Kritik zu: Der Biberpelz
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''Armin Petras reicht das originale Stück von Hauptmann nicht. Der Regisseur hat inspiriert von der DEFA-Verfilmung von Erich Engel aus dem Jahr 1949 den Personenkreis für seine Inszenierung und die Geschichten um den Diebstahl des Holzes und des titelgebenden Biberpelzes erweitert. Da poussiert die Wolff-Tochter Leontine (Gast Julischka Eichel) mit dem Gendarm Schulz (Markus Paul) und bekommt man Hintergrundinformationen zum windigen Denunzianten Motes (Kai Börner), der aus dem Haus Krüger geworfen mit seiner Frau (Sophie Bock) den sozialen Aufstieg über Spitzeldienste für den Amtsvorsteher von Wehrhahn versucht. Der etwas minderbemittelte Amtsdiener Mitteldorf (Johannes Scheidweiler) lässt sich vom diebischen Pärchen Mutter und Vater Wolff (Susann Thiede und Thomas Harms) willig einspannen und wechselt im Dienst des Amtsvorstehers den schmuddeligen Parka schnell gegen eine Bomberjacke und Pistole. (...)

Letztendlich bekommt den Zuschlag aber Frau von Wehrhahn für ein Festessen, dass das großartig aufspielende Cottbuser Ensemble am Ende an einer großen Tafel zusammenführt. Armin Petras tischt dick auf, scheut nicht den bösen Klamauk, bei dem einem eher das Lachen im Halse stecken bleiben soll. Die grobe Mundart der kleinen Leute zeugt von einem dicken Fell. Mutter Wolffen wehrt sich schlau, wickelt alle wie eine personifizierte Wäschemangel um den Finger und scheut auch den Einsatz der eigenen Töchter nicht. Aber im Grunde weiß hier jeder von jedem, was es geschlagen hat. Wer nicht in den allgemeinen Chor der Lügner und Weißwäscher einstimmt, wird einfach „gesäubert“.' schreibt Stefan Bock am 25. Januar 2022 auf KULTURA-EXTRA
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''Regisseur Damiano Michieletto und sein Team, allen voran der Bühnenbildner Paolo Fantin, hatten sich diesem Anspruch mit Verve gestellt. Die Atmosphäre, die Kostüme und die Formensprache des Bühnenbildes sind modern, aber nicht einfach. Keine farbige Unterwelt, kein gruseliger Hades oder andere Heerscharen und Dämonen. Das äußerst zeitgemäße Bühnenbild spielt mit geometrischen Abstraktionen und farbigen Licht. Die Kostüme sind einfach und überraschend. Von Antoine de Saint-Exupéry ist das Zitat überliefert „Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern nichts mehr weglassen kann“. In diesem Sinn hatten wir die perfekte visuelle Aufführung erlebt.

Aber auch eine darstellerisch ausgefeilte Inszenierung, man wähnte sich im Schauspiel, gängige Sänger-Konventionen wurden vermieden. Und auch wenn die Komische Oper Star-Countertenor Carlo Vistoli verpflichtete, lag der Schwerpunkt der Inszenierung auf dem Ensemble ganz im Sinne der Tradition Walter Felsensteins. Und die Inszenierung knüpfte an die Balletttradition der Komischen Oper an. 1966 auf Initiative von Walter Felsenstein gegründet, musste das Ballett der Komischen Oper Berlin bekanntlich 2004 auf Druck des Berliner Senats schließen. Heute Abend lebte es wieder auf. Nadja Mchantaf als Euridice durfte sich mit drei Tänzerinnen, allesamt Doubles der Euridice, auf der Bühne präsentieren. Das Leiden und die Verwirrung von Orfeo wurden so ins Unendliche überhöht. David Bates gab ein gelungenes Deutschland-Debüt und stand in Modernität der Inszenierung in nichts nach. Die kammermusikalischen Aktionen des Streichquintetts, des Bassetthorns und vor allem der Harfe klangen zeitgenössisch und korrespondierten in wunderbarer Weise mit dem Bühnenbild. Neben den Hauptrollen agierten Josefine Mindus (als Amore) und das Vocalconsort Berlin stimmlich und spielerisch ebenbürtig. Eine großartige Inszenierung und Ensembleleistung, was vom Publikum rückhaltlos in langem, langem Applaus gewürdigt wurde.'' schreibt Steffen Kühn am 25. Januar 2022 auf KULTURA-EXTRA
Kritik zu: Molière
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''Bruno Cathomas (erkennbar als Molière) war Teil einer der ersten großen Szenen, die dann eine Probe zu einem Molière- bzw. Castorfstück beinhaltete, und er schrie da viel und haute kräftig auf die Pauke, alles so, wie es vermutlich auch dann bei den Castorfproben allenthalben zugeht; Unterhaltung pur. Es gab auch schöne Nackt- und Badeszenen, und Paul Basonga oder Justus Meier stiegen da mit Jeanne zusammen in den Zuber; und Andreas Deinert tat das alles, wie gehabt, mit seiner Kamera durch schönste Livebilder im Großformat (auf separatem Leinwandlappen) bezeugen. Das Thema Stalin und die Künstler ließ den Castorf dann auch diesmal, wie sooft, nicht los, und also flogen uns dann solche Namen wie Bulgakow, Meyerhold und/ oder Mandelstam zusammenhängend oder weniger zusammenhängend um die Ohren.

Der Vollständigkeit halber noch die Namen aller anderen Akteurinnen und Akteure, die den neuerlichen Großakt kraft ihrer sensationellen Ausstrahlungen erst ermöglichten: Alexander Angelatta, Margot Gödrös (unter anderem als Mutter von Molière) als auch Marek Harloff und Lola Klamroth und die Pianistin Marlies Debacker, die am Klavier saß. Aleksandar Denic konstruierte die Breitwandbühne im Depot 1. Und Adriana Braga Paretzki entwarf das über alle Maßen sehenswerte Haute Couture, das wiederum von den Kostümausführenden Elisabeth Schlücker, Leonard Bode, Simone Gartner-Brochhaus, Elke Scholz sowie der Schuhmacherin Daniela Ehrich in tragbare Praxis umgesetzt also verwirklicht worden war; Respekt, Respekt!!'' schreibt Andre Sokolowski am 23. Januar 2022 auf KULTURA-EXTRA