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''Auf der Bühne sitzt tatsächlich nur ein lebensecht gebauter Maschinenmensch mit dem aus Silikon geformten Antlitz und der Stimme von Thomas Melle, der hier auch etwas zu körperlichen Präsenz und Authentizität erzählt. Wobei der humanoide Melle-Roboter auch mit dem ZuschauerInnen interagiert und Fragen zu Empathie und ihrer Präsenz im Theater aufwirft. Entlang seines Lebenslaufs, wobei Melle auch seine bipolare Störung behandelt, über die der Schriftsteller bereits in Welt im Rücken (von Jan Bosse mit Joachim Meyerhoff vertheatert) berichtet, und der Biografie von Alan Turing, einem der Väter heutiger Computertechnik, über den Melle auch mal in einer manischen Phase ein Theaterstück schreiben wollte, geht es in Uncanny Valley aber vor allem um das Verhältnis von Mensch und menschähnlicher Maschine.

Der künstliche Melle, bewegt wie eine Marionette den Kopf und die Arme auch mal im Takt technoider Musik, dirigiert einen Theaterspot und zeigt im Video, wie moderne Technik und Hilfsmittel wie z.B. computergesteuerte Prothesen und einpflanzbare Chips den Menschen weiter evolutionieren. Wir lernen etwas über den Turing-Test zur Erkennung von menschlicher und künstlicher Intelligenz und sehen bei der Entstehung der Melle-Kopie zu. Ob diese Kopie mal das Original ersetzen wird, worüber der echte Melle später im Video sinniert, sei dahingestellt, wie auch die Möglichkeit des Streaming sicher nicht den leibhaftigen Theatergenuss auf Dauer ersetzen kann.'' schreibt Stefan Bock am 22. März 2020 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: No Sex
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''Die vier jungen Männer (Thomas Hauser, Christian Löber, Benjamin Radjaipour, Franz Rogowski), die sich mit Namen von Zimmerpflanzen anreden, singen nicht nur schauerlich ins Deutsche übersetzte Popsongs von den Pointer Sisters über Madonna bis zu Nirvana, zu denen sie sich ungelenk bewegen, sondern führen auch einen aberwitzigen Diskurs über Instinkt, Trieb und die emotionale Wirkung von Text und Musik. Das erinnert in Teilen an René Pollesch und hat durchaus auch kapitalismuskritische Sentenzen, gibt aber vor allem einen Einblick in eine zukünftige Kultur der selbstauferlegten Keuschheit, wie wir sie nun alle mehr oder weniger praktizieren.

Bei Okada geht es aber nicht nur ums männliche Zölibat, sondern auch die Liebe als Wirtschaftsfaktor. Anette Paulmann als japanische Putzfrau erklärt den neugierigen Jungs u.a. die Funktionsweise von sogenannten Lovehotels, was bei denen nur wieder neue Fragen aufwirft, weshalb sie lieber den irren Aufwand, anderen gefallen zu müssen, verweigern. Sie sehen sich da ganz als subversives Cluster und skandieren trotzig „Wir tun‘s nicht“. Eine ganz neue Art des Widerstands, die Oldschool-Barbesitzer Märki schließlich seinen jugendlichen Besuchern aus der Zukunft zuerkennen muss.'' schreibt Stefan Bock am 22. März 2020 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Genesis
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''Eine vor allem dank des Bühnenbildes visuell überwältigende Performance, deren anspruchsvolles Thema von seiten der Figuren mit viel Humor und Witz gebrochen wird. Das gelingt nicht immer. Doch diese Aufführung überzeugt stets, wenn sie die Schauspieler stumm einfügt in phantastische Tableaus, Spiegelungen, Projektionen. Wenn sie ganz Bild ist. Die Erhabenheit der Schöpfung braucht keine Worte.

Die israelische Regisseurin Yael Ronen lässt reden und räsonnieren, plappern und palavern von Gott und der Welt, von Macht und Mythos. Dabei geht es ihr wie so oft in ihren Arbeiten um Paarbeziehungen und Geschlechterrollen. Und sie wird ihrem Ruf gerecht, eine der lustigsten Frauen im deutschsprachigen Theater zu sein. Typisch für sie, dass sie auch diesen Text während der Proben zusammen mit ihren Darstellern erarbeitet hat. Realität und Fiktion mischen sich. So ereignen sich ergreifende Momente, wenn die Schauspieler ihre Suche nach dem Ursprung und dem Vaterprinzip mit persönlichen Erlebnissen verbinden. Wiebke, in einen Pfarrhaushalt hineingeboren, hatte Gottvater zu Hause. Wann fand die Ablösung statt? Wie ist sie verlaufen? Kann man sich einander wieder annähern? Aber ja: Knockin' on heaven's door...

Wir haben es derzeit übrigens auch gut. Wir brauchen an keine Türe zu klopfen, keine Klinke in die Hand zu nehmen, wenn wir trotz Corona besondere Theateraufführungen sehen wollen. Jeden Abend ab 18 Uhr stellen die Münchner Kammerspiele eine ihrer Aufführugen für 24 Stunden online. On demand. Danke, das ist toll!'' schreibt Petra Herrmann am 21. März 2020 auf KULTURA-EXTRA
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