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Ein Abend und zwei ganz unterschiedliche Stücke, die durch zarte Parallelen miteinander verwoben sind. Das britische Künstlerkolletktiv „1927“, bestehend aus Animationskünstler und Illustrator Paul Barritt, der Autorin und Performerin Suzanne Andrade, sowie Performerin Esme Appleton und Komponistin und Pianistin Lillian Henley, hat aus zwei kurzen Stücken einen aufregenden Musikabend gemacht: „Petruschka“ (Igor Strawinsky) und „L’Enfant et les Sortileges“ (Maurice Ravel).
Manche Stücke berühren einen tief im Herzen und für mich hat das „Petruschka“ sofort geschafft. Schon in den ersten Minuten. 1927 hat ein ganz besonderes Werk geschaffen, in dem knallbunte Animation, Strawinskys wunderbare Musik und echte Artisten auf der Bühne zu einer Einheit verschmelzen, wie sie fantasievoller und beeindruckender gar nicht sein könnte. Ich musste direkt an Pippi Langstrumpf denken, meine uralte Version des Kinderbuches, in der die Illustrationen damals noch von Rolf und Margret Rettich gestaltet worden waren, mit viel mehr Ecken und Kanten als die heutigen Zeichnungen. Da gibt es auch eine Episode, in der Pippi mit ihren Freunden auf einem Jahrmarkt ist. Und es gibt einen starken Mann und eine zarte Artistin. Und Pippi ist furchtbar verstört, weil all die Menschen einfach starren und glubschen, während dort vorn auf der Bühne eindeutig so einiges nicht in Ordnung ist.
Genauso ist es auch in „Petruschka“. Von den kantigen Illustrationen bis hin zu den gierigen Gafferaugen, die hinabschauen auf die drei Puppen: Petruschka, der Clown. Ptitschka, die Artistin. Patap, der Muskelmann. Interessanterweise sind sie die einzigen Menschen auf der Bühne, während alle anderen Beteiligten (Publikum, Puppenspieler, die Jahrmarktattraktionen) animiert sind. Die drei Puppen stehen unter der grausamen Knute ihres Puppenspielers, des Jahrmarktleiters. Er genießt es sie zu quälen. Petruschka zum Beispiel hält er immer die zwei Dinge in Reichweite, die dieser sich am meisten wünscht: die schöne Ptitschka, die allerdings mit Patap verbändelt ist, und die Freiheit, die er niemals erlangen kann. Sadistisch zeigt er ihm immer wieder ein weit offenes Fenster, nur um es dann in der letzten Sekunde wieder verschwinden zu lassen. Und die Augen der Zuschauer glotzen von allen Seiten auf den verzweifelten Petruschka hinab.
Auch im zweiten Teil des Abends spielen echte Menschen Hand in Hand mit den Animationen auf dem Bühnenhintergrund und der Musik. Und auch dieses Mal gibt es wieder einen Strippenzieher im Hintergrund, allerdings einen mit guten Intentionen: die Mutter. Die Mutter, die ein überaus freches, aufmüpfiges, gar grausames Kind hat. Der Junge quält Tiere, zerschlägt in seinem Raum alles, was sich ihm in den Weg stellt und ist ganz im allgemeinen ein garstiges kleines Monster. Die Mutter wünscht sich, dass ihr Junge ein Einsehen hat und tatsächlich geschieht es dann: die zerstörten Gegenstände, die verletzten Tiere, die erscheinen als überlebensgroße Rächer in knallbunten Farben und der ungezogene Junge geht auf eine unfreiwillige Reise, bei der er lernt, dass alle Taten auch Konsequenzen haben.
1927 liefert ein grandioses Werk ab, animierte Bilder, Musik und Performer greifen nahtlos ineinander wie eine gut geölte Maschine, alles schmilzt zusammen. Durch ausgeklügelte Technik ist es möglich, dass der ablaufende Film auf die Musik reagiert, es handelt sich also nicht um einen Soundtrack zum Film! Sehr, sehr sehenswert, vor allem der 1. Teil des Abends hat mir persönlich großartig gefallen, eine wunderbare Mischung aus Artistik und nostalgischen Kindheitserinnerungen! Tiago Alexandre Fonseca, Pauliina Räsänen und Slava Volkov als die drei lebendigen Puppen waren einfach perfekt!
Kritik zu: The Band
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„The Band – Das Musical“ von Take That ist nun im Theater des Westens angekommen! Aber wer jetzt denkt, dass es um die Bandgeschichte geht oder das es vielleicht eine große öffentliche Abwicklung der tränengetränkten Trennung gibt, der ist schief gewickelt. Es geht überhaupt nicht um Take That. Im Laufe des Musicals werden sie nicht einmal erwähnt. Und die Jungs, die die besagte „Band“ darstellen – die kommen nur zu Wort, wenn sie singen. (Prince Damien, Sario Solomon, Taddeo Pellegrini, Helge Mark Lodder und Alex Charles)
Stattdessen geht es um diejenigen, die den Erfolg der Band überhaupt möglich gemacht haben. Um diejenigen, die mitgefiebert, mitgesungen, mitgetanzt und sich in Ekstase gekreischt haben: die Mädchen! Die Fangirls. Damals, auf dem Karrierehöhepunkt der Jungs vielleicht vierzehn, fühnzehn oder sechzehn Jahre alt. Die mitgereist sind, wenn „ihre“ Jungs auf Tour waren, die jedes Lied, jeden Tanzschritt und jedes Fitzelchen Information anbeteten. Diese Mädels sind mittlerweile erwachsen. Sind vielleicht selbst Mama einer Teenagerin und sind nun selbst diejenigen, die brüllen: „Nun mach das endlich mal leiser!“ und „Nicht schon wieder den gleichen Song!“
Um genau diese Mädchen und Frauen geht es. Eine von ihnen, Rachel, ist im Jahr 1993 großer Fan ihrer Band. Sie ist so großer Fan, ihre Jungs und deren Musik begleiten sie jeden Tag überallhin. Sie stehen ihr bei, wenn ihre Eltern mal wieder lautstark streiten. Und zusammen mit ihren vier allerbesten Freundinnen kann sie sich nichts großartigeres vorstellen, als zu einem Konzert ihrer Idole zu dürfen und sie endlich einmal live zu erleben! Ein Gewinn bei einer Radiosendung lässt ihren Wunsch endlich wahr werden. Rachel, Debbie, Zoe, Heather und Claire fahren gemeinsam zum Konzert und erleben einen perfekten Freundinnenabend. Sie wissen allerdings noch nicht, das diese magische Nacht auch ihre letzte gemeinsame Unternehmung sein wird. Das Schicksal führt alle Mädchen in völlig verschiedene Richtungen.
Fünfundzwanzig Jahre später wird Debbie noch immer überallhin von „ihren Jungs“ begleitet. Sie hat einen Lebensgefährten, ist allerdings nicht verheiratet. Ihr Partner Jeff staunt nicht schlecht, als Debbie vollkommen charakterfremd  bei einem Radiogewinnspiel mitmacht, für ein Konzert einer Reunion-Tour einer Boyband, auf die sie anscheinend vor vielen, vielen Jahren mal stand! Und dann gewinnt sie auch noch die Tickets für ein Konzert ihrer Band – in Prag! Und sie plant nicht, Jeff mitzunehmen…
Eine sehr süße und gefühlvolle Hommage der Boyband aller Boybands an ihre treuen Teeniefans und die Frauen, die sie geworden sind. Untermalt von den bekannten Songs von Take That zeigen die fünf jungen Freundinnen (Maria Arnold, Ruth Lauer, Jara Maria Buczynski, Kristin Heil und Laura Saleh) Teenieängste, Mädchensorgen und Lebensneugier. Und ihre erwachsenen Counterparts (Silke Geertz, Heike Kloss, Laura Leyh und Yvonne Köstler) beweisen, dass alles meistens anders kommt als man denkt. Lebensklug, witzig und sehr zu Herzen gehend! Für ein Kind der 90er Jahre ein Wohlfühlmusical allererster Güte. Um mich herum mussten viele erwachsene Frauen das eine oder andere Tränchen verdrücken und konnten sich selbst sehr gut in der Geschichte wiederfinden. Schnappt euch eure Mädels und macht euch einen schönen Abend! Taschentücher nicht vergessen!
©Nicole Haarhoff
Kritik zu: Indien
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In den ersten fünf Minuten von "Indien" in der Vaganten Bühne Berlin sagt Kurt Fellner (Urs Stämpfli) ungefähr sechstausend Worte. Und Heinz Bösel (Jürgen Haug) vielleicht sechs. Ich denke, da kann man schon sehr schön sehen, wie unterschiedlich die beiden vom Schicksal aneinandergeketteten Männer sind. Sie sind Kollegen, Gasthoftester in der Provinz. Während der jüngere, der hipstereske, gesundessende und sehr gern (und viel) redende Fellner die Zimmer und die Hotelanlage prüft, isst Bösel im Restaurant. Schnitzel, immer.
Sie sind wie Tag und Nacht, äußerlich wie innerlich. Am Anfang können sie sich auch nicht sonderlich gut leiden. Fellner ist ein wenig selbstverliebt, zum Abendessen holt er gern Trivial Pursuit-Karten hervor, um Bösel mit Allgemeinwissen zu brüskieren. Bösel ist sehr viel bodenständiger, er mag Schnitzel, er mag Bier und er gärtnert gern. Es dauert eine Weile, bis die beiden erste Gemeinsamkeiten entdecken und es sind auch recht ungewöhnliche Punkte, an denen sie endlich Schnittstellen finden, aber was solls. Aus Herr Fellner und Herr Bösel werden Kurti und Heinzi. Während sie durch die Lande ziehen, von unterschiedlichen Wirten (immer Senita Huskic) die immer gleichen Schnitzel und die immer besser schmeckenden Obstler serviert bekommen, werden Freunde aus den so unterschiedlichen Männern. Fellner spricht gern darüber, was in anderen Ländern, vor allem in Indien oder in Japan, so gesagt, getan und gegessen wird. Bösel ist meist skeptisch. Aber eine lange blühende Männerfreundschaft ist den beiden Schnitzelfans nicht vergönnt. Ehe sie sichs versehen, platzt ganz plötzlich der Tod mitten hinein in ihre Vergnügungsreise. Aus Arbeitskumpeln werden nun sogar so enge Freunde, dass man am Krankenbett Tiefsinniges austauscht.
"Indien" ist eine krachendkomische Komödie mit zwei grandiosen Widersachern, die sich nichts schenken. Da fliegen die Fetzen und es klatschen die Schmalzbrote. Es macht einen Heidenspaß, den beiden grantelnden und zickenden Männern zuzusehen, wie sie eine gemeinsame Sprache finden, trotz ihrer unterschiedlichen Dialekte. Und wenn die Komödie tragisch wird, dann hat man sie schon ins Herz geschlossen. Urs Stämpfli und Jürgen Haug geben ein tolles Paar ab und Senita als immer wieder andere Wirtin (oder Wirt) und als sehr gestrenge Frau Doktorist das i-Tüpfelchen auf einer sehr sehenswerten Geschichte einer Freundschaft bis in den Tod.

 

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