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Links klafft eine Lücke. Das war der Stammplatz von Tetta Müller, Bühnen- und Lebenspartner von Lo Malinke. Noch weiter links saß Florian Ludewig am Klavier und wurde mit neckischen Sprüchen und kleinen Flirts bedacht. Beide fehlen an diesem ersten Solo-Abend von Lo Malinke in der Bar jeder Vernunft: „Malediva“ gibt es nicht mehr. Die Musik kommt vom Band.

Dies ist das traurige Setting des „Aufgeräumt“-Abends, zwei Stunden voller Melancholie und sehr persönlicher Geschichten. Mit der gewohnten Selbstironie erzählt Malinke vom Aufwachsen in einem nordhessischen Dorf, von seiner schwierigen Beziehung zur dominanten Mutter und zum Vater, den er in den letzten Lebensjahren pflegen musste.

In anderen Episoden arbeitet er die schmerzhafte Zeit auf, in der es seinem Partner Tetta Müller immer schlechter ging. Zunächst diagnostizierten die Ärzte ein Burnout, nach einer Wanderung auf dem Jakobsweg schien alles wieder im Lot. Das Paar zog vom Prenzlauer Berg nach Kladow, 2017 versuchte Malediva ein Comeback. Für ihr neues Programm „Völlig losgelöst“ gab es bereits einen Tour-Plan, Karten waren verkauft. Nach einer Panikattacke musste die Premiere im tipi abgesagt werden. Es war klar, dass Müller nie mehr auf die Bühne zurückkehren würde. „Malediva“ war Geschichte.

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Kritik zu: Hamlet
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Der Abend wird so zu einem Stil-Mix: längere Stand-up-Soli, durch die sich Svenja Liesau berlinert, unterbrechen die Shakespeare-Handlung, in denen die Hauptdarstellerin über sich und ihr Kunstverständnis philosophiert und selbstironisch erklärt, wie ein Hamlet im Gorki-Style auszusehen hat. Gerne verwickelt sie auch den Regisseur des Films im Stück, wenn ihn wieder mal eine Sinnkrise packt, in ein Zwiegespräch.

Der Shakespeare-Stoff wird mit Musical-Szenen, vielen kleinen Meta-Theater-Anspielungen und mehr oder minder flachen Gags gekreuzt, bis ein ungewöhnlicher, oft merkwürdiger, streckenweise auch unterhaltsamer, insgesamt jedoch zu langer Hybrid-Abend herauskommt, an dem gleich zwei Dramaturgen des Hauses mitarbeiteten (Ludwig Haugk und Aljoscha Begrich) und dessen allzu demonstrativ vor sich hergetragene Selbstironie auf die Dauer ziemlich anstrengend ist. Die naheliegende Frage, was das alles so und worauf das hinaus will, wird ganz offensiv an mehreren Stellen von den Spieler*innen angesprochen und ist ein Markenzeichen dieses „Hamlets“.

Neben der verschachtelten Meta-Struktur und den langen Soli von Svenja Liesau bleibt von dieser Inszenierung vor allem der Auftritt von Ruth Reinecke in Erinnerung. Als Geist von Hamlets Vater hat sie eigentlich nur eine kleine Nebenrolle, aus der sie jedoch aussteigt, um Bilanz zu ziehen. Bei ihrer letzten Premiere an dem Haus, dem sie seit 1979 (!) ununterbrochen als Ensemble-Spielerin verbunden ist, zieht sie eine wehmütige Bilanz, dass man zu DDR-Zeiten eine Stecknadel fallen hören könnte, weil das Publikum genau auf jede Bedeutungs-Nuance achtete und gierig nach Zwischentönen lauschte, während das Theater heute längst nicht mehr diese gesellschaftliche Bedeutung hat und oft – wie leider auch gerade dieser „Hamlet“-Abend demonstriert – nur dem nächsten Lacher des Publikums hinterherrennt. Mit der Aldi-Tüte von Lars Eidinger schlurft Reinecke davon, kommt aber zum Applaus zurück und wurde von Intendantin Shermin Langhoff mit einem Blumenstrauß verabschiedet.

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Vor allem fehlt diesem Roman der maliziöse Witz, der die letzten Texte auszeichnete, die Sophie Rois vortrug: Sie nippte bei ihren beiden vorhergehenden Solo-Projekten, die jeweils in Kooperation mit der Stiftung Schloss Neuhardenberg entstanden, an ihrem Tee und ließ das Gift der Zeilen von Ian McEwan und William Somerset Maugham genüßlich ins Publikum träufeln.

Diese Momente vermisste ich in „Sophie Rois fährt gegen die Wand im Deutschen Theater“. Stattdessen muss sie sich mit etwas Slapstick behelfen, turnt auf einem überdimensionalen Torten-Imitat herum, tigert mit dem Kopftuch einer Bergbäuerin über die Bühne oder sitzt einfach nur auf der Couch und trägt die 21seitige Textfassung vor, die ihr Partner, der Musiker und Regisseur Clemens Maria Schönborn, mit ihr erarbeitete.

Zum Glück gibt es einige Knalleffekte, wenn sie mal wieder überraschend eine Gewehrsalve abfeuert, und die schönen Songs, u.a. eine Neudichtung von Wolfgang Ambros des Bob Dylan-Hits „Lika a Rolling Stone“, die Sophie Rois in breitestem österreichischem Dialekt. Diese „Hallo wach“-Momente schrecken das Publikum hoch, das sonst bei dem betulich vor sich hinplätschernden, äußerst verqualmten Monolog einzunicken droht.

Symptomatisch ist, dass die gelungene Applaus-Choreografie des gesamten Teams einer der einfallsreichsten Momente dieses szenisch enttäuschenden Monolog-Abends ist.

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