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Sebastian Hartmann steht für schier endlose Abende, die dicke Wälzer der Weltliteratur assoziativ umkreisen und düster raunen. Wie ein typischer Hartmann-Abend beginnt auch „Der Einzige und sein Eigentum“ zur Spielzeit-Eröffnung am Deutschen Theater Berlin. Nebelschwaden hüllen die Bühne ein und recht früh am Abend setzt auch Linda Pöppel zu einem ihrer unverwechselbaren Verzweiflungs-Soli an. Mit gesenkten Köpfen und ganz in Schwarz schleppt sich das Ensemble dahin.

Doch es geht wesentlich bunter weiter: das Ensemble wechselt munter seine Kostüme (Adriana Braga Peretzki), schlüpft in elegante Abendrobe und schrille Revue-Kleider. Ähnlich munter wechselt auch die Inszenierung ihren Sound, ihre Farbe und ihre Stimmung: die Klänge, die PC Nackt komponierte, erinnern mal an Operette, mal an Mitklatsch-Musicals. Über die Video-Leinwand von Hartmanns langjährigem Arbeitspartner Tilo Baumgärtel flimmern melodramatische Szenen wie aus expressionstischen Stummfilmen. Mit weit aufgerissenen Augen und Trippelschritten performen die Spieler*innen Clowns-Nummern, Zombie-Einlagen und vor allem sehr viel Sprechgesang.

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Viele Erfahrungen aus der Berliner Fetisch-Szene und dem Nachtleben sind in dieses erste Solo von Gerard X Reyes eingeflossen, als er in seine Heimat Montréal zurückkehrte. Worum es ihm in diesem Abend geht, bringt die Ankündigung des Tour-Managements Plan B sehr klar auf den Punkt: um „Kontrolle und Verführung, indem er Voguing, Striptease, Exzentrizität und Glamour miteinander verschmilzt“.

Nach einem kurzen Intro holt Reyes einen Zuschauer auf die Bühne, flüstert ihm ins Ohr und spricht den jeweils nächsten Schritt ab. Das restliche Publikum verteilt sich im Saal, während Reyes seinen Auserwählten verführt und becirct, spielerisch fesselt, befummelt und küsst, ihn kurz zur Ruhe kommen lässt und mit der nächsten lasziven Pose das Erregungs-Level steigert. Dabei trägt Reyes nur einen Hauch von Nichts, das er schließlich auch noch ablegt.

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Kritik zu: trans-
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Wie schon in „Kirkpinar“, das bei den Tanztagen 2020 in den Sophiensaelen überraschte und pandemiebedingt leider nicht bei „radikal jung“ in München gezeigt werden konnte, dekonstruiert Teker auch in dieser Choreographie Rituale und Mythen der türkischen Kultur und bettet sie in einen queeren Kontext ein.

30 Minuten kurz und ganz ohne Text ist dieses Empowerment-Solo: nicht so ausgefeilt wie die Vorgänger-Arbeit hat „trans_“ noch zu sehr Werkstatt-Charakter. Aber für solche kleinen Arbeiten ist die Queer Week im Studio ein geeigneter Ort, um neue Ideen auszuprobieren und Formate zu testen.

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