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In End of the Rainbow verkörpert Katharine Mehrling Judy Garland, die Hollywooddiva, die wohl für immer und ewig vor allem als Dorothy aus The Wizard of Oz bekannt sein wird. Die Schauspielerin und Sängerin steht 1969, am Ende ihrer Karriere, für eine ganze Reihe von Konzerten in London auf der Bühne. Trotz unzähliger Filme, Auszeichnungen, Shows und ausverkaufter Konzerte torkelt die Garland am Rande des Ruins entlang und braucht das Geld, das die allabendlichen Konzerte einbringen sollen, dringend. Ihr Verlobter Mickey Deans (Torben Krämer) möchte sie unterstützen und lenken, er versucht zunächst sogar, sie nüchtern zu halten. Ihr guter Freund und langjähriger Begleiter am Piano, Anthony (Christoph Schobesberger) verehrt sie dagegen beinahe unterwürfig. Er möchte ihr helfen, sie beschützend halten, sie von Stress und Verführungen befreien, während Mickey Deans nicht nur ihr Gesundheit, sondern vor allem auch ihre erfolgreiche Karriere im Auge hat. Natürlich führt das zu Spannungen: Nicht nur zwischen Judy und Mickey, auch zwischen Mickey und Anthony und schließlich sogar zwischen Judy und Anthony knallt es heftig. Immer weiter nähert sich Judy dem Abgrund, je mehr ihre Alkohol- und Tablettensucht in den Vordergrund gerät und es ihr unmöglich macht, jeden Abend vor Publikum aufzutreten.
Katharine Mehrling wirft sich mit voller Wucht und Herz und Seele in die Rolle der tragischen Heldin Judy Garland. Sie spielt sie nicht, sie lebt sie. Zunächst die auf schamlose und ein wenig großspurige Art und Weise charmante Diva, die mit ihrem überlebensgroßen Wesen den gesamten Raum einnimmt und Männer und Frauen gleichermaßen um den Finger wickelt. Und dann die hilflose kleine Dorothy, einsam, krank, von all ihren Ehemännern (fünf an der Zahl) verlassen, abhängig von Aufputschern oder Sedativa, je nachdem, wonach die Situation gerade ruft. Erst noch eine betörende Bühnenpräsenz mit grandioser Stimme, stolpert sie später planlos hin und her, vergisst ihren Text, ihren Einsatz, beschimpft Anthony, verlässt mitten in der Show einfach das Theater.
End of the Rainbow besticht mit einem Stück tragischer Hollywoodgeschichte, dem Schicksal einer Frau, die für ihren Weltruhm den allerhöchsten Preis zahlte und schließlich nur 47 Jahre alt wurde. Gekonnt auf die Bühne gebracht, fesselt und berührt die Darstellung der letzten Monate im Leben der Judy Garland vom ersten Moment an. Und natürlich betört die wunderbare Stimme von Katharine Mehrling, die den zeitlosen schönen Songs, die Judy Garland sang, alle Ehre macht. Ein wunderbarer Theaterabend, den ich nur jedem sehr ans Herz legen kann.
©Nicole Haarhoff - www.berlineransichtssachen.com
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1940, Paris, Frankreich. In der Waschküche eines kleinen Hotels verschanzen sich Mitarbeiter und Gäste während eines Fliegeralarms. Die Deutschen rücken vor! Niemand weiß so ganz genau, wo sie sich befinden und was geschehen wird. Die Lage ist ernst, aber nicht aussichtslos – diese Radioaussage beruhigt die Ausharrenden gar nicht. Nur einer versucht das Beste aus der Situation zu machen: Jacobowsky (Marcus Ganser). Der ehemals sehr erfolgreiche jüdische Unternehmer musste mittlerweile schon fünf Mal flüchten, jedes Mal auf abenteuerlicheren Wegen und mit weniger Gepäck. Seine Hoffnung und seinen Optimismus hat er dagegen noch lange nicht eingebüßt. Fröhlich dreht er die Hotelbesitzerin zum Klang der Radiomusik im Kreis. Da stößt ein letzter Gast zu dem kleinen Häufchen Menschen im Keller: Oberst Stjerbinsky (Michael von Au). Die Pferdestaffel des polnischen Offiziers ist aufgerieben, er ist der einzige Überlebende. Das feiert er mit einem leichten Mädchen, im hell erleuchteten Hotelzimmer, was beim Verdunkelungsgebot natürlich die Polizei auf den Plan ruft.
Zwei Welten treffen aufeinander, als diese beiden Männer einander begegnen. Der sanftmütige, fröhliche Jacobowsky, unerschütterlich optimistisch. Der schneidige, stolze Oberst, der gern von Tapferkeit, Heldenmut und Vaterland spricht. Es ist Abneigung auf den ersten Blick, aber das Schicksal schweißt die beiden so unterschiedlichen Männer zusammen: Jacobowsky besitzt einen Wagen, kann jedoch nicht fahren und der Oberst muss dringend an die Küste. Zähneknirschend bildet man eine Fluchtgemeinschaft, zu der auch noch der Offiziersbursche Szabuniewicz (Walter Plathe) und die französische Geliebte des Obersts, Marianne (Ann-Cathrin Sudhoff), gehören.
„Mehr und mehr missfällt mir dieser Jacobowsky!“ – Oberst Stjerbinsky
Recht schnell wird dem Oberst eines klar: in Fluchtsituationen ist dieser Jacobowsky der bessere Mann. Der Oberst, seiner Uniform, seines Stolzes und seiner Würde beraubt, ist auf die Findigkeit und den charmanten Charakter des anderen angewiesen. Auch die zunächst sehr naive und alberne Marianne lernt schnell, sich eher auf den Überlebenswillen von Jacobowsky zu verlassen als auf den Stolz des Obersts. Das ruft natürlich Eifersucht hervor und spitzt die ganze Situation nur noch mehr zu. Erbost fordert der Oberst den Jacobowsky gar zum Duell! Aber dann werden sie jäh unterbrochen. Von der Gestapo…
Ein charmantes Schelmenstück mit feinem Humor ist dem Theater am Kudamm da gelungen, ein Roadmovie gespickt mit tollen Schauspielern, denen ihre Rollen quasi auf den Bauch gepinselt wurden. Marcus Ganser als freundlich-vergnügter Vertriebener, immer noch aufrecht, immer noch voller Lebenslust und voller Liebe für die Menschen – großartig! Auch Michael von Au überzeugt, der stolze und ein wenig arrogante Lebemann und Offizier, der daran knabbern muss, dass mutig Voranreiten in manchen Situationen einfach nicht angebracht ist. Und Walter Plathe ist natürlich wunderbar, als Erzähler der Geschichte und geplagter Offiziersbursche.
©Nicole Haarhoff - www.berlineransichtssachen.com
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Da war es nur noch eins! Bis auf ein einziges Schauspiel habe ich nun tatsächlich alle Stücke gesehen, die zur Zeit im Berliner Kriminaltheater aufgeführt werden. Plus noch ein weiteres, denn eine meiner Lieblingsaufführungen in diesem Theater war „Extremities“, die mittlerweile nicht mehr auf dem Spielplan steht. Ein atemberaubender Thriller, der in den 80er Jahren als Film für Aufregung sorgte, weil Fernsehbabe Farrah Fawcett hier ein unnachgiebige Amazone auf Vergeltungssuche spielte. Toll auch als Theaterstück! Jedenfalls, mir fehlt jetzt nur noch ein Kriminalstück für meine Sammlung: „Die Therapie“.

„Revanche“ ist der neuste Streich der Berliner Krimischmiede. Das Werk von Anthony Shaffers war 1969 uraufgeführt worden, gewann diverse Preise, unter anderem einen Tony und wurde schließlich zweimal verfilmt, beide Male mit Michael Caine.

Andrew Wyke (Silvio Hildebrandt) ist ein erfolgreicher Kriminalautor. Er ist reich, redegewandt, leutselig und arrogant. In seiner eleganten Villa hört er sich gerade verzückt eines seiner eigenen Werke als Hörbuch an, als ein Gast in die narzisstische Idylle platzt:  Milo Tindle (Sebastian Freigang). Man macht Drinks, man tauscht Plattitüden aus. Aber plötzlich kippt die Stimmung in kaum verhohlene Feindseligkeit um. Es stellt sich heraus: Milo ist der Geliebte von Wykes Ehefrau! Sie hatte Wyke unlängst verlassen und wohnt nun bei Milo, dem arbeitslosen Schauspieler. Die Verliebten wünschen sich, dass Wyke einer Scheidung zustimmt, aber der stellt sich quer. Wyke und Tindle liefern sich einen heftigen verbalen Schlagabtausch, mal oberflächlich höflich, mal treiben sie in Richtung eines handfesten Streits.

Dann wendet sich das Blatt überraschend. Wyke will seine Frau gar nicht zurück. Im Gegenteil! Aber er will aus der ganzen unangenehmen Situation auch einen Vorteil für sich herausschlagen. Und so unterbreitet er dem Geliebten seiner Frau einen heiklen Plan, von dem sie alle profitieren könnten: Milo soll in die Villa einsteigen, wertvollen Schmuck stehlen und ihn versetzen. Wyke würde dann die Versicherungssumme kassieren und sie alle wären um ein hübsches Sümmchen reicher. Die luxusverliebte Geliebte wäre zufrieden und würde sicher nicht zurück zu Wyke wollen. Milo traut dem Mann seiner Geliebten zwar nicht, willigt im Angesicht des Geldes aber schließlich ein… und das Spiel beginnt.

Eine sehr hintergründige Geschichte mit vielen Wendungen. Was zunächst wie eine recht gradlinige, sogar einfache Kriminalgeschichte aussieht und eigentlich zur Pause hin bereits am Ende sein könnte, öffnet plötzlich unvorhergesehene Hintertürchen und Fluchtfenster, die man nicht erwartet hätte. Sehr viel moderner und auch surrealer als die klassischen Krimipossen, die das Kriminaltheater ebenfalls bietet, wie zum Beispiel „Arsen und Spitzenhäubchen“ oder „Tod auf dem Nil“.

Das Berliner Kriminaltheater ist, vor allem zusammen mit dem hervorragenden angrenzenden Restaurant Umspannwerk Ost, immer einen Besuch wert!

Nicole Haarhoff

 

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