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„Five Deleted Messages“ ist eine ungeheuer dichte Reflexion über den Corona-Lockdown, witzig geschrieben und rasant vorgetragen.

Dimitrij Schaads „K.“ versucht zu begreifen, was um ihn herum vorgeht, und durchlebt die gesamte Palette seiner Corona-Stimmungsschwankungen: von dem Frust darüber, dass er isoliert ist und Selbstgespräche führen muss, bis zur Freude über eine friedliche Zeit, die sich wie ein elegischer Frühlingsnachmittag dehnt.

Falk Richter lässt seinen Protagonisten darüber nachdenken, warum die Menschen plötzlich per Gesetz verpflichtet wurden, die „Einzelkämpferpartikel“ zu werden, die sie in der Praxis bereits waren. Wie können wir wieder eine Gesellschaft werden, die keine Angst davor hat, aufeinander zuzugehen?

Gewohnt politisch engagiert setzt sich Richter auch mit den Missständen in den Schlachthöfen, Fleischfabriken und den Sammelunterkünften auseinander, in denen „K.“ plötzlich gestrandet ist. Zu drastischen Schwarz-Weiß-Bildern von Chris Kondek rechnet Dimitrij Schaad mit der Massentierhaltung ab.
„Five deleted messages“ ist ein facettenreicher Text über den Lockdown: ein hochinteressantes Zeitdokument, das viele Fragen stellt, keine vorschnellen Antworten gibt und sich zur allgemeinen Ratlosigkeit dieser Umbruchzeit bekennt.

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Seite für Seite arbeitet sich Claessens durch einen Text, der eher „Coming-of-Age-Kurzgeschichte denn ein Bühnentext“ ist, wie Dorothea Marcus in der taz treffend feststellte. Sibylle Berg hat einen lakonischen Text geschrieben, mit nur wenigen Pointen: die bittere Rückschau eines Mannes während der Lockdown-Isolation auf seine Pubertät. Paul erinnert sich an sein 15jähriges Ich, das von den anderen als Freak abgestempelt wurde, weil er auf Jungs steht: Er ist nur Rand, ganz ohne Gruppe!

Mittendrin legt Claessens das Manuskript genervt zur Seite und ruft die Autorin Sibylle Berg an. Er erreicht zwar nur ihre Mailbox, aber sie gibt ihm grünes Licht: Der Text sei nicht so wichtig. Mach einfach, was Du willst. Das lässt sich Claessens nicht zwei Mal sagen. Der Rest des Textes kommt meist vom Band, er singt und tanzt und zieht seine Benny Claessens-Show ab, allerdings nur mit angezogener Handbremse.

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Kritik zu: Schwarzer Block
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Als „schreibender Aktivist“ versteht sich Kevin Rittberger laut Abendzettel, seine Botschaft ist eindeutig: Nur auf die Antifa, auf den schwarzen Block ist Verlass. Sie sind unverzichtbar für die Verteidigung unserer Demokratie, da sich die eigentlich dafür zuständigen Staatsorgane, die Polizei und der Verfassungsschutz, kompromitiert haben.

Immer wütender und energiegeladener formiert sich der schwarze Block vor den Türen des Theaters. In kleinen Kabarett-Nummern schälen sich einzelne Spieler*innen aus dem Pulk: Aram Tafreshian taucht mehrfach als Carsten, die Karikatur eines Polizisten auf, Çiğdem Teke fährt mit ihrer Limousine minutenlang orientierungslos im Kreis und verheddert sich in ihren identitären Parolen.

Das Langgedicht, das in strenger Chorformation begann, wird im Lauf des Abends durch diese komödiantischen Elemente ein wenig aufgelockert. Trotz dieser Einsprengsel verliert der Text aber nichts von seiner Wucht. Autor Rittberger und sein Chor brüllen ihre Wut heraus, sie wollen anklagen und blutige Kontinuitätslinien seit der Weimarer Republik aufzeigen.

Um Differenzierungen geht es an diesem Abend nicht, sondern um die klare These: Ohne die Antifa wäre der Kampf gegen Rechts verloren, das linksliberale Bürgertum in seinen gentrifizierten Wohlfühlbezirken wäre zu schwach. Natürlich soll diese These provozieren und zum Widerspruch herausfordern.

Bemerkenswert macht den Abend vor allem, wie virtuos er sich bei immersiven Theatermitteln bedient und dabei auch Gastspielen aus der „Immersion“-Reihe der Berliner Festspiele überlegen ist. Nur selten erleben wir die Spieler*innen wie gewohnt auf der Bühne, meist sehen wir sie im Live-Video an die Wände projiziert, ihre Stimmen erreichen uns über die Kopfhörer.

Sebastian Nübling hat einen sehr energiegeladenen, körperbetonten Wutchor choreographiert, der im Gorki Theater zum spannenden Raum-Erlebnis wird, Sound-Effekte nutzt und den Saal fast im 360 Grad-Modus bespielt. Damit ragt die Inszenierung aus dem meist sehr statischen Corona-Abstand-Theater heraus und macht Hoffnung, welche Alternativen zum Aufsagetheater auch in Zeiten der Pandemie-Regeln möglich sind.

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