Kritik zu: Che Malambo
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Nun haben auch die südamerikanischen Gauchos ihren Weg nach Berlin gefunden, genauer gesagt, in die Komische Oper. Wo sie sich noch bis zum 29. Juli tänzerisch provozieren. Angeheizt von Gesang, dem rhythmischen Schlagen der Trommeln und dem Applaus von Schaulustigen hat sich dieser volkstümliche Männertanz, ein wenig modernisiert, seit dem 17. Jahrhundert bis heute gehalten. Mit dynamischen Schrittkombinationen demonstriert das zwölfköpfige Ensemble seine Beweglichkeit und, das muss gesagt werden, Kondition, denn die Körperbeherrschung und Beinarbeit, die zeitweilig an rasanten Stepptanz erinnert, ist beeindruckend. Immer wieder duellieren sich die Männer gegenseitig – tänzerisch und mit Stolz geschwellter Brust. Dabei messen sich die Tänzer in Tempo, Kraft, Geschicklichkeit und Genauigkeit. Das oder die Gegenüber antworten, das Ergebnis ist eine Folge immer komplizierterer Schrittkombinationen, die die Männer fast in eine Art Ekstase versetzen. Zwischendurch geht es aber auch langsamer und sanfter: solo, barfuß und mit Gitarrenbegleitung. Dabei drängt sich immer wieder mal der Eindruck von kleinen Geschichten auf, die da erzählt werden. 
Der Abend ist aber noch steigerungsfähig, denn wenn die sogenannten Boleadoras, ein Lasso, das an seinem Ende einen Stein umwickelt - ursprünglich als Wurfwaffe für die Jagd genutzt - von den Männern in höchster technischer Präzision durch die Luft geschleudert werden, bleibt nur noch, gebannt zu sein. Der Klang, mit dem die Steine auf den Boden treffen, wird noch um einen visuellen Effekt der kreisförmig und in rotes Licht getauchten Lassos ergänzt. Ob spannender ist, wenn dies als Solodarbietung oder Ensembleleistung präsentiert wird, ist schwer zu entscheiden, beeindruckend ist beides.
Als sich die Männer am Ende mit einer humorigen Einlage verabschieden, ist ihnen der Applaus des Publikums mehr als sicher. Ein zunehmend fesselnder Abend!
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Eigentlich wirkt Sebastian Krämer ein wenig in sich gekehrt, fast scheu. Dabei vermag er sein Publikum vom ersten Moment an auf charmante Weise und mit viel feinsinnigem Humor auf sehr persönliche Art zu unterhalten, oft genug wie fast nebenbei. 

Der Eindruck eines Heimspiels lässt sich jedenfalls nicht ganz von der Hand weisen, aber wie soll das auch anders sein. Schließlich präsentiert er in der Bar jeder Vernunft noch bis zum 2. Juni 25 Lieder aus 25 Jahren, da kommen neben einigen Liedern auch einige Fans zusammen. 

Die dann nach dem ersten Musikstück das weitere Programm mitbestimmen dürfen, Krämer nimmt „Bestellungen“ auf. Stellt aber sicher, dass er nicht alle guten Sachen gleich im ersten Teil spielen kann. Und verheddert sich gern mal in seinen Notenblättern, für deren Ordnung er sich ein System ausgedacht hat, wie er uns wissen lässt, welches sich aber weder ihm noch dem Publikum zu erschließen scheint. 

Aber dies sind nur einige der vielen kleinen Nebensächlichkeiten, die den Abend unterhaltsam und immer komisch begleiten, ihn auch unbedingt ausmachen. Neben den 25 Liedern natürlich, deren Daseinsberechtigung er gleich zu Anfang erst einmal in Frage stellt. Der beliebte Rest seines Werkes sei auf der Doppel-CD zu finden, was er hier und da geflissentlich einstreut. 

Aber mehr zu seiner Liedkunst. Krämers Kompositionen bestechen durch viel Wortakrobatik und Witz, sind gleichzeitig absurd und bitterernst, was oft genug wörtlich zu nehmen ist, gekuschelt wird nicht, auch wenn die Liedtitel und sein beeindruckendes Klavierspiel es öfter mal vermuten lassen könnten. Was gerade noch komisch war, kann ganz schnell tragisch werden, seine Balladen oder vergnügten Elegien, wie er sie nennt, können immer wieder überraschen, ja, sogar gruseln, langweilig sind die Geschichten, die er da erzählt, beileibe nicht. Auf die Liedideen selbst muss man auch erstmal kommen, also zum Beispiel, dass man niemals mit Giraffen im Rücken singen darf. Oft genug dürften seine Lieder aber auch die Realität der einen oder des anderen im Publikum streifen. Dabei ist Sebastian Krämer selbstverständlich immer wieder um absolute political correctness bemüht, besingt Randgruppen, und was für welche, und kann sich auch für die Einführung der Moll-Quote rühmen. 

Seiner Kreativität scheinen keine Grenzen gesetzt, nicht umsonst hat er in 25 Bühnenjahren alles gewonnen, was es als Chansonnier und Wortkünstler zu holen gibt. Und das sollte man persönlich erleben, was auch noch möglich ist, wenn er am 3. Juni zur Spezialausgabe seiner furiosen Loge für Intelligenz, Musik und Unfug, ebenfalls in die Bar jeder Vernunft, lädt, die sonst im Friedrichshainer Zebrano-Theater stattfindet.
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Und wieder ist es eine französische Komödie, die ihren Weg auf die Bühne des Schlosspark Theaters findet. Dies auch noch als deutsche Erstaufführung, denn Dieter Hallervorden hat das Bühnenstück „Un Animal De Compagnie“ des für Komödien bekannten Autors Francis Veber in´s Deutsche übersetzt und in „Kasimir und Kaukasus“ umgetauft. Und eine Rolle übernommen, genauer gesagt, eigentlich die heimliche Hauptrolle.

Denn Kasimir bringt die Geschichte erst richtig ins Rollen bzw. die Protagonisten ins Schwimmen. Letzteres ist sein Element, denn Kasimir ist ein Goldfisch und wird von Journalist Henri (Dieter Landuris) mit nach Hause gebracht. Nicht gerade geschickt, denn Ehefrau Christine (Ulrike Frank) hat sich einen Yorckshire-Terrier gewünscht und reagiert entsprechend ungehalten, ihre 20-jährige Ehe ist sowieso nicht mehr die allerfrischeste. Ihre Retour-Kutsche läuft in Gestalt von Hans Peter auf, einem ehemaligen Verehrer, bei dem nicht ganz nachvollziehbar ist, warum Christine irgendwann einmal Gefallen an ihm gefunden haben könnte, denn er wohnt noch bei Mama und hat die Arbeit nicht gerade erfunden. Markus Majowski spielt diesen Charakter schön devot. Nun ergänzt er ihre Zweisamkeit, nein, Dreisamkeit, denn Kasimir schwimmt schließlich nicht nur stumm in seinem Aquarium herum. Seine Kommentare, von Dieter Hallervorden sehr amüsant eingesprochen, bringen die jeweilige Situation gern auf den Punkt und lassen ihn langsam aber sicher zu einem echten Familienmitglied werden. Kaum zu glauben, dass er als Hologramm erscheint, er macht einen täuschend echten Eindruck. Zwischendurch wird die gesamte Bühne in eine Unterwasserlandschaft getaucht, passend dazu ertönt Ringo Starrs Octopus's Garden. Und Kasimir tut dem Ehepaar zunehmend gut, auch Christine entdeckt zunehmend seine Vorzüge, bringt er doch ganz neue Züge in ihr hervor.

In der zweiten Hälfte nimmt das Stück nochmal deutlich an Fahrt auf, Dounja, eine kaukasische Escort-Dame, betritt die Bildfläche, von Hans Peter angeschleppt. Und wie das so ist, hatte sie auch schon mal Berührung mit Henri, was in diesem Fall wörtlich zu nehmen ist. Und zu allerlei Verwicklungen führt, mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Katharina Maria Abt verleiht ihrer Figur mit rollendem „r“ und passendem Kostüm den osteuropäischen Touch, der sämtlichen Vorurteilen gerecht wird, spielt ihre Rolle authentisch und mit viel Verve.

Als am Ende noch ein Streit um Kasimir entbrennt, der feuchte Augen bekäme, wäre er nicht schon im Wasser, und die Eheleute sich ihren Hass, äh, ihre Liebe, gestehen, wird aber noch alles gut, wie sollte es anders sein.

Regisseur Holger Hauer, der zu den renommiertesten Regisseuren des deutschen Musiktheaters gehört, hat eine solide Regie geführt, viele komische Momente inszeniert. Und mit Herrmann auch noch einen zweiten Goldfisch mit kurzem Bühnenauftritt eingesprochen, mit bayerischem Dialekt damit einen schönen Kontrapunkt zu Hallervordens Berlinerischem gesetzt. Bühnenausstattung und Kostüme stammen von Viola Matthies, die Bühne von Holger Pasch, beide haben dafür gesorgt, dass man Christine ihren Beruf als Innenarchitektin voll und ganz abnehmen kann.

Das Publikum geht mit, die Schauspieler verdienen sich viele Lacher.

AUF DER BÜHNE

Auf der Bühne

 

3.3
Durchschnittsnote aller Stücke
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3 896+
2 514+
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Kritiken: 1275

 AUF DER BÜHNE © 2018                            
                               
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