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Zum 80. Geburtstag und zum Ende seiner Intendanz schrieb Volker Ludwig einen neuen Schluss, der am 17. Juni 2017 im Grips Theater Premiere hatte: alle kommen noch mal zu einer Familienfeier zusammen. Charlie (Patrik Cieslik) interessiert sich nach wie vor nicht für die Heldengeschichten der Altvorderen von der Schlacht am Tegeler Weg oder den Anti-Vietnam-Demos. Sie alle eint aber die Sorge um die offene Gesellschaft. Die Liberalität und Weltoffenheit, die die 68er erkämpft haben und die im gesellschaftlichen Mainstream verankert schienen, werden von Pegida, Le Pen, Trump und Co. in Frage gestellt. Mit dem Appell, diese Errungenschaften zu verteidigen, endet die Zeitreise durch „Eine linke Geschichte“ nach knapp dreieinhalb Stunden. Weiterlesen
Kritik zu: Willkommen
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In diesen Szenen zeigt sich deutlich das Problem von „Willkommen“, das die Kritiken schon nach Sönke Wortmanns Düsseldorfer Uraufführungs-Inszenierung im Februar klar benannten: Die Figuren sind klischeehafte Figurenschablonen, die ein leichtes Opfer für den Spott abgeben. Bedenklich ist, dass linkes und liberales Denken ziemlich pauschal als „Weltverbessererspinnerei desavouiert“ wird, wie Sascha Westphal auf Nachtkritik schrieb.
Davon abgesehen bekommt das Publikum unterhaltsamen Edelboulevard geboten. Das Berliner Renaissance Theater wartet in der Regie von Torsten Fischer sogar mit Ex-Schaubühnen-Stars vom Kaliber einer Imogen Kogge und einer Judith Rosmair auf. Es gibt auch manches zum Schmunzeln, aber ein echtes Pointenfeuerwerk wird nicht entfacht. Weiterlesen
Kritik zu: Dark Star
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Zu selten springt der Funke über, in der ersten Stunde versanden zu viele Dialoge im Nichts. Man könnte diesen Abend als eine Pollesch-Arbeit abhaken, die mit fast zwei Stunden nicht nur länger, sondern leider auch zäher als seine besten Inszenierungen geraten ist.
„Dark Star“ wird dennoch in Erinnerung bleiben: In der stärkeren zweiten Hälfte des Abends setzt Milan Peschel immer wieder zur selben Frage an: „Wo geht ihr jetzt hin?“ Die drei Amigos geistern nicht nur wie die Filmfiguren orientierungslos durchs All, sondern werden auch ihr Mutterschiff, die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, verlieren. Pollesch ist seit seinem Durchbruch zur Jahrtausendwende im Prater zwar längst ein im ganzen deutschsprachigen Raum zwischen Hamburg, Zürich und Wien ein sehr gefragter, vielbeschäftigter Regisseur. Wie Ulrich Khuon vor kurzem in einem Interview ankündigte, wird er in Berlin am Deutschen Theater inszenieren: einem Haus mit ganz anderer Tradition, das bisher völlig andere Publikumsschichten anspricht. Bei der Premieren-Vorschau des DT für die Spielzeit 2017/18 sucht man Pollesch noch vergeblich. Weiterlesen
Kritik zu: Der Fluch
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Die Szenen, die für so viel Empörung sorgten, nehmen vergleichsweise wenig Raum ein. Sie sind eingebettet in ironische Performances, in denen sich das Ensemble z.B. mit dem Image des Skandalregisseurs befasst. Eine Schauspielerin lästert über ihn als Berufs-Provokateur, der quer durch Europa jettet, hohe Gagen einstreicht und sie ihm Stich lässt, so dass sie am Ende nicht weiß, wie sie die drei Kinder ernähren soll.
Auch gleich zum Einstieg ist der Abend deutlich vielschichtiger als der ihm vorauseilende Ruf erwarten ließ: in slapstickhaft-überzeichneten Sequenzen verhandeln die Schauspieler die Frage, wie wohl Brecht, dessen Stammhaus nur wenige hundert Meter weiter liegt, das aus heutiger Sicht sehr altbackene Stück „Der Fluch“ von Stanisław Wyspiański über das uneheliche Kind eines Priesters inszenieren würde.
Oliver Frljićs neuer Abend „Der Fluch“ ist also nicht nur für jene interessant, die sich über das aufgeheizte politische und kulturelle Klima in Polen informieren wollen, sondern überrascht auch mit unterhaltsamen Brechungen und eingestreuten Anspielungen auf andere Skandal-Stücke wie „Golgota Picnic„. Weiterlesen
Kritik zu: Peng
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Das erste Problem dieses Abends zeigt sich recht früh, nämlich schon in der Geburtsszene: Sebastian Schwarz wird in einen überdimensionalen Luftballon gesteckt, aus dem er von Hebamme Schwester Hedwig (Damir Avdic als Trash-Figur mit Bart, blonder Perücke und Schwesternkittel) zur Welt gebracht. „Peng“ ist in Momenten wie diesen keine treffsichere Satire, sondern zu oft zu nah an der Klamotte. (...)
Die Stränge münden in die finale Selbst-Krönung des narzisstischen Riesenbabys zur Miss Universum, nachdem er auf wunderbare Weise ein von feministischen Parolen begleitetes Kopfschuss-Attentat überlebt hat. Bevor die Bühne im Dunkel versinkt, darf Eva Meckbach ihr aus Liederabenden und früheren Mayenburg-Inszenierungen bekanntes Gesangstalent zeigen. „Peng“ will zu viel und scheitert daran, dass die Handlungsstränge nicht stringent gebündelt werden, sondern in Kalauern über „Hugenotten“ oder „Hottentotten“ versanden. Weiterlesen
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Leider fehlt diesem Abend, was eine gelungene Castorf-Inszenierung ausmacht: die Kabinettstücken und Highlights, die unvermittelt aus dem assoziativen Mäandern auftauchen. Diese funkelnden Glücksmomente machen selbst in den sehenswertesten und gefeiertesten Castorf-Regiearbeiten höchstens 1/3 der Spielzeit auf, trösten aber über Längen, Stagnation und quälende Leere hinweg, die an keinem Castorf-Abend fehlen.
Diesmal sind die Glücksmomente trotz langjähriger Castorf-Weggefährten wie Kathrin Angerer und Georg Friedrich auf ein Minimum reduziert. Selbst Nachtkritiker Christian Rakow, dessen Abschiedsschmerz aus jeder Zeile seiner Rezension spricht, musste zugeben: „Die Inszenierung war fahrig, zerfahren, unfertig, stagnierend, mäandernd, wenngleich in ihrem Anliegen lesbar. Sie war kein Vergnügen.“ Die unbequemen Sitzsäcke taten ihr Übriges, so dass sich der Saal spürbar leerte. Weiterlesen
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Das Gorki Theater bleibt auch in der letzten Premiere dieser Spielzeit auf der großen Bühne seinen Themen treu: die Suche nach Identität, dem Grübeln über deutsche, türkische und deutsch-türkische Befindlichkeiten. Auch wenn der Text „Get Deutsch or Die tryin'“ des Studioleiters und Hausdramaturgen Necati Öziri, der im Rahmen der Schreibwerkstatt zum Thema „Flucht, die uns bedingt“ und pfiffig auf „50 Cent“ anspielt, neu ist, wirken die einzelnen Zutaten doch allzu vertraut. Der Abend entwickelt keine eigene Sprache, sondern schwingt im gewohnten Gorki-Sound.
Im zweiten Teil blendet der Abend zurück auf die Hochzeit von Adars Eltern (gespielt von Pinar Erincin und Taner Sahintürk). Regisseur Sebastian Nübling, der für kraftvolle, körperbetonte Choreographien bekannt, lässt den Abend in eine revuehafte Parodie des Kennenlernens und der Hochzeit zerfasern. Arda alias Dimitrij Schaad darf einige spitze Bemerkungen einwerfen, bevor er zu einem larmoyanten Schlussmonolog ansetzt. Die Bühne versinkt im Schwarz, nur noch die Drums sind zu hören. So endete ein Abend, dem der von Nübling erwartete Drive und die erhoffte Würze fehlten. Weiterlesen
Kritik zu: Auerhaus
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Auf der Zielgeraden gibt es einen starken Moment, als Marcel Kohler in der Rolle des Höppner sich ausmalt, wie ein Happy-End aussehen könnte: glückliche Paarbeziehungen und erfolgreiche Karrieren in spannenden Berufen denkt er sich für seine neben ihm aufgereihten Mitbewohner aus, er selbst möchte am liebsten Hausmann sein. Im nächsten Moment landet er wieder in der tristen Realität: die WG wird vor Gericht für ihre Delikte zur Rechenschaft gezogen und fällt auseinander. Nicht mal Frieders Suizid ließ sich verhindern.
Dass der Abend nicht in der Gegenwart spielt, merkt man nur in den Szenen, in denen sich Höppner dem seit 2011 ausgesetzten Zwangsdienst bei der Bundeswehr entziehen möchte und – wie so viele in den 80ern – über einen Umzug nach West-Berlin nachdenkt. Konsequent vermeidet Nora Schlocker alle weiteren Bezüge zu diesem bunten Jahrzehnt, die Schauspieler trágen unauffällige Alltagsklamotten und nicht mal der Ohrwurm „Our house“, auf den der Titel anspielt. Weiterlesen
Kritik zu: Phädra
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Regisseur Stephan Kimmig macht gar nicht erst den Versuch, die Racine/Schiller-Verse in die Gegenwart zu übersetzen. Er vertraut auf die Überzeugungskraft des Ensembles –  allen voran Corinna Harfouch, die im Lauf des Abends ihre Garderobe von tiefschwarz über blütenweiß zu blutrot wechselt.
Ein Raunen geht durchs Publikum, als Khuon (Hippolyt) seine Bühnenpartnerin Harfouch (Phädra) nach ihrem Liebesgeständnis wegstößt und zu Boden wirft. Sie kracht mit dumpfem Knall auf die Bretter, so dass einige kurz an einen Bühnenunfall glauben. Ansonsten bleibt das Klima im Zuschauerraum wohltemperiert: vorsichtiges, etwas verunsichert wirkendes Glucksen begleitet die fünf Akte, die mit „Chaos“ oder „Tod“ überschrieben sind, uns aber nicht wirklich nahegehen. Weiterlesen
Kritik zu: Kopfkino
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Zum zwanzigsten Jubiläum der Zusammenarbeit zwischen der Neuköllner Oper und der Universität der Künste ist dem Duo Peter Lund/Thomas Zaufke ein Coup gelungen. (...) Zaufke/Lund und ihr Ensemble machen aus dem Stimmengewirr von Lennards Persönlichkeitsfacetten einen sehr unterhaltsamen Abend. Ein Vorteil dieser Erzählstruktur ist, dass es keine Nebenrollen gibt und das ganze Ensemble sein Talent zeigen kann. Weiterlesen

Premieren

10 September 2017
Die Kameliendame
Philip Tiedemann
Schlosspark Theater

10 September 2017
Jacobowsky & der Oberst
Jürgen Wölffer
Ku'damm Bühnen

19 September 2017
Zeppelin
Herbert Fritsch
Schaubühne

20 September 2017
It Can't Happen Here
Christopher Rüping
Deutsches Theater

21 September 2017
Caligula
Antú Romero Nunes
Berliner Ensemble

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