Kritik zu: Flying Illusion
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Go Go Power Rangers!! 

Gut gegen Böse, Hell gegen Dunkel. Die spektakuläre Urban Danceshow Flying Illusion, die die Flying Steps jetzt endlich auch bei uns in Berlin zeigen, ist ein episches Battle, ähnlich wie es Marvel zur Zeit so erfolgreich in den Kinos zeigt! Nur eben – getanzt. Über die Flying Steps muss man ja eigentlich kaum noch etwas schreiben, sie sind die bekannteste Dancecrew Berlins und mittlerweile auch schon längst deutschland- und weltweit berühmt und bewundert. 1993 von Vartan Bassil und Kadir „Amigo“ Memis in Berlin gegründet, schauen die Steps mittlerweile auf mehr als zwanzig Jahre Erfahrung zurück, auf vier Breakdance-Weltmeistertitel und diverse weitere Preise. Meilenstein ihrer langen erfolgreichen Karriere ist auch die Gründung der Flying Steps Academy im Jahr 2010, mit 35 Dozenten, 20 verschiedenen Tanzstilen und über 1.800 Schülern die größte urbane Tanzschule in Deutschland. 

Das ultimative Dancebattle 

Vor vielen, vielen Jahren hat das Gute das Böse erfolgreich besiegt und tief unter die Erde verbannt. Doch nun ist die Zeit herangekommen, in der es dem Bösen für eine kurze Zeit möglich ist, zurück an die Oberfläche zu gelangen. Das Gute muss all seine Kräfte aufbringen, um die Dark Illusions zurückzudrängen. Allerdings können die Bösen auf dunkle Kräfte zugreifen und mit der Macht der Schatten auf ihrer Seite scheint es ihnen zu gelingen, die Oberhand zu gewinnen! Sie bekommen tatsächlich sogar einen der Guten auf ihre Seite! Wird die Welt etwa für immer in Dunkelheit versinken? 

Menschenunmögliches 

Die Flying Steps haben mit dieser bahnbrechenden Tanzshow grandioses Können noch mit Sahnehäubchen und Kirsche garniert, indem sie auch noch eine mitreißende Geschichte erzählen, in der Liebe und Freundschaft nicht zu kurz kommen. Und sie haben mit der Berliner Firma Pfadfinderei einen Partner ins Boot geholt, der mit beeindruckenden und spektakulären 3D-Effekten und Videografiken aus den tollen Tänzern und der spannenden Geschichte eine bombastische Show werden lässt. Der perfekte Hintergrund für die zwölf Tänzer, die menschenunmöglich scheinendes tun, sei es endlose Spins, schwerkraftaushebelnde Akrobatik oder blitzschnelle Dancemoves. Rasante Danceshow mit krassem Bühnenbild und krasseren Künstlern!
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Der Nazi und der Friseur
Als Max Schulz 1907 im schlesischen Wieshalle das Licht der Welt erblickte, da trennten ihn nur wenige Minuten und doch eine ganze Welt von Itzig Finkelstein. Max ist das einzige Kind, das uneheliche Kind einer etwas liderlichen jungen Mutter, die sich nicht vollkommen sicher ist, wer ihrer Verehrer denn nun der Vater ist. Unangenehmerweise fällt diese Aufgabe dann an den cholerischen Säufer Anton Slavitzki, der mehr schlecht als recht einen Friseurladen führt. Itzig Finkelstein dagegen ist der geliebte Sohn der jüdischen Nachbarsfamilie, stolz inseriert sein Vater die Nachricht von seiner Geburt. Chaim Finkelstein ist der Besitzer des florierenden Friseursalons „Der Mann von Welt“, sehr zu Slavitzkis‘ Verdruss, direkt gegenüber. Zwischen Max und Itzig entsteht trotz aller Unterschiede eine tiefe Freundschaft. Max ist nicht nur häufig zu Gast im Haus der Finkelsteins, er geht auch mit in die Synagoge, lernt jiddisch sprechen und schreiben.
Die mit den Würgehänden, die noch niemals würgen durften
1933 sind Max und Itzig bei Chaim Finkelstein in die Lehre gegangen und Friseure geworden. Adolf Hitler kommt im selben Jahr ins winzige Wieshalle und predigt auf dem Ölberg zu den gierig Lauschenden. Von da an verändert sich das Leben der beiden jungen Männer grundlegend. Max geht zunächst zur SA und schließlich zur SS. In Polen ist er an Säuberungsaktionen beteiligt, schließlich wird er in das Konzentrationslager Laubwalde beordert, in dem er später auch seine ehemaligen guten Freunde, die Finkelsteins, eigenhändig tötet.
Auf der Exitus ins Heilige Land
Auf abenteuerlichen Wegen kommt es bei Zusammenbruch des 3. Reiches dazu, dass Max Schulz der einzige überlebende SS-Mann des KZs ist. Sein Aussehen und die  Tatsache, dass er jiddisch spricht, führen dazu, dass er für einen jüdischen Überlebenden gehalten wird und natürlich widerspricht er der Annahme nicht. Er lässt sich fröhlich auf der Welle des Philosemitismus treiben und landet schließlich gar auf einem Auswandererschiff gen Palästina. Der Massenmörder Max Schulz wird zum Juden. Er heiratet, er eröffnet einen Friseursalon. Stolz inseriert er schließlich auch die Geburt seines Sohnes…
Auf der Vaganten Bühne spielen in einem furiosen, schweißtreibenden Kraftakt Oliver Dupont und Andreas Klopp alle Rollen des Abends, nur ausgestattet mit vielen, vielen Kämmen. Die Kämme machen ordentlich, machen glatt, zeigen Veränderung an, machen zum Nazi, mit Butterbrotpapier werden sie zum Nachrichtensprecher, sie können auch Musik. In ihrer Vielseitigkeit werden die Kämme eigentlich nur von den beiden Schauspielern übertroffen. Eine verstörendes, Angst machendes Stück, das doch wie eine Schelmengeschichte daher kommt, mit einem lapidaren Max Schulz, der sein Leben und seine Gräueltaten schildert wie einen Einkauf auf dem Großmarkt. Die Groteske von Edgar Hilsenrath, 1971 erschienen, zunächst im Ausland erfolgreich, erst 1977 dann auch in Deutschland, besticht und erschrickt durch ihren kühl-lakonischen Ton gleichermaßen.
Kritik zu: Kunst
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Serge ist ein wohlsituierter Mann, Dermatologe, geschieden, er lebt allein. Seit einigen Jahren hat er sich zum Kunstliebhaber gemausert. Als sein guter und ältester Freund Marc ihn besuchen kommt, führt er ihm daher mit sehr viel Stolz seine neuste Errungenschaft vor: eine Leinwand, 1,60 mal 1,20 groß. Weiß. Weißer Untergrund, weiße Streifen. Also eigentlich weiß. Weiß in weiß.
Marc reagiert zunächst recht ruhig, er stellt Fragen, er schaut von allen Seiten. Bis es dann um den Preis geht. 100 000 Euro hat Serge für das Kunstwerk bezahlt, dass er zärtlich und ehrfürchtig ausschließlich mit weißen Handschuhen händelt. 100 000 Euro für ein weißes Bild. Marc kann nicht an sich halten, vollkommen verblüfft fragt er nach, ob sein Freund wirklich ernsthaft so viel Geld für einen solchen Scheiß ausgegebem hat. Man sieht ihn ganz genau, den Moment in dem „Scheiß“ direkt in Serges Herz und seinen Stolz trifft. Wie er alle Schotten dicht macht. Marc beginnt zu lachen. Er kann nicht anders. Serge verzieht keine Miene.
Marc sucht Beistand beim gemeinsamen Freund Yvan. Der steht kurz vor seiner (recht späten, von der Mutter bekämpften) Hochzeit und hat eigentlich ganz andere Sorgen. Er ist auch nicht wirklich der Typ für Auseinandersetzungen. Im Gegenteil, die Frauen in seinem Leben reiben ihn schon genug auf. Soll er doch, meint er lapidar. Wenn es ihm Freude bereitet. Serge gegenüber geht er dann sogar so weit, dass er das weiße Kunstwerk als schön bezeichnet und damit gießt er nur noch Öl auf den schwelenden Streit der beiden Freunde. Aus der Glut entsteht eine Stichflamme und schließlich ein loderndes Feuer, das Ehefrauen, Lebenseinstellungen und schließlich sogar ihre langjährige Freundschaft zu verschlingen droht.
Wie man es von Yasmina Reza kennt und liebt: eine Wortfeuerwerk, ein langsames ansteigendes Crescendo, das in wilden Beleidigungen, lautem Gejammer und einem geplatzten Trommelfell mündet. Wolfgang Michael spielt einen leisen, schlauen, einnehmenden und daher umso beißenderen Marc, Martin Rentzsch ist ein jovialer Kunstliebhaber, bis er, in die Ecke gedrängt, wütend mit Worten um sich schlägt. Und besonders großartig ist Sascha Nathan als gebeuteltes Weichei. Eine wunderbare Komödie, bitterböse und doch geht es vor allem um eins: den Humor und darum, auch mal über sich selbst zu lachen.

 

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