Kritik zu: TANZ
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Vom Drill und der Zurichtung der weiblichen Körper im Namen der Kunst erzählt der Abend: die mittlerweile komplett nackten Tänzerinnen müssen ihre Körper nicht nur zu immer grazileren Verrenkungen zwingen, sondern werden am Ende des ersten Aktes von ihrer Einpeitscherin in einem bitterbösen #metoo-Kommentar von allen Seiten begutachtet. Sabbernd fordert Cordua die Jahrzehnte jüngeren, durchtrainierten Frauen auf, die Beine zu spritzen und ihre Vagina zur Inspektion zu präsentieren. Was als radikale, feministische Kritik an Übergriffen im Kunstbetrieb gedacht ist, gerät allerdings derart drastisch-explizit, dass es von einigen Zuschauer*innen auch voyeuristisch-pornographisch konsumiert werden kann.
Im zweiten und dritten Akt wird die „Tanz“-Performance immer surrealer: Hexen und Zombies bevölkern die Szenerie. Anspielungen auf Splatter-Filme, Tarantino und vor allem den Giallo-Klassiker „Suspiria“ von Dario Argento mischen sich mit Bachs „Komm süßer, Tod“-Sehnsucht.

Bilder und Szenen verschwimmen zu einem wilden Mash-up voller Kunstblut, der Festsaal der koproduzierenden Sophiensaele ist am Ende derart eingesaut, wie es die Wiener Aktionisten der 60er und 70er Jahre, auf die sich ihre Enkelin Florentina Holzinger ausdrücklich bezieht, nicht besser hinbekommen hätten.

„Tanz“ von Florentina Holzinger ist nicht nur eine Zumutung für ihre Tänzerinnen, mit denen sie gemeinsam auf der Bühne steht, sondern vor allem auch für das Publikum: nicht nur wegen des mehrfach ins Publikum ziehenden Zigaretten- und Zigarren-Qualms, sondern vor allem wegen der in quälender Grausamkeit zelebrierten Szene, in der eine Tänzerin an Fleischerhaken wie Schlachtvieh in die Höhe gezogen wird. Wenn sich die Haken in ihre Haut hineinkrallen, ist schon das bloße Zuschauen äußerst schmerzhaft.

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Kritik zu: Enter Achilles
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Obwohl der im Stück genannte damalige britische Schatzkanzler und spätere Premier Gordon Brown inzwischen längst nicht mehr im Amt, sondern nur noch eine Fußnote in den Geschichtsbüchern ist, wirkt „Enter Achilles“ erstaunlich zeitgemäß.

Die Produktion an der Schnittstelle zwischen Tanz, Theater und Comedy ist eine Milieustudie der Männer in einem typischen englischen Pub, die ihren Frust im Alkohol ertränken, im working class-Slang rassistische Tiraden von sich geben, beim Fußball mitfiebern und weitertrinken, bis sich die aufgestaute Aggression an Schwächeren und Sündenböcken entlädt.

Die Inszenierung dieser „toxischen Männlichkeit“ wird regelmäßig von komischen Momenten gebrochen und ist mit einem 90er-Jahre-Britpop-Soundtrack unterlegt, der dem Gastspiel mehr als nur einen Hauch Nostalgie verleiht.

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Kritik zu: The West
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Welche Bilder haben wir vom Westen? Wie sind sie entstanden? Das sind die Leitfragen des Abends, denen Macras auf vielen Nebenpfaden und mit manchen überraschenden Abzweigungen folgt. So erklärt Bastian Trost, der seine künstlerische Heimat beim GobSquad-Kollektiv hat, als wandelnde Super-Nerd-Quizshow-Parodie, wie ein Popsong quer durch die Kulturen wanderte und sich „von weiß zu schwarz und wieder zurück zu weiß“ in unterschiedlichen Hybrid-Formen wandelte oder auf welche Art die Musik der spanischen Renaissance als „Soundtrack auf den Schiffen von Christoph Kolumbus“ die Kolonien beeinflusst hat und bis heute nachwirkt.

Der Abend tänzelt vom Twerking, einem Hiphop-Stil, der sich bei traditionellen afrikanischen Ritualen bedient, über die Latino-Telenovelas und Wonder Woman bis zu den Zombie-Mythen. Zum großen Finale fallen die Spieler*innen mit weit aufgerissenen Augen übereinander her. Die Anspielungen auf Pop-, TV- und Netzkultur, Stereotype und Mythen sind so zahlreich, dass man sicher auch noch nach mehrmaligen Aufführungen noch Neues entdecken und entschlüsseln kann.

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