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Dass der Abend mehr ist als unterhaltsames Sommertheater abseits der Metropolen und sich auch eine weitere Anreise lohnt, ist vor allem einem erstaunlich starken Ensemble zu verdanken. Regisseur Roger Vontobel, seit dieser Spielzeit Schauspieldirektor in Bern, zuvor Hausregisseur in Bochum und Düsseldorf, arbeitet mit oft recht jungen Spieler*innen zusammen, die große Häuser schon seit einigen Jahren mitprägen:

Als Brünhild schaltet Genija Rykova blitzschnell von Eiseskälte auf rasenden Zorn um. Sie war gleich nach ihrem Studium lange am Münchner Residenztheater engagiert und wechselte dann nach Berlin. In ihren ersten Auftritten nach den Lockdowns an der Schaubühne unter der Regie von Marius von Mayenburg und Simon McBurney ihr Potential noch nicht entfalten. Um so schöner ist es, dass sie im Zusammenspiel mit Felix Rech als Siegfried die erste halbe Stunde des Nibelungen-Dramas dominiert.

Mehr als drei Stunden liefern sie einen Theater-Abend mit vielen Schauwerten, der mehr als Spektakel ist, da der Cast auch mit den schauspielerischen Nuancen überzeugt. Live-Kameras fangen das Geschehen am und im Pool ein und übertragen es in Großaufnahme auf die Leinwände, so dass auch von den Tribünen jedes Detail zu erkennen ist.

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Der Grundgedanke des knapp zweistündigen Abends ist es, zwei sehr unterschiedliche Superstars der Musikgeschichte aufeinander treffen zu lassen. Die erste Hälfte „Bach 25“ beginnt klassisch elegant: zu Klavierkonzerten von Johann Sebastian Bach und Cellokonzerten seines Sohns Carl Philipp Emanuel Bach hat Dwight Rhoden, Co-Chef der Compagnie, präzise Schrittfolgen und Hebefiguren choreographiert.

Nach diesem elegischen 25minütigen Intro und einer Erfrischungspause für Ensemble und Publikum kommt „Star Dust“ im zweiten Teil richtig auf Betriebstemperatur: ein Hit von David Bowie jagt den nächsten. „Changes“, „Space Oddity“ und „Heroes“ werden vom Publikum besonders beklatscht. Christine Darch hat das Ensemble in androgyne, punkig-grelle Kostüme gesteckt, dabei aber auch besonders darauf geachtet, dass die durchtrainierten Sixpacks der Tänzer gut zur Geltung kommen. Immer wieder bricht einer oder eine aus der Phalanx aus und setzt zu einem Solo an. Jeder hat seinen/ihren Moment und schlüpft einmal in die Bowie-Rolle.

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Kritik zu: Ku´damm 56
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Annette Hess, die Drehbuchautorin der Vorlage, schrieb auch das Libretto für das Musical und dampfte die melodramatisch verwickelten Handlungsstränge um die strenge Matriarchin Caterina Schöllack und ihre drei Töchter Monika, Helga und Eva, für die sie eine gute Partie sucht, auf knapp 2,5 Stunden inklusive Pause ein.

Immer noch spannt die gekürzte Handlung ein weites Zeitgeschichtspanorama, erzählt von Enteignung jüdischer Familien, Verbrechen von Ärzten in KZs, der verdrängten Homosexualiät von Schwiegersohn Wolfgang und der Lebensfreude der „unmöglichen“ Monika, die nicht in den vorgeplanten Bahnen feststecken möchte.

Dass der Abend funktioniert, liegt vor allem an der Musik, die Ex-Rosenstolz-Duo Peter Plate und Ulf-Leo Sommer komponierten: Sie treiben die Handlung voran und kulminieren in der mitreißenden „Berlin, Berlin“-Hymne zum Finale.

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