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Der bekannte Shakespeare-Plot und die kunstvolle, bewusst archaische Übersetzung von Angela Schanelec bleiben in diesem Lockdown-Theater-Experiment erhalten. Meist fliegen die Dialoge als mit Smileys versehene Kurznachrichten oder in kleinen Sprachnachrichten zwischen Macbeth (Justus Pfankuch) und seiner Frau (Lisa Mies) hin und her. Je verzweifelter und wirrer die Gedanken werden, desto mehr Tippfehler schleichen sich in die Online-Korrespondenz über die perfiden Mordpläne des Paares. Die Lady neckt ihren Liebsten mit Comedy- oder Kätzchen-Videos von Youtube, er revanchiert sich mit Großaufnahmen der Blutlachen und Leichen. Dräuende Hintermusik wird in den Audiodateien immer dann eingesetzt, wenn sich die Handlung der Tragödie dramatisch zuspitzt.

Der Shakespeare-Klassiker erzählt sich auch in diesem ungewohnten Telegram-Format handwerklich souverän und strebt zielstrebig seinem bekannten blutigen Finale entgegen. Diesem Experiment ist aber doch in jedem Moment deutlich anzumerken, dass es aus der Not des Lockdowns heraus geboren ist. Die Collage aus Sprach- und Textnachrichten und kleinen Icons testet einen neuen Kanal, die Spieler*innen und ihre Körper treten völlig dahinter zurück, so dass dieses Kurznachrichtentheater trotz aller Blutrünstigkeit des Stoffs recht blutleer bleibt. Diesem anerkennenswerten „Macbeth“-Versuch fehlt die Virtuosität, mit der zu Beginn des 2. Lockdowns die Gruppe „Freies digitales Theater“ in „werther.live“ (frei nach Goethe) verschiedene Social Media-Kanäle ausprobierte und dies sehr gekonnt damit verknüpfte, dass die Spieler*innen auch in kleinen Zoom-Szenen mit einander direkter in Kontakt traten.

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Rund um einen großen Holztisch sind die Figuren gruppiert, deren Schicksale Peter van Kraij in seiner historischen Familienaufstellung verknüpft. Der Abend, der von Daniel Demoustier (Kamera/Schnitt) für den Stream eingerichtet wurde, ist ein vielstimmiger Chor, der prototypische Haltungen in der belgischen Gesellschaft der 1930er Jahre vertritt. Über weite Strecken sehr didaktisch und wenig spielerisch referieren die Familienmitglieder ihre Beweggründe.

Wie in Inszenierungen von Luc Perceval üblich, nimmt die Musik eine wichtige Rolle ein. Der Klangteppich von Sam Gysel untermalt die Stimmungen der jeweiligen Figuren. Manchmal wirkt dies etwas zu kitschig, wenn von Klaviermusik unterlegte Szenen unter herabrieselndem Schnee versinken. Das letzte Drittel wird mit fast schon sakralen Klängen zu einem Requiem, zu einem langen Klagegesang auf die Verbrechen der NS-Zeit und die Verstrickung flämischer Nationalisten.

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Suse Wächter wurde eingeladen, mit ihren Puppen aus der Reihe „Helden des 20. Jahrhunderts“ kurze Musik-Video-Clips zu Texten und Liedern von Brecht/Weill zu performen. Den Auftakt macht sie mit Rosa Luxemburg am Ufer des Landwehr-Kanals und der „Ballade vom ertrunkenen Mädchen“, die der junge Brecht zu Ehren der ermordeten sozialistischen Polit-Ikone bereits 1919 schrieb.

Die erhoffte Leichtigkeit zieht erst im zweiten Clip des Abends ein: die Puppe des Star-Tenors Luciano Pavarotti lässt sich von Suse Wächter auf der Massage-Bank in der Kabine des Stadions an der Alten Försterei von Union Berlin durchkneten, liefert sich mit ihr munteren Small-Talk über das Lampenfieber und schmettert Brechts berühmte „Kinderhymne“. Die kabarettistische Puppentheater-Revue von Suse Wächter war somit ein Highlight des Brechtfestivals, wie auch Stefan Keim in seiner <Fazit>-Hörfunk-Kritik hervorhob.

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