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''Der Abend behält trotz der sich am Roman orientierenden episodenhaften Inszenierung durchaus seine Spannung und erlebt seinen komödiantischen Höhepunkt kurz vor der Pause, wenn Devid Striesow als Orin mal wieder mit Hal telefoniert, wobei sich Ursina Lardi im Zehennagelzielwurf übt, während Sebastian Blomberg eine Vogel darstellt, der schließlich tot in Orins Whirlpool landet. Auch nach der Pause glänzt das Team Blomberg/Striesow noch in weiteren komischen Szenen wie einem Umarmungsslapstick bei den Anonymen Alkoholikern. Ansonsten konzentriert sich das Geschehen nun auch mehr auf die Suchtklinik. Heiko Pinkowski ist ein begnadeter Don Gately, ein leidender Fleischberg, der um seine Seele ringt, den Zugang zu Gott oder den Gefühlen seiner Patienten aber nicht findet und am Ende angeschossen die Schmerzmittel aus Angst vor dem Rückfall verweigert. 

Hier weist der Roman durchaus religiöse oder gar mythische Bezüge auf. Ist Pinkowskis Don der reine Schmerzensmann, dann ist Jasna Fritzi Bauer als cracksüchtige Mutter einer Totgeburt oder als verschleierte Madame Psychosis von der „Liga der absolut rüde Verunstaltetem und Entstellten“, die die Männer nicht ihrem Blick aussetzen will, Schmerzensfrau und Medusa zugleich. „Selig sind die körperlich Armen.“ Ob nun Drogensüchtige oder privilegierte Tennisschüler, alle Figuren sind hier in ihrer Angst vor Nähe, dem Zulassen von Gefühlen oder davor nicht zu funktionieren, gefangen. Thorsten Lensing zeigt dieses Anderssein aber nicht ausschließlich als Makel, sondern als liebenswerten Tick. Ein sehr körperbetontes Spiel, das mit seinen relativ einfachen Theatermitteln und vor allem seinen tollen DarstellerInnen zu beeindrucken weiß.'' schreibt Stefan Bock am 24. Februar 2018 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Liberté
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''Geniale Idee: Französische Freiheitsverfechter, die mit ihrem Freiheitsdrängen auf Französisch nicht mehr weiter durften/konnten/wollten, tragen das von ihnen so Verfochtene als exportabeles Experiment in deutsche Lande - stellen allerdings dann fest, dass dort (wobei ja Preußen nicht gleich Deutschland, was es damals noch nicht gab, bedeuten sollte) eine "Nachfrage" nach Diesbezüglichem nicht/noch nicht existierte; daher reduzierten sie ihr Angepriesenes als reinen LUST-Exportschlager etc. pp. 

Die Dialoge, die der Serra sich da ausdachte, werden von dem vorzüglichen Ensemble (Profi's als wie Laien) in 'nem theoretisch-essayistisch anmutenden Grundton abgehalten; und trotz dass es scheinbar jede Menge Mikrofone zur Verstärkung dieser insgesamten Flüster-Orgie gibt, will sich die Tontechnik partout nicht auf hörbar-verstärkte Pegel einlassen, will sagen, dass das Meiste "unverständlich" blieb. Egal. 

Die Wirkungen (akustisch, bildlich, emotional) sind hochverblüffend!!! 

Liberté ist sicherlich der erste Groß-Coup von Chris Dercon, seit er nachvollziehbar ungeschickt wie "unglücklich" das VB-Erbe von Frank Castorf angetreten hatte - und obgleich die Klientel im Großen Haus natürlich und selbstredend eine völlig andere und völlig fremde ist.'' schreibt Andre Sokolowski am 23. Februar 2018 auf KULTURA-EXTRA
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''Gerade vor dem Hintergrund, dass in Osnabrück der Westfälische Friede verhandelt wurde und das Ende der wütenden Vernichtungsmaschinerie herbeiführte, scheint es beinahe obligatorisch Parallelen zur aktuellen Weltlage aufzugreifen. Der syrische Schauspieler Ahmad Kiki, der 2015 aus seiner Heimat flüchtete und für die aktuelle Spielzeit am Theater Osnabrück spielt, soll für Authentizität sorgen und tritt in den Dialog mit Christina Dom. Leider fehlt bei diesem kurzen Intermezzo ein gekonnter Brückenschlag zur Handlung des Stücks. Das Gespräch wirkt zu losgelöst und verliert sich, wodurch die Zuschauer abgehängt werden. Erst als Dom das zunächst vertraut und freundlich wirkende Zwiegespräch mit dem resoluten Wunsch, ihr Gesprächspartner möge angesichts des vermeintlichen Kriegsendes – das tatsächlich nicht eingetreten ist - doch nun „nach Hause gehen“, beendet, lässt sich die Intention erahnen. 

Letztlich hat die Inszenierung ihre Höhen und Tiefen. Obwohl einzelne Aspekte gut durchdacht sind, kann das Stück in dieser Variante nicht gänzlich überzeugen. Die Botschaft des scharfsinnigen Pazifisten Brechts wird zu stark heruntergebrochen und lädt nicht ausreichend zum Diskurs ein. Bedauerlich ist ebenfalls, dass die Leistungen des Ensembles nicht zur Geltung kommen - brillante Köpfe allesamt, die weitaus mehr können als ihnen diese Inszenierung zugesteht.'' schreibt Sina-Christin Wilk am 22. Februar 2018 auf KULTURA-EXTRA
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