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Claudia Bauers Basler „Tartuffe oder Das Schwein der Weisen“ ist vom Theatertreffen 2019 in schlechter Erinnerung und war bemerkenswert banal. Sehr albern und zäh schleppten sich die Kalauer und Loops aus PeterLichts Molière-Überschreibung dahin. Als breitgewaltzte Farce ohne Tempo funktionierte der Text überhaupt nicht.

Jan Bosse und das DT holen aus dem flachen Text das Beste heraus. Einen wesentlichen Schlüssel zum Erfolg der Open Air-Sommerkomödie hat André Mumot in seiner Fazit-Radio-Kritik benannt: wir erleben hier keine Karikaturen und Schießbudenfiguren, sondern sympathisches Komödien-Personal. Regisseur Jan Bosse präsentiert die Molière-Version mit Witz und wahrt die Balance. Er drückt nicht zu sehr auf die Tube und meidet den Klamauk. Die endlos ermüdenden „Geil/Ungeil“-Wortschleifen aus der Vorlage haben Dramaturg David Heiligers und Bosse auf ein vernünftiges Maß zurechtgestutzt.

Dass der Abend funktioniert, ist aber natürlich vor allem dem tollen Komödiant*innen-Ensemble zu verdanken: in den Hauptrollen glänzen Božidar Kocevski als grunzender, sexsüchtiger Schamane in einer Rolle, die ihm wie auf den Leib geschrieben scheint, Regine Zimmermann als Großmuttter/Herr Frau Pernelle auf Kinderfahrrad und Natali Seelig als Gattin Elmire im Kontextualisierungs-Rumba-Slapstik mit Tüffi.

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Kritik zu: Dragón
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Diese 90minütige Arbeit, die Guillermo Calderónn und seine drei Spieler*innen live aus dem leeren Teatro de Mil im Lockdown von Santiago de Chile ins mehr als 12.000 km entfernte Düsseldorfer Schauspielhaus streamten, ist eine typische Festival-Koproduktion: sehr fordernd, hochkomplex, voller Anspielungen auf Theatertheorie und lateinamerikanische Zeitgeschichte. Wer sich in beiden Feldern nicht perfekt auskennt, hat einige Mühe, die in den schnellen Dialogen hingeworfenen Namen von Augusto Boal und seinem „Unsichtbaren Theater“ oder von Walter Rodney, einem panafrikanischen Historiker und Politiker, der bei einem Attentat ermordet wurde, zu googeln.

Eine weitere Hürde, die Guillermo Calderón aufbaut, ist die Selbstironie, mit der er und sein Team dem Kunstbetrieb und dem üblicherweise von der Mittelschicht dominierten Publikum den Spiegel vorhalten und sich über sich selbst lustig machen. Zahlreiche Volten schlägt das kleine Kunstbetriebs-Metaebenen-Kammerspiel, die hier nicht weiter nacherzählt werden sollen.

Es sei nur so viel verraten, dass auch Calderón die Fragen beschäftigen, die Ersan Mondtag in „It´s going to get worse“" rel="nofollow" >Ersan Mondtag in „It´s going to get worse“ und Oliver Frljić in „Alles unter Kontrolle“" rel="nofollow" >Oliver Frljić in „Alles unter Kontrolle“ in ihrer Doppel-Premiere am Berliner Gorki Theater verhandeln: Was ist politisches Theater? Was kann und soll es leisten? Wie gehen Künstler*innen mit der Krise um, dass sie mit ihrer Kunst nur eine kleine Blase erreichen und der weltverändernde Anspruch scheitert? Wer darf wen spielen? Sind Minderheiten, sozial Benachteiiligte, Schwarze ausreichend repräsentiert? Und wenn Theater von ihnen erzählen: Bekommen die Minderheiten ihren eigenen Raum? Dürfen sie mit eigener Stimme sprechen? Oder werden sie von bourgeois-selbstgefälligen Performer*innen instrumentalisiert?

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Kritik zu: Mailles
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Der französische Titel „Mailles“ bedeutet so viel wie Maschen, die sich zu einem Ganzen verweben. Munyaneza, die aus Ruanda stammt, stellt fünf schwarze Frauen vor, die ihr in den vergangenen Jahren in unterschiedlichen künstlerischen Konstellationen begegnet sind. Sie erzählen in Spoken Word Performances in ihren jeweiligen, auf Englisch untertitelten Muttersprachen ode bieten kleine tänzerische Soli. Diese einzelnen Fäden führt Munyaneza, die auch selbst auf der Bühne steht, immer wieder zu Gruppen-Szenen zusammen, in denen die Frauen gemeinsam tanzen, singen oder musizieren.

Der etwas mehr als einstündige Abend ist geprägt von heftigen Stimmungswechseln und häufigen Rhythmus-Variationen. Lebensfreude mit „We are alive“-Jubelschreien steht neben Miniaturen von Schmerz und Trauer. In der Choreographie wird jedoch nichts plakativ erklärt, sondern meist nur angedeutet.

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