Kritik zu: Lazarus
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Newton, der Alien-Mann, der vom Himmel fiel und den David Bowie in Nicolas Roegs legendärem Film von 1976 verkörperte, sitzt auf der Erde fest. Lebensmüde muss er dennoch am Leben bleiben, da er einfach nicht sterben kann. Skurrile Gestalten kreuzen seinen Weg, unterlegt von einem Best-of zum Teil neu arrangierter David Bowie-Hits und einer Handvoll vom todkranken Meister neu geschriebener Songs.

In der ersten Szene sitzt Newton (Ex-Volksbühnen-Star Alexander Scheer) mit dem Rücken zum Publikum. Er flätzt sich in seinem Sessel und lässt TV-Bilder der vergangenen Jahrzehnte an sich vorbeiflimmern. Von 50er-Jahre-Musik über Kennedy und Reagan bis zu Pussy Riot, Olaf Scholz und Alice Weidel, dazu immer wieder CNN-Breaking News-Einblendungen.

Zäh nimmt der mit einer Pause auf 2,5 Stunden gestreckte Abend Fahrt auf. Statt des von Falk Richters erhofften interessanten Regiezugriffs tappt der „Lazarus“ am Hamburger Schauspielhaus in dieselbe Falle wie die deutsche Erstaufführung des Musicals von Matthias Hartmann in Düsseldorf. Zu brav wird ein Song nach dem anderen abgehakt. Eine müde Nummernrevue statt der im Programmheft angekündigten fiebrigen Assoziationssplitter.

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Kritik zu: Panikherz
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Eindrucksvolle Bilder bleiben von diesem mehr als dreistündigen Sucht- und Drogen-Trip in Erinnerung: Traumverloren tanzt Pascal Houdus in einem Zürcher Club. Nostalgisch badet Sebastian Zimmler in der 90er Jahre-Nostalgie zu „Gangsta´s Paradise“ von Coolio. Auch davor hatten beide schon starke Monologe: Zimmler bekam zurecht Szenen-Applaus für einen minutenlangen, pointierten Monolog über die Phrasen und Lebensbilanz-Vergleiche, die auf Klassentreffen ausgetauscht werden. Houdus erzählt mit frechem, jungenhaftem Charme vom Aufwachsen in einem protestantischen Pfarrhaus in der Provinz (zunächst in Rotenburg/Wümme, dann in Göttingen).

Der Abend leidet jedoch unter zu vielen Längen. Vor der Pause franst „Panikherz“, Christopher Rüpings Adaption des autobiographischen Romans des Jahrtausendwende-Popliteratur-Sternchens Benjamin Stuckrad-Barre schon etwas aus. Danach dehnt ein Small-Talk von Sebastian Zimmler zwei Frauen aus dem Publikum den Abend unnötig in die Länge: seine beiden Flirts bei Sekt und Zigarette wirken wie ein recht bemühter Aufguss seiner zum Kult gewordenen „Don Giovanni“-Rolle.

Mit einem beherzteren Regiezugriff von Christopher Rüping hätte aus den hervorstechenden Szene ein starker Abend werden können. Dem stand aber außer einigen zu albernen Intermezzi das Grundproblem der Aufführung im Weg: Benjamin von Stuckrad-Barre ist keine so spannende Persönlichkeit, dass sie einen derart langen Abend tragen könnte. Sein Narzissmus und sein Abdriften in Esstörungen, Kokainsucht und Eskapismus sind hinlänglich bekannt und wären eher etwas für eine kurze Tour de Force, die einige Schlaglichter markiert, als seine Lebensbeichte nachzuerzählen.

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Richtige Revue-Stimmung will nicht aufkommen: zu monoton ist vor allem während der ersten Stunde die Live-Musik der Hamburger Band „Die Sterne“. Robert Stadlober und Wolfgang Krause Zwieback haben sichtlich Mühe, dagegen anzubrüllen und sich Gehör zu verschaffen. Die Verständlichkeit des Textes leidet.

Franz Jung engagierte sich nicht nur für die Revolution in Deutschland und Russland, sondern kreuzte auch die Wege namhafter Künstler*innen seiner Zeit von Erich Mühsam bis Lotte Lenya. In den zwei Stunden, die Annett Gröschner, Hanna Mittelstädt und Rosmarie Vogtenhuber gestaltet haben, erfährt man jedoch nicht wesentlich mehr über ihn als das, was bereits auf dem zweiseitig eng bedruckten Handzettel „Franz Jung – eine unvollständige Chronik“ steht.

Wie ein Fremdkörper wirkt Corinna Harfouch in dieser kurzatmigen Inszenierung. Sie hat nur wenige Auftritte in Videoeinspielern. Diese Momente der Ruhe durchbrechen den aufgewühlten Rhythmus des restlichen Abends. Sie verkörpert die zahlreichen Partnerinnen, die Jung häufig wechselte, oder eine begeisterte Rezensentin seines Werks, das als Schlusswort nach dem Applaus eingespielt wird.

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