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Diese verschrobenen Figuren mit ihren fahrigen, schlenkernden Bewegungen, die weder in ihren Körpern, noch in der Welt zuhause sind, sind uns mittlerweile vertraut. Sie bevölkern auch die vierte Arbeit des japanischen Regisseurs Toshiki Okada an den Münchner Kammerspielen.

Recht zäh schleppen sich die langen Monologe dahin, in denen sie über ihre Verlorenheit in der Welt, Kaffee aus Guatemala, Parks in Sao Paulo und viele andere Skurrilitäten sinnieren.

Leider fehlen „The Vacuum Cleaner“ der Charme und der Witz der storchenbeinigen Karaoke-Sänger aus Okadas Vorgänger-Inszenierung „No Sex“, mit der er 2019 auf den Radar der Theatertreffen-Jury kam. Die Einladung, die er für seine damalige Arbeit verdient gehabt hätte, erhielt nun ein Jahr später seine schwächere Nachfolge-Arbeit.

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Kritik zu: Das große Heft
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Diese Inszenierung bringt für den Stream jedoch zwei Vorteile mit: Erstens setzt sie ganz auf den Text und die sprachliche Kraft der Vorlage von Ágota Kristóf, die in knappen Sätzen und schneidendem Ton vom Leidensweg der „Hundesöhne“ erzählt. Die Zwillinge wachsen mitten im Krieg bei ihrer Großmutter, einer boshaften Hexe, auf und sie tun alles, um ihre Gefühle zu unterdrücken und sich gegen den Schrecken abzuhärten. Der 80 Minuten kurze Abend ist ein Oratorium mit choreographischer Untermalung.

Zweitens funktioniert er auch deshalb als Stream einigermaßen gut, weil sich das Geschehen auf engem Raum in einer Art Sandkasten abspielt. Die Spieler*innen tragen Bodypainting-Kostüme und deklamieren den Text, der oft auch im Hintergrund über eine große Leinwand läuft. Die düsteren Textbrocken werden ironisch durch die „Ode an die Freude“ oder Pophymnen gebrochen, der Abend bleibt jedoch immer nah an seiner Roman-Vorlage. Häufig schwenkt die Kamera zu Jelena Popržan, die am Bühnenrand Alltagsgegenständen Geräusche entlockt und Wortfetzen der Spieler*innen einspricht und loopt.

„Das große Heft“ ist eine konzentrierte, kleine Version des deprimierend-brutalen Stoffs, Ulrich Rasche in seiner wesentlich opulenteren und laustärkeren, zum Theatertreffen 2019 eingeladenen Dresdner Inszenierung auf die Bühne brachte" rel="nofollow" >den zuletzt auch Ulrich Rasche in seiner wesentlich opulenteren und laustärkeren, zum Theatertreffen 2019 eingeladenen Dresdner Inszenierung auf die Bühne brachte. Bei weitem nicht so spektaktulär, aber eine solide Off-Theater-Inszenierung.

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Die Roman-Trilogie von Vladimir Sorokin, die er für das Staatstheater Mainz adaptierte, wäre auch tolles Material für Frank Castorf: groteske Figuren, ein dystopischer Stoff, der durch die russische Geschichte surft und Bögen zwischen Stalin und einer blonden, blauäugigen Übermenschen-Sekte schlägt.

Tatsächlich erinnert dieser fünf Stunden lange Abend vor allem im ersten Teil an Castorfs ausufernde Volksbühnen-Abende: Auch „Ljod“ ist ein assoziativer Mash-up aus viel Live-Video, Schreien und Zetern. Statt mit Fremdtexten jonglieren Gockel und sein Ensemble vor allem mit Zitaten von Regie-Stilen.

Mal versammelt sich das Ensemble an einem langen Tisch. Die Handlung kommt für längere Zeit zum Stillstand. Wie eine „Tschechow-Parodie“ wirkte diese Szene schon bei der Premiere auf die Nachtkritikerin Esther Boldt. Mal tanzen alle Spieler*innen in Nazi-Kostümen zu einer schrägen Leni Riefenstahl-Choreographie.

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