1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Über die Festivals touren die beiden Spanier Israel Galván und Niño de Elche mit ihrem Stück "Mellizo Doble", in dem sie die Klischees umkreisen, die sich um den Flamenco ranken. Recht langatmig ist der Auftakt geraten. Das Gastspiel leidet vor allem darunter, dass einige Spanierinnen zunächst vor allem mit ihren Smartphones beschäftigt sind, deren Displays auf maximale Helligkeit eingestellt sind.

Interessanter wird die Tanz-Performance, als Galván mit männlichen und weiblichen Stereotypen kokettiert.

Die stärkste Passage beginnt in der zweiten Hälfte, als das Stück schon beendet schien, die beiden Performer wortlos verschwanden und nach einer kurzen Irritation beim Publikum zurückkamen. Die bis auf die Performer fast leere Bühne versinkt nun über längere Passagen in Dunkelheit.

Nach einem Gastspiel in der Stuttgarter Staatsoper kurz vor dem 2. langen Corona-Lockdown im Herbst 2020 gastierte "Mellizo Doble" bei "Tanz im August" wieder in Deutschland.
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
11 Monate ist diese Produktion erst alt, reiste mit einem Abstecher nach Melbourne quer über den Kontinent von Avignon bis Stockholm und wirkt schon nach so kurzer Zeit veraltet: Das Stück kam im September 2021 im PACT Zollverein Essen heraus und ist als Feier des Neubeginns des gesellschaftlichen Lebens gedacht.
Nach zwei langen Lockdowns und der nach zähem Beginn doch langsam anrollenden Impfkampagne war 2021 ein Sommer des Aufatmens: Licht am Ende des Pandemie-Tunnels. Doch bald stellte sich heraus, dass die nächsten Wellen heranrauschten, das Virus mutierte munter weiter, bei den neuen Varianten funktionierte die Impfung immer schlechter und die ach so „milden“ neuen Subtypen setzten Firmen-Belegschaften und Theater-Ensembles wochenlang außer Gefecht. Die Mehrheit der Gesellschaft beschloss, Corona nach zwei Jahren und angesichts der neuen Schlagzeilen vom Krieg in der Ukraine und vom Gasmangel einfach zu ignorieren.

Mette Ingvartsen tourt unbeirrt weiter, beschwört in den kurzen Text-Passagen, die oft von den Beats überlagert werden, historische Pandemie-Erfahrungen und tanzt sich eine Stunde lang durch den Saal, in dem sich das Publikum frei bewegen kann. Wenn sie nicht gerade irgendwo in dem Trubel wippt, erklimmt sie eine der drei Plattformen am Bühnenrand, setzt zu ihren Monologen an und schüttelt ihren Körper noch heftiger. Ihr Bewegungs-Repertoire ist an diesem Abend recht eingeschränkt, das Solo dementsprechend redundant, ihr Hundekläffen, mit dem einige Tage zuvor auch die Performer*innen von Daina Ashbee auftraten, zieht sich als wiederkehrendes Motiv durch das Festival. Von bildstarken Arbeiten wie „Seven Pleasures“, die Ingvartsen zu einer der interessantesten zeitgenössischen Choreographinnen machen, ist dieses Solo recht weit entfernt.

Weiterlesen
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Vor der Uraufführung ihrer neuen Choreographie beim Kampnagel-Sommerfestival war einiges über die Hintergründe zu lesen. Oona Doherty litt ab 2019 einer Depression, als sie dieses Stück vorbereitete. Auch Rachmaninoff litt unter einer Schaffenskrise und depressiven Schüben, als er sein Klavierkonzert 1900/01 komponierte. Dieses Werk entdeckte sie in der Isolation des Corona-Lockdowns für sich. Von der Verzweiflung und der Schwermut ist an diesem einstündigen Abend viel zu spüren.

Oft gerät die neue Inszenierung von Doherty, die mit Hard to be Soft – A Belfast Prayer, einer Reflexion über den jahrzehntelangen Nordirland-Konflikt eine Überraschung bei Tanz im August 2019 landete und im vergangenen Jahr bei der Tanzbiennale in Venedig mit einem Silbernen Löwen ausgezeichnet wurde, gefährlich nah an plakativen Kitsch. Schüsse hallen aus dem Dunkel, die Performer*innen lassen sich mit schmerzverzerrten Gesichtern allzu theatralisch fallen.

Vom Band kommen Texte, die Oona Doherty mit Bush Moukarzel verfasst hat, bevor zum Schlussteil ein anderer Sound dominiert: zur Elektro-Musik von Jamie XX, der für seine melancholischen Songs bekannt ist, kommt neues Leben in die Performer*innen. Nach der Klima-Apokalypse zucken sie sich langsam und mit leichtem Hoffnungsschimmer aus der Schwermut heraus. Sie streben nach körperlicher Nähe und umarmen sich. Auch hier bleibt das Stück leider plakativ.

Weiterlesen