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Bei aller Vielfalt der Revue kristallisierten sich doch zwei zentrale Stränge heraus: Erstens die harsche Kritik am Ausverkauf des Ostens, die schon die Text-Collage „Erinnerungen an einen Staat“ von Corinna Harfouch und Alexander Scheer vor wenigen Wochen nebenan auf der großen Bühne des Deutschen Theaters prägte. Schon als Vorspann laufen faktenreiche Anklage-Texte auf den Displays über der Bühne, die an Beispielen wie der Verlagsbranche aufzeigen, an welchen Stellen ostdeutsche Kombinate und Betriebe unter Wert an westliche Glücksritter verscherbelt wurden.

Zweitens referiert das Ensemble ausführlich aus den „Einheit. Berliner Tagebüchern 1991-1996“, der mit Intendant Thomas Langhoff nach dem Mauerfall als Chefdramaturg von den Münchner Kammerspielen ans Deutsche Theater Berlin wechselte. Mit viel Witz, häufig polemisch, oft aber auch stark resignierenden Untertönen berichtet er von seinen Auseinandersetzungen mit den etablierten Strukturen und zum Teil alten Seilschaften am DT, die ihn als Neuankömmling aus dem Westen sehr kritisch beäugten, vom Werben um das gutsituierte Bildungsbürgertum in West-Berlin, der klassischen Schaubühnen-Klientel, um das Wegbröckeln des ostdeutschen Publikums in den 90er Jahren zu kompensieren, und von der Abgrenzung vom Duo Frank Castorf/Matthias Lilienthal, das damals an der Volksbühne durchstartete. Wie tief die Gräben am DT damals waren, wurde im November 2016 bei der Buchvorstellung, bei der unversöhnliche Rededuelle eskalierten und für eine sehr unangenehme Stimmung im Saal des DT sorgten.

Der Abend hüpft vergnügt von Thema zu Thema, springt von nachdenklichen Momenten zu lustvoll-alberner Schlager-Parodie und wieder zurück. Zwangsläufig leidet darunter der Tiefgang, die Konturen verschwimmen, vieles bleibt beliebig. Dank der Spielfreude des gut aufgelegten Ensembles gibt es aber auch immer wieder schöne Momente.

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Kritik zu: März
Das Stück ist einerseits eine Anklage gegen zu brutale Methoden der Psychiatrie, die in jenen Jahren starke Diskussionen entfachten. Zwei französische Vordenker der Psychiatrie-Kritik-Bewegung, Gilles Deleuze (gespielt von David Ruland) und Felix Guattari (Veronika Bachfischer), treten mit ihren Thesen in einem längeren Dialog an zentraler Stelle des Abends auf. Zum anderen versucht „März“, das Leiden des an Schizophrenie Erkrankten plastisch zu schildern. Konrad Singer spielt diesen Verzweifelten als über weite Strecken nackten Schmerzensmann voller nervöser Ticks, an seiner Seite Veronika Bachfischer als bleiche, apathische März-Geliebte Hanna.


Nach dem ungewöhnlichen Beginn, bei dem die beiden anderen Spieler*innen das hereintröpfelnde Publikum schon in zotteligen Fabelwesen-Kostümen, die an böse Geister erinnern, während David Ruland (als Arzt Kofler) mit Nebelmaschine bewaffnet die Bar und das Foyer aufmischt, findet der „März“-Abend keinen Rhythmus mehr. Recht schwerfällig schleppt sich die Inszenierung über 100 Minuten dahin, minimalistisch und spröde, eingezwängt zwischen dem Ballast jahrzehntealter Theorie-Debatten.

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Kritik zu: Ode
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Der sprunghafte, atemlose, sich oft verzettelnde, mit Anspielungen auf Martin Kippenberger, Andreas Gabalier oder die legendäre „Arturo Ui“-Inszenierung von Heiner Müller, die immer noch im Repertoire des Berliner Ensembles ist, gespickte Text macht es der Regisseurin Lilja Rupprecht schwer, ihn in den Griff zu bekommen.

Die Assoziationen fransen öfter all zu kryptisch aus, dann behilft sich die Inszenierung mit allerlei Videoschnipseln, Tomatenwürfen und Farb-Klecksen, um diese Schwächen zu überdecken. Der zweistündige Abend in den Kammerspielen des Deutschen Theaters ist aber trotz einiger Sackgassen und Längen sehenswert, da es sich bei der „Ode“ um einen der interessantesten aktuellen Texte für und über das Theater handelt. Die „Ode“ will provozieren und Debatten anstoßen, wenn es sein muss, auch mit schnell hingerotzten, stakkatoartigen Publikums-Beschimpfungen gegen die „youtubeverblödeten Neuneonazis“, die „berufsjugendlichen Selbstironisten“ und die „durchfinanzierten Arztsohnsekttrinker“. In diesem extrem verdichteten Rap-Rundumschlag bekommt das spielfreudige Ensemble aus vier Spieler*innen des DT (Manuel Harder, Alexander Khuon, Natali Seelig, Katrin Wichmann), zwei Gästen vom inklusiven Theater RambaZamba (Juliana Götze, Jonas Sippel) und dem Musiker Philipp Rohmer das nötige szenische Futter, das der sprunghaften Textfläche an vielen anderen Stellen fehlt.

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