0 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Das Chamäleon ist ein Lebewesen, das sich ständig der umgebenden Natur anpassen und dementsprechend immer wieder verwandeln kann. In einigen Kulturen symbolisiert zudem das Chamäleon die Einheit aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Und diese beiden Definitionen treffen definitiv auch auf das Chamäleon Theater, Berlins Spielstätte Nummer 1, wenn es um den Neuen Zirkus geht, zu. Immer wieder erfindet sich das Chamäleon Theater neu und zeigt immer wieder verblüffende und besondere Shows, die den Zuschauer entzückt zurücklassen, so auch in der neuen Show „The Elephant in the Room“, die wir am Freitag, den 11. März 2022, besucht haben.

„The Elephant in the Room“ ist der neue Coup der im Jahr 2014 gegründeten französischen Zirkuskompanie Cirque Le Roux, die auch für die Kostüme, das Licht und den Sound in der Show verantwortlich ist, und erzählt eine Geschichte:
Wir befinden uns auf der Hochzeitsfeier von John Barick und Miss Betty, auf einem luxuriösen Anwesen in den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Trauzeuge Tony und die Bouchons, zwei tollpatschige Butler, tun alles dafür, dass diese Hochzeit ein besonderes Erlebnis wird. Und die Hochzeitsfeier wird auch ein besonderes Erlebnis, aber anders als erwartet - denn die Braut flieht in eine verruchte Raucherlounge. Kann das frisch gebackene Ehepaar noch zueinander finden und die Feier gerettet werden? Und was hat es mit dem liebeshungrigen Dandy Mr. Chance auf sich?

Die sechs Künstler (Craig Gadd, Lina Romero, Jack McGarr, Antonio Terrones y Hernandez, Kritonas Anastasopoulos und Naël Jammal) entführen uns unter der Regie von Charlotte Saliou in die Welt des Hollywood Film Noir und zelebrieren mit ihrem Retro Stück die 30-er Jahre. Die beiden Hälften unterscheiden sich grundlegend in ihrer Stimmung voneinander. Die erste Hälfte ist laut, wild und exzentrisch mit vielen Slapstick-Einlagen à la Charlie Chaplin. Die Neuinterpretation des Schwanensees vor der Pause lässt die Zuschauer im Saal nicht nur euphorisch zurück, sondern bildet auch einen Cut in der Atmosphäre der Show. Die zweite Showhälfte ist dagegen viel intimer und verführerischer und zog mich noch mehr in ihren Bann.

Die Artisten des Cirque Le Roux zeigten Unvorstellbares mit ihren Körpern auf der Bühne. Auch für mich, die schon viel auf der Bühne gesehen hat, gab es viel Neues. Vor allem die Akrobatik am Chinesischen Mast überraschte mich und der Stepptanz berührte mich. Mit ihrer Handstandperformance betonten die Akrobaten ihr perfektes Gefühl für Balance und Körperkraft. Zu der Musik von Alexandra Stréliski versetzte uns die Zirkuskompanie nicht nur in eine andere Zeit, sondern in eine Traumwelt, die uns alles vergessen ließ.


Mein Fazit: So eine Show habe ich zuvor noch nie im Chamäleon Theater erlebt. „The Elephant in the Room“ ist ein Gesamtkunstwerk aus Akrobatik, Film Noir und Theater. Es geht um Liebe zwischen allen Geschlechtern, Betrug, Eifersucht, Begehren und ... Mord. Cirque Le Roux kreiert eine Hommage an die alte Kinokunst. Die Artisten bringen eine Show, die sowohl wild als auch zerbrechlich ist. Bis zum 29. Mai 2022 dürft Ihr diese Show noch auf der Bühne des Chamäleon Theaters erleben.

Praktische Hinweise: Die Show dauert 90 min., plus Pause. Seit dem 4. März gilt für den Besuch im Chamäleon die 3G-Regel (geimpft, genesen oder getestet).

Text © E. Günther ("Mein Event-Tipp")
Kritik zu: My Fair Lady
1 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Seit der Verfilmung des Broadway-Klassikers mit Audrey Hepburn gehört Frederick Loewes „My Fair Lady“ zu den meistgespielten und populärsten Bühnenwerken des 20. Jahrhunderts. Die Sprechübung „Es grünt so grün, wenn Spaniens Gärten blühen“ ist bis heute auf der ganzen Welt bekannt und wird sofort mit dem umjubelten Musical in Verbindung gebracht. Und endlich kam Frederick Loewes Erfolgsmusical wieder nach Berlin.

Am Montag, den 28. Februar 2022, besuchte ich das Musical „My Fair Lady“ nach dem Buch von Alan Jay Lerner
im Theater am Potsdamer Platz. Die literarische Vorlage zum Musical bietet das gesellschaftskritische Werk „Pygmalion" von George Bernard Shaw, das wiederum auf dem antiken Mythos des Bildhauers Pygmalion, der sich in eine von ihm aus Elfenbein selbst geschnitzte Traumfrau verliebt hat, beruht.

Zur Handlung dieses musikalischen Evergreens sei Folgendes zu schreiben: Higgins, ein besessener Professor der Phonetik, wettet mit seinem Freund Oberst Pickering, dass er aus dem ungebildeten und vulgären Blumenmädchen Eliza Doolittle eine Dame der Gesellschaft machen kann. Nach sechs Monaten soll sie jeder auf dem Diplomatenball für eine Prinzessin halten. Gewinnt Higgins die Wette und kann ein einfaches Blumenmädchen die englische Oberschicht überzeugen?

Das Musical „My Fair Lady“ der Kammeroper Köln und der
Kölner Symphoniker unter der Regie von Britta Kohlhaas hält sich bei seiner Inszenierung exakt an die literarische Vorlage, nur spricht hier die Arbeiterklasse den Berliner Jargon, der sie von der englischen Upper Class sprachlich abgrenzt.
Ganz besonders freute ich mich im Vorfeld auf die weltbekannten Ohrwürmer des Musicals und wurde dank der musikalischen Leitung von Inga Hilsberg nicht enttäuscht. Lieder wie „Ich hätt‘ getanzt heut’ Nacht“, „Es grünt so grün“ und „Ich bin gewöhnt an ihr Gesicht” wurden voller Inbrunst auf der Bühne gesungen und begleiteten mich noch nachts in meinen Träumen. Eine besondere und positive Überraschung an dem gestrigen Abend war für mich die Dirigentin der Kölner Symphoniker, Esther Hilsberg-Schaarmann – die erste Dirigentin, die ich live erleben durfte.

Aber das Musical lebte vor allem von seinem exzellenten Cast, der uns alle im Saal verzauberte.
Professor Henry Higgins wird von dem fabelhaften Mario Zuber
gespielt, der perfekt den sprachbesessenen Professor verkörpert. Für Higgins existieren keine Gefühle, nur die Sprache zählt. So quält er die arme Eliza und vergisst es, sie für ihre sprachlichen Erfolge zu loben. Da sich die Inszenierung an Shaws Vorlage orientiert, beschimpft Higgins manchmal Eliza mit sehr derben Ausdrücken (z.B. „Gassenschlampe“), was im Gegensatz zu seinem Bestreben, ein sprachlich hoch angesehener Mann zu sein, steht.
Higgins ist ein überzeugter Junggeselle, der noch nie eine Frau in sein Herz gelassen hat. So ist seine Frage „Warum kann eine Frau nicht so sein wie ein Mann?” -als Lied vorgetragen - typisch für seine Einstellung zu Frauen. Er ist ein Rationalist, der nur seine Liebe zur Sprache zum Ausdruck bringen kann. Doch am Ende stellt auch Higgins fest, dass er doch nicht der gefühlskalte Mann bleiben will, für den ihn immer die anderen halten.

Hanna Rühl, die Eliza Doolittle-Darstellerin, hat mich von der ersten Minuten an begeistert. Zuerst sieht der Zuschauer in ihr nur ein Blumenmädchen, das derb spricht und keine Manieren zu haben scheint, doch dann erkennt man ihr hartes Leben: Als Tochter eines Alkoholikers muss sie diesen immer finanziell unterstützen. Ihre vulgäre Sprache steht im Gegensatz zu ihrem großen Herzen. Sie ist eine freche, aber ehrliche Frau.
Eliza will ihr Leben verbessern und sich sprachlich besser auszudrücken und lässt die Qualen, die der Sprachunterricht mit sich bringt, über sich ergehen.
Hanna Rühl geht in ihrer Rolle auf und man nimmt ihr die Entwicklung zu einer starken Frau, die sich nun auch artikulieren kann, ab. Auch gesanglich hat sie mich gestern mit ihrer starken Stimme sehr überzeugt.

Pickering (Matthias Brandebusemeyer) ist der Weiche von den beiden Herren und redet Eliza und dem Professor immer gut zu. Auf ihn kann sich Eliza verlassen, denn er sieht in Eliza nicht nur eine Marionette.
Zu weiteren Darstellern, die das Publikum begeistern konnten, gehörte Markus Lürick, der Darsteller von Elizas Vater, Alfred P. Doolittle. Elizas Vater ist ein Alkoholiker, der sich nichts aus dem Wohl seiner Tochter macht und diese sogar „verkauft“. Er lässt sich von Eliza aushalten und als es ihm finanziell gut geht, hilft er ihr nicht. Obwohl Larsen eine unsympathische Figur spielt, bekommt er neben den Hauptdarstellern den größten Applaus von den Zuschauern, was an seiner gesanglichen und schauspielerischen Leistung lag.

Mrs. Pearce (Thekla Gras), Higgins' Hausdame, ist das gute Herz des Hauses. Trotz ihres strengen Auftretens steht sie der armen Eliza bei. Zu den weiteren Lieblingsfiguren im Musical gehört Mrs. Higgins (Ulrike Johanan Jöris), die ein angespanntes Verhältnis zu ihrem Sohn hat und sein dominantes Verhalten nicht nachvollziehen kann. Trotz ihrer anfänglicher Skepsis gegenüber Eliza kann sich Eliza am Ende voll und ganz auf sie verlassen.
Aber auch die die Leistung von Tyler Steele in der Rolle des verliebten Dandy Freddy Eynsford-Hill, eher einer „Randfigur“ bei „My Fair Lady“, wird am Ende honoriert.

In dem Musical prahlen zwei Gesellschaften aufeinander, die durch ihre Sprache und ihre Kleidung rigide voneinander abgegrenzt werden. So steht nicht die Liebesgeschichte im Vordergrund, sondern die Kritik an der Herrschaft der Oberschicht, die sich für etwas Besseres hält. Will man in die Oberschicht aufsteigen, so muss man sich verbiegen und seinen Hintergrund verleugnen.
Auch das Wort „fair“ kann auf zwei verschiedene Weisen übersetzt werden. Zum einen bedeutet das Wort „schön“, zum Anderen steht „my fair lady“ auch für „meine Marktfrau“. Doch Eliza bemerkt richtig: Der Unterschied zwischen einem Blumenmädchen und einer Lady liegt nicht in dem Verhalten der beiden Frauen, sondern in dem Benehmen der anderen ihnen gegenüber.


Mein Fazit: Ich war von dem Musical „My Fair Lady“ mehr als begeistert, da hier alles zusammenpasst. Die Musik, die Handlung und die Darsteller ergeben ein grandioses Gesamtkunstwerk. Das ganze Musical über hat das Publikum gelacht und euphorisch applaudiert, was an der Schärfe der Dialoge und an den vielen komischen Szenen im Musical lag.
„My Fair Lady“ ist ein Klassiker per excellence und muss von jedem Musicalliebhaber besucht werden. Bis zum 12.4.2022 ist das Musical noch auf Deutschlandtournee, darunter am 13.3.2022 in Mannheim.

Text © E. Günther ("Mein Event-Tipp")
Ein ganz kleines Virus hat nicht nur die Welt verändert, sondern diese komplett in die Knie gezwungen. Da bleibt uns nur eins: ganz viel lachen, um die Situation erträglicher zu machen. Das Kabarett-Theater Distel hat sich mit seinem neuen Erfolgsstück „Deutschland in den Wechseljahren – Von Zuständen und Abständen“ unter der Regie von Dominik Paetzholdt und nach dem Buch des Duos
Onkel Fisch dies zur Aufgabe gemacht. Am Freitag, den 18. Februar 2022, tauchten wir in die Welt der politischen Satire ein, die uns die aktuellen Probleme nicht vergessen, sondern diese anders betrachten ließ.

Doch wovon handelt das politische Satirestück „Deutschland in den Wechseljahren“?
Die Kanzlerin ist weg, eine neue Regierung steht. Doch das Virus ist noch immer da. Aber auch die vielen anderen Probleme in der Gesellschaft sind geblieben: soziale Ungerechtigkeit, Rassismus und Umweltverschmutzung. Zum Glück ist eine Variable in der Gleichung des Lebens identisch geblieben: Der Fußball ist weiterhin korrupt.

In der Satire lernen wir Scholz und sein Gehirn kennen, erkennen, dass Corona nicht nur Negatives gebracht, sondern auch viele Dinge zum Positiven verändert hat: Die Umwelt konnte sich durch die wenigen Reisen erholen und wir konnten als Gemeinschaft zusammenwachsen. Am meisten haben aber natürlich die Riesen im Onlinebereich von der Corona-Krise profitiert und sind so noch reicher geworden. Dabei bräuchte man das Geld dringend, um die vielen Probleme wie die Plastikflut in den Meeren zu bekämpfen. Das alles wird in „Deutschland in den Wechseljahren“ thematisiert, aber nicht mit dem moralischen Zeigefinger, dafür aber mit viel Humor und Musik.

Zu meinen Lieblingsszenen in dem Stück gehören: Ein Polizist berichtet davon, dass die Polizei nun ganz eng mit den Linken arbeitet. Sein Hund sieht es aber offensichtlich ganz anders und ist auf die linke Szene und die Begriffe aus dieser (darunter „Antifa") abgerichtet. In einer anderen Szene reisen wir zur WM in Katar, wo es nur um Geld und nicht um die Menschenrechte geht. Sagen wir so: Die WM wird wie geschmiert laufen. Aber für die ganz großen Lacher auf der Bühne sorgten Erika und Margot live aus ihrem „braunen Kessel“. In der volkstümlichen Tracht verbreiten die beiden „Damen“ hinterwäldlerisches Gedankengut und singen dabei so tolle Volkslieder, zum Brüllen komisch!

Natürlich lebt das Satirestück nicht nur von seinen lustigen Geschichten und den Gags, sondern auch von den unglaublich talentierten Darstellern, die zudem auf der Bühne tanzen und singen – egal, ob es zur Melodie von Moulin Rouge oder zu dem Lied „MfG“ ist. Timo Doleys und Caroline Lux haben mich schon vor fünf Jahren in dem Erfolgsstück „Wohin mit Mutti?“ begeistert.
Rüdiger Rudolph und Edgar Harter kannte ich noch nicht. Während Timo Doleys wieder in seiner Paraderolle der Mutti der Nation aufgeht, indem er ihre Mimik, Gestik (Raute der Nation), Sprache und Körpersprache detailliert und einwandfrei nachahmt. präsentiert er sich genauso überzeugend in der Rolle des Moderators Lanz. Genauso wie schon in „Wohin mit Mutti?“ mimt Caroline Lux wieder authentisch die Figur Ursula von der Leyen, liefert aber auch in den Rollen der Alice Weidel und des Karl Lauterbach ab. Rüdiger Rudolph und das Urgestein Edgar Harter bringen als Erika und Margot das Publikum zum ekstatischen Lachen.

Mein Fazit: Die erste Hälfte des Theaterstückes war ich nur am Schmunzeln und in der zweiten Hälfte nur am Lachen, was an den spitzzüngigen Dialogen und vor allem an der überragenden schauspielerischen Leistung der vier Darsteller lag. Das Darsteller-Quartett überzeugt nicht durch das schauspielerische Talent, sondern kann zudem auch noch sehr gut singen. Aber auch die Musiker machen ihre Sache sehr gut. Der gestrige Abend hat uns sehr viel Freude bereitet und wir mussten sehr viel lachen! Gestern wurde mir aber auch wieder klar, wie gut wir es hier in Deutschland haben, da wir auch über Politiker lachen dürfen – ungestraft. Vor allem die Zugaben am Ende, in denen die bekannten Diktatoren dieser Welt satirisch vorgestellt wurden, haben dies unterstrichen.

Wir können jedem das Theaterstück empfehlen, auch den nicht an der Politik Interessierten, denn schließlich ist Lachen was Wundervolles. Bis Samstag, den 12. März 2022, noch auf der Distel-Bühne zu erleben!

Text © E. Günther ("Mein Event-Tipp")