Kritik zu: Blood Moon Blues
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Markenzeichen der Gorki-Hausregisseurin Yael Ronen ist, dass sie auf schmerzhafte Themen wie Suizid-Gedanken, bipolare Störung und Krebsdiagnosen zusteuert und versucht, daraus kurzweilige Komödien zu machen. In ihrer neuen Stückentwicklung „Blood Moon Blues“, die sie mit ihrer israelischen Landsfrau, der Hauptdarstellerin Orit Nahmias, entwickelte, bleibt es jedoch beim Versuch.

Das Stück-Skelett, das sie sich um die genannten Themen ausgedacht haben, bekommt kaum Fleisch. Irgendwo in einem Ashram in der Wüste hat Elinor (Nahmias), die drei Menschen um sich versammelt, die sie zum Teil schon seit Jahren manipuliert: ihre Tochter Luna (Aysima Ergün) und ihre Partnerin und ehemalige Ärztin Gabriella (Vidina Popov) sind extra herbeigeeilt, schon vor Ort war ihr „Soulmate“ Greg, ihr 22jähriger Toyboy, den Ensemble-Neuzugang Doğa Gürer verkörpert. Dünn bleiben die 90 Minuten, in denen viel frontal ins Publikum gesprochen wird.

Weiterlesen
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Großen Jubel gab es für das alternative Ende: statt wohlgefälliger Auflösung in tradierte Heteronormativität bieten Kraft und seine Mitstreiter*innen ein queeres Empowerment. Der von Hollywood weichgespülten Botschaft der mit sieben Oscars überhäuften Historien-Schnulze „Shakespeare in Love“ (1997) werfen sie vor, dass der über #metoo-Skandale gestolperte, damals als  Tausendsassa gefeierte Harvey Weinstein und seine Hauptdarstellerin Gwyneth Paltrow die Verhältnisse nur zementierten. Caner Sunar, der schon in Bastian Krafts Drag-Revue „ugly duckling“ ein zentraler Protagonist war, erinnerte sich zu Beginn der Show an seine Kindheit, als Paltrow für ihn eine Ikone war und er mit pinkem Handtuch heimlich vor dem Spiegel ihren Oscar-Auftritt imitierte. Doch heute, knapp 25 Jahre später, macht das DT-Ensemble deutlich: damals wurde vor allem das Bekenntnis zur Heterosexualität prämiert. Dem setzen die vier ein launig vorgetragenes, dennoch kraftvolles Plädoyer für queere Vielfalt entgegen.

Trotz mancher unterhaltsamer Momente bleibt nach knapp 100 Minuten der Eindruck, dass die Berliner „As you fucking like it“-Revue hinter Bastian Krafts letzten Münchner Drag-Inszenierungen zurück bleibt: sie surft nicht so elegant zwischen Vorlage und Meta-Ebenen wie seine „Lulu“ im Marstall und sie ist auch kein so rasantes Gag-Feuerwerk wie seine „Was der Butler sah“-Boulevard-Theater-Hommage/Persiflage, die vom Marstall auf die große Residenztheater-Bühne umziehen durfte.

Weiterlesen
Kritik zu: Das Himmelszelt
Nach einer etwas langatmigen Exposition wogt die Beratung der Jurorinnen fast drei Stunden hin und her. Der Plot nimmt einige aberwitzige Wendungen, die oft arg konstruiert oder kolportagehaft wirken. Schon bei der deutschsprachigen Erstaufführung von „Das Himmelszelt“ am Wiener Akademietheater im Spätsommer 2020 legte Nachtkritikerin Gabi Hift den Finger in die Wunde des Stück-Texts: die Entwicklung des Plots und urplötzlich auftauchenden „Leichen im Keller“ der Jury-Mitglieder wirken oft nicht sonderlich glaubwürdig.

Diese Schwäche der Stückvorlage versucht Jette Steckel bei der deutschen Erstaufführung am DT mit einem exzellenten Ensemble zu überdecken: Kathleen Morgeneyer und Maren Eggert (als Hebamme Elizabth Luke) in den Hauptrollen bekamen weitere arrivierte Spielerinnen des Hauses wie Almut Zilcher, Franziska Machens, Linda Pöppel und Anja Schneider an ihre Seite gestellt, hinzu kommen noch hochkarätige Gäste wie Karin Neuhäuser, Birte Schnöink und Ursula Werner. Diese Damen-Riege absolviert gewaltige Textmassen, einige der Promis kommen nur recht knapp zu Wort, statt markanter Charaktere wirken sie eher wie Thesenträgerinnen und Schachbrettfiguren für die nächsten Plot Twists der Autorin.

Weiterlesen