Kritik zu: 9 Tage wach
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Der Abend ist dann am stärksten, wenn die Beats krachen und die fünf Spieler*innen die starken Songs mit prägnanten Texten performen, die Christopher Verworner und Claas Matti Krause für diesen Drogen-Trip geschrieben haben. Dabei werden sie live von sieben Musiker*innen angebracht, die unter der schrägen Bühne kauern.

Der Sprechtheater-Anteil dieses Abends leidet darunter, dass er allzu beliebig und sprunghaft im Zick-Zack hin und herspringt. Alle fünf Spieler*innen teilen sich die Rolle von Eric, übernehmen im nächsten Moment aber schon wieder Nebenrollen wie den Part seiner Freundin, seiner Kommilitonen oder seiner Freundin. Wann immer der Text dominiert, droht der Abend den Faden und sein Publikum zu verlieren.

Erst wenn für kurze Zeit die Bats und die Choreographien von Lilit Hakobyan den Ton angeben, kommt „9 Tage wach“ wieder bei sich an. Eindringlich wird dann erlebbar, wie der Drogenkonsument die Kontrolle über sich zu verlieren drohte, aber irgendwie doch noch die Kurve kriegte.

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Als kleine einstündige Farce könnte dieser Abend vielleicht noch funktionieren. Auf fast drei Stunden (inklusive Pause) gestreckt ist der Abend eine Aneinanderreihung von „Laberkaskaden“, wie die Theatertreffen-Jury zurecht schrieb, die allerdings nicht „schwindelerregend“, sondern eintönig und banal sind. Der Unterhaltungswert ist ebenso gering wie der Erkenntnisgewinn.

„Tartuffe oder Das Schwein der Weisen“ ist vor allem in einer Hinsicht bemerkenswert: bemerkenswert albern. In Barockkostüme gesteckte, aufgeregt plappernde Spieler*innen quälen sich und das Publikum durch möglichst sinnfreie Dialoge, was sie „geil“, „ungeil“ oder „okay“ finden. Zur Pause gibt es berechtigte Buhrufe, nach der Aufführung verhaltenen Applaus.

Wie bei Molière betritt die Hauptfigur erst im dritten Akt die Bühne: Tüffi ist ein triebgesteuertes Schwein mit angeklebtem Riesen-Dildo (Nicola Mastroberardino), das genauso sinnfreies Zeug faselt wie der Rest und sich als Sex-Schamane entpuppt, der seinen Kunden mit Selbstoptimierungs-Workshops das Geld aus der Tasche zieht. Als Running Gag verstecken sich alle Spieler*innen wie der leichtgläubige Orgon unter irgendwelchen Tischen und diskutieren anschließend mit dem Guru, ob sie den vollen Seminar-Preis zahlen müssen.

„Tartuffe oder Das Schwein der Weisen“ ist nach „Der Geizige“ (2010, Regie: Jan Bosse, Gorki Theater) und „Der Menschen Feind“ (2016, Regie: Claudia Bauer, Theater Basel) die dritte Molière-Bearbeitung von PeterLicht. Die skurrilen Songs wie das „Chipslied“ sind in ihrem Dada-Stil ganz hübsch. Ansonsten kommt die Klassiker-Veralberung aber nicht über eine flache Kapitalismuskritik und fade Gags hinaus. Ein ungeiler Abend!

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In seinen besten Momenten öffnet sich Sebastian Hartmanns Adaption „Erniedrigte und Beleidigte“ hin zum Tanz. Dann verstummen die nervtötenden Sprachfetzen kurz, die Hartmann im Stil seines Lehrers Frank Castorf aus Dostojewskis Roman herausdestilliert hat. In fiebrigen, epileptischen Zuckungen wälzen sich die Spieler*innen am Boden, während im Hintergrund Tilo Baumgärtel an seinem überdimensionalen Bild malt.

Wie von Castorf gewohnt, der diesen Roman 2001 als Koproduktion der Wiener Festwochen und der Berliner Volksbühne inszenierte, hat man auch bei Hartmann keine realistische Chance, den Handlungsfetzen der Liebeswirren aus der feudalen Sankt Petersburger Gesellschaft zu folgen. Um Stimmungen, Assoziationen und Eindrücke geht es Hartmann. Aber statt starker Bilder und Sounds sind die pausenlosen knapp drei Stunden über weite Strecken ein zermürbender, wirrer Strom. Statt eines überzeugenden Gesamtkunstwerks bietet Hartmann nur Skizzenhaftes.

Auf einer zweiten Ebene hat Hartmann seine Dostojewski-Fragmente mit der Hamburger Poetik-Vorlesung von Wolfram Lotz überschrieben. Yassin Trabelsi bricht in die improvisierten Szenen seiner Mitspieler*innen ein und trägt die Thesen sehr engagiert vor: „Nix Idee, nix Meinung zu irgendwas, nix interessanter Gedanke, nix psychologisches Problem, sondern Sound“. Auf der Dostojewski-Ebene kommen die „Erniedrigten und Beleidigten“ aber kaum über die bekannte Castorf-Ästhetik ausufernder Textpassagen, die im Nichts versanden, hinaus.

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3.3
Durchschnittsnote aller Stücke
5 662+
4 1493+
3 1301+
2 744+
1 338+
Kritiken: 1966
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