zdenka ihren heimlich angebeteten Matteo (früher mal ein Arabellaliebsterkandidat) irrezuleiten usw. usf. / Die vielen Scheißverwicklungen lösen sich letztlich auf, ja und mit einem habsburgischen Friedefreudeierkuchen endet die Schmonzette; Strauss schüttete alle das mit süßlichsten und gleichsam süchtig machenden Musikeinlagen zu...

Mit den zwei jungen Sängerinnen Gabriele Scherer (Arabella) als wie Anja-Nina Bahrmann (Zdenka) UND dem sensationell sich bis zur Schmerzgrenze stimmlich verausgabenden Superstar Michael Volle (jüngst Hans Sachs in Bayreuth oder Barak an der Staatsoper Unter den Linden - jetzt und hier: Madryka) scheint die Aufführung "standesgemäß" besetzt. '' schreibtAndre Sokolowski am 22. September 2018 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Candide
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''Choreografische Elemente und musicalartige Gesangseinlagen samt Live-Band im Hintergrund bereichern als kleine Highlights das Geschehen. So kontrastiert in einer längeren Szene Annina Eulings Figur den schönen Schein, während sie inmitten der Bühne von einer Bühnenschaukel schwingt, wenn ihre lieblich gesungenen Verse eigentlich von Krieg, Vergewaltigung, Flucht, Versehrtheit und Trauma handeln. Ein weiteres Highlight ist es, wenn Candide in ein Haus der käuflichen Liebe vordringt und sich hier an allen Ecken und Enden die Figuren lustvoll an Leuchtstangen verrenken. Auch das Elend des Militärs, herrschsüchtige Religion und der sich fortwährend weiterentfaltende Handel mit Gütern werden ebenfalls in einem Reigen komischer Szenen vorgeführt. 

Die Erzähler des Geschehens wechseln. Vorgetragene Inhalte werden szenisch nicht unbedingt nachgespielt, obwohl die von den Inhalten betroffenen Figuren auf der Bühne anwesend sind. Hier scheint die Fantasie des Publikums herausgefordert. Gleich zu Anfang wird das Spiel auch als Vorführung bloßgestellt, wenn Eulings Figur den auf der Bühne liegenden Timo Kählert anstößt, um ihn daran zu erinnern, das erzählte Geschehen weiter vorzutragen. Die Aussprache verschiedener Figuren wird künstlich verzerrt und erscheint dröhnend verstärkt. Gegen Ende fallen die Lautsprecher jedoch scheinbar aus, und der vorgetragene Text wird insbesondere für die hinteren Reihen akustisch schwer verständlich (eine technische Störung?). 

Leider ermüdet es etwas, das Candides Quest immer nach dem gleichen Muster verläuft. Die Sehnsucht nach Kunigunde erscheint wie eine fixe Idee. Die Figuren bleiben teilweise etwas entwicklungsarm und unmotiviert. Es bleibt ein bisschen unverständlich, warum Candides Weggefährte Cacambo, der sich bei den Inkas sehr wohl fühlt, trotzdem von Candide zu einer weiteren entbehrungsreichen und gefährlichen Reise überreden lässt. Immerhin läuft Daniel Stock als Candide bei einem hämischen Finale zu wahren Hochtouren auf, wenn er das Lachen des Publikums nachäfft und am Ende gemäß der Vorlage den Weg ins Handeln betont – „wir müssen unseren Garten bestellen“. Insgesamt gefällt die wilde Mischung aus steter Bewegung, starken Bildern, Körperlichkeit und ansprechender Musik jedoch, die das Flüchtlingsszenario um Candides Reise zu einem wahrhaft bemerkenswerten Bühnenerlebnis macht.'' schreibt Ansgar Skoda am 18. September 2018 auf KULTURA-EXTRA
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''Die so schon psychoanalytisch völlig überfrachtete, unnacherzählbare Geschichte zwingt das Macher-Duo mittels der Gestalt der schattenlosen jungen Kaiserin prompt auf die Freud'sche Couch und lässt sie dort viereinhalb Stunden lang "ihre Probleme" tag- und nachtträumen. Hierzu wird sie, nicht unoft, von ihre Persönlichkeitsstruktur flankierenden Gazellen inkl. des sie permanent bedrängenden und attackierenden Warnfalken ("Die Frau wirft keinen Schatten, der Kaiser muss versteinen") heimgesucht. Eine Gesundung der Probantin scheint wohl unter diesen Umständen fast aussichtslos. / Ein kopfkropfiger Krampf der Sonderklasse! Man vergleiche, nur ganz nebenbei bemerkt, zwei ungleich schlüssigere und v.a. sinnlichere Produktionen an der Oper Leipzig (2014) oder an der Hamburgischen Staatsoper (2017). 

Völlig ungeachtet dieser läppisch anmutenden Szenenpleite: hochpotentes Musiziertsein & erhabenes Gesinge.'' schreibt Andre Sokolowski am 17. September 2018 auf KULTURA-EXTRA

Musikalische Bewertung: ★★★★★ - Szenische Bewertung: ★☆☆☆☆
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