Kritik zu: Die Eiskönigin
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" Ich lass los, lass jetzt los
Die Kraft sie ist grenzenlos
Ich lass los, lass jetzt los
Und ich schlag die Türen zu
Es ist Zeit, nun bin ich bereit!
Und ein Sturm zieht auf
Die Kälte, sie ist nun ein Teil von mir "
(Auszug aus dem Lied „Lass jetzt los“ aus Disneys „Die Eiskönigin“)

Gebt zu, Ihr habt diese weltberühmten Zeilen gerade nicht gelesen, sondern hingebungsvoll gesungen.

Der Disneyanimationsfilm „Die Eiskönigin“ (Originaltitel „Frozen“) hat Milliarden von Herzen kleiner und großer Mädchen auf der ganzen Welt zum Schmelzen gebracht und 2014 zurecht den Oscar für den besten Animationsfilm gewonnen. Der Soundtrack verkaufte sich 10 Millionen Mal. Das weltbekannte Lied „Let it go“ wurde zudem mit einem Oscar für das beste Lied ausgezeichnet.

Eine märchenhafte Erfolgsgeschichte, die sich auf der Musicalbühne wiederholte. Im Jahr 2018 hat das Musical "Frozen" von Jennifer Lee und Chris Buck mit den Songs von Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez am Broadway Premiere gefeiert, im September 2021 auch im Londoner West End. Und nun endlich kam die Eiskönigin Elsa mit ihrem Gefolge auch nach Hamburg und ich wurde am Samstag, den 8. Januar 2022, ein Teil der märchenhaften Welt von Arendelle, die unter der Regie von Michael Grandage im Stage Theater an der Elbe entstand.

Wer noch immer diese einzigartige Geschichte von Elsa, Anna, Kristoff, Sven und Olaf nicht kennt, dem helfe ich hier an dieser Stelle:
Elsa, Prinzessin des Königreichs Arendelle, besitzt Zauberkräfte, mit denen sie Eis und Schnee erzeugen kann. Seit ihrer Kindheit lebt sie abgeschottet von der Außenwelt, da sie ihre Kräfte nicht kontrollieren kann. Als junge Frau wird Elsa zur Königin von Arendelle gekrönt. Auf der Krönungszeremonie verlieben sich Elsas Schwester Anna und der Prinz Hans ineinander und verloben sich nach dem sehr kurzen Kennenlernen. Elsa verweigert ihren Segen für die Hochzeit. Ein Streit zwischen den Schwestern eskaliert und Elsa verliert die Kontrolle über ihre Zauberkräfte. Die Gäste sind entsetzt und sehen in Elsa ein gefährliches Monster. Elsa flieht auf den Nordberg und versetzt unabsichtlich Arendelle in einen ewigen Winter.
Anna begibt sich auf die Suche nach ihrer Schwester und trifft auf dieser gefährlichen Reise auf Kristoff und sein Rentier Sven, die sie bei ihren Abenteuern unterstützen.
Gelingt es Anna, ihre Schwester zu finden und sicher nach Hause zu bringen, Arendelle zu retten und Hans zu heiraten? Welche Rolle werden dabei Kristoff und Sven spielen? Und was hat es mit dem Schneemann Olaf auf sich?

Die Kronprinzessin Elsa wird mit Zauberkräften geboren. Sie kann alles in Eis und Schnee verwandeln. Nach einem Spiel, bei dem sie unbeabsichtigt fast ihre geliebte Schwester Anna umbringt, wird sie von ihren Eltern von der Außenwelt isoliert. Sie muss lernen, ihre Gefühle und Zauberkräfte, zu kontrollieren. Durch die Isolation wird sie eine unsichere junge Frau, die ihre wahren Gefühle versteckt. Die Flucht aus Arendelle ist wie ein Befreiungsschlag für Elsa und sie findet endlich zu sich selbst.
Die Rolle der Elsa weckt viele Erwartungen bei den Fans, denn schließlich ist sie eine der beliebtesten Disneyfiguren und eine Identifikationsfigur. Doch Janneke Ivankova, vielen Musicalfans aus den Musicals „We will rock you“ und „Tarzan“ bekannt, übertrifft sogar mit ihrer Interpretation der zunächst kalten und schließlich befreiten Elsa die Erwartungen an diese Rolle. Von der ersten Minute schafft sie eine Verbindung zu den Zuschauern und überzeugt mit ihrer starken Stimme. Ich litt mit ihr, als Elsa alles aufgeben musste, und freute sich mit ihr, als Elsa endlich so sein durfte, wie sie ist. Als Janneke Ivankova am Ende der ersten Hälfte voller Inbrunst das beliebte Lied „Lass jetzt los“ sang, hatte ich wie viele im Publikum Gänsehaut und mir kamen die Tränen.

Die kleine Schwester Anna ist das komplette Gegenteil von ihrer Schwester. Sie ist mutig, lebensfroh und abenteuerlustig. Trotz dieser Unterschiede vergöttert sie ihre große Schwester und versteht nicht, warum sich Elsa immer mehr von ihr zurückzieht. Prinzessin Anna hat wegen ihrer Schwester auch wenig Kontakt zur Außenwelt, was sie manchmal naiv und unbedarft handeln lässt. So verliebt sie sich auch nach ein paar Minuten in den Prinzen Hans.
Celena Pieper, die einige bereits aus dem Musical „Tanz der Vampire" kennen, legt ihr Herz und ihre Seele in ihre Performance als Anna. Sie schafft es perfekt, die Sympathieträgerin in dem Musical „Die Eiskönigin“ zu verkörpern. Man kann einfach nicht anders, als Anna UND Celena Pieper in sein Herz zu schließen. Celena Piepers kraftvolle Stimme überzeugt zudem jeden Musicalliebhaber.

Kristoff verkörpert die wesentlichen Werte im Leben und ist daher der Mann, den sich jeder für seine Tochter und Schwester wünscht. Er ist loyal, freundlich und mutig. Der lebensbejahende Abenteurer wird hervorragend von Benet Monteiro, der mir bereits in seiner Rolle des Sky in dem Musical „Mamma Mia!“ gefallen hatte, gespielt. Benét Monteiro entlockte mir mit seinem Lied über die Liebe einige verliebte Seufzer.

„Manche Menschen sind es wert, dass man für sie schmilzt." - Olaf ist der heimliche Star in dem Animationsfilm und Musical „Die Eiskönigin“. Kleine und große Kinder lieben diese Figur und freuen sich jedes Mal, wenn diese im Film und auf der Bühne erscheint.
Elindo Avastia erweckt mit seiner Schneemann-Handpuppe Olaf zum Leben und begeistert damit alle im Publikum. Genauso wie im Film stellt er Olf als ein herzliches und naives Lebewesen dar.

Es ist eine sehr große Kunst, als Darsteller die Zuschauer zu begeistern und als Figur negative Gefühle beim Publikum zu evozieren. Marlon Wehmeier gelingt dies wunderbar. Die Zuschauer, die bereits den Film kennen, schäumen vor Wut, als sie Prinz Hans, den 13. Sohn einer königlichen Familie zum ersten Mal auf der Bühne erleben. Die anderen täuscht Marlon Wehmeier mit seiner überzeugenden Schauspielerei. Auch seine gesanglichen Einlagen haben mir an dem Abend sehr fallen.

Genauso wie Olaf sorgt auch das Rentier Sven für sehr viele Lacher in „Die Eiskönigin“. Petter Linsky bringt Sven als eine lebensgroße Puppe auf die Bühne. Diese Darstellung verlangt dem Darsteller körperlich viel ab, da er das ganze Musical über auf allen Vieren und auf Stelzen laufen muss. Diese körperliche Anstrengung sieht der Zuschauer aber nicht, was nur für den Darsteller spricht.

Dass jede Rolle im Musical ausgezeichnet besetzt wurde, kann man auch an der Randfigur von Pitzbühl erkennen. Eric Minsk schafft es sehr authentisch, diese ungewollt komische Figur („von Witzwühl“), die keiner in dem Königreich ernst nimmt, zu interpretieren.

Das Musical „Die Eiskönigin“ erfüllt einen mit Vorfreude und Stolz, wenn man an die Zukunft des Musicals in Deutschland denkt. Mit Lily (junge Elsa) und Vita (junge Anna) gelingt der Produktion ein großer Coup. Jeder im Saal verliebte sich augenblicklich in die beiden Mädchen. Wie kann man nur in so jungen Jahren eine Rolle so überzeugend leben?! Hier wachsen zwei sehr Große auf der Bühne heran.

Was den Animationsfilm so besonders macht, ist die hinreißende Musik, die einen Ohrwurm nach dem anderen liefert. Und die Musicalinterpretation setzt dies mit Songs von Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez, dem Dirigenten Thomas Lorey und den neun Musikern im Orchestergraben mehr als fabelhaft um.
Für das Musical wurden acht Filmsongs ins Deutsche übersetzt, zudem kamen zwölf neue Songs dazu – darunter die Lieder „Du bist alles" von Anna und Elsa und „Hygge“ auf einer Berghütte, das eine Lobhymne auf das skandinavische Lebensgefühl darstellen soll. Und natürlich das Lied „Lass jetzt los“, das - wie schon oben beschrieben - für Gänsehaut sorgte.

Vor dem Musical habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, wie wohl das Bühnenbild die Orte aus dem Film umsetzen wird. Und ich muss Euch schon jetzt verraten, dass das Bühnenbild von Christopher Oram gigantisch war. Zunächst befanden wir uns in Annas Zimmer in dem Schloss der königlichen Familie. Am Ende der ersten Hälfte glaubte der Zuschauer seinen Augen nicht. Es schien so, als ob Janneke Ivankova tatsächlich mit ihren bloßen Händen einen Palast aus Eis erschuf, vielen glitzernden Swarowski-Kristallen und speziellen Lichteffekten sei Dank. Ein frenetischer Applaus und begeisterte Jubelrufe nach der ersten Hälfte – das habe ich noch in keinem Musical in dieser Form erlebt!

Die wunderschönen und farbenprächtigen Kostüme, die im Bühnenbild versteckten speziellen Effekte von Jeremy Chernick und die Videos von Finn Ross schufen eine magische Welt auf der Bühne.

Mein Fazit: Die beiden Schwestern Elsa und Anna sind so verschieden und doch im Herzen untrennbar miteinander verbunden, was diese Disneygeschichte von den anderen Geschichten unterscheidet. Während in anderen Disneyfilmen die Liebe zwischen einem Mann und einer Frau im Vordergrund steht, ist hier die große Geschwisterliebe das zentrale Thema.
Die Eiskönigin - Das Musical im Stage Theater an der Elbe ist ein farbenfrohes und opulentes Spektakel und ein Feuerwerk der guten Laune. Mit sehr viel Liebe wird die Geschichte von der wahren Liebe, Freundschaft, Loyalität und Mut erzählt. Man muss sich trauen, man selbst zu sein und sich so zu lieben, wie man ist.
In dem Musical stimmt einfach alles: Der Cast ist bis in die kleinste Rolle perfekt besetzt, die Musik und die Lieder sorgen für viele Gänsehautmomente, das Bühnenbild und die Kostüme entführen das Publikum in eine andere Welt. Der Zuschauer wird ein Teil der Märchenwelt von Arendelle und wird in den Bann dieser wunderschönen Inszenierung gezogen.
Ein Must-See in Hamburg! Ein Stern in dem Musical-Himmel!

Praktische Hinweise:  Das Musical dauert ca. 2:30 Stunden (inkl. Pause). Seit dem 10. Januar 2022 gilt 2G plus in der Kulturbranche.

© E. Günther ("Mein Event-Tipp")
„Nach all den Jahren?“ (Albus Dumbledore) - „Immer.“ (Severus Snape)

Für mich ist das nicht nur eine der schönsten und herzzereißendsten Textstellen in der Literaturgeschichte, sondern sagt auch auch viel über meine Liebe zu den Harry Potter-Büchern und Filmen aus, die schon seit sehr vielen Jahren besteht. Schließlich bin ich mit den Büchern und den Filmen aufgewachsen, kenne jede Figurenbiografie auswendig und habe auch die Harry Potter-Ausstellung in Potsdam besucht. Und nun lädt uns J.K. Rowling endlich wieder nach einer gefühlten Ewigkeit zurück nach Hogwarts ein.

Rowlings Theaterstück „Harry Potter and the Cursed Child" (Originaltitel) wurde im Sommer 2016 in London uraufgeführt. Zeitgleich erschien das 8. Buch als Theaterskript. Seit seiner Uraufführung in London spielt das Theaterstück vor ausverkauftem Haus und ist die am meisten prämierte Produktion der britischen Theatergeschichte. Die Produktion wurde unter anderem mit neun Olivier Awards und sechs Tony Awards ausgezeichnet. Auch am Broadway, in Melbourne und San Francisco feierte „Harry Potter and the Cursed Child“ große Erfolge.
Nun ist endlich das fantastische Theatererlebnis „Harry Potter und das verwunschene Kind“ (deutschsprachiger Titel) in deutscher Sprache in Hamburg, live auf der Bühne des Mehr! Theaters am Großmarkt, zu erleben. Das aus zwei Theaterstücken bestehende Theaterevent von J.K. Rowling und Jack Thorne wird unter der Regie von John Tiffany mit viel Liebe aufgeführt.

Schon beim Betreten des Theaters taucht man in die magische Harry Potter-Welt ein: Viele Glühbirnen hängen an der Decke im Theaterfoyer und erinnern an die zahlreichen Kerzen in Hogwarts großer Halle. An den Wänden im Foyer erblickt man geheimnisvolle Patronus-Figuren. Im Eingangsbereich kann man Fotos mit den Bannern der vier Hogwarts-Häuser Griffendor, Slytherin, Hufflepuff und Ravenclaw machen. Und im Theatersaal sind mystische Drachen-Lampen angebracht. Also die Reise von dem 9 ¾-Gleis nach Hogwarts kann hier endlich beginnen.

Doch wovon handelt dieses magische Theaterevent „Harry Potter und das verwunschene Kind“?
Die Geschichte spielt neunzehn Jahre nach dem Sieg über Voldemort und seine dunkle Armee. Harry Potter arbeitet im Zaubereiministerium, ist mit Ginny verheiratet und hat mit ihr drei Kinder. Auch Ron und Hermine sind glücklich verheiratet und sind ebenfalls Eltern.
Harrys und Ginnys elfjähriger Sohn Albus Severus Potter beginnt mit seinem ersten Schuljahr in Hogwarts, wird aber vom sprechenden Hut nicht nach Gryffindor, sondern ins Haus Slytherin geschickt. Im Haus Slytherin freundet sich Albus mit Scorpius, dem Sohn von Draco Malfoy, an. Um den beim Trimagischen Turnier ermordeten Cedric zurückzuholen, stehlen die besten Freunde einen vom Ministerium beschlagnahmten Zeitumkehrer und reisen in die Vergangenheit zurück.
Aber natürlich hat diese Reise Auswirkungen auf die Gegenwart. So schmerzt Harry Potters Narbe wieder nach 19 Jahren. Kehrt die dunkle Macht wieder zurück? Wird damit der so mühsam hergestellte Frieden wieder bedroht?

„Harry Potter und das verwunschene Kind“ handelt auch von der komplexen Vater-Sohn-Beziehung zwischen Harry und Albus Potter. Es ist Fluch und Segen zugleich, der Sohn des berühmten Harry Potters zu sein. Alle erwarten von dem Sohn ein heroisierendes Verhalten und vergleichen ihn mit dem Auserwählten. Vincent Lang verkörpert hingebungsvoll Albus' Verzweiflung und Wut, die Last der Erwartungen, die durch den berühmten Vater auf ihm ruhen, seine Einsamkeit und seinen Kampf um Anerkennung. Dieses Gefühl der Einsamkeit und Zerrissenheit, die Vincent Lang auf der Bühne lebt, wird in Hogwarts verstärkt, denn Albus wird nach Slytherin geschickt. Doch dort findet er einen wahren Freund und die einzige Person, die ihn versteht: Scorpius Malfoy.

Mathias Reiser ist die ideale Besetzung für die Figur Scorpius Malfoy. Auch Scorpius ist unsicher, einsam und innerlich zerrissen, da ihn viele in Hogwarts für den Sohn Voldemorts halten. Mit aufgedrehtem Verhalten und unschuldiger Begeisterungsfähigkeit zeigt Scorpius, dass es auch in dem Haus Slytherin wahre und loyale Freunde mit einem guten Herzen gibt. Mathias Reiser mimt perfekt die gleichzeitige Verletzlichkeit und Stärke der neuen Figur in der Hogwarts-Welt und sorgt dafür, dass Scorpius Malfoy zum neuen Fanliebling wird.

Wenn ich vor dem Theaterevent angegeben hätte, wie ich mir den erwachsenen Harry Potter vorstelle, dann wäre es Markus Schöttl geworden. Markus Schöttl ist für mich der perfekte Darsteller des erwachsenen Harry Potters. Er überzeugt vollkommen in der sich widersprüchlichen Rolle, die einen inneren Kampf auf der Bühne austrägt: Als Leiter der Abteilung für magische Strafverfolgung tritt er erfolgreich und selbstbewusst auf, als Vater scheitert er oft, da er seinem Sohn die Luft zum Atmen nimmt und ihn nicht so akzeptiert, wie er ist. Dabei ist er einfach von Selbstzweifeln geplagt und hat Angst davor, Albus zu verlieren.

Jillian Anthony spielt sehr glaubhaft die erwachsene Hermine. Die neue Zaubereiministerin ist genau so, wie man sich Hermine immer als Erwachsene vorgestellt hat. Sie ist eine mutige und zielstrebige Karrierefrau, die aber auch eine treue Ehefrau und liebende Mutter ist.
Mit der Besetzung der beliebten Ron-Rolle ist der Theaterproduktion ein Coup gelungen. Sebastian Witt interpretiert fabelhaft den oft verpeilten, tollpatschigen, aber auch ehrlichen und treuen Ehemann und Vater Ron Weasley.
Hermines und Rons Tochter Rose Granger-Weasley kommt ganz nach ihrer Mutter: Sie ist intelligent, ehrgeizig und nimmt kein Blatt vor den Mund - authentisch von Madina Frey dargeboten.

Ich wollte schon immer wissen, wie sich Draco Malfoy als Erwachsener entwickelt und habe mir für die Figur eine Entwicklung wie in „Harry Potter und das verwunschene Kind“ gewünscht.
Michael Clauder beeindruckt mit seiner Rolle des einsamen und besorgten Vaters, der gegen Vorurteile kämpft und sich immer mehr der neuen Welt gegenüber öffnet.
Wie die junge Ginny Potter ist auch die erwachsene Ginny ein herzensguter Mensch und liebt ihre Familie über alles. Sie muss ständig zwischen ihrem Mann und ihrem Sohn vermitteln – eine Rolle, die Sarah Schütz wie auf den Leib geschnitten wurde.

Das Schauspiel von Glenna Weber als die Maulende Myrte hat uns an dem Abend vollkommen von dem Hocker gehauen. Wir dachten die ganze Zeit, dass wir die Film-Myrte auf der Bühne erleben. Glenna Weber lacht und heult, flirtet und kichert wie Myrte und geht vollkommen in ihrer Rolle auf. Ein grandioses Schauspiel, das sich auch in Webers zweiter Rolle widerspiegelt: Sie spielt auch die mysteriöse Delphi Diggory, die Cousine des verstorbenen Cedrics, und verdreht Albus genauso den Kopf wie dem Zuschauer.

Durch den Zeitumkehrer hat das Publikum die Möglichkeit, alle Lieblingscharaktere auf der Bühne wiederzusehen: Mit seiner Gestik, Mimik und der haargenauen Ausdrucksweise erweckt Uwe Serafin die Figuren Severus Snape und Voldemort zum Leben und beweist, was für ein talentierter Schauspieler er ist. Heidi Jürgens übernimmt gleich drei Rollen in dem Theaterevent: Dolores Umbridge, die Imbiss-Hexe und Tante Petunia. Bei jeder der drei Rollen stimmte jedes Detail, besser geht es nicht als Schauspielerin. Aber auch positive Charaktere wie Hagrid und der Sprechende Hut (Hans-Jürgen Helsig), Professor McGonagall (Anita Maria Gramser), Albus Dumbledore und Amos Diggory (Fritz Hille) dürfen in dieser Geschichte nicht fehlen und wurden fabelhaft von dem/der jeweiligen Darsteller/Darstellerin gespielt.

Die 560 Kostüme von Katrina Lindsay unterstreichen auf brillante Art und Weise das Schauspiel der beliebten und bekannten Figuren und lassen den Zuschauer die Filmfiguren vergessen.
Das Bühnenbild von Christine Jones ist eine nostalgische und originalgetreue Augenweide. Der gesamte Zuschauerraum erscheint mit seiner Wandverkleidung aus Holz, seinen bronzefarbenen Skulpturen und Lampen wie eine Fortsetzung der Bühne, die ein Bahnhofsportal darstellt. Die Seiten säumen schwere rechteckige Säulen mit geschwungenen stählernen Streben, die sich auch zu Baumkronen im Verbotenen Wald oder Säulengängen einer Kirche zusammensetzen können. Koffer, Tische und Stühle, hohe Holztreppen und Türen werden in fließenden Szenenwechseln (Movement Director: Steven Hoggett) über den Bühnenboden bewegt. Auf der Bühne sehen wir all die geliebten Plätze unserer Jugend: den Zug nach Hogwarts, die Flure und Zimmer von Hogwarts, die Räume des Zaubereiministeriums, das Haus der Dursleys, die Mädchentoilette mit der Maulenden Myrte oder das Dorf Godric‘s Hollow. Die Bühne verwandelt sich andauernd in andere Orte des Harry Potter-Universums.

Das Lichtdesign von Neil Austin und die Illusionen und Magie von Jamie Harrison sind ein Geniestreich. Vor unseren Augen entstand eine Fantasiewelt. Die Effekte und Magie wirkten unglaublich echt. Sogar in der 5.Reihe und damit nah an der Bühne konnte man nur erahnen, aber nicht sehen, wie diese Zauberei umgesetzt wurde. Wir lachten, als Scorpius der Dampf aus den Ohren kam, staunten bei den zahlreichen Kämpfen, bei denen die Charaktere leicht durch die Luft wirbelten und erschraken bei den Dementoren. Mehr darf ich leider nicht verraten, um Euch die Magie, die Überraschungsmomente und die unerwarteten Wendungen nicht zu nehmen.

Die Musik von Imogen Heap rundete das Gesamtkunstwerk ab und schuf viele Gänsehautmomente. Das Theaterstück hat vier Teile, die Musik teilt sich auch in vier sogenannte Suiten. Im Zauberministerium klingt die Musik enthusiastisch, dann wird sie etwas dunkler. Die dritte Suite ist elektronisch und das Finale orchestral.


Mein Fazit: Die Fortsetzung „Harry Potter und das verwunschene Kind“ erzählt wie die Vorgänger von essentiellen Werten im Leben: Familie, Freundschaft, Liebe, Loyalität, Suche nach der eigenen Identität und Akzeptanz dieser und natürlich von dem Kampf gegen die dunklen Mächte, die es immer wieder schaffen, zurückzukommen – wenn auch diesmal sehr unerwartet.
Die beiden Teile sind spektakulär und magisch. Eine solche Magie authentisch wirken zu lassen, ist eine grandiose Kunst. Auf keiner Bühne haben wir bis jetzt Vergleichbares gesehen. Das Bühnenbild und die Effekte erscheinen so unglaublich echt und transportieren das Publikum an alle bekannten Plätze unserer geliebten Harry Potter-Welt. Zusammen mit der Musik entsteht ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk – Nostalgie und Gänsehaut garantiert! Dass wir ein Teil dieser magischen Welt werden durften, haben wir aber auch dem unglaublichen Cast zu verdanken! Wir sehen auf der Bühne alle Fan-Lieblinge noch einmal und schließen auch die neuen Charaktere sofort ins Herz. Die einzelnen Charaktere werden in ihrer Mimik und Gestik bis ins kleinste Detail perfekt und liebevoll von den Darstellern verkörpert. Genau so habe ich mir immer Harry Potter, Hermine, Ron und die anderen als Erwachsene vorgestellt. Und so habe ich mir die Kinder von Ron und Hermine und Harry und Ginny ausgemalt.
„Harry Potter und das verwunschene Kind“ ist für jeden Harry Potter-Fan und Liebhaber der großen Kunst ein Must-See! Die Umsetzung des Theaterstücks auf der Bühne ist genial, originell und bezaubernd. Also nehmt so schnell wie möglich einen Zug und fahrt endlich ins Mehr! Theater am Großmarkt in Hamburg, wo sowohl Zauberer als auch Muggles in eine zauberhafte Welt eintauchen.

Praktische Hinweise: Die Fortsetzung wird in zwei Teilen gezeigt. Das erste Theaterstück läuft von 14:30 Uhr bis 17:30 Uhr (inkl. Pause) und das zweite Theaterstück beginnt um 19:30 Uhr und endet um 22:30 Uhr (inkl. Pause). Gegenüber von dem Theater liegt gleich ein kleines Gebäude, in dem man vor dem Theaterstück oder in der großen Pause etwas Leckeres essen kann (Burger, Pizza, Suppen, Kuchen etc.). Man kann aber auch den 1. Teil an einem Tag und den 2. Teil am darauffolgenden Tag besuchen. Allerdings kann man nicht nur ein Theaterstück besuchen, sondern muss die beiden Teile zusammen buchen und sehen.
Wir nächtigten in dem Hotel Mercure Hamburg City, das nur 300 min. von dem Theaterhaus liegt und über maritime Zimmer und ein reichhaltiges Frühstück verfügt.
Man darf keine Fotos und Filmaufnahmen von dem Theaterstück machen – auch nicht am Ende! In dem Theater gibt es einen wunderbaren Fanshop, der jedes Harry Potter-Herz schneller schlagen lässt. Ich habe mir gleich einen Harry Potter-Schal gekauft, was auch aus praktischen Gründen sinnvoll war, da in dem Theatersaal eine wirklich sehr gute Klimaanlage läuft.

Text © E. Günther (Blogseite "Mein Event-Tipp")
Kritik zu: Madre®
„Die höchste und tiefste Liebe ist die Mutterliebe."
(Ludwig Feuerbach)

Die Beziehung zwischen einer Mutter und ihrer Tochter besteht aus einer reiner und selbstloser Liebe und ist unglaublich stark. Das ist auch der Grund, warum das Theaterstück MADRE der Regisseurin 
Réka Kincses sofort mein Interesse geweckt hat. So besuchte ich am Freitag, den 29. April 2022, die Inszenierung der mallorquinischen Dramatikerin Marta Barceló (übersetzt von Birgit Kirberg), die mich sehr stark berührt hat.

Doch wovon handelt das Theaterstück MADRE?
Eine Rentnerin lebt alleine in ihrer Wohnung und fühlt sich einsam, da sie keinen hat. Sie gibt eine Anzeige auf, in der sie angibt, dass sie eine Tochter sucht, für die sie die Rolle einer Mutter übernehmen würde. Auf diese Anzeige hin meldet sich eine junge Frau. Gemeinsam einigen sie sich auf einen Vertrag, der ihre außergewöhnliche Mutter-Tochter-Beziehung regelt. Selbst die Zahl der Besuche und der gemeinsamen Mittagessen wird detailliert bestimmt. Hat so eine Beziehungsform Erfolg oder ist es ein reines Geschäftsmodell ohne Gefühle?

Wera Herzberg spielt auf eine authentische und herzzereißende Art und Weise Felicitas, eine Witwe, die für die Aufbesserung ihrer kleinen Rente ihre Dienste als Mutter anbietet. Seit dem Tod ihres Mannes fühlt sie sich einsam und will wieder einen Sinn im Leben haben. Ihre Rolle als sorgende und liebende Mutter nimmt sie daher sehr ernst und erfüllt ihre Aufgabe sehr gewissenhaft. Sehr überzeugend und emotional von Wera Herzberg dargeboten.

Inka Löwendorf überzeugt auf ganzer Linie in ihrer Rolle als Anna. Anna hat alles in ihrem Leben erreicht. Sie ist eine toughe und erfolgreiche Karrierefrau. Doch die Vergangenheit lässt sie nicht los. Als Waise musste sie schon in ihrer Kindheit das Gefühl der Einsamkeit und des Zurückgestossenseins erfahren. Das hat sie bis heute geprägt. So kann sie auch als Erwachsene keine Bindungen eingehen und ist unnahbar. In ihren bisherigen Beziehungen hat sie sich als schwierig gezeigt. Es kommt ihr daher gelegen, dass sie die Beziehung zu ihrer neuen Mutter durch einen geschäftlichen Vertrag definieren kann. Wie die erfolgreiche Frau Glück inszenieren kann, weiß sie, schließlich führt sie eine erfolgreiche Werbeagentur. Sehr ehrlich und bewegend von Inka Löwendorf gespielt.

MADRE ist ein Stück über Liebe zwischen Mutter und Tochter, über Einsamkeit in einer anonymen Welt und über Sehnsucht nach einer glücklichen Familie. Und was bedeutet überhaupt Familie? Kann man die Liebe einer Mutter und die familiäre Idylle kaufen? Die Musik des Regieassistenten Daniel Baumann sorgt dafür, dass die Emotionalität des Theaterstücks unterstrichen wird und man noch mehr ergriffen wird.

Mein Fazit: Das Theaterstück MADRE ist sehr berührend und ruft verschiedene Gefühle beim Zuschauer hervor. Am Anfang habe ich sehr viel gelacht, da man auf eine humorvolle Art und Weise mit den typischen Merkmalen einer Mutter-Tochter-Beziehung konfrontiert wird. Und am Ende habe ich viele Tränen vergossen. Dadurch, dass nur zwei Darstellerinnen auf der Bühne stehen, ist das Stück sehr intensiv. Die beiden Darstellerinnen spielen sich mitten ins Herz des Publikums und man fühlt und lacht mit ihnen. Eine außergewöhnliche, herzliche und sehenswerte Geschichte auf der Bühne des Heimathafen Neukölln!

Parktische Hinweise: Das Theaterstück MADRE dauert 90 min. (ohne Pause) und ist zum Teil mit Übertiteln in Englisch und Spanisch. Mütter und Töchter bekommen ein gemeinsames Ticket zum Preis von 13,00 Euro pro Person.

Text © E. Günther (Blogseite "Mein Event-Tipp")