Kritik zu: Parade
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Das Chamäleon ist ein Lebewesen, das sich ständig der umgebenden Natur anpassen und dementsprechend immer wieder verwandeln kann. In einigen Kulturen symbolisiert zudem das Chamäleon die Einheit aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. 
Und diese beiden Definitionen treffen definitiv auch auf das Chamäleon Theater, Berlins Spielstätte Nummer 1, wenn es um den Neuen Zirkus geht, zu. Immer wieder erfindet sich das Chamäleon Theater neu und zeigt in jeder Saison immer wieder verblüffende und besondere Shows, die den Zuschauer verblüfft zurücklassen, so auch mit der neuen Show „Parade“. 

Am Samstag, den 7. Oktober 2017, besuchte ich im Rahmen eines Bloggerevents die Show des Regisseurs Brendan Shelper, der für seine außergewöhnlichen Inszenierungen, wie der Eröffnungszeremonie für die europäische Kulturhauptstadt Aarhus 2017, bekannt ist und seiner internationalen Berliner Artistentruppe battleROYAL, und erwartete zurecht wieder Großes. 

Wie die Shows davor hatte auch diese Show der achtköpfigen Künstlertruppe einen roten Faden, der sich durch das ganze Programm zog: die Suche nach der eigenen Identität. Genauso wie die Artisten auf der Bühne so maskieren auch wir uns im alltäglichen Leben, um anderen zu gefallen und verlieren uns dabei oft selbst. Zudem wurde dieses Stilmittel von Shelper auch bewusst eingesetzt, damit sich das Publikum auf den Körper der Akrobaten und deren Fähigkeiten konzentriert. 
Und das haben wir alle. Wie kleine Kinder saßen wir gespannt und verzaubert von der Leichtigkeit der schweren Nummern auf unseren Stühlen. 

Am meisten verzaubert war ich an diesem Abend von den anmutigen Performances der Frauen: Egal ob die schöne Beata Surmiak mit ihren kraftvollen Hand-auf-Hand- und Handstandprogrammpunkten oder die freche Emma Serjeant (Handstand, Kontorsion, Akrobatik) oder die sympathische Laurie Marchand (Akrobatik, Partnerakrobatik, Hoop-Diving, Tanztrapez) – alle drei zeigten Unvorstellbares auf der Bühne und wirkten dennoch dabei so leichtfüßig und gefühlvoll. 

Der Breakdancer Àlvaro Medrano Lopez hat natürlich sofort mein Herz gewonnen, indem er einen nicht nur mit seinem Aussehen zum Schmachten brachte, sondern auch mit seinen komplexen Breakdance-Moves den Zuschauer in seinen Bann zog. 

Aber auch die anderen Artisten verdienen es, zu den Besten ihres Faches gezählt zu werden: Jamie Swan (Hand auf Hand, Strapaten), Jon Allingham (Akrobatik, Partnerakrobatik, Hoop Diving) und der „Hipster“ Justin Sherry (Akrobatik, Partnerakrobatik, Hoop Diving) überzeugten mit ihrem Charme, ihrem Witz und ihrer akrobatischen Präzision und Stärke. 

Der Perkussionist Takumi Motokawa und die mit Popmusik gemischte Elektromusik sorgten dafür, dass der Abend auch visuell ein Erlebnis wurde. Die innovativen Videoinstallationen, die von den Künstlern in Echtzeit live animiert wurden, rundeten schließlich dieses auditiv-visuelle Spektakel ab. 

Mein Fazit: Ich erlebte gestern einen ganz besonderen Abend, an dem die Leidenschaft für den Tanz, die Musik und die Akrobatik durch körperliche Bewegung auf höchstem Niveau, durch charmanten Humor und durch zauberhafte Bilder auf den Zuschauer transportiert wurde. An diesem Abend ist auch der Letzte von der Liebe zum Neuen Zirkus erfasst worden. 
Bis zum 18. Februar 2018 habt Ihr noch die Gelegenheit, diese fesselnde Show im Chamäleon Theater zu besuchen. 

© E. Günther (Mein Event-Tipp) 

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Kritik zu: Sayonara Tokyo
Zu seinem 25. Geburtstag präsentiert der Wintergarten Berlin seit dem 12. Juli 2017 eine außergewöhnliche Show, in der sich alles um das Thema „Japan“ dreht. 
Am Samstag, den 29. Juli 2017, gingen auch wir auf eine Reise ins Land der Kontraste und des Lächelns und wurden Zeuge eines bis ins kleinste Detail durchdachten Konzeptes.
Unsere Reise begann im Foyer, wo überall rote Lampenschirme hingen und japanische Musik im Hintergrund lief. Nachdem wir unsere Reisetickets eingelöst haben, wurden wir von einer in einem Kimono gekleideten Servicekraft zu unserem Platz, einem Tisch in der zweiten Reihe, geführt. 
Aber eine Reise in ein fernes Land funktioniert natürlich nicht ohne die Entdeckung der kulinarischen Köstlichkeiten des Gastgeberlandes. Dies hat auch der Wintergarten Berlin verstanden und serviert deswegen zur Show verschiedene japanische Speisen.

Nachdem uns eine Wasabi-Butter mit einem Brotkorb gebracht wurde, freuten wir uns schon auf unsere Vorspeisen. Als bekennende Sushi-Liebhaberin entschied ich mich natürlich für den Vorspeisenteller „Onigri meets Maki“ für 11,50 Euro: Reissnack - Lachs-Wasabi und Lachs-scharfe Pflaume – im gerösteten Nori-Algenblatt, Maki (Paprika, Gurke, Rettich) und Inside Out, serviert mit einer Sojasauce, Ingwer und Wasabi. Meine Begleitung wählte den Wakamesalat mit Garnelen für 13,50 Euro (Wakamealgen abgeschmeckt mit Ingwer, Koriander und Chili, dazu gerösteter Sesam und Tempuragarnelen). Beide Vorspeisen schmeckten vorzüglich.
Zum Essen wurden wir von einer traditionellen Live-Musik begleitet und auf die kommende Show eingestimmt, die gleich nach unseren japanischen Hauptspeisen begann: Ich aß eine mit Sojasauce gelackte Hühnchenbrust auf Reisnudeln mit Wokgemüse für 17,50 Euro, eine perfekt abgeschmeckte Hauptspeise. Meine Begleitung orderte das Gericht „Gyudon“ für 17,50 Euro (karamellisierte Rindfleischstreifen, gebraten mit Lauch und Sesam, serviert auf Reis mit Koriander und einem Spiegelei) – eine zu empfehlende Hauptspeise.
Um 20 Uhr konnten wir dann gesättigt und gestärkt die farbenfrohe Welt der neuen Show des Wintergarten, „Sayonara Tokyo“, nach der Regie von Stephan Prattes und unter der musikalischen Leitung von Jo Roloff, entdecken. Unsere Reiseführerinnen waren drei bezaubernde Sängerinnen: Yuri Yoshimura (Japan), Jacqueline Macaulay (Deutschland) und Gina Marie Hudson (USA), die den ganzen Abend japanisch- und englischsprachige Hits zum Thema „Japan“ zum Besten gaben. Dabei waren sie sowohl elegant, verführerisch oder als Mangas auf der Bühne gekleidet. 
Zu den Liedern des Abends gehörten Hits wie ''Big in Japan'' der Band Alphaville, ''Hiroshima'', eine Ballade des britischen One-Hit-Wunders Wishful Thinking, oder die Titelmelodie des Nintendo-Konsolen-Klassikers ''Super Mario''.

Über zwei Stunden lang erlebten wir ein exotisches, spannendes und exzentrisches Japan mit Pokémon-Figuren, Fernsehshows und deren begeisterten Fans, übergroßen Trommeln, Drachen und Anime-Helden. Und wem das alles nicht verrückt genug war, der wurde bestimmt von dem japanischen Jodler, Takeo Ischi, umgehauen, der uns Unterschiede zwischen dem österreichischen, schweizerischen und amerikanischen Jodeln näher brachte.
Natürlich durften auch in dieser Show des Wintergarten keine talentierten Artisten fehlen. Mein Gänsehautmoment an diesem Abend war der Geisha-Tanz der Akrobatin Arisa Meguro, die grazil mit ihrem weißen Schirm tanzte und sich zum Lied „Big in Japan“ von den Zwängen ihrer Geisha-Rolle befreite. Ein Moment, der mir Tränen in die Augen trieb und auch bei den anderen Zuschauern Jubelrufe hervorlockte!
Aber auch weitere Artisten sorgten für eine hervorragende Unterhaltung: der exzentrische Jongleur Senmaru, der mit dem Jojo spielende Naoto und die „Super Mario“-Tanztruppe, die Tokyo Jumpz, die mit ihrem Springseil rasend schnell sprangen und tanzten.
Nach zwei Stunden war leider diese schillernde Show zu Ende und wir brauchten ein wenig, um die vielen verschiedenen Eindrücke dieses Abends zu realisieren.
Mein Fazit: „Sayonara Tokyo“ ist eine originelle und schillernde Show, die die Tradition und Moderne Japans verblüffend gut vereint. Wer diese künstlerische und gesangliche Extravaganz selbst erleben und auf eine Reise in ein atemberaubend interessantes Land voller Kontraste gehen möchte, der kann dies bis zum 11. Februar 2018 im Wintergarten Berlin tun.


© E. Günther

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Kritik zu: Tod auf dem Nil
Agatha Christie ist meine Lieblingsautorin und die Königin der spannenden Kriminalromane. Zu meinen Lieblingsromanen von Agatha Christie zählen „Mord im Orientexpress“ und „Tod auf dem Nil“. Keiner anderen Autorin gelingt es, auf so eine spannende Art und Weise eine Geschichte zu erzählen und dieser am Ende eine unerwartete Wendung zu geben.

Aus diesem Grund war ich am Freitag, den 17. Juni 2022, mit einer Kollegin, die auch die Agatha Christie-Romane zu schätzen weiß, im
Berliner Kriminal Theater, um das Theaterstück „Tod auf dem Nil“ zu besuchen. Für meine Kollegin war es der erste Besuch im Berliner Kriminal Theater, das sie aber auf Anhieb wie mich begeistern konnte. Ich war schon unzählige Male in dem Theater.

Der Kriminalroman „Tod auf dem Nil“ ist der 22. Kriminalroman von Agatha Christie, erschien im Jahre 1937 und inspiriert bis heute noch viele Theaterstücke und Drehbücher.
Der Film mit dem legendären Cast Peter Ustinov, Bette Davis, David Niven, Mia Farrow, Maggie Smith, Jane Birkin und Angela Lansbury kam 1978 in die Kinos und wurde zu einem bemerkenswerten Erfolg, mit einem Oscar für die besten Kostüme.

Um ca. 20 Uhr ging der rote Vorhang auf und der Klassiker, für das Berliner Kriminal Theater von Wolfgang Rumpf und Matti Wien als Theaterstück inszeniert und von Maria Jany und Matti Wien bearbeitet, konnte beginnen.
Zu der weltbekannten Geschichte: Auf einem Nil-Dampfer macht das verheiratete Paar Linnet und Simon Doyle Flitterwochen und trifft dort auf Jacqueline de Bellefort, Simons Ex-Verlobte und Linnets ehemalige beste Freundin. Die verbitterte Jacqueline schießt im Verlauf der Reise auf Simon. Doch dabei bleibt es nicht. Auf dem Dampfer werden Passagiere ermordet. Und wie immer bei Agatha Christie hat jeder der Anwesenden ein Motiv und könnte der Mörder sein…

Da Hercule Poirot zu meinen Lieblingsfiguren in Kriminalromanen gehört, war ich sehr auf die Umsetzung der Figur gespannt und wurde auch nicht enttäuscht. Mathias Kusche spielt den scharfsinnigen und manchmal zynischen Meisterdetektiv, der jeden Mord aufklären kann, perfekt. Die witzige Tatsache, dass Poirot immer wieder betonen muss, er sei kein Franzose, sondern ein Belgier, wird auch in das Theaterstück humorvoll integriert.

Besonders ausdrucksstark waren für mich in der Inszenierung die Darstellerinnen: Alexandra Maria Johannknecht verkörpert unglaublich überzeugend die reiche und verwöhnte Linnet Doyle, die sich alles nimmt, was sie will und auf den ersten Blick keine Gewissensbisse zu haben scheint. Die skrupellose Linnet kann nicht mit ihrer gedemütigten Freundin mitempfinden und denkt nur an ihr eigenes Wohl. Wunderbar von Alexandra Maria Johannknecht gespielt!

Jenny Löffler geht in der Rolle der verbitterten und zurückgewiesenen Jacqueline de Bellefort, die ihren Stolz verloren hat und dem Ehepaar das Leben zur Hölle machen möchte, auf. Auch wenn sie sich mit ihren Auftritten lächerlich macht, so fühlt der Zuschauer mit ihr. Jenny Löffler gelingt es, die Leidenschaft und Impulsivität der Figur fabelhaft zu interpretieren.

Auch Gundula Piepenbring stellt die Figur der Salomé Otterbourne entsprechend der Romanvorlage dar und gewinnt trotz ihres kuriosen Benehmens die Herzen der Zuschauer. Salomé Otterbourne wird als eine alkoholkranke Autorin gekennzeichnet, der nicht viel an dem Wohl ihrer Tochter liegt und die nur an ihre Verwirklichung als Schriftstellerin denkt. Mit ihrer authentischen Darstellung sorgt Gundula Piepenbring für viele Lacher im Publikum.
Rosalie Otterbourne ist die aufopferungsvolle Tochter, die ihre eigenen Wünsche hinter das Wohl ihrer Mutter anstellt. Sehr ehrlich von Alice Macura gespielt.

Aber auch die Männerrollen in der Theaterinszenierung wurden sehr gut besetzt:
Alejandro Ramón Alonso mimt makellos den mittellosen Simon Doyle, der seine Verlobte, für die er die Welt bedeutet, verlässt, um die reiche und glamouröse Linnet zu heiraten.
Kai-Peter Gläser agiert hingebungsvoll als Mr. Ferguson, der die reiche Gesellschaft und den Kapitalismus verabscheut. Sein einziges Interesse gilt der Arbeiterklasse. Damit steht er im Gegensatz zu der Figur des Andre Pennington, Linnets Onkel und ihrem amerikanischen Vermögensverwalter. Pennigtons Gedanken kreisen nur um Linnets Vermögen und wie er dieses ihr abknöpfen kann. Einwandfrei von Thomas Linke gespielt.
Auch die Rolle Dr. Bessner wird von Karl-Heinz Barthelmeus sehr überzeugend dargestellt. Dr. Bessner ist ein aufbrausender Charakter aus Deutschland, der wegen der missglückten Zellenkur bei Linnets Busenfreundin um seine Existenz als Arzt bangen muss.


Das Berliner Kriminal Theater präsentiert wieder einen starken Cast in einem bemerkenswerten Setting. Manfred Bitterlich schafft ein detailgetreues Bühnenbild, das dem Zuschauer tatsächlich das Gefühl gibt, sich auf einem Nil-Dampfer zu befinden. Durch das Einspielen arabischer Musik wird das Ganze noch authentischer. Besonders angetan war ich von den Kostümen der Darsteller, allen voran von den wunderschönen Kleidern der Darstellerinnen. Ein großes Lob an für Vera Krisch diese gelungene Arbeit!

Fazit: Die Inszenierung „Tod auf dem Nil“ im Berliner Kriminal Theater überzeugt durch ihren Cast, ihr Bühnenbild und die Kostüme und ist für jeden Agatha Christie- und Krimi-Fan ein Muss! Und schließlich ziehen Geschichten über Liebe, Eifersucht, Neid, Betrug und Intrigen die Zuschauer noch immer in ihren Bann…


Text © E. Günther (Blogseite "Mein Event-Tipp")