Kritik zu: Herzstück
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''Um Effizienz oder aber das genaue Gegenteil geht es dann auch in der ersten Premiere im Gorki-Container. Dazu haben sich Hausregisseur Sebastian Nübling und Mitglieder des Maxim Gorki Theaters sowie des Exil-Ensembles eine kleine Meditation zum Thema Arbeiten und Nicht-Arbeiten entwickelt. Als Aufhänger nehmen sie nicht etwa die anstehenden Bauarbeiten im Haus, obwohl einige der zum Einsatz kommenden Requisiten direkt von der Baustelle im Haupthaus nebenan kommen könnten, sondern das Kurzdrama Herzstück von Heiner Müller. Es umfasst gerade mal vierzehn Zeilen und wäre wohl nach 5 Minuten beendet, und ist also wie geschaffen für ein theatrales Nachdenken über die Arbeit. Müller hatte es 1981 wohl nach einer durchzechten Nacht geschrieben. Es ist auch eher eine satirische Aufarbeitung des Geschlechterkampfthemas, das er im kurz zuvor entstandenen Stück Quartett behandelte. Clown Eins möchte Clown Zwei sein Herz zu Füßen legen, bekommt es aber nicht heraus, woraufhin Clown Zwei zum Messer greift. Am Ende ist das Herz von Clown Eins ein Ziegelstein. „Aber es schlägt nur für Sie.“ versichert dieser seinem Angebeteten. 

Irgendwie ist Heiner Müller wohl ein Zitat des schottischen Essayisten und Historikers Thomas Carlyle (1795-1881) in den Text geraten. „Arbeiten und nicht verzweifeln“ steht auch irgendwann an der Rückwand der Bühne im Gorki-Container. Vermutlich hat Müller Carlyle in Zusammenhang mit der Entstehung des Revolutionsdramas Der Auftrag (1979) gelesen. Überliefert ist das leider nicht und tut hier auch nichts weiter zur Sache, da Müllers Kurzdrama wie gesagt nur der grobe Aufhänger zu einer 75-minütigen Clownerie ist, die Autor und Stück zwar ständig im Munde führt, aber irgendwie nicht zum Ziel, der Aufführung des Stücks, gelangt. Viel mehr noch, sie geradezu verweigert.'' schreibt Stefan Bock am 18. August 2019 auf KULTURA-EXTRA
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''Zwei fulminante Performerinnen kommen mit zwei jeweils in sich abgeschloss'nen Soloauftritten zum Zug:

Eva Mohn wechselt dreimal ihre Rolle in dem dreigeteilten Stück The Man Who Grew Common in Wisdom aus dem Jahre 1989. Es beginnt auf jeden Fall sehr langsam und sehr langweilig, indem sie lang und scheinbar immer länger sowas Ähnliches wie einen Shiva mimt, und freilich ist ihr Körperausdruck und ihre ganzkörperlich wahrnehmbare Beherrschung allererste Sahne, wie zu sehen war; von "spüren" (fühlen) unsrerseits konnte ab diesem Punkt jedoch noch nicht die Rede sein... Dann tritt sie als Amphibie oder Laubfroschlarve auf und trägt dabei ein allerliebstes Zipfelmützelchen; und die Musik von Ellen Fullmann klingt nach einem Badewannenschnorchelboogiewoogie... In Teil drei empfindet man ein tragisches, fast philosophisches Momentum: Mohn, im Endlos-Diven-Modus, hat ein Dauerlächeln aufgesetzt, das letzten Endes in ein irrsinnsintensives Fratzenäußeres (heraushängende Zunge, Tierlautiges) übergeht; Lied aus! würde man wohl an dieser Stelle kurzschließen. 

Ros Warby tut in Fire hin und wieder und v.a. lustig mit dem Publikum interagieren, "how are you" oder "where are you from" benutzt sie dabei als barrierefreien Einstieg... '' schreibt Andre Sokolowski am 17. August 2019 auf KULTURA-EXTRA
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''Der Künstler als Hochstapler und Narziss, darum geht es immer auch im Werk von Thomas Mann. Nur zieht Eisenach seine Krull-Parodie immer mehr ins Gewöhnliche. „Die Kunst macht uns zu Göttern“, heißt es da eben noch. Geerdet wird das Ganze dann durch Sina Martens und den miesepetrig in der Loge sitzenden und schrecklich berlinernden Sidekick Jonathan Kempf, die den aufstrebenden, als Hotelpage in Paris eingestellten Krull erstmal auf den Boden der Realitäten zurückholen wollen. Das gerät am BE immer mehr zur kabarettistischen Lachnummer, bei der jeder mal was zum Thema referieren darf. Zum Einsatz kommen dabei neben dem Romantext auch Passagen aus Thomas Manns Betrachtungen eines Unpolitischen (Wagner, Nietzsche, Goethe, Schlag-mich-tot), was einmal sogar in demokratiefeindliche Aussagen mündet. Der Populist als gefährliche politische Form des Hochstaplers. Nur dass das hier zu nichts führt. 

Lieber ergötzt sich die Regie weiter an der Parodie des Romans, lässt Constanze Becker als liebestolle Madame Houpflé ein paar Sado-Maso-Spielchen mit Krull veranstalten, hängt sie als androgyne Artistin Andromache in die Seile, während Schulze im goldenen Lendenschurz mit Flügelhelm als Gott der Diebe Hermes auftritt. Des Weiteren sitzt man in einer mit dem Wort „Geist“ bemalten Badewanne, und Schulze muss auch noch den Klempner mit Klosettschüssel geben. Es geht auch um die Selbstdarstellung im Internet, wozu nicht viel mehr als der Wortgag Infuenzer/Influenza fällt. Sina Martens spielt dann auch noch Squash gegen die nicht vorhandene vierte Wand. 

So jagt ein Kalauer den nächsten, wird Brechts Spruch von der Wahrheit zitiert. Ist der Lügner nur ein Dummkopf oder ein Verbrecher? Will man am Theater immer die Wahrheit hören? Constanze Becker bringt dann auch noch ein Referat des geschwätzigen Paläontologen Professor Kuckuck zur Evolution und dem Intermezzo des Menschen „zwischen Nichts und Nichts“. Die menschliche Existenz als Lüge - da wäre es dann interessant geworden. Die Liebe und Manns Begriff der „Allsympathie“ werden auch noch abgehakt, bevor alle im Maul eines riesigen Kopfes verschwinden. „Hereinspaziert!“ heißt es da am Ende. Ein Vorgeschmack auf Eisenachs weitere Ausführungen zum Thema Stunde der Hochstapler im Dezember. Da kann einem jetzt schon angst du bange werden.'' schreibt Stefan Bock am 18. August 2019 auf KULTURA-EXTRA
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3.3
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