Kritik zu: Evita
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An Eva Duarte de Perón scheiden sich die Geister. Unbestritten jedoch gehört sie trotz ihres kurzen Lebens zu den schillerndsten Persönlichkeiten Südamerikas jener Zeit. Während sie von den politischen Gegnern und der bürgerlichen Gesellschaft gehasst wurde, lagen ihr große Teile des argentinischen Volkes zu Füßen, liebten und verehrten ihre Evita wie eine Heilige.
Dies muss wohl auch Andrew Lloyd Webber und Tim Rice dazu inspiriert haben, ihr ein Musical zu widmen. 1974 begannen sie ihre Arbeit an diesem Werk, zwei Jahre später wurde die erste Aufnahme von Evita veröffentlicht, die Single „Don´t Cry for Me Argentina“ wurde allein über zwei Millionen Mal verkauft. Weitere zwei Jahre später kommt das Musical am Londoner Westend zur Uraufführung, heimst unzählige Auszeichnungen ein.
Seither ist der Stoff auf den Bühnen der Welt zu Gast, sein Erfolg scheint ungebrochen. Noch bis zum 6. Januar spielt das Ensemble derzeit im Admiralspalast.
Die Inszenierung beginnt mit der Bekanntmachung des Todes der nur 33-jährigen Eva Perón und der Trauerfeier. Zum einen wird die Verzweiflung des Volkes gezeigt, auf der anderen Seite zeigt sich geistähnlich eine Person, angelehnt an Che Guevara, die den Werdegang Eva Duartes als Gegenspieler durchgängig kritisch und bissig kommentiert, er wird geschickt in die gesamte Geschichte eingeflochten.
Gleich anschließend geht es zurück zu den Anfängen, als die erst 15-jährige Eva ihr Glück sucht und es durch ihren großen Ehrgeiz über viele Stationen von der Schauspielerin zur Ehefrau des argentinischen Präsidenten bringt, zur eiskalten Karrieristin und Strippenzieherin, aber auch zur Wohltäterin und Hoffnungsträgern ihres Volkes wird.
Diese Zwiespältigkeit wird immer wieder deutlich, dem Zuschauer dürfte schwer fallen, eine klare Haltung zu entwickeln.
Die Irin Lucy O´Byrne verkörpert diese vielgesichtige Person sehr authentisch, singt und tanzt nicht nur, sondern verleiht ihr durch ihr Spiel auch genau diese Ambivalenz, die sie ausmacht, nähert sich ihr mit viel Feingefühl. Aber auch ihre Gegenüber, der Engländer Mike Sterling als Präsident und Glenn Carter als Che agieren sehr überzeugend.
In der ersten Hälfte geht es um den Aufstieg der beiden Protagonisten, nach der Pause dann um die Zeit der Regentschaft, in der sich Eva mit aller Macht um die Liebe des Volkes bemüht. Bis sie, schon kurz vor ihrem Tod, noch Vizepräsidentin werden will.
Zusammen mit der Regie, der überzeugenden Choreographie der vielen bewegten Szenen, dem Gesang und dem eindrucksvollen Bühnen- und Kostümbild ergibt sich ein unbedingt runder Abend, hochprofessionell produziert, für gut zwei Stunden versinkt man förmlich in dieser Geschichte. Und die Musik spielt live, was sich erst beim Verlassen des Saals erschließt, als der Dirigent auf einem Monitor gezeigt wird. Nicht umsonst gibt es am Schluss Standing Ovations, diese Produktion ist schon ein ganz besonderer Stern am Musical-Himmel.
Kritik zu: Westend
2 von 4 Personen fanden die Kritik hilfreich
Am 21. Dezember brachte das Deutsche Theater Moritz Rinkes jüngstes Theaterstück zur Uraufführung, der Stoff hingegen dürfte bekannt erscheinen, Rinke orientiert sich stark an Goethes Wahlverwandtschaften, zumindest am ersten Teil.
So erzählt “Westend“ wieder die Geschichte von Eduard und Charlotte, die sich allerdings in der Jetztzeit bewegen, in diesem alten West-Berliner Stadtteil ein neues Anwesen gekauft haben, das es zu gestalten gilt. Für Eduard, den Schönheitschirurgen, ist es eine Villa mit Ost- und Westflügel, für seine Frau, einer eigentlich veritablen Sängerin, die aber gerade einen Stillstand erlebt, ein Haus, ihr ist peinlich, wie Eduard die Dinge sieht. Dies wird aber nur ein Beispiel dafür sein, wie unterschiedlich die beiden ticken, was noch deutlicher wird, als Eduards früherer Komilitone Michael, traumatisiert von seiner Arbeit als Arzt im Kosovo, und Lilly, die junge Nachbarin, aufkreuzen. 
Beide zeigen, quasi unter dem Brennglas, wie es um die Ehe von Eduard und Charlotte bestellt ist, um deren Sehnsüchte, auch wenn immer wieder deutlich wird, dass die beiden aneinander festhalten wollen, trotz aller Provokationen und sind die Begierden noch so groß. Und geben sie ihnen auch nach, quasi überkreuz, Charlotte hatte sowieso schon mal was mit Michael und Eduard ist empfänglich für die unbefangene frische Ehrlichkeit, die Lilly mitbringt.
Am Ende tauchen auch noch Lillys Vater Marek mit seiner derzeitigen russisch-amerikanischen Freundin Eleonore auf, was neuen Zündstoff bietet, lehnt Lilly die häufig wechselnden Liebschaften ihres Vaters perse ab, ihre Mutter hat sich seinerzeit das Leben genommen.
Stephan Kimmig hat die oft schonungslosen Dialoge aus der Feder Rinkes trotz der drei Stunden kurzweilig auf die Bühne gebracht. Vielleicht agieren die Protagonisten manchmal ein wenig abgehoben oder losgelöst, aber das ist genau das, was den Inhalt dieses Stücks ausmacht. Dass die einzelnen Figuren viel zu viel mit sich beschäftigt sind, als dass sie sich wirklich umeinander kümmern könnten. 
Den Versuch, trotzdem miteinander ins Gespräch zu kommen, zu kämpfen, sich beim jeweils anderen verständlich zu machen, meistern die sechs Schauspieler glänzend, tragen dadurch auch das Stück. Ulrich Matthes verkörpert Eduard mit gleichzeitiger Arroganz und Verletzlichkeit, Anja Schneider spielt ihre Charlotte in sich gekehrt, ohne darauf zu verzichten, ihrem Zorn Luft zu machen, Kimmig lässt sie fast permanent unruhig auf der Bühne agieren. Paul Grill zeigt seinen Michael tief verstört, Linn Reusse haucht ihrer Lilly sehr viel jugendliche Energie und Neugier, aber auch Verletzlichkeit ein und Andreas Pietschmann gibt als Marek den etwas hilflosen, unsensiblen Vater, während Birgit Unterweger seine Geliebte ungewöhnlich aufmüpfig spielt, mit passend englisch-russischem Akzent, zum Ende den Laden nochmal richtig aufmischt, alles auf den Punkt bringt.
Der inneren Leere der Figuren entspricht auch das Bühnenbild von Katja Haß, die das Geschehen in einer großen weißen Halle stattfinden lässt, mit ein paar eingebauten seitlichen Regalen, das ist aber auch schon alles und wenn mal was rumsteht, wird es von Charlotte auch schnell wieder weggeräumt.
Ach ja, die Musik spielt auch eine Rolle, es wird Haydns Schöpfung gespielt, deren Eva ja eigentlich von Charlotte gesungen werden soll, aber auch Michael Jacksons Man in the mirror, zu dem Michael abhottet, dafür Szenenapplaus einheimst. Kimmig baut noch weitere Songs ein, jede Figur bekommt ihre Musik, zu der sie tanzt, es werden beeindruckende Solo-Einlagen.
Am Ende bestechen das Stück und die gelungene Inszenierung durch die freigelegte glasklare Ehrlichkeit aller Figuren, nichts bleibt ungesagt. Und es bleibt eine Hoffnung. Beeindruckend.
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Ungewöhnlich viele Schauspieler stehen in der neuesten Inszenierung des Schlosspark Theaters auf der Bühne, aber wie soll das auch anders gehen, wenn vier Töchter samt angedachter Partner selbige ihren Eltern schmackhaft machen wollen. Und das ist nicht so einfach, denn Monsieur Claude und seine Frau lieben Familientraditionen und fühlen sich von der Auswahl drei ihrer Töchter schon hart auf die Probe gestellt, entstammen die drei angetrauten Herren doch dem muslimischen, dem jüdischen und dem chinesischen Kulturkreis. Aber es kommt noch besser: Als die vierte Tochter ebenfalls ankündigt zu heiraten und der Zukünftige Katholik ist, hoffen die Eltern schon auf´s Beste. Dann stellt sich jedoch heraus, dass Charles farbig ist. Was die Eltern ersteinmal endgültig zur Verzweiflung bringt, hinzu kommt, dass auch noch die afrikanischen Anverwandten anreisen.
Das große Thema sind Vorurteile, interessant ist dabei, dass diese in ganz unterschiedlicher Ausprägung zum Tragen kommen, auch unerwartet. 
Bei Familienfeiern überkommen Claude und seine Frau stets die Vorurteile ihren Schwiegersöhnen gegenüber, gleich zu Beginn müssen sie gegen ihren Willen der Beschneidung ihres Enkels beiwohnen. 
Dann sind sich auch die Schwiegersöhne nicht grün, bedienen sich sämtlicher Vorurteile dem muslimischen, jüdischen und chinesischen Kulturkreis gegenüber, die jedem Zuschauer bekannt sein dürften.
Und der afrikanische Vater des zukünftigen Schwiegersohnes hegt für die Weißen grundsätzlich Vorurteile. Allein der Alkohol vermag das Wunder zu vollbringen, sich mit Claude zu verbünden. Der neue Schwager führt auch bei den anderen drei Schwiegersöhnen dazu, mit einer Stimme zu sprechen, weil sie sich gegen ihn abgrenzen.
Quintessenz: Nicht die Einsicht führt zu einem gewissen Einvernehmen zwischen den Kulturen, sondern andere Vehikel sorgen für einen Burgfrieden.
Soviel zum Inhalt, der gleichnamige Film startete 2014 erfolgreich in die Kinos, die Bühnenadaptation von Stefan Zimmermann kam 2017 im Hamburger St. Pauli Theater zur deutschen Erstaufführung.
Philipp Tiedemann hat für das Schlosspark Theater die Inszenierung des Stoffes übernommen. Die Tatsache, dass es viele Ortswechsel gibt, löst das Bühnenbild mit Vorhängen in verschiedenen Ebenen und dem einen oder anderen Tisch und Stühlen, auch die Drehbühne ist im Einsatz. Mehr braucht es auch nicht, dem Zuschauer wird klar vermittelt, wo sich die Szenen spielen.
Die Schauspieler setzen den Stoff überzeugend um, es gibt immer wieder wirklich komische Momente.
Am Ende wird alles gut, das Stück scheint den Nerv der Zeit zu treffen, das Publikum ist zahlreich und begeistert.

 

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