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Als Referenz-Rahmen wählen Pollesch und sein Team meist Diskursschnipsel aus Soziologie, Queer und Gender Studies. Diesmal orientiert sich der 80minütige Abend vor allem der SciFi-Komödie „Meine Stiefmutter ist ein Alien“ (1988) mit Dan Aykroyd und Kim Basinger sowie Heidi Kabels Ohnsorg-Schwank „Tratsch im Treppenhaus“, auf den Kotbong Yang parodistisch anspielt.

Streckenweise ist der Abend durchaus unterhaltsam, Sophie Rois sorgt mit einigen Running Gags für Lacher: wenn sie nicht gerade als verkrampfte Alien auf der Suche nach Sex über die Szenerie tigert, sorgt sie sich rührend um die Menschen im 2. Rang, die zu wenig sehen können.
Leider ist der Abend aber auch um 20 Minuten zu lang und oft zu albern. Als sommerlicher Spielzeit-Ausklang und Gegengewicht zum nölenden Kriegs- und Corona-Lamento von Fabian Hinrichs in „Geht es dir gut?“ bietet diese Rois-Abschieds-Sause einige Momente zum Schmunzeln, aber ein großer Wurf ist der verqualmte Abend nicht.

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Kritik zu: Paradise Lost
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In vielen Gesprächsrunden, Publikationen und Essays wird die Allmacht der Regie-Götter beklagt, deren Launen die Berufsanfänger oft ausgeliefert sind. In diesem sehr unterhaltsamen und dennoch tiefgründigen, dramaturgisch ebenso wie choreographisch präzise gearbeiteten Ensemble-Stück werden die verschiedenen Strategien durchgespielt, mit denen talentierte Künstler versuchen, in der Branche Fuß zu fassen.

Da ist z.B. der narzisstische Kai (Timothy Leistikow für den gestern Nathan Johns einsprang), der nach unten tritt und sich auf breiter Schleimspur beim meist abwesenden Regisseur anbiedert; da ist der talentiertere Alex (Manuel Nobis), der in seiner zurückhaltenden Art stets nur in der zweiten Reihe landet und schmollt; da sind Lilli (Annika Steinkamp), die zynisch-verbitterte Assistentin des Regisseurs, und ihr Ex Adam (Tobias Blinzler), der einige Widerworte gab, seitdem in Ungnade gefallen ist und durch die Provinz tingelt, um sich und seine Familie zu ernähren; schließlich auch Peedy (Paul Fruh), der es bereut, dass er für ein Engagement die Beine breit machte) und Maja (Isabella Seliger), das unerfahrene Küken im Ensemble, die am Ende des Stücks entscheiden muss, ob sie der Einladung ins Hotelzimmer folgen soll, wo sie sich den Text für die ersehnte Hauptrolle abholen soll.

In zweieinhalb kurzweiligen Stunden performt das Ensemble eine tolle Show, bei der zu spüren ist, wie sehr dieses sensible Thema die UdK-Studis auch ganz persönlich angeht.

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Musikalisch ist das Trio weiterhin eine Klasse für sich. Seit ihrer Gründung im Jahr 2004 haben die drei ihr eigenes Genre entwickelt: die glockenklaren Stimmen von Graue und Nell korrespondieren mit der Bass-Begleitung von Melzwig. Ihre Cover-Versionen verfremden Klassiker und Chart-Hits, verfremden die Genres und arrangieren sie neu zu Medleys. Damit haben sie eine treue Fangemeinde gewonnen.

Mit melancholisch-leisen Tönen führen sie in den Abend ein, werden im Lauf der zwei Stunden Slapstick-hafter und komödiantischer. Manche Gags und Clownerie-Gesten sind schon aus den Programmen der „Muttis Kinder“-Erfolgswelle des vergangenen Jahrzehnts vertraut und wirken nicht mehr ganz frisch. Zum Jubiläum bieten sie eine Mischung aus vertrauten Songs, sparen aber ihre größten Hits aus, und mischen auch ein paar neu einstudierte Lieder darunter.

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