Kritik zu: Der Sturm
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Jan Bosse hat bewiesen, dass er auch aus einem so flachen Text wie PeterLichts Molière-Überschreibung „Tartuffe oder Das Schwein der Weisen“ einen unterhaltsamen Sommertheater-Abend zaubern kann. Aber bei Jakob Noltes sperriger und dadaistischer Wort-für-Wort-Übersetzung will ihm dies nicht gelingen. Regisseur und Autor ernteten bei der Berlin-Premiere einige Buhs.

Das Ensemble kam nie richtig ins Spielen. Stargast Wolfram Koch, der nur hin und wieder in Berlin zu erleben ist, blieb als Prospero überraschend blass. Jeremy Mockridge im Glitzer-Höschen und Tamer Tahan mussten sich durch Knallchargen-
Rollen hampeln.

Besser erging es ihren Kolleginnen: Linn Reuse, Julia Windischbauer und vor allem Lorena Handschin als Ariel durften den Abend mit einigen Gesangs-Soli (live begleitet von Carolina Bigge) auflockern. Das waren die Lichtblicke eines zähen Abends, der als sommerliche Koproduktion des DT mit den Bregenzer Festspielen konzipiert war. Aber Spielfreude und Unterhaltungswert des Abends blieben hinter den Erwartungen zurück, selten wurde bei einer Komödie so wenig gelacht.

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Kritik zu: AU BAR
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Katharine Mehrling überzeugt nicht nur durch ihre tolle, stets rauchig-laszive Gesangsstimme, sondern auch als Entertainerin. Ganz unscheinbar leitet sie die Anmoderationen ein und setzt dann gekonnt ihre Pointen. In „Makrobiot“ macht sie sich über Ernährungs- und Wellness-Trends lustig und beschreibt zuvor ausführlich das Nachtleben im Schöneberger „Eldorado“ kurz vor dem Untergang der Weimarer Republik, wo heute ein Bio-Supermarkt sei. Manches ist auch einfach gut erfunden, wie Mehrlings autobiographische Reise quer durch Europa, in der sie Dialekte imitiert und parodiert, bevor sie mit „Castrop Rauxel“ das Los der Stadttheater-Musical-Darsteller*innen in der Provinz besingt.

Vom vielzitierten Publikumsschwund ist an diesem Mehrling-Abend nichts zu spüren. Im Gegenteil: das Zelt ist so eng bestuhlt, dass die Zuschauer*innen kaum noch Beinfreiheit haben. Für die Künstlerin und die nichtsubventionierte Bühne könnte es kaum besser laufen, wenn das Haus so brechend voll ist. Der Konzertgenuss für das Publikum wäre allerdings noch größer, wenn die Sitznachbarn nicht ganz so eng neben uns kleben würden.

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Kritik zu: Caesar
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Anders als bei seiner vielbeachteten „König Lear“-Inszenierung an den Münchner Kammerspielen zur Spielzeit-Eröffnung 2019 nutzt Pucher diesmal keine frische, pointierte Neuübersetzung wie von Thomas Melle, der Shakespeare mit flapsigen Ausdrücken, zeitgenössischem Duktus und einem dezidiert feministischen Blickwinkel würzte. Beim „Julius Caesar“ setzt er auf einen traditionsreichen Klassiker: Pucher nutzt für seine Stückfassung die Übersetzung von August Wilhelm Schlegel, die Elisabeth Plessen 1986 bearbeitet hat.

Der weniger als zwei Stunden kurze Abend ächzt unter diesen enormen Textblöcken, die das routinierte Ensemble vorträgt. Spielerische Momente gibt es kaum, stattdessen kehrt Yorck Dippe nach seinem Vorspiel noch mehrfach als Poet Cinna auf die Bühne zurück und trägt Shakespeare-Sonette vor, die als Fremdtext eingeflochten werden.

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