0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Als Mix aus einer Rock-Show mit Live-Band, die anfangs hinter dem Vorhang bleibt, und einer Spoken Word Performance ist "Fear & Greed" ein ungewöhnlicher Abend bei einem Tanz-Festival.

Unterspannt kugelt Frédrérick Gravel zunächst wortlos über die Bühne, benennt dann Kapitalismus und Patriarchat als seine zentralen Probleme und bereitet slapstickhaft auf fast leerer Bühne alles für ein Rockkonzert vor.

Die Song-Einlagen haben durchaus Charme, die gesamte 75minütige Show wirkt jedoch wie ein Fremdkörper bei <Tanz im August>, das thematisiert der Performer auch vor seiner Zugabe selbstironisch.
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
„Magisches Monster“ bedeutet dieser Titel, der aus der westafrikanischen Bamara-Sprache stammt, und den der französisch-senegalesische Choreograph Amala Dianor für sein neues Stück gewählt hat.

Die 55 Minuten wirken weder besonders magisch noch monströs, dennoch ist der Titel programmatisch: Dianor, der seinen Arbeits- und Lebensmittelpunkt in Frankreich hat, arbeitet mit drei Kolleg*innen aus westafrikanischen Staaten zusammen: Alioune Diagne (Senegal), Ladji Koné (Burkina Faso) und Naomi Fall (Mali) konzipierten jeweils einen Teil dieses Abends.

Zu beliebig wirkt das Ergebnis. Die Choreographie kreist anfangs um afrikanische Riten und Stammestraditionen, mixt dazu im weiteren Verlauf Hip-Hop und Breakdance, mit denen sich Dianor vor allem zu Beginn seiner Karriere befasste. Im Gegensatz zum Festival-Eröffnungsstück „Straight Talk“ fehlen bei „Siguifin“ fehlt hier eine klare Handschrift, die in der Zusammenarbeit des Quartetts verloren ging oder gar nicht erst entstand.

Weiterlesen
2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Die australische Gruppe Marrugeku prangert die Zustände im Manus Regional Processing Centre an, wo von 2001 bis zu einem Urteil des Obersten Gerichtshofs von Papua Neuguinea asylsuchende Boat People (mit einer Unterbrechung zwischen 2008 und 2012) oft jahrelang interniert wurden. Das Gefängnis auf der Pazifik-Insel Manus stand nie so im Fokus der Weltöffentlichkeit wie die Zustände in Guantánamo oder Abu Ghraib, die Empörung von NGOs wie Amnesty International und Ärzte ohne Grenzen oder die Kritik des UNHCR wurden in den Medien außerhalb Australiens und der Pazifik-Region immerhin punktuell aufgegriffen.

In „Jurrungu Ngan-ga“, was auf Yawuru „Klare Ansage“ bedeutet, reden sie tatsächlich in jedem Moment Klartext. Wut und Trauer über die Übergriffe gegen Asylbewerber auf der Gefängnisinsel werden in die Traditionslinie der Entrechtung indigener Völker gestellt.

Doch der Abend bleibt nicht bei der Anklage stecken. Trans-Performer*in Bhenji Rha entert die Bühne und startet ein mitreißendes Empowerment-Spektakel, das die zweite Hälfte des Abends prägt. Statt der Überwachungskameras werden glamouröse Kronleuchter von der Decke heruntergefahren, die Bühne im Haus der Berliner Festspiele wird zur Partyszene, auf der sich das Marrugeku-Ensemble zwischen Pop und Rap austobt. In Spoken Word-Einsprengseln werden weitere Namen von Opfern aufgezählt und Querverbindungen gezogen.

Mit ihrer Mischung aus Tanz, Gefängnis-Installation und politischem Aktivismus bespielen die australischen Gäste zur Eröffnung des Festivals die gesamte große Bühne im Haus der Berliner Festspiele und bekommen minutenlangen, begeisterten Applaus.

Weiterlesen