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Beide Texte sind thematisch eng verwandt: sie erzählen von dem langsamen Prozess, in dem die jeweilige Protagonistin sich der Ungerechtigkeit der kapitalistischen Produktionsprozesse bewusst wird. In Brechts Lehrstück wandelt sich eine Proletarierin im Zarenreich zur Klassenkämpferin, das Tagebuch von Simone Weil zeichnet nach, wie sich der Blick der Tochter aus großbürgerlichem, jüdischem Haus für soziale Gegensätze schärfte.

In seiner Umsetzung kam der Theater-Kurzfilm „Fabriktagebuch/Die Mutter“ jedoch nicht über eine Fingerübung hinaus: Die Passagen aus Weils Tagebüchern liest Harfouch am Schreibtisch sitzend. Die Auszüge aus „Die Mutter“, die dazwischengeschaltet werden, sind kleine, launige Miniaturen, in denen wenig vom revolutionären Impetus bleibt, der legendäre Inszenierungen dieses Brecht-Dramas wie z.B. Peter Steins/Frank-Patrick Steckels Aufführung mit Therese Giese in der Hauptrolle an der Schaubühne im Jahr 1970 auszeichnet.

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„Ich bin ein Dreck“, stöhnt Stefanie Reinsperger im gleichnamigen Theaterfilm und robbt sich mit vollem Körpereinsatz durch das Herbst-Laub. In einer sichtlich heruntergekommenen Dusche wartet bereits Wolfgang Michael, der wie Reinsperger am Berliner Ensemble engagiert ist. 

In dieser assoziativen Collage, die Reinsperger gemeinsam mit Akin Isletme konzipierte, treffen kurze Auszüge aus Brecht-Tagebüchern und Schnipsel seiner Dramen auf Texte seiner Geliebten und Co-Autorinnen. Mal schlüpft Reinsperger in die Rolle der Magd Grusche aus Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“, mit der sie 2017 ihren Einstand am Berliner Ensemble feierte, mal rezitiert Michael verzweifelte Brecht-Sätze.

Die sehr verqualmte kurze Collage ist aber zu sprunghaft, die Anordnung der Texte wirkt recht willkürlich, so dass der Film weniger eindringlich wirkt als erhofft.

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Kritik zu: Isola
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Schauplatz der drei Akte ist der Biedermeier-Salon eines Grafen, in dem sich die adlige Gesellschaft zu einem Fest treffen wollte. Bedrohliche Nachrichten, das plötzliche Auftauchen eines Totengräbers und geheimnisvolle Geräusche sorgen für Unruhe. Die Gäste trauen sich nicht mehr vor die Tür und verschanzen sich in ihrer Paranoia, in die sie sich immer weiter hineinsteigern.

Mit altertümlicher Sprache und ebensolchen Kostümen taucht „Isola“ in die Schauer-Romantik des 19. Jahrhunderts. Flüsternde Stimmen aus dem Off und dräuende Musik rufen eine Mystery-Atmosphäre hervor, die bis zum grotesken Splatter-Finale durchgehalten wird. Die Inszenierung ist zwar atmosphärisch dicht, aber das Stimmungsbild einer paranoiden Gruppe im selbstverordneten Lockdown zieht sich zu sehr in die Länge. Abzuwarten bleibt, wie die Schauer-Groteske auf der Bühne ohne filmische Hilfsmittel wirkt und ob sie dann nicht ins unfreiwillig Komische abdriftet.

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