Kritik zu: Sugar
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Fast jeder kennt wohl Billy Wilders Film "Manche mögen's heiß", lang ist's her.
Aber da Verwechlungskomödien bekanntermaßen nicht "schlecht" werden und "Sugar", die Musicalversion des Stoffs, schon am Broadway ein Sensationserfolg war, nicht ganz so lange her, hat sich das Schlosspark Theater dieser Sache jetzt auch angenommen. Klaus Seiffert hat den Stoff übersetzt, die Regie übernommen und ihn jüngst zur Premiere gebracht.
Kurz zum Inhalt: Die beiden arbeitslosen Musiker Joe und Jerry sind unfreiwillig Zeugen eines Mordes im Gangstermilieu geworden und müssen sich daher verstecken. Da passt es gerade richtig gut, dass die Damenband Society Syncopaters zwei neue Musikerinnen sucht. Joe und Jerry packen die Gelegenheit beim Schopf und schlagen noch dazu zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie verkleiden sich als Frauen und reisen nun als Josephine und Daphne mit der Band von Chicago nach Miami. Alles liefe gut, wenn nicht die attraktive Frontfrau Sugar die beiden Männer schnell ihren Bann ziehen würde. Aber Sugar ist eigentlich nach einem reichen Yachtbesitzer aus. Und das Gangstertrio taucht auch wieder auf. Die Basis für eine verwicklungsreiche Komödie ist damit gelegt ...
Klaus Seiffert ist eine temporeiche und kurzweilige Inszenierung gelungen, mit vielen komödiantischen (Tanz-)Einlagen, die das Publikum immer wieder zu Szenenapplaus herausfordert. 
Johanna Spatzel als Sugar ist Marilyn Monroe äußerlich gar nicht so unähnlich, gibt ihrer Rolle einen mädchenhaften leicht naiven Anstrich.
Arne Stephan als Joe und Lukas Benjamin Engel als Daphne stöckeln und tanzen gekonnt über die Bühne, vor allem letzterer überzeugt mit seinem Spiel auf sehr charmante Art.
Ralph Morgenstern nimmt sich ungewohnt zurück in seiner Rolle des Osgood Fielding III., füllt sie damit perfekt und sehr komisch aus, herrlich auch die fast akrobatische Tanzszene der senil angehauchten Millionäre.
Auch die Auftritte des rappenden und steppenden Gangstertrios machen jedes Mal Spaß, vor allem die gesteppte Sterbeszene, Maschinengewehre im Anschlag.
Das Bühnenbild macht viele Verwandlungen durch, die schnell zwischen den Szenen wechseln, was sehr gut funktioniert.
Das Publikum ist begeistert und holt die Darsteller immer wieder auf die Bühne, verdient.
Kritik zu: Cabaret
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Inzwischen dürften zumindest kulturbeflissene Berliner - hören sie "Cabaret" - nicht mehr unbedingt an Liza Minelli denken, den Star des gleichnamigen Films, der in diesem Jahr schon sein 50-jähriges Jubiläum feiert, die Premiere am Broadway liegt noch ein paar Jahre länger zurück. In der Bar jeder Vernunft und im Tipi am Kanzleramt steht dieses Musical inzwischen schon seit fast 20 Jahren auf der Bühne und ehrlich gesagt: Wo auch sonst passt dieses Stück besser hin als nach Berlin, wird es doch sowieso mit dieser Stadt assoziiert und zeigt sie eine Geschichte nach wahren Begebenheiten aus den späten 20er Jahren.
In diesem Sommer ist die Inszenierung des Regisseurs und Choreografen Vincent Paterson nach zwei Jahren Pause endlich wieder zurück und da es Zuwachs im Ensemble gibt, war der 9. August 2022 ein ganz besonderer Tag. Das Fräulein Schneider wird nämlich neben Regina Lemnitz jetzt auch von Barbara Schnitzler gespielt. Neu ist die Rolle für sie nicht, in Halle und Kassel konnte sie mit ihr schon vertraut werden. Anders als in der Film-Version spielt die Vermieterin in der Bühnenfassung eine sehr viele größere Rolle.
Aber ungeachtet dessen überzeugt der Abend wieder in allen Belangen, das gesamte Ensemble zeigt große Spielfreude, die flotte Choreographie sitzt auf Punkt, es ist viel los auf der Bühne, die sich immer wieder schnell in unterschiedlichste Orte verwandelt, herrlich die Lok, die mal eben um die Ecke biegt oder auch das Zugabteil, in dem Clifford Bradshaw mit dem windigen Ernst Ludwig erste Bekanntschaft macht. Oder die Pension von Fräulein Schneider, in der die verschiedensten Begebenheiten stattfinden, und natürlich der legendäre Kit Kat Klub, in dem die wilden 20er toben, ganz besonders Sally Bowles, herausragend gespielt von Jasmin Eberl, die den Männern den Kopf verdreht. Und gern wird das Geschehen auch mal in's Publikum verlegt, wenn Clifford ein Tischtelefon bedient, der Conferencier ist sowieso immer mal wieder im gesamten Theaterraum unterwegs.
'Und es wird tatsächlich eine Geschichte mit Tiefgang erzählt, neben den vielen bekannten Hits wie "Maybe this time", "Tomorrow belongs to me", "Mein Herr", "Money makes the world go round" und natürlich "Cabaret" macht ganz heimlich, still und leise der aufkeimende Nationalsozialismus auch vor dieser illustren Truppe nicht halt, es tun sich finstere Abgründe auf, musikalisch eindrücklich atonal umgesetzt in dem Song "Cabaret".
Die musikalische Begleitung durch die fünfköpfige Band, die mehr ist als nur Band, überzeugt auch auf ganzer Linie, es kommen zahlreiche Instrumente zum Einsatz.
Am Ende rücken alle ganz eng zusammen, ein berührendes Schlussbild, das Publikum bedankt sich mit langem Applaus ...
2 von 3 Personen fanden die Kritik hilfreich
Dass Hildegard Knef in den Anfangsjahren ihrer Karriere auch im Schlosspark Theater aufgetreten ist, dürfte nicht der einzige Grund sein, weshalb die Steglitzer Bühne das musikalisch-seelische Portrait der etwa 50-jährigen Grande Dame derzeit präsentiert. „Für mich soll's rote Rosen regnen“ zeigt eine schonungslos ehrliche Rückschau auf das turbulente Leben der 1925 geborenen Schauspielerin, Sängerin und Autorin.
Das Konzept dieser Inszenierung funktioniert gut. Wir schreiben die Mitte der 70er Jahre, die Knef steht zweifach auf der Bühne; als 50-jährige Diva und als ihr jüngeres Ich Hilde durchläuft sie chronologisch ihr Leben mit allen Höhen und Tiefen. Unterstützt wird die Inszenierung von Videoinstallationen, die hauptsächlich einen Hintergrund zur jeweiligen Zeitepoche des deutschen Weltstars liefern. Und natürlich werden jede Menge Lieder dargeboten, die auch höchst autobiografisch interpretiert werden können und an den entsprechenden Lebensstationen dargeboten werden, wie z.B. „Von nun an ging's bergab“, „Ich brauch Tapetenwechsel“ und „Für mich soll's rote Rosen regnen“. Musikalisch überzeugend begleitet von Horst Maria Merz am Klavier und Andreas Heinze am Bass, zuweilen tauchen die Beiden auch mal in die erzählte Geschichte ein.
Dass das Leben der Knef nicht einfach war, wird schon gleich zu Beginn klar, wenn die Kindheit beschrieben wird, die junge Hilde wächst ja auch direkt in den zweiten Weltkrieg hinein, der schreckliche Erinnerungen für sie zur Folge hat, sogar Kriegsgefangenschaft.
Der erste Nachkriegsfilm folgt, nach ihrer Schauspielausbildung etabliert sie sich sich langsam aber sicher, steht auch auf der Theaterbühne.
Ihr Nomadenleben, unglückliche Lieben, fehlende Anerkennung, auch in Form unfairer finanzieller Beteiligung an ihren Projekten, ihre wechselhafte Beziehung zu ihrer Arbeit am Broadway und in Hollywood und schwere gesundheitliche Probleme lassen sie immer wieder hadern aber unterkriegen noch lange nicht. „Ich habe gelernt zu tun“ - nach diesem Lebensmotto übersteht sie etliche Krisen, kann ja auch größte Erfolge aufweisen, entsprechend kraftvoll erscheint sie auf der Bühne.
Beeindruckend dargestellt von Antje Rietz, die nicht nur optisch und stimmlich sehr an die Knef erinnert. Ihr Pendant der jungen Hilde wird von Sophia Euskirchen gespielt, auch sie überzeugt unbedingt, ebenfalls mit großer Energie und Spielfreude. Die beiden Schauspielerinnen bieten dem Publikum eine in jedem Detail überzeugende und persönliche Zeitreise der Ausnahmekünstlerin, die sehr berührt und gefangen nimmt und auch an intelligenten Lebensweisheiten nicht spart. Die perfekt präsentierten Chansons machen die Knef für zwei Stunden wieder lebendig, optisch überzeugend unterstützt durch das Bühnen- und Kostümbild von Su Sigmund. 
Regisseur Frank-Lorenz Engel ist eine kurzweilige Inszenierung mit perfektem Timing und gutem Tempo gelungen, er hat die Knef bestens in Szene gesetzt.
Der Abend endet, wie könnte es anders sein, mit „Für mich soll's rote Rosen regnen“, nach fulminantem Applaus gibt es noch ein Zugabe-Meadley.
Noch bis zum 6. Juli im Schlosspark Theater zu erleben, unbedingt hingehen ...