Kritik zu: Amphitryon
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''Fritsch zeigt hier boshafte, groteske Machtspielchen, das Verhalten von Machtausübenden, Machteinbüßenden und ewigen Verlierern, die wie Sosias gänzlich an die Seite gedrängt werden. „Doch wer bin ich?“ wird für ihn nicht nur zur reinen Existenzfrage. „Ich muss doch auch jemand sein“, ist trotzige Antwort, die ihn schnell die eigene Identität für die Zugehörigkeit zum Gewinner aufgeben lässt. So ausgebootet tanzt er im wahrsten Wortsinn lieber nach der Pfeife der anderen. Meyerhoff ist da ganz zweckdienlicher Mime und fügt sich gut in die hin und her wuselnde Fritsch-Familie ein. Doch nicht nur Amphitryon und Sosias wird hier übel mitgespielt, auch Alkmene wird zum Spielball zwischen den wechselnden Gatten. Annika Meier gibt sie mit bayrisch rollendem „R“ mal in Liebesraserei mit Jupiter, mal kühl abweisend gegenüber ihrem an ihrer Treue zweifelnden echten Gatten. Auch Carol Schuler als Cleanthis buhlt um den falschen und bekeift den echten Gatten Sosias. Dazu wird übertrieben grimassiert und im Chor Musical-like „Rache“ gesungen.

Viel wird an diesem Abend in der Schaubühne gelacht. Und auch wenn die Gags zuweilen in Unterleibsnähe rutschen, geht nicht alles in die barocke Pumphose. Wer sich hier aber mehr Tiefe wünscht, ist vermutlich auf die tragikomische Fassung von Heinrich von Kleist aus, der die Identitätskrise zur philosophischen Frage erhob. Das ist die Sache von Herbert Fritsch nicht. Auch wenn sich bei aller Hampelei und Klamotte hinter dem bunten, überdrehten Possenspiel durchaus etwas Tragisches verstecken mag. So bleibt es natürlich in erster Linie ein virtuoser, stilsicherer Komödienspaß, der keine Tiefe vorgibt, aber auch nicht zum ganz großen Wurf ausholt.'' schreibt Stefan Bock am 15. Oktober 2019 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Faust
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''Kušej forciert, was die Modernität von Faust selbst im ersten, wenn auch in geringerem Ausmaß als im zweiten Teil ausmacht: den Montagecharakter. So kontrastiert er Faust, der mit Gretchen über die Bühne spaziert, mit Mephisto, der es derweil mit Frau Marthe treibt, in kurzen Blackouts. Er kürzt behende und stellt um. In diesem Faust gibt es keine Zueignung, kein Vorspiel auf dem Theater und keinen Prolog im Himmel – also auch keinen Gott und keine Wette. Die Hexe (Marie-Luise Stockinger) ist, wie Frau Marthe (Alexandra Henkel) aus- und einnehmend sexy und spricht vorweg Gretchens bekannteste und meistzitierte Passagen. Dafür leiht sich Kušej ein paar Szenen aus der Tragödie zweitem Teil. Die Verse „Wie tobt's in diesen wilden Tagen!/ Ein jeder schlägt und wird erschlagen“ will sich der neue pazifistische Burgtheaterdirektor nicht entgehen lassen, auch wenn sie nur sehr bedingt in die Gretchen-Tragödie passen.

Kušej kostet den Kontrast zwischen gehobener Sprache und trivialer Gestik aus. Das doppelstöckige Bühnenbild mit Kran und eingezäuntem Basketballplatz wie aus der West Side Story passt eher an die Waterfront von Hoboken als in das spätmittelalterliche Deutschland. Es erinnert aufdringlich an Aleksandar Denić. Es ist von Aleksandar Denić. Kušej ist Castorfs Faust zuvorgekommen. Gedanklich mag diese Inszenierung etwas verwirrend erscheinen. Zu vieles ist nur angeritzt und nicht zuende gedacht. Was sie auszeichnet, ist ihre fast filmische Bildgewalt. Im Burgtheater darf man wieder Geld ausgeben. Und das ist gut so.'' schreibt Thomas Rothschild am 14. Oktober 2019 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: The Bassarids
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''Das großartige Männerpaar Sean Panikkar & Günter Papendell (als Dionysus und Pentheus) führte uns der Kosky in geradezu unauseinandernehmbarer Verquicklichung stark sinnlich und mitunter fast liebkosend vor; auch stimmlich schenkten sich die Beiden nichts.

Ja und am Schluss - womit sich unser Eingangstext, in etwa jedenfalls, bestätigte - fing Tanja Ariane Baumgartner (= Agave) mit dem Riesenhackebeilchen an auf offner Bühne justament herum zu delirieren; und aus einer Plastiktüte zerrte sie zudem die menschenfleischfasernen Überreste ihres Sohnes vor - und alle rings um sie herum verwunderten sich über ihren so spontane Auftritt ziemlich sehr...

The Bassarids sind eine Monster-Oper! Und man sollte - nein, man MUSS - sie einmal wenigstens gesehen und gehört haben!! Angeblich war und ist sie auch ein Meilenstein der Musik des 20. Jahrhunderts. Mit weit über 200 Mitwirkenden übrigens. Jubel für Alle.'' schreibt Andre Sokolowski am 14. Oktober 2019 auf KULTURA-EXTRA

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