0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Das ist mir auch noch nie passiert, das ich einen Bericht zu einer Veranstaltung erst Monate später schreibe. Aber im Jahr 2020 kann eben alles passieren. Für mich war Ein rätselhafter Schimmer im Wintergarten Varieté Berlin die letzte kulturelle Veranstaltung, die ich besucht habe, ehe im Frühjahr dann die große Zwangspause folgte. Mein Arbeitgeber schloss seine Tore und auch für meinen Blog gab es natürlich nichts mehr zu tun. Eine seltsame theaterlose Zeit begann, die Streams, die von vielen Häusern angeboten wurden, waren einfach kein Ersatz! Umso glücklicher bin ich nun, da die Theater wieder öffnen und das kulturelle Leben von Berlin langsam wieder anläuft. Dafür trage ich auch gerne Maske, desinfiziere meine Hände pausenlos und sitze weit entfernt von allen Anderen. Man muss ja alles positiv sehen: endlich mal die Armlehne nur für mich!
Eine poetische Amüsier-Schau

Die Zwanziger Jahre, diese wunderbaren, geheimnisvollen und verruchten Jahre zwischen den beiden Weltkriegen. Eigentlich nur einige wenige Jahre, aber doch eine besondere Zeit. Berlin ist die Hochburg des Überschwangs, des Lasters und der Künste. Kreative aus der ganzen Welt schwärmen in die Stadt. Josephine Baker tanzt. Anita Berber kokst. Die Comedian Harmonists besingen einen Kaktus. Heute, hundert Jahre später, sind die Goldenen Zwanziger Jahre so sehr in aller Munde wie nie zuvor. Fernsehfilme, Serien, Shows und mondäne Veranstaltungen, gespickt mit Glitzerkleidern und Zigarettenspitzen, erobern Berlin.
Trio Größenwahn

Unsterblich natürlich auch die Musik der Zeit. Und die bringt das Trio Größenwahn (Lotta Stein, Christian Manchen, Christoph Kopp) bei Ein rätselhafter Schimmer auf die Bühne. Die drei Musiker sind allerdings nicht allein. Der Buchkünstler Robert Nippoldt ist mit von der Partie. Wie das wohl zusammen passt? Nun ja, wer zum Beispiel schon mal in einem Sandtheater war, der kann es sich vielleicht besser vorstellen. Mithilfe eines Overheadprojektors können wir sehen, was der Künstler vorn mit seinen Händen erschafft. Er zeichnet, er schnippelt, er kreiert. Und vor unseren Augen werden die Zwanziger Jahre lebendig.
Robert Nippoldt – Illustrator und Buchkünstler

Bekannt geworden ist Robert Nippoldt mit seinem Bücher Trio: Jazz im New York der Wilden Zwanziger, Gangster. Die Bosse von Chicago und Hollywood in den 30er Jahren. Und natürlich mit dem 2017 erschienen Es wird Nacht im Berlin der Wilden Zwanziger. In wunderschönen schwarzweissen Bildern erzählt Nippoldt die Geschichte eines Jahrzehnts, seiner Künstler und der Orte, an denen in Berlin alles geschah: Die wilden Parties, die verruchten Varietés, aber auch die Politik der Weimarer Republik.

So einen lehrreichen, amüsanten und mitreißenden Abend bekommt man wirklich selten geboten! Tolle Musik, getanzt wird natürlich auch und dazu viele, viele Anekdoten, Geheimnisse und Geschichten über das Berlin der Wilden Zwanziger. Und für alle, die die tolle Show im Frühjahr verpasst haben: am 30. November gibt es erneut eine Vorstellung im Wintergarten Varieté.

©Nicole Haarhoff
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Im Haus eines reichen Mannes
Alles beginnt im Haus eines reichen Mannes. Wir sehen nicht die mondäne Abendgesellschaft, die besagter Mann gerade abhält, sondern wir sind hinter den Kulissen, beim Gesinde quasi. Der alternde Musiklehrer (Arttu Kataja) schlägt entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen! Der Haushofmeister (Elisabeth Trissenaar) hat ihn gerade darüber informiert, dass die tragische Oper „Ariadne auf Naxos“, die einer seiner Schüler exklusiv für diesen Abend komponiert hat, nun nicht mehr die einzige Vergnügung des Abends ist. Stattdessen wünscht der Hausherr noch etwas Seichtes zur Auflockerung und hat eine Tanzgruppe angeheuert! Frevel! Der Musiklehrer ist bestürzt. Was wird sein armer Schüler nur denken, er wird in seiner zarten Künstlerseele angegriffen sein.
Lieber ins Feuer!
Und Recht hat er. Der Komponist (Marina Prudenskaya) droht prompt mit Selbstmord. Lieber ins Feuer mit seinen Noten als seine Oper derart verhunzt zu sehen. Mit einem schnöden Tanzstück, auch noch einem frivolen Tanzstück, möchte er seine tragische Ariadne nicht am gleichen Abend vorführen, niemals! Der Musiklehrer, etwas weniger dramatisch, erinnert sanft an das Geld, das der Komponist bekommen wird. Aber es kommt noch schlimmer! Der Haushofmeister verkündet, dass der Herr des Hauses nun entschieden hat, die beiden Stücke mögen gleichzeitig gezeigt werden. Das dürfte bei der großzügigen Gage, die sowohl Komponist als auch Tanzmeister bekommen, ja wohl kein Problem darstellen, mokiert der hochnäsige Haushofmeister.
Zerbinetta und ihre vier Verehrer
Ehe sich der junge Komponist wegen des reichen Kunstbanausen noch weiter ereifern kann, betritt nun die schöne Zerbinetta (Serena Sáenz) die Bühne, die mit ihren vier glühenden Verehrern das freche Tanzspektakel des Abends darstellen wird. Ihre Schönheit macht den Komponisten prompt empfänglicher für Änderungen an seiner Oper. Die Darsteller von Ariadne (Anna Samuil) und ihrem Bacchus (Andreas Schager), gediegene Künstler, sind allerdings ebenfalls alles andere als begeistert von, die Bühne nun mit solch liderlichem Volk teilen zu müssen.
Die Oper selbst, von Komponist und Tanzmeister (Florian Hoffmann) in Minuten zusammengeschrieben, ist dann aber doch noch ein Erfolg, vor allem, weil die Geschichte der so verzweifelt verliebten Ariadne und der leichtherzigen Zerbinetta, die viele Männer liebt, überraschend gut harmonieren!
Witzig und kurzweilig
Eine sehr schöne, stellenweise wirklich witzige Oper, der man ihr Alter (Erste Fassung 1912) gar nicht anmerkt, in ihrer cleanen Form, in der sie in der Staatsoper unter den Linden auf die Bühne gebracht wird. Die Bühne ist spartanisch, die Damen tragen einfache Kleider, (natürlich) schwarz für Ariadne und leidenschaftliches Rot für Zerbinetta. Sehr kurzweilig, mit wunderschöner Musik und mit einem grandiosen Bacchus (Andreas Schager) und einem wunderbar verzweifelten Komponisten (Marina Prudenskaya).
Musikalische Leitung: Thomas Guggeis, Inszenierung: Hans Neuenfels, Bühnenbild: Katrin Lea Tag, Kostüme: Andrea Schmidt-Futterer.
Kritik zu: FOREVER YOURS
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Sturm und Drang
Es geschieht wahrlich stürmisch: der junge Werther, von Kindesbeinen an gut mit Nachbarin und Klassenkameradin Wilhelmine befreundet, verliebt sich in Lotte. Lotte ist ebenfalls in ihrer Schule und gut mit Wilhelmine befreundet. Sie hält den Werther erst einmal für etwas seltsam, aber im Laufe eines Sommers werden die drei jungen Leute zu einem Trio und genießen das Wetter, den See und die Freiheit. Sechs Wochen Ferien erscheinen unendlich lang!
Und dann kam… Albert
Aber eins scheint Werther zu verdrängen und auch bei Lotte gerät es im Überschwang ihrer neuen Freundschaft zu Werther ein wenig in den Hintergrund: am Ende der sechs Wochen beginnt nicht nur wieder die Schule, sondern ihr Freund Albert kommt auch aus Paris wieder. Und Lotte möchte dann weiterhin mit Albert zusammen sein. Bloß scheint Werther das nicht wirklich zu verstehen. Alles was Lotte im Laufe dieses Sommers gesagt und getan hat, sind für ihn Zeichen, dass sie ihn genauso liebt wie er sie.
Die Leiden der jungen Lotte
Für Lotte ist der Übergang von Freundschaft zu ungewollt heftigen Gefühlen so fließend, das sie es kaum merkt. Irgendwann und irgendwie werden aus allnächtlichen „Gute Nacht“- Nachrichten hunderte Nachrichten am Tag. Und sie, die einem Freund einfach nur nicht weh tun wollte, wird plötzlich überschwemmt von etwas, dass sie in dieser Intensität nicht hat kommen sehen. Was für sie eine Freundschaft mit vielen gleichen Interessen war, ist für ihn die ewige Liebe. Aber hat sie ihm wirklich Zeichen gegeben? Hat sie nicht laut genug Nein gerufen, die Grenzen nicht deutlich sichtbar abgesteckt? Ist sie gar mitschuldig?
Wann ist Romantik eigentlich romantisch?
Ganz am Anfang erzählt Wilhelmine ihrer Freundin Lotte, wie unheimlich verliebt sie einstmals in Werther war. Sie ist sogar in sein Zimmer geschlichen und hat sich in sein Bett gelegt. Superpeinlich, als er sie dabei erwischte. Eine Weile konnte sie ihm nicht in die Augen sehen, aber dann waren sie wieder Freunde. Witzige Geschichte, findet Lotte. Aber würde sie das wohl auch noch sagen, nachdem sie Werther uneingeladen in ihrem Zimmer findet? Der sie dann auch noch bedrängt, bis sie erschrocken flüchtet? Wann ist es eigentlich romantisch, wenn man „nicht-aufgibt“, wenn man „kämpft“ und „nichts-unversucht-lässt“ und wann ist das ungewollte, übergriffige Aufmerksamkeit und kein bißchen romantisch? Die Sozialen Medien machen es umso leichter für uns, unser Objekt der Begierde genau zu beobachten. Jetzt gilt es auch Gepostetes, getwittertes und Geliketes zu interpretieren. Alles könnte ein Zeichen sein!
Werther (Amos Detscher), Wilhelmine (Natascha Manthe), Lotte (Olivia Stutz) und Albert (Justus Verdenhalven) bringen für uns Die Leiden des jungen Werther in die heutige Zeit. Aus seiner Geschichte und seiner Stimme wird die Geschichte von vier jungen Leute und vor allem von Lotte und Werther. Lotte kann und will auch endlich mal was sagen! Und was sie erlebt und was sie sagt, das birgt sehr viel Diskussionsstoff.
In Zusammenarbeit mit Stop-Stalking ist Regisseurin Inda Buschmann ein topaktuelles Stück gelungen, bei dem die spielfreudigen jungen Schauspieler viele, viele Fragen aufwerfen und mit der ein deutscher Klassiker ordentlich durcheinandergewirbelt wird. Unbedingt mit Kindern, Neffen, Nichten und überhaupt jedem anschauen!
Ab 14, etwa 105 Minuten mit Pause.
©Nicole Haarhoff

 

Preis: €14,95 €11,95

UNSERE BÜCHER
ALS PDF-DATEI

AUSWAHL

 

Preis: €14,95 €11,95

 


DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN





AUF DER BÜHNE © 2020

AUF DER BÜHNE

Auf der Bühne

TICKETS KAUFEN
eventim

WIR EMPFEHLEN

3.3
Durchschnittsnote aller Stücke
5 840+
4 1877+
3 1650+
2 1036+
1 425+
Kritiken: 2842

PDF-Datei: 22,60 € 16,95 €

Weitere Formate auf Amazon & Google Play:
Kindle eBook - Taschenbuch - Google eBook


UNSERE BÜCHER ALS PDF-DATEI

AUSWAHL


BUCH ALS PDF-DATEI
Toggle Bar
X

Right Click

No right click