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Als Musikkabarett hat der zweistündige Abend durchaus seinen Reiz. Das Ensemble jongliert mit Stilen und Genres, parodiert Hits, jagt von Ohrwurm zu Ohrwurm. „Reich mir die Hand mein Leben“, „Angie“, „Je t´aime“, kaum ein bekannter Song ist davor sicher, in dieser Revue aufgespießt werden. Oft ist der Gesang der Gründgens-Fans bewusst dilettantisch, aber Angelika Richter performt die „Small Town Boy“-Ballade und erreicht immerhin eine 7-8 auf der Mehmet Ateşçi-Skala.

Zwischen den einzelnen Songs dieses Liederabends hängt der Abend aber zu oft dramaturgisch durch: kleine Sketche werden aneinander gereiht, zünden jedoch nur selten, da der Running gag der „Günther“-Wortspiele zu Tode geritten wird. In zu vielen Variationen versucht das Team, die eine Grundidee wie eine Zitrone auszupressen. Von „Peer Günther“ bis „Günthersloh“ wird kaum ein Kalauer ausgelassen, mit dem die Gründgens-Combo das Publikum traktiert.

Das Dilemma dieser Erfolgsreihe: Als Musikkabarett funktionierte die Reihe wohl selten so gut wie diesmal. Das Spiel mit den Genres macht Spaß und streckenweise ist es musikalisch sogar ein Genuss, wie Falk Schreiber schrieb. Aber das Format stößt auch langsam an seine Grenzen. Die Ideen scheinen ausgereizt. Zu oft ist der Abend nur um Skurrilität bemüht, aber nicht witzig, wenn er sich an der Kunstfigur Günther Gründgens abarbeitet.

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Johannes Kram, der als Autor des Nollendorfblogs bekannt wurde, und Florian Ludewig, treuer Klavierbegleiter und Sidekick des unvergessenen Malediva-Duos, bieten dem Publikum in diesen harten Corona-Zeiten die gewünschte Dosis Operetten-Seligkeit mit zuckersüßen Melodien, an denen vor allem die Fans dieser Musikgattung Freude haben dürften.

Im Libretto lassen sie zwei Stereotype aufeinander treffen: Dorfkind Jan (Felix Heller), den es nach vier Jahren Beziehung in das Berliner Großstadtleben zieht, und Tobi (Christian Miebach statt Ricardo Frenzel Baudisch aus der Premieren-Besetzung), der aus Berlin aufs Land flüchtete und mit verträumten Augen die Idylle genießt, dabei aber seinen Partner aus dem Blick verliert.

Wohl niemand brachte Beziehungsknatsch, Ängste und Sehnsüchte in so bissigen, mal beschwingten, mal nachdenklichen, stets berührenden Melodien und Texten auf den Punkt wie „Malediva“, die sich aus gesundheitlichen Gründen leider von der Bühne verabschieden mussten. Diese hohe Messlatte erreicht auch das Projekt ihres Ex-Pianisten nicht.

Die „Operette für zwei schwule Tenöre“ bietet einen unterhaltsamen Rückblick auf das erste Kennenlernen, die Entfremdung, den Neubeginn an zwei verschiedenen Orten und ein mögliches, Genre-typisches Happy-end. Der Plot wird abwechselnd aus den jeweiligen Perspektiven erzählt und öfter auch vom dreiköpfigen Background-Tänzer-Trio mit launigen Zwischenspielen kommentiert.

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Die beiden Mannschaften fixieren sich und setzen in kurzen Wortgefechten erste verbale Kinnhaken: das Team Jung, das sich aus Performer*innen um die 20 rekrutiert, die erste Erfahrungen in der Freien Szene oder im P14-Projekt der Volksbühne gesammelt haben, wirft dem Gegenüber vor, dass sie nicht woke genug sind, nach dem jeweiligen Pronomen zu fragen, dass sie es sich in ihren Altbau-Wohnungen gemütlich gemacht haben, die für die Jungen gar nicht mehr finanzierbar sind, und dass ihre Generation mit ihrem Lebensstil und Ressourcenverbrauch mitverantwortlich ist, dass sich das Klima aufheizt und die Lebensgrundlagen zerstört werden.

Das Intro war durchaus vielversprechend, die kommenden 90 Minuten erschöpfen sich aber in einer Tanz-Battle der beiden Generationen und ein paar Spielchen wie Tauziehen oder Orangen-Engtanz. Die Rede-Duelle über Atomkraft, die Menschenkette 1983 gegen Nachrüstung oder Nonbinarität sind aber meist nur ein schlagfertiger Austausch von Klischees und Buzzwords. In die Tiefe gehen die Dialoge zu selten.

Stattdessen ziehen sich die Tanzeinlagen, die anfangs durchaus ihren Reiz haben, zu sehr. Einige Tage vor der Premiere war eine Länge von bis zu 150 Minuten angekündigt, doch auch die gekürzte 90 Minuten-Fassung hat dramaturgisch noch zu viele durchhängende Passagen. In den besseren Momenten hat „Dance me!“ durchaus Charme, gerade auch den Charme des Unperfekten, aber streckenweise wirkt das Treiben auf der Bühne wie ein Kindergeburtstag.

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