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''Ja, es ging und geht um Innen- sowie Außenkämpfe von Personen, die in einer Art hermetisch abgeschloss'nen Falle ihr gesamtes Körpersein - für uns, das sie drei Stunden lang aufs Korn nehmende Publikum - zur Schau zu stellen hatten. So viel angespannte, ausgelebte Körperlichkeit habe ich, in dieser Zugespitztheit, wohl noch nie in einer Opernaufführung erlebt. Kurzschließt man "es" zur komplizierten Handlung dieser symbolistisch aufgeladenen und psychoanalytisch jede Menge Futter frei legenden Maeterlinck-Vorlage, könnte man "es" auch Gewalt-in-der-Familie nennen. (...)

Das so ziemlich Alles könnende Orchester der Komischen Oper Berlin kam mit dem ab der neuen Spielzeit in Funktion eines ständigen Kapellmeisters waltenden Jordan de Souza gut zurecht. Mit der Materie Debussy schien der Betroffene, rein handwerklich, vertraut. Dass dennoch klanglich irgendetwas anders und nicht ganz so optimal wie sonst (bei Debussy) geklungen hatte - keine Ahnung, woran das gelegen haben mag.'' schreibt Andre Sokolowski am 16. Oktober 2017 auf KULTURA-EXTRA
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''Regisseurin Alexandra Frankmann versetzt zusammen mit Bühnenbildner Florian Parbs die Handlung aus der Barockzeit in eine kunterbunte, im wahrsten Sinne des Wortes aufgeblasene Fantasiewelt mit einer großen Hüpfburg samt Trampolin, was eine hübsche Spielwiese für allerhand amouröse Verstrickungen bietet. Der Park, in dem sich des Nachts so allerhand Lustbarkeiten abspielen, besteht aus einigen großen, phallisch wirkenden, sich selbst aufblasenden Pflanzen. Ein Wink mit dem Zaunspfahl beziehungsweise mit dem Betonpfeiler auf die allgegenwärtige Frivolität. Die Kostüme von Rebekka Zimlich sind dementsprechend pseudo-barock und teils quietschbunt mit schrägen Details wie bunten Haaren oder Kostümen in Latex-Optik. Da dürfte dem einen oder anderen älteren Opernfreund sicher ´ne Feder aus dem Hut fallen, angesichts dieser klamaukig-frivolen Inszenierung. Andererseits, wie öde und vorhersehbar wäre es denn, wenn man das Ganze einfach in der Barockzeit belassen und ohne Weiteres runter inszeniert hätte? (...)

Auch wenn´s manchmal ein bisschen zu klamaukig wirkt und die Parallelen zur eindeutig gelungeneren Lustigen Witwe allzu offensichtlich sind, bleibt zu hoffen, dass Chefdirigent Stefan Klingele weiterhin Unbekanntes ausgräbt und damit das bislang mit altbekannten Stücken gefüllte Repertoire der MuKo weiterhin ausbaut und profiliert. 

Auf jeden Fall ist die knallbunte Sünderin trotz ein paar kleiner dramaturgischer Schwächen ein prima Mittel gegen den Herbstblues und einen Besuch wert.'' schreibt Eva Hauk am 16. Oktober 2017 auf KULTURA-EXTRA
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''Seit der Premiere wurde/wird das Stück über drei Wochen lang fast jeden Abend von den sechs Parade-Mimen Kathrin Angerer, Gottfried Breitfuss, Robert Hunger-Bühler, Johann Jürgens (der zudem gut Cello spielt!), Ilona Kannewurf und Robert Rožić (die zudem "ägyptisch" tanzen!!) sowie Siggi Schwientek auf das Kraft- und Lustzehrendste abgespielt - wer das mit und für Castorf tut, muss ihn wohl vorbehaltlos lieben; anders kann ich es mir nicht erklären. Es geht - neben allem Auch-Ernst, den die eine oder andere Passage der gewählten Textvorlagen halt so bietet - diesmal überwiegend heiter und beschwingt zu; Castorf ist ja auch ein meisterlicher Slapsticker. (...)

Star-Bühnenbildner Aleksandar Denić baute stilecht eine von ihrer Terrasse aus begeh- und bewohnbare Datsche in die Zürcher Schiffbau-Box. Rechts in der Ecke stand dann noch ein kleines Wohlfühl-Holz-Klo, wo die Darstellenden ab und zu geschützt verweilen konnten. Top-Clou allerdings, dass urplötzlich der Fußboden in der Ummaßung eines Doppelkreuzes aufgebrochen werden konnte und die selbige Vertiefung einen futuristisch aussehenden Swimmingpool (mit reichlich Wasser drin!) frei legte; hierin planschte dann als erster Gottfried Breitfuss, der die unergiebig-ellenlangen Traum-Passagen des ihm anvertrauten Lächerlichen Menschen Stück um Stück zu deklamieren hatte; Angerer und Rožić taten sich was später ebenfalls im Doppelkreuzerbad noch kurz erfrischen...'' schreibt Andre Sokolowski am 14. Oktober 2017 auf KULTURA-EXTRA
3.3
Durchschnittsnote aller Stücke
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4 553+
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Kritiken: 636