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Enis Turan, der die Performance entwickelt hat, mischt sich im Amy Winehouse-Look unter die Party-Menge, scheucht das Publikum jedoch nach knapp zehn Minuten auf die Sitzplätze hinter dem Absperrband.

Von da an wird die Performance noch ungewöhnlicher: in einem assoziativen Monolog denkt Turan über Plagiate, das Urheberrecht und Ideenklau nach, macht sich selbstironisch über seine mangelnden Einfälle lustig und beendet den Abend schließlich mit einer Radikal-Performance, irgendwo zwischen Einar Schleef und Marina Abramovic, bei der er nackt und gefesselt von der Decke baumelt, bevor er aus den Alltags-Klamotten wieder in sein Winehouse-Drag-Kostüm schlüpft.

Worauf Turan bei dieser vom Berliner Hebbel am Ufer und dem Tanzhaus NRW produzierten, kuriosen, mehrere Haken schlagenden Performance hinaus will, bleibt unklar. Nach kurzem, wohlwollendem Beifall wird das Publikum an den Performer*innen und vorbei der Trauerstätte der Pop- und Rock-Ikonen, die erst ganz zum Schluss wieder in Erinnerung gerufen werden, nach draußen geführt.

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Der Abend endet mit dem programmatisch sehr diversen Auftritt einer Frauen-Gruppe unterschiedlicher Hautfarbe und Herkunft, die zunächst wild durcheinanderschnatternd die Touristinnen geben, die in den Museen dieser Welt vom Louvre bis zu den Uffizien oberflächlich von Event zu Event hasten. Die Frauen formieren sich im nächsten Akt zu einer sakralen Prozession, die mit stillem Ernst die Museums-Vitrine umkreisen, bevor sie sich ins Foyer zurückziehen.

Für Anta Helene Recke ist „Die Kränkungen der Menschheit“, eine Koproduktion der Münchner Kammerspiele mit drei Produktionshäusern der freien Szene (HAU Berlin, Kampnagel Hamburg und Mousonturm Frankfurt) nach ihrer „Schwarzkopie“ von Anna Sophie Mahlers musiktheatralischer Adaption von Josef Bierbichlers bayerischem „Mittelreich“-Heimatroman bereits die zweite Einladung zum Berliner Theatertreffen nach 2018.

Mit dieser bemerkenswert sperrigen Arbeit lotet die Jury die Grenzen des theatralen Spektrums: ein Abend, der auf ein Minimum an spielerischen Momenten reduziert ist, und in verkopfter Manier zum Umdenken und zum Blickwechsel anregen will: weg von der jahrhundertelang als selbstverständlich gesetzten Zentralperspektive des weißen cis-Mannes, hin zum facettenreichen „Minoritätenlärm“, wie es Festspiel-Intendant Thomas Oberender in einem Programmheft-Zitat der Regisseurin nennt.

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Links klafft eine Lücke. Das war der Stammplatz von Tetta Müller, Bühnen- und Lebenspartner von Lo Malinke. Noch weiter links saß Florian Ludewig am Klavier und wurde mit neckischen Sprüchen und kleinen Flirts bedacht. Beide fehlen an diesem ersten Solo-Abend von Lo Malinke in der Bar jeder Vernunft: „Malediva“ gibt es nicht mehr. Die Musik kommt vom Band.

Dies ist das traurige Setting des „Aufgeräumt“-Abends, zwei Stunden voller Melancholie und sehr persönlicher Geschichten. Mit der gewohnten Selbstironie erzählt Malinke vom Aufwachsen in einem nordhessischen Dorf, von seiner schwierigen Beziehung zur dominanten Mutter und zum Vater, den er in den letzten Lebensjahren pflegen musste.

In anderen Episoden arbeitet er die schmerzhafte Zeit auf, in der es seinem Partner Tetta Müller immer schlechter ging. Zunächst diagnostizierten die Ärzte ein Burnout, nach einer Wanderung auf dem Jakobsweg schien alles wieder im Lot. Das Paar zog vom Prenzlauer Berg nach Kladow, 2017 versuchte Malediva ein Comeback. Für ihr neues Programm „Völlig losgelöst“ gab es bereits einen Tour-Plan, Karten waren verkauft. Nach einer Panikattacke musste die Premiere im tipi abgesagt werden. Es war klar, dass Müller nie mehr auf die Bühne zurückkehren würde. „Malediva“ war Geschichte.

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