Kritik zu: März
Das Stück ist einerseits eine Anklage gegen zu brutale Methoden der Psychiatrie, die in jenen Jahren starke Diskussionen entfachten. Zwei französische Vordenker der Psychiatrie-Kritik-Bewegung, Gilles Deleuze (gespielt von David Ruland) und Felix Guattari (Veronika Bachfischer), treten mit ihren Thesen in einem längeren Dialog an zentraler Stelle des Abends auf. Zum anderen versucht „März“, das Leiden des an Schizophrenie Erkrankten plastisch zu schildern. Konrad Singer spielt diesen Verzweifelten als über weite Strecken nackten Schmerzensmann voller nervöser Ticks, an seiner Seite Veronika Bachfischer als bleiche, apathische März-Geliebte Hanna.


Nach dem ungewöhnlichen Beginn, bei dem die beiden anderen Spieler*innen das hereintröpfelnde Publikum schon in zotteligen Fabelwesen-Kostümen, die an böse Geister erinnern, während David Ruland (als Arzt Kofler) mit Nebelmaschine bewaffnet die Bar und das Foyer aufmischt, findet der „März“-Abend keinen Rhythmus mehr. Recht schwerfällig schleppt sich die Inszenierung über 100 Minuten dahin, minimalistisch und spröde, eingezwängt zwischen dem Ballast jahrzehntealter Theorie-Debatten.

Komplette Kritik mit Bildern
Kritik zu: Ode
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Der sprunghafte, atemlose, sich oft verzettelnde, mit Anspielungen auf Martin Kippenberger, Andreas Gabalier oder die legendäre „Arturo Ui“-Inszenierung von Heiner Müller, die immer noch im Repertoire des Berliner Ensembles ist, gespickte Text macht es der Regisseurin Lilja Rupprecht schwer, ihn in den Griff zu bekommen.

Die Assoziationen fransen öfter all zu kryptisch aus, dann behilft sich die Inszenierung mit allerlei Videoschnipseln, Tomatenwürfen und Farb-Klecksen, um diese Schwächen zu überdecken. Der zweistündige Abend in den Kammerspielen des Deutschen Theaters ist aber trotz einiger Sackgassen und Längen sehenswert, da es sich bei der „Ode“ um einen der interessantesten aktuellen Texte für und über das Theater handelt. Die „Ode“ will provozieren und Debatten anstoßen, wenn es sein muss, auch mit schnell hingerotzten, stakkatoartigen Publikums-Beschimpfungen gegen die „youtubeverblödeten Neuneonazis“, die „berufsjugendlichen Selbstironisten“ und die „durchfinanzierten Arztsohnsekttrinker“. In diesem extrem verdichteten Rap-Rundumschlag bekommt das spielfreudige Ensemble aus vier Spieler*innen des DT (Manuel Harder, Alexander Khuon, Natali Seelig, Katrin Wichmann), zwei Gästen vom inklusiven Theater RambaZamba (Juliana Götze, Jonas Sippel) und dem Musiker Philipp Rohmer das nötige szenische Futter, das der sprunghaften Textfläche an vielen anderen Stellen fehlt.

Komplette Kritik mit Bildern
Kritik zu: Jugend ohne Gott
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Die Gorki-Fassung ist ganz auf die Schüler zugeschnitten: durch die Pubertät ohnehin verunsichert, finden sie keinen Halt mehr. Ihnen fehlen Normen und Vorbilder, die Eltern-Generation hat ihnen keinerlei Wert-Maßstäbe vermittelt. Soweit ist Müller nah an der Horváth-Vorlage. Die Kriminal-Geschichte der Mord-Ermittlungen spielt bei ihr aber nur eine untergeordnete Rolle. Sie wählte einzelne Motive des Romans aus, die sie in neuer Reihenfolge anordnet und mit Buzzwords aus aktuellen Debatten wie Klimakrise, Afghanistan-Einsatz oder Anschlag auf Flüchtlings-Wohnheime anreichert.

Von der Orientierungslosigkeit dieser Jugendlichen erzählen Regisseur Erpulat und seine Choreographin Modjgan Hashemian, indem sie ihre Spieler*innen knapp zwei Stunden lang zwischen Monologen und Spielszenen immer wieder atemlos kreuz und quer durch die Halfpipe rennen lassen. Ihre „Jugend ohne Gott“-Inszenierung ist hochenergetisch und zeichnet das Bild einer völlig entwurzelten Generation.

Darüber hinaus bleibt der Abend aber recht beliebig und hat wenig zu erzählen. Die Erwachsenen sind programmatisch völlig an den Rand gedrängt. Der Lehrer (Denis Geyersbach) folgt ihnen wie ein Voyeur mit der Video-Kamera, spricht aber erst ganz zum Schluss seine ersten Worte und holt mehr pflichtschuldig noch einige Roman-Motive nach.

Im Mittelpunkt des Abends stehen die jungen Spieler*innen, viele aus dem aktuellen Abschluss-Jahrgang der HfS Ernst Busch, die zur neuen Spielzeit gleich in den Ensembles großer Häuser anfingen wie Theo Trebs an der Volksbühne oder Felix Kammerer am Burgtheater.

Komplette Kritik mit Bild

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN



eventim     Reservix Ticketing System       

AUF DER BÜHNE

Auf der Bühne

 

TICKETS KAUFEN
eventim

ANZEIGE
                              
                                                    
Toggle Bar
X

Right Click

No right click