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Star Dust - From Bach to Bowie, allein diese beiden Musiker in einem Zug zu nennen bzw. sie auch noch in einer Show zu präsentieren, könnte erstmal kurze Verwunderung hervorrufen. 
Dann aber hebt sich der Vorhang und bis er sich wieder senkt, wird dem Zuschauer ein tänzerisches Feuerwerk geboten, das beide Künstler gleichsam huldigt; die erste Hälfte des Abends gehört den Bachs, die zweite Bowie. 
Und der gesamte Abend gehört zweifellos dem New Yorker Complexions Contemporary Ballett, das in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert und dies gerade in Berlin, genauer gesagt in der Komischen Oper, die dem 16-köpfigen Ensemble einen angemessenen Rahmen bietet, noch bis zum 14. Juli.
Einer der beiden Gründer der Truppe, Dwight Rhoden, hat selbst eine äußerst erfolgreiche Karriere als Tänzer hinter sich, bevor er anfing, sich der Choreografie zu widmen. Seine Arbeit steht für eine übergreifende Form von Tanz, die verschiedenste Bewegungs- und Tanzmuster reflektiert und zu einem neuen Ganzen verbindet. Von Bachs Musik fühlt er sich förmlich eingeladen, sie zu choreografieren, sagt er. Ergänzt wird er von Desmond Richardson, ebenfalls Gründer und künstlerischer Ko-Direktor, außerdem ehemaliger Star-Tänzer. Das Ergebnis ist eine Mischung aus klassischem Ballett und modernem Tanz, von Preisen überhäuft, und dargeboten und miterarbeitet von einem Ensemble, das sich mit absoluter Perfektion und Körperbeherrschung bewegt, die Musik förmlich in sich aufzusaugen scheint und keine klassischen Muster bedient, es stehen echte Typen auf der Bühne, die ihre Wurzeln in unterschiedlichen Kontinenten haben.
Der choreografische Einfallsreichtum scheint schier unerschöpflich; ob die Tänzer allein, als Paar oder in der Gruppe agieren, das Zusammenspiel der Tänzerinnen und Tänzer ist fast außergewöhnlich. Dabei wird ja keine fortlaufenden Geschichte erzählt, trotzdem wird immer etwas erzählt, es sind Momentaufnahmen verschiedenster Situationen.
Und wenn die erste Hälfte romantisch, spielerisch oder feierlich gestaltet ist, ist die zweite Hälfte nahezu überbordend an Energie, die sich Bahn bricht, auch die Körper sind bunter, die Gesichter schriller, “Major Tom” ist einer der Höhepunkte oder ist es “1984”? Der Übergang zwischen “Heroes” zu “Modern Love” ist auf jeden Fall grandios, den Tänzern steht der Spaß im Gesicht geschrieben und im Körper, fast jeder darf mal Bowie sein und Playback singen, dies überzeugt nicht immer.
Dafür die Lichttechnik, die zusammen mit Nebelschwaden punktgenau die jeweils passende Atmosphäre herstellt.
Spätestens beim Schlusslied “Let´s Dance” ist der Bann zum Publikum gebrochen, die Truppe fordert förmlich zum Mittanzen auf und die Zuschauer nehmen die Einladung gern an, jetzt fällt auch die Spannung von den Tänzern ab, für ein paar Augenblicke scheint alle Choreografie außen vor zu sein, auch wenn auch diese Bewegungen schon wieder perfekt scheinen.
Ein intensiver Abend, der mit Standing Ovations endet ...
Kritik zu: West Side Story
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Die West Side Story - ein Musical-Klassiker, der sich um zwei Banden dreht, die sich bekämpfen. Und zwischen den Fronten Maria und Tony, zwei Liebende, die am Ende keine Chance haben. So der Inhalt in Kurzform; an den Melodien dieses weltbekannten Musicals wie Maria, Tonight, America, I Feel Pretty oder Somewhere aus der Feder Leonard Bernsteins ist wohl kaum jemand vorbeigekommen.
Dieser Tage nun ist die Geschichte von der Upper Westside zu Gast in der Staatsoper unter den Linden, gleichzeitig auch als erste Sommer-Gastbespielung seit der Wiedereröffnung im umgebauten und sanierten Opernhaus, noch bis zum 14. Juli.
Und der Prolog lässt ahnen, in welche Richtung der Abend geht. Es ist weniger der blutige Krieg der beiden Banden, der präsentiert wird als vielmehr die tänzerische Umsetzung der Konflikte, auf der der Fokus liegt. Das Erbe von Jerome Robbins, dem ersten Regisseur und Choreografen der West Side Story ist unübersehbar, er nutzte den Tanz als Kunstform, um die rivalisierenden Gruppen zu charakterisieren, darüber hinaus auch als zentrales Kommunikationsmittel. Joey Mc Neelys jetzige Inszenierung funktioniert ganz im Geiste des Originals, auch bei ihm wird die tänzerische Umsetzung zum Mittelpunkt.
Und die rivalisierenden Kämpfe sind überzeugend choreografiert, das vor allem australische Ensemble agiert mit viel Temperament, Präzision und höchster Professionalität. Allen voran Chloé Zuel, die in der Rolle der Anita sowohl schauspielerisch als auch tänzerisch mit ihrer Rolle verwachsen scheint. Wofür sie sich am Ende auch den größten Applaus abholt. 
Das Bühnenbild besteht aus beweglichen Seitenteilen, mit Balkonen und Feuertreppen, auf der Hinterwand ebenfalls wechselnde Videoinstallationen, die monochrom auch mal zu einem beeindruckenden Bild des vor ihr tanzenden Ensembles wird, die Lichttechnik unterstützt effektvoll.
So wie die vor allem jungen Darsteller auch gesanglich überzeugen, allen voran Sophie Salvesani als Maria und Todd Jacobson als Tony, auch wenn ihnen die Leidenschaft ein wenig abgeht.
Schön aber, wie das Immigrantenthema aufgenommen wird, zum Beispiel im deutlichen spanischen Dialekt der Sharks, aus Puerto-Rico kommend, im Gegensatz zu den Jets, die sich trotz polnischer Wurzeln als Platzhirsche sehen. In Sachen Fremdenfeindlichkeit und Rassenhass hat sich in über 60 Jahren also nicht viel geändert seit der Uraufführung 1957 am New Yorker Broadway.
Das Publikum zeigt sich begeistert, mit Standing Ovations.
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Wer Chicago hört, könnte nicht unbedingt zuerst an die Stadt in Amerikas mittlerem Westen denken. Jedenfalls nicht, wenn er schon das gleichnamige Musical erlebt hat, das nicht ohne Eindruck geblieben sein dürfte. Läuft es doch nicht von ungefähr schon seit über 22 Jahren am Broadway, seit 15 Jahren am Londoner Westend und gehört damit zu den erfolgreichsten Musicals überhaupt, auch verfilmt und mit vielen Preisen überhäuft.
Seit Anfang Juni tourt es endlich auch durch Deutschland, hat nun seinen Weg an die Spree gefunden, wo es noch bis zum 13. Juli im Admiralspalast gastieren wird.
Zeitlich ist die Geschichte in den 20er Jahren angesiedelt, deren Lebensgefühl nach wie vor einen Reiz ausstrahlt, mit allem, was zu ihnen gehört. Und natürlich ist es nicht die Moral, der hier gehuldigt wird, denn es geht um Mord und Totschlag, was ja auch viel spannender ist, darüber hinaus entspringt der Stoff noch einer wahren Begebenheit.
Im Scheinwerferlicht stehen Roxie und Velma, zwei Frauen, die sich wegen (Doppel-)Mordes im Gefängnis kennenlernen und den verschlagenen Anwalt Billy Flynn engagieren, um den langen Gefängnisstrafen, vielleicht sogar dem Strang, zu entgehen.
Natürlich ist die Geschichte noch um einiges komplexer, was vom gesamten 19-köpfigen Ensemble in jedem Moment mit viel Verve verkörpert wird. Der englischsprachige Inhalt mit deutschen Untertiteln hangelt sich an aufeinanderfolgenden Szenen entlang, die der Geschichte immer wieder die Möglichkeit gibt, aus einem neuen Blickwinkel betrachtet zu werden bzw. die Motivation der einzelnen Figuren auszuloten.
Bob Fosses Choreografie lässt das Ensemble mit Tanzeinlagen überzeugen, zum Teil sehr beeindruckend, wenn sich zum Beispiel die Gefangenen mit großen Federfächern um den Anwalt herum drapieren und diverse Bilder entstehen lassen. Und dies ist optisch vollkommen ausreichend, die Inszenierung verzichtet auf opulente Bühnenbilder. Zumal die Bühne ja eigentlich sowieso nicht viel mehr Platz bieten könnte, denn da ist ja noch die Musik, die unweigerlich zu einem Musical gehört. Und die hier einen prominenten Platz bekommt, das 11-köpfige Orchester ordnet sich treppenförmig auf einer Tribüne an, vor der alles andere passiert. Bzw. zieht das Orchester hier und da nicht nur akustisch die Aufmerksamkeit auf sich, der Dirigent zeigt mit ein paar Spezialeinlagen, dass er sich durchaus zur darstellenden Kunst zugehörig fühlt, am Ende gibt er noch eine Zugabe. 
Und John Kanders Kompositionen überzeugen durchgehend, All that Jazz zieht sich immer wieder durch den Abend und das Publikum in den Groove der 20er. Neben dem Tanz ist auch die gesangliche und schauspielerische Leistung der Darsteller überzeugend, zum Beispiel, wenn für Roxie der Tag der Verhandlung kommt und das Geschehene noch einmal aufgerollt wird, nicht nur verbal, sondern spielerisch.
Auch wenn die Idee für dieses Musical aus den Siebziger Jahren stammt, so scheint es doch an Aktualität nicht viel eingebüßt zu haben. Korruption und die Sucht nach Glamour und medialer Aufmerksamkeit, die mehr als deutlich wird, wenn Roxie freigesprochen wird und sie erstmal enttäuscht über die fehlende Aufmerksamkeit der Reporter ist, sind auch heute keine unbekannten Attribute, ganz zu schweigen von Fake-News. Was sicher auch den Erfolg erklären kann. Das Publikum ist jedenfalls begeistert, der Applaus fällt üppig aus.
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