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80 Minuten Genre-Mix aus Schlager-Parodie, Österreich-Bashing á la Thomas Bernhard, Diskursschleifen im Stil des Hausherrn René Pollesch, viel feministischer Matriarchats-Agit-Prop und vor allem Soli der Volksbühnen-Diven: so könnte man „Hyäne Fischer – Das totale Musical“ zusammenfassen.

Die Produktion der drei Österreicherinnen Marlene Engel (Konzept und Künstlerische Leitung), Lydia Haider (Text) und Eva Jantschitsch (Musik und musikalische Leitung) bietet von vielem etwas, reiht als Nummernrevue die Auftritte der Damen aus dem Volksbühnen-Ensemble aneinander, bleibt aber doch recht dünn. Wieder und wieder wird ein goldenes Matriarchat beschworen, Kathrin Angerer beschwört eine „hodenlose“ Weltherrschaft in einer gut gemachten Helene Fischer-Persiflage.

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Kritik zu: Unspoken
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Als „Doku-Oper“ bezeichnet die litauische Regisseurin Kamilė Gudmonaitė ihre erste Inszenierung in Berlin. Eine falsche Fährte: denn gesungen wird in dieser Produktion nur selten. Was an diesem Titel richtig ist: der dokumentarische Blick der Teenager*innen vom Jungen DT auf ihre Eltern und große, melodramatische Gefühle.

In den Interviews, die die Spieler*innen mit ihren Eltern per Zoom führten, stockt oft die Stimme, gibt es auf beiden Seiten mehrfach Momente, in denen die Protagonist*innen die Tränen kaum zurückhalten können. Die Fragen sparen nichts aus, sondern stürzen sich auf intimste Themen wie Sex und Tod.

Auch im Dokumentar-Theater öffnen sich nur selten Menschen so ungeschützt wie in dieser „Jugendliche befragen ihre Eltern“-Produktion „Unspoken“, die seit April 2022 in der Box, der kleinsten Spielstätte des Deutschen Theaters Berlin, läuft.

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Kritik zu: Marie-Antoinette
Mit dem unverwechselbaren, leicht kratzigen, lautstarken Organ, mit dem die gesamte Thalbach-Familie gesegnet zu sein scheint, legt Anna Thalbach einen großen Auftritt als Marie Antoinette hin. Blitzschnell kann sie umschalten zwischen nölender Langeweile, die Krallen ausfahren und ihren Louis-Schnucki um den Finger wickeln.

Die neue Komödie des Duos Peter Jordan/Leonhard Koppelmann hat während der ersten Stunde viel von dem zu bieten, was gutes Boulevard-Theater ausmacht: starke Darsteller*innen, die die Komik ihrer Figuren auskosten, ohne sie zu Knallchargen werden zu lassen, ein Gespür für Timing und natürlich eine Reihe schöner Gags, die um die zentrale Idee der Inszenierung kreisen: der sichtlich überforderte Louis XIV. und seine immer wieder zum Fenster rennende und hinausbrüllende Gattin warten – entgegen der tatsächlichen Historie – seit zwanzig Jahren auf ihre Hinrichtung, die die Revolutionäre angekündigt, aber immer wieder verschoben haben. Aus diesem Warten auf das bevorstehende Ende bezieht die erste Hälfte ihre Komik. Schwarz und morbide ist oft der Humor.

Nach der Pause verliert das Duo Jordan/Koppelmann, das sich Text und Regie teilte, den roten Faden. Mit viel Türengeklapper tauchen diverse Nebenfiguren wie Robbespierre oder Napoleon in der bonbonbunten Tortenwelt von Versailles auf, die Stefanie Bruhn gestaltete. Statt feiner Dialoge gibt es nun mehr Humor der gröberen Sorte: ausgiebigen Slapstick mit klemmender Guillotine, die dann ausgerechnet doch funktioniert, als sich die lästige Mätresse hinlegt, Ausrutschen über Blutlachen und Kalauern. Das ergibt dann für die zweite Hälfte Boulevardtheater der schwächeren Sorte.

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