Seit der New Yorker-Premiere im Jahr 1967 wurde Jewels auf allen internationalen Bühnen und in 193 Produktionen getanzt. Angeblich hat sich der Ausnahmechoreograf George Balanchine, der „Begründer des Neoklassizismus im Ballett“, zu dieser außergewöhnlichen Ballettaufführung inspirieren lassen, als er 1967 vor einem Juwelier auf der 5th Avenue in New York gestanden hat. Die Staatsoper Unter den Linden bringt dieses Meisterwerk, von dessen Genialität ich mich am Freitag, den 22. April 2022, selbst überzeugen durfte, auch in dieser Spielzeit auf die Bühne.

Die Balletttrilogie besteht, wie der Name schon sagt, aus drei abgeschlossenen Teilen zu der Musik von drei unterschiedlichen Komponisten. In jedem Teil geht es um einen Edelstein, den verschiedene Balletttänzer auf der Bühne tänzerisch darstellen. Drei verschiedene Choreografen waren für die Einstudierung des jeweiligen Edelstein-Tanzes verantwortlich. Nach jedem Abschluss gibt es eine kurze Pause, in der die Zuschauer sich begeistert über das gerade Gesehene austauschen können.

Der erste Teil befasst sich mit dem Edelstein Smaragd, deswegen tragen auch die Tänzer grüne Kostüme, die funkeln. Für Balanchine verkörpert dieser Teil nicht nur den Smaragd, sondern auch Frankreich - das Land der Eleganz. Zwei Solopaare, drei Solisten und ein Corps de ballet vertanzen Smaragde auf der Bühne. Obwohl jeder im Publikum weiß, dass die Einstudierung dieser Choreografie eine harte Arbeit gewesen sein muss, tanzten die Balletttänzer Aya Okumura, Weronika Frodyma, Alexander Bird, der mir schon in der Ballettaufführung „Onegin“ gefallen hatte, Sacha Males und die anderen Balletttänzer zur Musik von Gabriel Fauré wie Elfen leichtfüßig und ließen ihre Choreografie leicht erscheinen. Ein begeisterter Applaus am Ende des ersten Teils zeigte, dass Ben Huys bei der Einstudierung dieser zauberhaften Choreografie alles richtig gemacht hat.


Der zweite Teil hat als Thema den Rubin. Das Solopaar, die Solisten und der Corps de ballet von Damen und Herren tragen eine rot funkelnde Kleidung, an der Wand sieht man rote Laserstrahlen. Steht der Smaragd-Teil noch für das klassische Ballett, stellt die Rubin-Choreografie eine moderne und schnellere Interpretation des Balletts dar. Der Zuschauer sieht auf der Bühne für das Ballett neuartige Figuren, z.B. das Drehen des Körpers nach vorn. Man glaubt auch Elemente des Tangos in dieser Choreografie zu erkennen. Der zweite Teil wird von vielen als eine Hommage an Amerika und seine Jazz-Ära interpretiert, obwohl Belanchine das nie bestätigt hat.
Diese frische Choreografie zu Igor Strawinskys Musik haben die begnadeten Balletttänzer Ksenia Ovsyanick und Dinu Tamzlacaru, die ich beide schon in „Der Nussknacker“ fabelhaft fand, ausgezeichnet umgesetzt. Zurecht wurden sie und die anderen Balletttänzer am Ende des zweiten Teils von dem Publikum großartig verabschiedet und für ihre spritzige Interpretation des Balletts belohnt.


In dem dritten Teil dieser Ballettaufführung geht es schließlich um den Diamanten, den die Tänzer zu Peter Tchaikowskys Musik (Sinfonie Nr. 3 D-Dur) am 22. April 2022 federleicht interpretierten. Der dritte Teil zeigte für mich die anspruchsvollste Choreografie, zu der die am Ende dramatisch werdende Musik hervorragend passte. Im Mittelpunkt des dritten Teils steht ein Solopaar – am Freitag Abend die brillante Polina Semionova und Alexandre Cagnat- , das die Zuschauer zu Begeisterungsbekundungen brachte. Polina Semionova und Alexandre Cagnat tanzten die schwierigste Choreografie in der Ballettaufführung „Jewels“ majestätisch und anmutig und raubten uns mit ihren Soli regelrecht den Atem.
Begleitet wurden sie von einer Gruppe von Solisten und einem Corps de ballet. Die Tänzer tanzten wie Feen in ihren weißen Kostümen. Das Publikum hat die Akteure des dritten Teils frenetisch gefeiert und wollte sie gar nicht mehr von der Bühne gehen lassen. Eine märchenhaft schöne Interpretation, die nicht nur mich an dem Abend verzauberte und mir viele Gänsehautmomente bescherte.

Auch die vom spanischen Designer Lorenzo Caprile für das Staatsballett Berlin entworfenen Kostüme sind eine Augenweide und symbolisieren in wundervoller Weise die drei Edelsteine.
Die glitzernden Steine funkeln und lassen die Tänzer in den Farben des jeweiligen Aktes erstrahlen. Im ersten Akt im Grün der Smaragde, im zweiten Akt im aufregendem Rot der Rubine und zuletzt im dritten Akt Weiß-Blau wie die Diamanten.

Mein Fazit lautet: Da Jewels keine Geschichte im herkömmlichen Sinne erzählt, muss man keiner Handlung angestrengt folgen, sondern kann sich ganz auf die künstlerische Umsetzung einlassen. Mal wieder stehen im Mittelpunkt von George Balanchines Choreografie der pure Tanz und die Musik. Die Wahl der Musik ist perfekt ausgesucht und von dem großartigen Orchester unter der Leitung von Paul Connelly hervorragend interpretiert. Der erste Teil hat mich entzückt, der zweite Teil überrascht und der dritte Teil auf ganzer Linie fasziniert. Für jeden Ballettliebhaber ein Muss, das nächste Mal am 28. April 2022 auf der Bühne der Staatsoper Unter den Linden zu erleben.

Praktischer Hinweis: Die Ballettaufführung dauert insgesamt 2 Stunden und 20 min, inklusive zwei Pausen.

Text © E. Günther (Blogseite "Mein Event-Tipp")
Wer meine Berichte zu „Frau Luna“, „Cindy und Bert“ und „Mord im OrientExpress“ gelesen hat, der weiß, dass ich ein großer Fan des gesanglichen und komödiantischen Talents der Geschwister Pfister bin. Allerdings kenne ich nur Christoph Marti, Tobias Bonn und Andreja Scheider. Als ich gelesen habe, dass die BAR JEDER VERNUNFT anlässlich ihres 30. Geburtstages noch einmal bedeutende Programme aus ihrer Gründungszeit auf die Bühne holt und die Geschwister Pfister in ihrer Originalbesetzung von 1992 auftreten werden, habe ich mich sofort um die Karten für die Show am Donnerstag, den 14. April 2022, gekümmert. Ich hatte Glück, denn auch diese Vorstellung in dem ältesten Spiegelzelt Berlins war im Nu ausverkauft.

Zu der Originalversion der Geschwister Pfister von 1992 gehören: Lilo (Lilian Naef), Willi (Max Gertsch), Toni (Tobias Bonn) und Ursli Pfister (Christoph Marti). Während ich Max Gertsch erst vor Kurzem im Theaterstück „Mord im OrientExpress“ als den besorgten Schaffner Michel live erleben durfte, kannte ich Lilo (Lilian Naef) im Gegensatz zu dem Großteil des begeisterten Publikums nicht. Doch auch von ihr wurde ich sofort Fan.

Die vier Geschwister erzählen auf der Bühne mit einem ironischen Augenzwinkern auf Englisch von ihrer Kindheit in der Schweiz, von dem schmerzlichen Verlust ihrer lieben Mama und wie sie dann zu ihrem Onkel in die USA ausgewandert sind. Aber ihre Heimatsehnsucht bleib bis heute, was sich nicht nur in dem Schweizer Käse widerspiegelt.
Mit dem Gesang und Auftreten von Willi (Max Gertsch) assoziiert man Elvis Presley, wobei Willi auch italienische Arien zum Besten geben kann. Das zarte Wesen und der Gesang von Lilo (Lilian Naef) erinnern den Zuschauer an Doris Day. Mit dem schillernden Ursli (Christoph Marti) verbindet man gesanglich oft Fred Astaire, während der schüchterne Toni (Tobias Bonn) mit seiner Engelsstimme und seinem Gitarrenspiel unterhält.


Die Geschwister Pfister singen, swingen, jodeln und scherzen zwei Stunden lang und erinnern mit ihrem Gesang oft an das alte Hollywood. Die Arrangements der Songs aus den 40-er bis 70-er Jahren sind entweder melancholisch oder fetzig.
Bekannte Melodien werden mit einem neuen Text gemischt (darunter „Girl from Ipanema“, „Mr. Sandman“, „Buona Sera") und es entsteht eine ausgelassene Stimmung auf der Bühne und im Zuschauersaal. Am Flügel werden die vier Geschwister von Johannes Roloff begleitet. Es gibt auch einen Überraschungsgast, dessen Identität ich aber nicht verraten werde.

Mein Fazit: Grandioser Gesang, frecher Charme, Selbstironie, Satire aufs Showgeschäft und eine beflügelte Stimmung – das alles macht die Musikshow „Die Geschwister Pfister – Melodien für's Gemüt“ aus. Unterhaltung pur! Nicht nur für Fans der Geschwister Pfister ein Muss, sondern auch für alle, die eine gute Show erleben möchten. Bis zum 1.Mai in der BAR JEDER VERNUNFT - allerdings gibt es oft nur noch Restkarten, also sich unbedingt beeilen!

Text © E. Günther (Blogseite "Mein Event-Tipp")
„Mord im Orientexpress“ ist mein Lieblingsroman von Agatha Christie. Nur wenn ich an diese spannende Geschichte denke, bekomme ich schon Gänsehaut. Der Krimiroman aus dem Jahr 1934 wurde unzählige Male verfilmt – zuletzt 2017 mit Kenneth Branagh als Poirot und mit Johnny Depp als Gangsterboss.
Und nun endlich kam Agatha Christies Meisterwerk auf die Theaterbühne in Berlin – und wie.

Seit Monaten warteten wir darauf, das Theaterstück mit und unter der Regie von Katharina Thalbach in der Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater erleben zu dürfen. Aber zuerst wurde die teuerste und größte Inszenierung, die je in dem Theater aufgeführt wurde, wegen Corona verschoben und dann waren alle Karten gleich ausverkauft. Das Theaterstück musste wegen einer gewaltigen Nachfrage verlängert werden und hier schlug unsere Stunde. Am Dienstag, den 29. März 2022, stiegen wir endlich in den Orientexpress ein und wurden in einem bis auf den letzten Platz ausverkauften Theater Zeugen einer der wendungsreichsten Kriminalgeschichte.

Doch wovon handelt Agatha Christies Meisterwerk „Mord im Orientexpress“?
Der belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot möchte mit dem Orientexpress von Istanbul nach London reisen. Doch es gibt keine freien Plätze mehr im Zug. Nur wegen seiner Bekanntschaft zum mitreisenden Eisenbahndirektor Monsieur Bouc bekommt Poirot doch noch ein Abteil. Auf seiner Reise lernt er viele wichtige Leute kennen: Die russische Prinzessin Dragomiroff und die ungarische Gräfin Andrenyi sind nur ein Teil dieses illustren Kreises. Wegen Schnee kommt der Zug in Serbien zum Stehen und es wird jemand im Zug ermordet. Gelingt es, Hercule Poirot diesen mysteriösen Mord aufzuklären und den Täter zu finden?

Hercule Poirot ist ein belgischer Meisterdetektiv, der jeden noch so schwierigen Fall bravourös lösen kann. Dagegen benimmt er sich im zwischenmenschlichen Bereich nicht gerade meisterhaft. Stur, eigensinnig und mürrisch, so tritt er mit seinem gepflegten Schnurrbart überall auf und löst bei jedem Mordverdächtigen Unbehagen, aber auch Respekt aus. Peter Ustinov setzte diese Figur in den Verfilmungen perfekt um, doch Katharina Thalbach gelingt mit ihrer Interpretation des eitlen Privatdetektivs ein künstlerisches Meisterwerk. Thalbach lebt diese Rolle und geht in ihr auf. Ein französisch sprechender Detektiv, der das H nicht aussprechen kann, die Redewendungen stets falsch verwendet und ständig „oh, là, là, là, là“ zum Besten gibt – das Publikum brach mehrmals am Abend in Gelächter aus. 
Katharina Thalbach präsentiert diese Rolle sehr herzlich und mit einem komödiantischen Augenzwinkern, was an manchen Stellen an den berühmten Charlie Chaplin erinnert. Doch dabei vergisst sie nie auch die nachdenkliche und traurige Seite der Figur dem Publikum zu zeigen.

Monatelang konnte ich es nicht erwarten, Tobias Bonn in seiner Rolle des Monsieur Bouc und Christoph Marti in der Rolle der Helen Hubbard auf der Bühne zu bewundern. Seit dem Musical „Frau Luna“ und der Show „Cindy und Bert“ vergöttere ich das Talent der
Geschwister Pfister, doch leider hatte Corona an dem Abend andere Pläne und die beiden konnten nicht auftreten. In die Rolle des loyalen und manchmal verpeilten Monsieur Bouc schlüpfte an dem Abend der Regieassistent und Helen Hubbard wurde von einer Tänzerin des Theaterstücks gespielt. Obwohl beide diese Rollen noch nie gespielt haben, haben sie uns im Theaterstück überzeugt und bekamen zurecht einen fantastischen Applaus am Ende.
Trotzdem werde ich Karten für eine Aufführung im August kaufen, um die Geschwister Pfister doch noch im „Mord im Orientexpress“ zu sehen. Vor allem bin ich schon auf Christoph Martis Interpretation des singenden und trinkenden Vamps Helen Hubbard mit den vielen Bindestrichen im Namen gespannt.

An dem Abend fand ich Andreja Schneider (ebenfalls Geschwister Pfister) in ihrer Rolle der russischen Prinzessin Dragomiroff überragend. Die Prinzessin wirkt streng, stur und garstig und lächelt nie, doch hat sie ein goldenes Herz und ist sehr loyal. Meisterhaft von Andreja Schneider interpretiert!
Auch Anna Thalbach überzeugt mit ihrer Darstellung der Mary Debenham, einer englischen Hauslehrerin und verliebten Ehebrecherin. Im Kontrast zu dieser starken Frauenfigur steht die zerbrechliche und passiv wirkende Gräfin Andrenyi  aus Ungarn, die sehr authentisch von Nellie Thalbach gemimt wird.
Ebenfalls stark stellen Wenka von Mikulicz als die strenge deutsche Zofe Hildegard Schmidt und Nadine Schori als die steife schwedische Kinderkrankenschwester Greta Ohlsson ihre jeweilige Rolle dar.

Die männlichen Rollen haben mich an dem Abend auch sehr gut unterhalten: Raphael Dwinger als der loyale schottische Offizier Colonel Arbuthnot und Geliebter der Englischlehrerin, Alexander Dydyna als der ehrgeizige und schüchterne Hector MacQueen, Max Gertsch als der besorgte Schaffner Michel und MAT SCHUH als der skrupellose Gangsterboss Samuel Ratchett – alle Rollen wurden von den aufgezählten Darstellern großartig verkörpert.

Das im Vorfeld sehr gepriesene Bühnenbild von Momme Röhrbein ist das beste Bühnenbild, das ich je in einem Theaterstück gesehen habe und auch ein Grund, warum man dieses Theaterstück unbedingt gesehen haben muss. Das doppelstöckige Bühnenbild sorgt dafür, dass auch die Zuschauer auf den oberen Rängen alles gut bewundern können, darunter eine noble Hotelhalle in Istanbul, einen fahrenden Zug auf der Bühne und die detailliert nachempfundene exklusive erste Klasse im Orientexpress.
Auch die 100 Kostüme mit Pailletten, Federn, Pelz, Samt und Seide von Guido Maria Kretschmer kreieren eine wunderbare und authentische Atmosphäre der frühen 30-er Jahre.

Der Komponist Christoph Israel bricht mit den Tanz- und Gesangsparts in der Theaterfassung „Mord im Orientexpress“ mit den Grenzen der Kunstform Theater und vermischt durch den Einsatz eigens komponierter Musicalnummern, bekannter Broadway-Songs und Klassiknummern von Tschaikowsky und Prokofieff verschiedene Kunstformen miteinander, was das Theaterstück so einzigartig macht und von dem Publikum gefeiert wurde.
Auch die Choreographie, darunter ein sinnlicher Bauchtanz, von Christopher Tölle nimmt das begeisterte Publikum in den geheimnisvollen Orient mit.

Mein Fazit: Zurecht sind die Vorstellungen „Mord im Orientexpress“ in der Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater schnell ausverkauft, denn die Aufführung ist ein Must-See! Der Cast ist nicht nur sehr bekannt und beliebt, sondern auch unglaublich talentiert! Jede noch so kleine Rolle wurde grandios besetzt. Das Bühnenbild ist aufwendig und extravagant. Auch die Kostüme, der Einsatz der Videoaufnahmen, die Musik und die Choreografie sorgen für eine einzigartige Atmosphäre auf der Bühne.
Die Themen des literarischen Meisterwerks werden auf der Bühne perfekt aufgegriffen: Loyalität, Freundschaft und Zusammenhalt und die Frage, was Gerechtigkeit bedeutet. Die Regisseurin schafft ein audiovisuelles Kunstwerk aus Theaterstück, Musical, Komödie und Pantomime. Das Theaterstück wird am 17. August 2022 wegen seines unglaublichen Erfolgs wieder aufgenommen und wird vorerst bis zum 11. September 2022 in der Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater gespielt. Unbedingt hingehen!

Praktischer Hinweis: Das Theaterstück dauert ca. 3 Stunden (inklusive einer Pause).


Text © E. Günther (Blogseite "Mein Event-Tipp")