Kritik zu: Ubu Rex
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Wer mit diesem weinerlichen, selbstgefälligen, seine Umwelt mit unsinnigen Befehlen quälenden Riesenbaby gemeint ist, ist sonderlich schwer zu entschlüsseln. In der „Ubu Rex“-Überschreibung des flämischen Regisseurs Stef Lernous wimmelt es nur vor Anspielungen auf Donald Trump. Von den „Fake-News“ bis zum Bau einer Mauer an der mexikanischen Grenze packte der Autor eine ganze Palette markanter Trump-Sätze in seine groteske Karikatur des sich selbst überschätzenden Machtmenschen.

Tilo Nest spielt diesen Pa Ubu, einen Kleinbürger, der zum Potentaten wird und als traurige, am Boden liegende Witzfigur endet, als einen Chips in sich hineinmümmelnden Biedermann im Fatsuit. Die meiste Zeit hält sich seine holde, wie in der deutschen Übersetzung des „König Ubu“-Originals ständig „Schreiße“ brüllende Gattin Ma Ubu im Hintergrund und macht ein paar Turnübungen, wenn sie nicht ausdauernd qualmt. Stefanie Reinsperger ist diese von der Lady Macbeth inspirierte Rolle eigentlich wie auf den Leib geschrieben, aber sie kann ihr Können zu selten zeigen. Ein kurzes Solo, in dem sie dem Mann, der nur eine Marionette für sie war, ein paar verächtliche Fußtritte verpasst und von dem Pakt mit dem Teufel schwärmt, gehört zu den wenigen Glanzlichtern eines blassen Abends.

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Kritik zu: Peer Gynt
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Da ihm schon nach seinen letzten Abenden der Vorwurf gemacht wurde, dass er sie zu Solo-Shows mache und die übrigen Spieler*innen zu schmückendem Beiwerk degradiere, entschied er sich nun konsequenterweise gleich für einen Auftritt als Alleinunterhalter. Mit John Bock, der an der Schnittstelle von Bildender Kunst, Installation und Performance arbeitet, nahm er sich Henrik Ibsens dramatisches Gedicht „Peer Gynt“, einen der Klassiker aus dem Kanon des 19. Jahrhunderts, vor.

Der Abend ist als großer Selbstfindungstrip angelegt, bei dem Eidinger kurzerhand nicht nur die Mutter Aase, sondern noch weitere Rollen übernimmt und von Live-Kamerafrau Hannah Rumstedt verfolgt wird.
Kleiner Einfall reiht sichs an kleinen Einfall. Das Publikum bekommt geboten, was zu erwarten war: eine mit mehr als zwei Stunden ungewöhnlich lange Show, bei der er den Stationen des Ibsen-Dramas folgt, mal eine kleine Trump-Anspielung bringt, mal mit Farbe beschmiert, häufig sein Kostüm wechselt. Am liebsten trug er eine in den Kniekehlen hängende Jogging-Hose, einen Slip und Strapse.

Zu den ungewöhnlichsten Momenten des Abends gehörten die Video-Einspieler von Eugen Drewermann, der mit sonorer Stimme über die Literatur des 19. Jahrhunderts reflektierte. Der Kontrast zum angekündigten pornographischen Video-Material, das in dieser Aufführung verwendet wird, könnte kaum größer sein. Gemessen an der ausgeprägten exhibitionistischen Ader wurden die verpixelten lesbischen Sexspiele, in die sich Eidinger mittels Greenscreen-Technik einklinkte, nur sehr dosiert eingesetzt.

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Kritik zu: Das Gewächshaus
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Dass er in Ottawa eine Jugendtheatergruppe namens „Suburban Beasts“ mitgründete, passt gut ins Bild. Denn brutale Bestien sind die Figuren, von denen er im „Gewächshaus“ erzählt. Das Stück ist ein harter Stoff, der vom Mobbing unter Jugendlichen erzählt, das hier in einer Katastrophe endet. Schauplatz des Dramas ist „Das Gewächshaus“, ein verfallener Ort am Rande der Stadt, den die Jugendlichen als Rückzugsort, zum Kiffen, für Mutproben und vor allem für ihre Lieblingsbeschäftigung, das Mobbing, nutzen.

Tannahill schildert die Albträume, die die Jugendlichen nach der Katastrophe und dem Fund einer verwesenden Leiche heimsuchen. Sehr realistische Szenen aus ihrem Alltag wechseln sich mit Zombie- und Mystery-Motiven wie einem geheimnisvoll klingenden Handy ab. In der düsteren Atmosphäre bleibt lange verborgen, was wirklich vorgefallen ist.

Das DT empfiehlt diese Produktion ab der 9. Klasse, 15jährigen mutet dieser sehr harte und brutale Stoff jedoch ziemlich viel zu.

Regie führte Salome Dastmalchi, die wieder mit ihrer Choreographin Niloufar Shahisavandi zusammenarbeitet. Gemeinsam inszenierten sie in der Box des Deutschen Theaters bereits 2017 die „Draufgängerinnen“, eine temporeiche, sehr unterhaltsame und musikalische Aufführung über Teenagerinnen, die schwanger wurden.

Bei „Das Gewächshaus“ schlagen sie einen ganz anderen, düstereren Ton an. Musikalische und choreographische Elemente spielen eine geringere Rolle, stattdessen steht das Spiel zwischen Realismus und Mystery im Mittelpunkt des Abends.

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