Die Berliner Malzfabrik bringt „Fürchte den Geschmack von Rosen“ einer längst etablierten Off-Theater-Gruppe, dem Theater shortvivant.
Sechszehn Szenen. Ich kann mich an kein Stück erinnern, das so viele Akte haben muss. Aber es passt und gefällt. Meier plattdeutscht als Friedtjof und bestimmt sicher das Set für sich. Wefes bewegt und erforscht das Terrain, mal als Edward, mal als Jack. Fässler und Hahnenfeldt, unterschiedlich temperiert , als weitere Söhne eines verhassten Ex-Schauspielers, der sich sein Comeback nach dem Ableben seiner Edda Kikebusch wünscht. Blank punktet als ein ebenso erfolgloser Agent, der sich im Finale als Bruder entpuppt.
Die moderne Bühne zerfällt, ein kindheitserinnernder Ball und vergangene Spuren verbleiben, Musik, auch mal völlige Dunkelheit, tiefwirkendes Familiendrama. Gut gelungen.
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Das Berliner Ensemble bringt „Dreigroschenoper“. Soho ist ein Gerüst aus Treppen und Stangen. Darin Peachum mit seinen Frauen, Polly, Mackie Messer und andere. Beachtlich ist die Beweglichkeit dieser Schlangenmenschen im stückblockierenden Gestell. Das Orchester und Publikum wird eingebunden, meist peinlich berührt.
Constanze Becker und Laura Balzer gefallen als Lucy und Celia, Katrin Wehlisch als Brown herrlich verschroben und zeitnehmend mit dem Teewagen und Nico Holonics als Mackie erst nervend, dann der Gewinn des Abends, selbst wenn er am Galgen hängt.
Erst als das ganze Gestell der ersten Szenen verschwindet, das ständige Lametta wegfährt, die Bühne frei wird und damit auch Luft für das Stück und die Zuschauer, die ebenso wie die Besetzung ohne jegliche Abstände in Coronazeiten mit steigender Inzidenz und ohne spürbare Luftzufuhr verweilen, endlich verfügbar wird, wird es richtig gut. Das übersteuerte Orchester kann man erwähnen, muss man aber nicht.
Naja.